Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 20 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
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SM» 310 .Dr. mm** «». 20 ersparen, daß sie in der Verfechtung der Wischen Rechte in den DLasporaWndern von Anfang an jede Energie und namentlich auch jebe& einheitliche geschlossene Auftreten, vermissen lassen. Wie sehr dieser Vorwurf berechtigt ist, beweisen die für die Situation sehr bezeichnenden Auslassungen des führenden Mischen Blattes Englands, des „Jewich Chronicle" vom 18. April. „Eine große Anzahl von Juden aus den verschiedensten Landern ist zurzeit in Paris versammelt, die alle von dem Wunsch, die Wischen Interessen beim künftigen Friedensvertraq zu schtchen, dorthin geführt wurden. Wir wollen hoffen, daß die jüdische'Sache so Mt geschützt wird, wie nur irgend möglich. Uns .fällt jedoch die zufällige Art und Weise auf, in der diese Delegationen zusammengekommen sind. Sie sind, wenn wir so sagen dürfen, ein Gemisch Wischen Atome. Sie scheinen ohne Berufung gekommen zu sein und sich gesondert von anderen gehalten zu haben, trotz ihrer in hohem Maße gemeinsamen Ziele — wenn es nicht gerade Herr LucKn Wolf gelungen ist, .sie zusammenznVringen, wie es seine vor einiger Zeit verkündete Wffcht war. Das Lilles ist natürlich sehr charakteristisch für Wische BedinMngen und Methoden und spiegelt getreulich die SiÄation des Judentums der ganzen Welt wieder. Mer ist es Zuviel erhofft, daß sich , aus diesem Gemisch eine \ bestimmte und feste Organisation entwickelt, die für die Zukunft in gewissem Maße internationale Wische Zusammenarbeit gewährleistet? Notwendig ist eine Liga der Juden. Wir hoffen, daß die Delegationen in Paris nicht aüseinandergehen werden, ohne eine permanente. Körperschaft Zu bilden, der bestimmte Aufgaben über-' tvltz^n werden, besonders düs Recht und die Pflicht, re- Pvasentative Juden aus allen Ljändern periodisch oder jedenfalls in dringenden Fällen zufammeUZurufen." Das ist ja alles! schön und gut, nur scheint es uns! vor allem dar aarff-arMbammen, daß diese -Mechvden^ nrrd dieser-' Wirrwarr nicht erst dann überwunden werden, wenn es Zu spät ist, und daß „eine bestimmte und feste Organisation die internationale jüdische Zusammenarbeit gewährleistet", nicht erst für die Zukunft, sondern für die unmittelbare schicksalsschwere Gegenwart, für diesen entscheidungsreichen Augenblick in Aktion tritt. Wir wissen nicht, ob Pies augenblicklich tatsächlich der Fall ist, ob es gelungen istzfrüh genug der Schwier rigkeiten Herr Zu werden und eine gemeinsame einheitliche und zielbewußte Aktion für die Wischen Rechte durchzuführen. Bereits Mitte vorigen Monats hat bekanntlich im Hause des Wischen Konsistoriums in Paris .eine Aussprache Zwischen dem Komitee für nationale Rechte der Juden der Alliance Jsraelite Universelles und dem Jöint Kommittee in London stattgefunden, die der Möglichkeit der Zusammenarbeit galt. In dieser. Beratung, die unter dem Vorsitz von Louis Mars hall stattfand, vertraten Sokolow, Thon und Uffischkin die Zionistischen Grundsätze, und außer Men kamen noch, von gegnerischer Seite, der Präsident der „Miance" .Satz «deren Sekretär BigM» der Präsident der Joint Kommjttee Wolf, ferner Reinach und der frühere englischjüdische Minister Samuel Zum Wort. Ans Vorschlag des güliZischen Vertreters, Dir. Leon Reich, wurde ein Ausschuß Zur ArMlug der Entwürfe Mr eine der 'Friedens-. ikonferenZ - Zu unterbreitende Denkschrift eingesetzt. .W wurde dabei 00 BestrMn 'anden Tgg gelegt, eine .gemeinsame DurchWrung her Aktion zu ermöglichen, lieber die Ergebnisse dieser Beratung ist indessen nichts bekannt geworden, und der durchschlagende Erfolg, der