Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 18 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- Seite 266 (sequence 6)
- Language
- German
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Gerte 282 „Tri Bloch 's Wochen schrifl" Nr'..-'. Is geburch. wohnhaften deutschen Smatsbürger^ Mischen Mekenntniffes, daß, unsere Zngchöriaikeit.zum.Judentum! letzMich Re AuaehöriKit W. Mer Rel'^ionsgenoffen-! schuft bedeutet. daßMir jedoch in nationaler Hinsicht Deutsche sind. Vermöge unserer Mütter- und! Umgangssprache, vermöge unseres Erziehungs- und Bildungsganges, vermöge unseres ganzen Denkens und Fuhlens gehören.wir dem deutschen Volke an und d ie se unsere Angehörigkeit lasserr wir uns. weder von deutschvölkischer, noch von südischnationaler Seite abstreiten. - Wir waren und bleiben deutsch! ReichÄibeM ven 4. April 1919". Mer auch die jüdische Jugend in Reich ewberg hat das Wort-ergriffen, um öffentlich von ihrer .Treue und! Anhänglichkeit zum deutschen Volk in dieser Not Zeugnis unsicher, ob der unterrwmmerre Versuch zum Gelingen führen wird. In den späteren Gedchrkblättern über so?/' es 'verzeichnet'ÄeiVün,^. daß-das deutsche- Volt in BöhnHr^ .in Zeiten seiner höchsten Not von sMeir Führern irffe) geleitet und verlassen, war, von -den angefemdeten Juden aber Beweise der Treue und der Standhaftigkeit erfahren ' Habei Weder Lockungen der Mager Machthaber, noch die Schmähungen und 'Beschimpfungen der Pateintteuvschen.vermochten die Judentum Verrat zu. bringen und dem deutschen Volte in seinerN>ot die Treue zu.vM leugnen. Wien, 3. Mai 1919- Siegmnnd Schönau. Asch drril Wahieu. abzulegen. In d-er ^Reichertberger Leitung" publ'^er/epie Mische Jugend eine Erklärung, der wir folgende Stelle entnehmen: „Wir, die Jugend, können, dürfen und wollen nicht von dem deutschen Volke lassen. Wir 'können nicht, denn unser Fühlen und Empfinden sträubt sich dagegen; wir Mrfen nicht, denn ehrlos ist der, welcher seine Heimat in der Not im Stiche läßt; lwir wollen nicht, weil unser Deutschtum unser schönstes Gut und Glück ist. Dies soll Hein Bekenntnis sein.^denn bÄe^nen kann nmn.sich zu.' einer Partei, zu Mer Religion, zu feinem Volke kann! inan nur unentwegt fest und treu stehgU." Während den Patentteutfchen das Deutschtum M Geschäft ist,. Sache des Vorteiles und des Profites,-bewahren und bewähren die Juden in Deutschböhmenibre Treue » deutschen Volke 'in Zeiten dev Not trotz des Schimpfes -der Patentteutscheb und trotz der Bedrohung, die ihnen durch die staatlichen Machthaber in Prag bevorstehen. Eine ächnlichje Erklärung, wie die: , ReicheNberger Juden .haben auch 180 wahlberechtigt 'Juden in Gablonz publiziert. Nun darf ich nicht unerwähnt lassen, daß zu der am 30. März zu einer Vorbesprechung' für Reichen-, berg tagenden Versammlung, die S.adtGrott-an keinen Vertreter entsendet hatte und die 'Gablonzer Vertre er ihre endgültige Zustimmung, zum! bürdenden Beitritt noch ivvn dem Entschlüsse einer nochmaligen lokalen Bera-' ■ tuna abhängig machten. Die Ab.age erfolgte bald, denn - L-r Gablonz hatte man -schon früher begriffen, daß Ich Demokratie und Republikänismus nicht mit. - den ehemaligen Schlagwvrten decken, durch welche «m.an das Volk betört und irvegeführt.hatte; selbst die in Gablonz der alldeutschen .Partei angehörenden Bürger sahen ein — im Gegensatz zu Reichenberig, wo die deutsche Volkspartei (die sogenannten Salonantisemiten) dominier.end ist — daß es nicht so weitergeheui dürLe und man bildete daselbst eine deutschdemokrakffche Vereinigung, die alle bisherigerr Parteien einschließein wftl, alle deutschführenden -Bewohner ohne . fon« fessionellen Unterschied. . W scheint nun, daß. rnan im Böhmerland zur Besinnung zu