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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-23 · 20 (23.5.1919) · p. Seite 293

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
20 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 293 (sequence 1)
Language
German
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Är. Dr. Bloch s Sastrgasg XXXVt Zenttalorgan kür die gesamten Interessen des Zudentums -- Wien, 23. Mai 1918. Erscheisk jede» Freilag Brief-Adresse: Wien, 11/1, Pralersiraßr Är. S Telegramm-2!dresse: Bloch's Wochenschrift Wien JrUjali: LeiLartike!: Der VrrsaiLer Entwarf und die Zudenfrag«. — VomJahrmLrkt des Lebens: Glossen zur TageSgeschichte. — Die jüdischen Vertreter in Paris und die Polen. — Polnischer Zeitungston. — Neue Exzesse gegen die Juden in Polen. — Britische Juden und „fremde" Juden. — Palästina. Prof. Masaryk über den Prozeß in Polna. — WaS die Kriegszensur wahrend der Kriegsdmrer zur Veröffentlichung verboten hat. — Korrespondenzen: Aus der öffentlichen Sitzung der israelitischen Kultusgemeinde vom 19. Mai 1919. — Die Schweizerfahrt Wiener jüdischer Kinder. — Aufruf für die Pogromvpfer in Rzeszow! —Ein jüdisch-pädagogisches Archiv. — Zusammenschluß der Ofijuden in Deutschlcmd. — Vermischtes. Feuilletou: Die Punier unter römischer Herrschaft. — Eistk Schestel. — Inserate. n-—:-er Bezugspreis: Halbjährig... 10 Kronen Ganzjährig.-.. 20 Kronen Einzelexemplare 60 Keller . 'Anzeigen : Me 2mal gespaUeiw PeMzeUe 70 Keller. LI---------□ Postipartzüsirneml . Clearing-Verßehr: 810.976 BQ . DedakNon imb Admlnifiral'wn: Wien II/i, Prakerstraße 4ir. 9 Telephon '45.359 □. •D ' Irr Uersa'rller Entwurf und die IAdeufrage. L.' U. Der VertraMntwurf, der am" 7. Mai den deutschen Vertretern in Versailles- Überleben wurde) beansprucht auch vom jüdischen.Standpunkt bas' lebhafteste Interesse. Dieser 'Vertrag wird nicht verfehlen, in der ganzen jüdischen Welt tiefes Erstaunen, ja Erschrecken chervorzurufen. Ueberall.dort, wo Juden leben undMmpsen,- in der alten und in der neuen Welt wird «mit sich fassungslos fragen, wie es möglich war, daß der Herrschaft eipes Volkes, das Lemberg, Pinsk und Wilna verschuldet hat, obendrein noch die Juden Posens, Westpreußens' und Oberschlesiens ausgeliefert werden. Man wird sich des Gefühls tiefster Empörung nicht erwehren können Mer den raschen Lohn, der den Helden von Lemberg, Pinsk und Wilna und deren Helfershelfern, Verteidigern und Protektoren Zuteil geworden ist. Jeder Tag, jede Stunde bringt neue Kunde von blutigen JudeMerfolgungen in Polen, bringt neue Hiobsbotschaft ten/aus allen lenen Gebieten, Die vom Fuße polnischer Eroberer betreten werden. Der Zug der polnischen Legionäre durch Litauen ist für die Juden dieses Landes zum KreuUug geworden; dünner ist unter Polenherrschast Judenblut geworden als Wasser. Dieses alles ist der Weltöffentlichkeit nicht verborgen geblieben, und man durfte glauben, das in diesen Jahren des Unheils in todesähnlichen Schlaf versunkene Weltgewissen wäre durch die Hilferufe der Gemarterten, und das Todesröcheln der Blutzeugen wachgerüttelt worden. Man durste glauben, daß. die englischen, französischen und ^amerikanischen Kommissionen, die in Lemberg geweilt und ihren Völkern, der -ganzen Kulturwelt Kunde jener Taten namenlosen -Entsetzens, jenes Ausbruchs menschlicher 'Erbärmlichkeit gegeben haben, die auf dem Boden Galiziens Ereignis ^geworden sind, — daß alle diese unbestechlichen Zeugen' namenlosen Leidens und Verfolgungen wehrloser Menschen der gesamten Kulturwelt die Äugen darüber geöffnet hüben, daß die Pflicht des Eingreifens einem solchen Volke gegenüber noch gebieterischer und unabweisbarer sei, als etwa gegen die Chtnaboxer und einem mewffchenfresserischen afrikanischen Stamme. Sollte nun diese Kulturwelt, sollten England, Frankreich und Amerika «entschlossen sein, den Helden von . Wilna und Lida zu hreuen Triumphen p verhelfen? Sollten die Herren Wilson, Lloyd George und Clemenceau, derselbe Clemenceau, der der Judenfrage und dem Judenelend wiederholt tiefgehendes Interesse bewiesen und während des. Balkankrieges mutig für die Juden Rumäniens, - .die „letzten Sklaven Europas" eingetreten ist, — sollten sie gewillt sein, den Lemberger und Wilnaer Mördern den Weg in die SMte Westpreußens und Oberfchlesiens^ zu ebnen? Ist noch .nicht genug jüdisches Blut geflossen? Ist noch Menschenrecht und Menschenwürde nicht genug mit den Füßen getreten? Jeder Tag bringt neue Schrechenskunde — eine Warnung für alle Menschenfreunde. ' Als Vertreter des jüdischen Volkes bei den Friedensverhandlungen weilen gegenwärt'g in Paris .die jiddischen Nationalräte des Ostens und die Abordnungen der zionistischen Organisation und des amerikanisch-jüdiichen Kongresses. Man weiß, daß der 'Einfluß jüdischer Persönlichkeiten aus den Gang der Dinge in Paris auch außerhalb dieser berufenen Vertretungen erheblich ist; jüdische Politiker und Fachberater sitzen in allen Friedensdelegationen, und namentlich in der amerikanischen spielen Männer wie Strauß und Baruch eine bestimmende Rolle. Gewisse polnische Organe lassen sich von ihren Pariser Vertretern ausführlich über den jiddischen Einfluß in Den Friedensverhandlungen berichten. Wir wissen nicht, was die Vertreter des jüdischen Volkes in Paris in bezug aus die Sicherung der jüdischen Rechte bisher geleistet und zu leisten Möglichkeit und Gelegenheit gehabt Hatzen. Wir wollen nicht über „Geheimdiplomatie" klagen, weil wir uns der enormen Schwierigkeiten und Kompliziertheiten dieser Aktion voll bewußt sind. Es sind Fehler gemacht warben. Man kann unseren Vertretern den Borivurf nicht

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