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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-09 · 18 (9.5.1919) · p. Seite 263

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
18 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
Seite 263 (sequence 3)
Language
German
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»7ttu: ,Dr. BLoH'S WoHeMjLift" Wir sind nun die letzten, welchje die Feindseligkeit gege^j die ohn-ehhr vom Schicksal hart geschlafenen Offiziere mitmachen mobilen, -aber wir sürd gezwungen, scharf, gege^r die Haltung ihrer publizistischen Organe zu protestieren. Diese wollen ihrem Publikum etwas bie en und beule'w zu diesem. Zweck die Anziehungskraft des Antisemitismus aus. In jedem Organ imd in jeder Nummer hekommcn- Hie Juden etwas angehängt, als ob Le M waren, n^ che an dem Unalück der OMiere die Schuld haben. %i*. 'mentlich aber gefallen sich die militärischen Redakteure im Vorwurf der Drückebergerei., Ja wo sind.sie. penn, gewesen, als es galt, die schöne Phrase von her ^Treive Lis in den Tod" in die Tat umzusetzen? Sie haben .Wien mit keinem! Fuß verlassen, sie sind sozusagen unsere .Aufsichtsräte geblieben und haben dafür aewrat, daß sausende jüdische Väter ihren armen. Kindern weggeischossen werden, die nun unsere Waisenhäuser fü-lea. Sie donnern gegen die jüdischen Flüchtlinge, aber sie haben nicht geholfen, die aalizijche Front zu schlitzen und die Evakuierung Galiziens von der Zivilbevölkerung zu Verbindern. Sie haben sich darüber aufgeregt, daß. so viele Juden enthoben wurden, aber uns ist fcat eiuziaer Fall bekannt, daß von den Mitarbeitern der militärische«. Organe auch nur ein einziger auf dem Felde der Ehre geblieben ist. : Woher also der Mut dieser Militärjoürnalisten, über die Juden loszuziehen, nachdem sie den M.-t verloren hüben. Mer Die Volkswehr zu schreiben? Sie stitd wirklich die letzten, lvon heneN hich di« Juden l8esud-ehr.zu lajfca brauchen. Denn es gehört eine starke Dosis' Unverfrorenheit dazu, jemandem anderen als Verbrechern mv zurochnen, was man selbst begangen hat. Der Sache der Offiziere äb'er erweisen diehe militärifcheia Organe einen -sehr schlechter Dienst. Tenn sie kö-äreu es emeni Beleidigten nicht verwehren, wenn er sich mit der glei^ chen Waffe zur Wehresetzt. Es kann»also ganz leicht geschehen,' daß sich Lste Judendebatte in mne Debatte über die aktiven 'Offiziere im Krvch> verändert. Die ,Christlichfozialen, haben airch so lange Krawalle gegen die. Juden vorgeschlageir, bis allgemeine 5trawalle entstanden sind. Die Offiziersorgane haben also keine Ur jache, scharfe Reden und Handlungen hervorzurusen. Denn man weiß ja nie, wo eine solche Sache aushört und die akäven Offiziere haben nun beute schön einmal bei der Bevölkerung Linen solchen Ruf, daß Niemand in ihrem Glashaus mit Steinen nach jemandem andern werfen sollte. Ein Wiener unter den in München hmgrschAchLeLm Geiseln. Unter den Geiseln, die in München von betrunkenen russischen Soldaten an die Wand gestellt und niedergeschossen wurden, befand sich auch ein Künstler, dessen Wiege in Wien gestanden ist, und der an der Wiener Akademie seine Ausbildung erlangt hat. Es ist dies der Maler Ernst Berger, den sein trauriges und grausames Schicksal im 62. Lebensjahre erreicht hat. Berger hat an unserer Akademie unter Eisenmenger und Makart studiert und in einzelnen seiner Werke, der man sich auch von Wiener Ausstellungen her entsinnt, war er bestrebt, das Makartfche Kolorit sich anzueignen. So entsinnen wir uns eines Bildes „Orientalischer Marli in Venedig" und eines anderen, das die Wasserweihe in Venedig darstellte. In den letzten Jahren hat sich Berger auch als Verfasser maltechnifcher Schriften einen Namen gemacht. Die Ausstellungen der jüngsten Zeit zeigten nur landschaftliche Zeichnungen des Künstlers. Erst Berger gehörte einer der angesehensten jüdischen .Familien Wiens an. Sein Bruder, Dr. Alfred Berger, war jahrelang Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde: sein Vater, Heinrich Berger s. A., war ein eifriger Förderer der jüdischen Literatur, hat für Palästina außerordentliche Opfer gebracht und zählte zu den vornehmsten Repräsentanten des orthodoxen Judentums im alten Oesterreich. So zählen zu den Opfern der Bolschewiken und Kommunisten zahlreiche Juden aus Len angesehensten Kreisen und es steht zu befürchten, daß auch unter den Geiseln der Budapester Kommunisten Echt minder zahlreiche Juden zum Opfer fallen werden. Die anLisemit'fchen Verleumder werden trotzdem nicht aufhvren, Kommunismus, Bolschewismus und Judentum in Beziehung zu bringen. AgiLLtrsn sess» ein jüdffchrs PaßWma. Die „Reichspest" publiziert nachstehende zwei Meldungen : „Die Katholiken der Entente gegen die Errichtung eines Judsnstaates in Palästina. Unter Ehrrnvorsitz des Kardinals Merci.er, Erzbischof von Mecheln, und dem Vorsitz von Josef Rei- .n ach hat sich zu Paris eine Organisation von Freunden des Heiligen Landes gebildet zum Zwecke, sich entschieden jeder Bildung eines neuen Judenstaates in Palästina .zu widerfetzen: Palästina müsse ein wesentlicher Bestandteil. Syriens bleiben. Dieser Tage ist der Kustos des Heiligen Landes, P. Divio llcvi, in Begleitung einer Franzislaner?ommif'o;l in Paris emgeiroffen, um die Interessen der Katholiken für die heiligen Statten in Palästina zu verfechten." „DerErbprinz von Hedschas beim Papst. Benedikt XV. empfing den Emir Faysall, den Sohn des Königs von Hodschas, in Sonderaudienz. Derselbe war begleitet vom englischen Gesandten Sa lis und dem Abt Uö eid, dem Ge'.eralverwalter der Maroniten von Jsdaia, sowie zahlreichem Gefolge." Max Nordrm Mt dem gegenwärtigem Stzmd der Zim nisrnlus unzufrieden. Dem Jüdischen Pretzbureau in Stockholm wird aus London' telegraphiert: In einem veröffentlichten Brief au den Zionistem sührer Rosenthal in New-Iork äußerte sich Mar Nordau in abMliger Weise über den gegenwärtigen S.anid des politischen Zionismus.' Er findet die Vorkehrungen, die von zionistischer und nichtzioußstischer Seile für die indische Ansiedlung in' Palästina getroffen werden, unzulänglich, da sie für eine kleine Cinwackcerung berechnet seien. 'Ebenso tadelt er, daß'die Arbeiten an der Errichtung der jüdischen Universität in Jerusalem zu langsam vor sich gingen. Das alles zeige, daß der politische Zionismus in das überwundene Stadium des Chavvewezionisnms und AchLdEMLürismus.Aurückgefällen fei. ch . .Eine Rede JML SGM. f .Genen das amerikanische Einwanderungsverbot. —Für Palästina.) Dem KopeÄ)!2gener Zionistischen Bureau wird aus Rew-Aor? berichtet: . Bei der.Generalversammlung der I m Migration Aid Society, die am 9. März 1919 staitfand, hielt Jakob Sch iss seine Prytestrede gegen die r eaktiouären Versuche, die. Einwanderung nach den Vereinigten Staaten für mehrere Jahre zu verbieten und führte aus, daß"die jüdische Mn- Wanderung nur. von Vorteil für Amerika 'gewesen ist. Die Läge' der Juden tu einigen Lääder.i werde auch nach dem .Kriege unerträglich sein, da die Gleichberech-

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