kommen beginnt und so kam ein neuer vorbereitender Ausschuß zur Einberufung Mer deutsche böhmischen EinheMpartei zustande, einer Bartei, Her alle deutschgesinnten Ähttss^lMtbrschich der Konfession 'angehören soilen. Mittwoch, am 23. April, fand bereits eine gemeinsame Beratung statt, zu welcher zahlreiche ■ Knndaebun^Bstiurmen Vorlagen; dieselben begrüßten freüchi^st die neuerlich in Recheubera em^efttzteir Bestrebungen zur 'Schaffung einer ehrlich Leuffchchr Emheits^ Kartei des freisinnigen Bürgertums, - welcher alle Deutschen ohne Ausnahme angehören sollen!.; Zweifellos werden die' Teilnehmer an dieser - Aktion von Len Doppellputschen als „Mtrünnige" und„Judeninechte" verketzert weÄen. Deswegen ist es noch immer : Fast M Vierteffahrhrmdert wurde die Gern eüws Wien Md mit ihr das'Land Niederösterreich von. eines Partei unumschränkt beherrscht, die in ihrer Eigenart rein Gleichnis im politischen Leben findet. Keine a/ldsre politische Partei, die ihrer Gegnerin die Macht entriß, hat mit soviel Brutalität geherrscht, wie die Christlichsozialen in der Wiener Gemeindestube und im niederösterreichischen Landtage. Lueger, der einstige GünstliW Schöneres, hat alles,' paß ftch deutschuational nannteaus seiner Mächtsphäre entfernt, dieZozialdemokraten und die bürgerlichen Demokraten, zu welch letzteren er sich, solange er inr Gjemeindevate noch in der Opposition war, eine Zieitlang bekannte, verfolgte er politisch und wirtschaftlich mit leidenschafilichem Hasse. Nach dem Schlagworte: „Nieder mit den Juden!", unter hem das Wiener Judentum seit Beginn des christlichfozialen Regimes bis auf..den heutigen Tag zu'leiden hat, ipftd in den Aemtern vorgegangen. Wir Juden der Diaspora sind nirgendsin. der Well veripöhnt. worden. außer platonischer Sympäihien einzelner Kreise könnten wir uns leider nie einer werktätigen Unterstützung seitens der großen Weltnationen erfteuen, «aber die Art und Weise, wie' die Christlichsozialen Wiens, uns gegenüber ihr Programm ein Vierjeliahrhundert hindurch ausWr-l. ten, steht einzig iw der modernen Weltgeschichte da. . Alles, was zur Wiener Kommune zählte, wurde von: Judentum gesäubert? Die Zahl der Präterier ungen jüdischer Lehrer und Lehrerinnen, die - dadurch wirtschaftlich und moralisch aufs tiefste geschädigt wurden, ist eine besonders erklekliche. Jüdische KommnnalbemnteZ die ihren Dienst gewissenhaft, und mit Intelligenz ausübten, amlrden bedingungslos entlasset. Tie diversen 'Kommunikations- und sonstigen Großbetriebe, die die Gemeinde Wien sukzessive in ihre Regü ..übernahm, wurden gleich am Tage der Uebernatzme M denrein ausgestattet. Welches Gefühl der. Beschämung mußte es für den Wiener Juden Hervorrufen, zuzusehen, daß die Gemeindeverwaltung, zu deren Ko stenbestceitung er in vielen Belangen mehrbeitrug als feine n# jüdischen Mitbewohner, die ein Heer von Angestellten, Heren Zahl Hundierttausend Merschritten hat, beschäftig und von dieser Beschäftigunggrundsätzlich. Juden ausschallet. -Dem Mischen Hausierer, der zu den pielen ben-eidenslosen Berufen einer .Großstadt, Lewiß n^ch den allerschlechtesten ausübt, die berufliche Bewegungssrei,- beit in der grausamsten Art erschwerte oder i den Mischcht Viktualien- und Gemüsekramer das Recht, auf . den öffent-i Lichen Wiener Marktplätzen eine Hütte aufzustellen, ver- ' weigerte. Jüdischen Gewerbetreibenden und Kaufleuteu wurden Mündfätzlich Liesernngsofserte für die Gemeind« Wien i'von vorigerem -cch^wiesen - und dies fast, immer zum größten Schüben des Gemeindefäckels.Hingegen werden so m an che' Parteigänger der Christlich so zi alen jetzt, lmchdem sie politisch - abgewirtschaftet ' hüben, bei ihrer - Bilanz die für. sie angenehme Tatsache konstatieren