Politik der Herren Paderewski und Dmowski spricht 'ja dafür, daß diese ALiönfalls! .ste überhaupt stattfand, eine bleibende Wirkung kaum Geschieden war. Es steht j^wch Zu hoffen, daß es sich bei der.gegenwärtigen nicht vm Endgültiges und AlWschloffenes handelt, sondern um eine vorMeMhende zeitweilige 5hinstellation. Wie der Vertrjag von Versailles nur einen Entwurf darstellt, so dürfte auch der in ihm ausgesprochenen vorbehaltlosen Äüslieferung, des Wenlchen, westp.reußischen und oberschlesischen Judentums! an Molen nur die Bedeutung eines' vorläufigen Modus zükommen« die einer endgültigen Prüfung und Regelung der Dinge nicht standhälten wird. Wir vermögen nicht Zu glauben, daß die bei der Auslieferung von Beffarabien und! Siebenbürgen an Rumänien gemachten Fehler in Posen, Oberschlesien und Westpreußen wiederholt werden. Das Wische Blut, das in diesen Dagen. aus der Erde Polens und Galiziens schreit, ist ein furchtbarer'Warnungsruf, der nicht Werhö.rt werden wird?. Die L e Le n sfrage der Juden Posens, Westpreußens und OberWesiens ist ein Punkt, Mer den es keine Meinnngsberfchie^ idenheit innerhaW der Wischen Richtungen selbst geben ' kann, der dazu -angetan ist, die Möglichkeit und Notwendigkeit des geschlossenen Äuftretens aller Gruppen auch denen, die aus EigenLrö-delei oder auch aus Grundsatz der Einheitlichkeit im Wtzctze stehen, vor Augen zu führen. Der Vertrag von Versailles ist nicht, nur M das deutsche Volk, sondern auch für frag jüd is ch e Vo lk unannehmbar. Wir lehnen ihn ah im Namen der Gerechtigkeit, der Menschlichkeit und der Kultur. K. f. d^ O< Vom Aabrmarkt des Lebens. Slsffcn zur Hagesgeschichte. Aus Wien wurden die Christlichsozialen hinausgeworfen. Nun ziehen sie sich in die Länder ZurM und. tun nun von hier aüs der Residenzstadt jeden Tort an, der ihnen einfällt. Sie lassen keine Währung herein eingestellt. Sie'ljasW ' keinen. Wiener heraus und HMen ein ReichsMetz in dieser Richtung mit scharfen Gegengesetzen beantwortet. Ihre Presse in den Ländern Verkündet, daß die Staaös?- rogierung nur eine StadtrMerung für Wien fei und nichts, weiter. Daß sich in ganz Deutschösterreich der Ruf erhebe „Lps^vlon Wien!" Daß man von diesen 'Bettlern nichts meh!r wissen wolle. Es ist also, ganz klar, fraß die Christlichsozialen den ganzen. Staat zertrümmern wollen, weil ihre Herrschaft Zertrümmert wurde. Daß ihnen am Wohlergehen der Bevölkerung gür nichts liegt, sondern, nur an ihrer Macht., Daß sie es gegen Wien weit ärger treiben als die Entente und daß sie . den verschrienen italienischen Egoismus stark Übertreffen. Gehen wir nun einmal der Frage, nach, wie das alles gekommen ist.; Bor der Wahrheit und der Geschichte steht es 'fest, daß die Christlichsozialen an dem großen Morden und Elend in' hervorragendem Maß schuldig sind. Sie wären die Kriegspartei und vom Erzherzog Franz Ferdinand. bis Zum letzten Hurrah-- Offizier waren alle KriegAh'etzer ihre Anhänger. Im Rathaus und in der christlichsozialen -Presse, wurde zuerst mit dem Säbel und dann Ms der Trommel geraffelt: Durchhalten, durchhalten! Zugleich wurde jene unsinnige Nationalitätenpolitik. unterstützt, welche in den jetzigen Nationalstaaten, den glühenden Haß. erzeugten, der schließlich zum Wfall und zur Zersplitterung führte. AM die, Monarchie in ihren letzten Zuckungen lgg, beförderten sie christlich soziale und . deutschnationale Wtzgebfrr vollends Üns ^Jenseits. Nachdem nun daß! groW Ünglück hereine gebrochen war und die schamlos, belogene und betrogene Bevölkerung bei den WMen Gericht hielt, flogen die EhriMchfozjalen und ihre schmutzige, und unfähige Verwaltung ^nauA^Staft.- nun- ...ßirWsehen-' daß sie .die dreimal Schuldigen sind, statt sich reumütig Zu unter-