Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 255 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17- „M. "BLsch'4- Wschettjchrfft". zubilliAen. Zvenn er 1.M üu.f den. ^Etzprlempe! in Budapest, wo j^chon £ett 60 Jahreir die 0r&el den GotL^sdieM verschönert", beruft und darut fragt, warum nicht Wien davon sich beeinflussen lassen dürfe? Gerade Budapest sollte doch als eine abschreckende! Warnung .vor jeder extravaganten Knltusreform dienen. Das' ungarische Judentum 'bietet das klägliche Schauspieleiner Zerklüftung, beispiellos in der Le'amten Geschichte der Dispora. Die Kultusreformen der ungarischen^ Neologie haben es dah'n gebracht, daß in Ungarn drei Mdische Konfessionen sich gesetzlich konstituiert haben, die jede Gemeinschaft untereinander entschieden abtehnen und nach keiner Richtung ein einheitliches Judentum, eine jüdische Gesamtheit mehr anerkennen woklen. In den letzten Jahren haben bekanntlich die besten Männer des uuWriMen Judentums ihre Lanzer K^aft und Energie dafür eingesetzt, um eine Wieder- Vereinigung der getrennten drei jüdischen Konfessionen .Ungarns hercheizuführenj sie haben mit alÜm Nachdruck auf die traurige Erfahrung hinaewiesen, welch schwere .Schädigung durch diese Zerklüftung bereits das Ansehen und die wicht'gsten Interessen der ungarischen Juden erlitten. Alle Anstrengungen, die getrenmen Teile einander Zu nähern, blieben erfolglosdie Tradition'streuen ^verweigerten beharrlich jedes Zusammengehen mit der Neologie. die jetzt Wohl gerne bereit wäre, im Interesse einev. wieder herbeiLusührenden Einigunig.selbst die Orgel zu opfern. . Allein es .ist bereits zu spät. Die Kluft hat sich imtner mehr erweitert und ist jetzt nicht mÄhr.zu Mev-s brücken.' . l Sollen wir in Wien dieses Beispiel nachahmen? Jetztwo eine Gesamtorganisation am dringendsten notwendig geworden ist, sollen wir das unWrische BeispiÄ befolgen- und das Zusammengehen unmöglich machen? Nach den äußeren Ereagnissen jUiiib^beic inrreven Lage hängt das Schicksal der Judenheit in Deutsch öfterreich davon ab, .ob es ihr gelingen wird. Ich zu einer Organisation zu vereinigen. Davon wird die Zukunft bedingt. Und nur die vollkommenste .Ahnungslosigkeit kann dem Irrtum leben, daß traditionstreue .Juden Wiens sich mit Orgelleuten zu einer gemeinsamen Organisation zusamrnenschließeN werden. Befahren wir die Bahnen der ungarischen Neologie, daun werden auch bei uns die schädlichen schismatischen 'Folgen rricht ausbleiben, die das ungarische Judentum so tief und schwer beklagt. •' Das hieße: aus den Olymp der äußeren Not K>en Ossa der inneren Entzweiung turnten.. - Rellsrat der isr^-theok. Lehtanstatt. - Wien, den 27. April 1919. Sehr geehrter Herr Redakteur! Von befreundeter Seite werde ich daraus aufmerksam gemacht, daß Herr Prof. Dr. Kr guß, dessen Broschüren und Artikel über die Orgel ich nicht gelesen habe, in der ' jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes öon J„etuemr Herumstöbern in dem schon seinerzeit nicht zur Geltung gekommenen Kleinkram und her Tüftelei des halakhiischen Talmuds" redet; daß aus solchen Sätzen, wie iüberhaupt aus dem Eintreten des Herrn Prof. Krauß für die Orgel aus den Geist in der meiner Leitung ünterste-i. henden Lehranstalt Schlüsse gezogen werden könnten, die alles eher als zutreffende wären. Um solchen Schlüffen vorzubeugen, ersuche ich Sie, sehr geehrter Herr Redakteur, höflichst, in die nächste Nummer der. ^Wochenschrift" die Erklärung von mir. aufnehmen zu wollen, daß die Kollegen.des Herrn Hroß Krauß an der. isräel.-theol. . Lehranstalt sein Hervortreten an der Orgelfrage aufs tiefste bedauern. Im voraus bestens dankend, zeichne ich mit dent Ausdruck vorzüglicher Hochachtung jgMvrDr. Schwarz. Kamr ein Jude für Mris Mors! «!nr SttMme abgeßm? Bettrar zur Naturgeschichte eine» Wiener Ermeinderatskaudidatea. Wir erhalten nachstehende Zuschriften: Mährisch-Ostrau, den .26. AprillSIS^ Aus der Kanzlei der Advokaten Dr. Hermann Fuchs unfc Dr/ Josef Ruf eisen, Mähr^,-Ostrau, wird uns geschrieben: Geehrte Redaktion! , Aus den Tagesblättern und insbesondere aus der letzten Rumnttr Ihrer Zeitung vom 25. Aprik 1919 habe ich in Erfahrung gebracht, daß der Gemeinderat Mvisk als Lijtenführer den bis» herigen Obmann des fortschrittlichen Verbandes, Dr. Oskar Hein, als Gegenkandidat im ersten Bezirk für die kommenden Gemeinderatswahlen ausgestellt wurde. Ich halte es nun filr notwendig, einen Vorfall, Welcher sich im Zähre 1915, als Herr MoiÄl -als Zugsführer beim) Infanterieregiment Hoch- und Deutschmeister Nq, 4 «ingerückt i gewesen ist, hier Zugetragen hat. Ihnen zur Kenntnis zu bringen. Der Sachverhalt ist in der angeschlossenen Abschrift der Anzeige, welche ich namens des Herrn Josef Braun, Brauereioerroalters in Mähr.-Ostrau beim Feldgerichte des Militärkommandos in Krakau überreicht habe, geschildert und übersende ich Ihne« .daher «in« Abschrift dieser Anzeige. Aus dem Inhalte derselben werden Sie ersehen, .in welcher Art und Weise Herr Mars k es für gut befunden hat, sich einem ergrauten Beamten, der nur seine Pflicht «füllt hat, xa drnchmeu und hiebei sich airtifernittl cher, üblicher Beschimpfungen der Juden zu bedienen. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß di« Wählerschaft, welche' berufen sein wird, über die Eignung des.Herrn Motrl sich «in Bild zu machen, gewiß ein Interesse daran haben, wird, auch diesen Vorfall kennen zu lernen. Selbstverständlich überlasse ich es Ihnen, über die Art und Weise, in wescher Sie von der Mitteilung.Gebrauch mache« wollen: zu entscheiden. . Ich zeichne , . ' ' , Hochachtungsvoll . > . Dr. Fuchst An das k. u, k. Feldgericht deis k. k. Militärkommandos in Krakau, derzeit in Mährisch-Ostrau. - ■ Joses Braun, Verwalter in Mährisch-Ostrau. macht in? stehende Anzeige: K. u, k. Feldgericht! Am 25. Januar d. F. erschien in .der Kanzlet der Mährische Ostrauer Bierbrauerei und Mahsabriks-Aktiengefellschaft vormals M. Straßmann in Mährisch-Ostrau, deren langjähriger Beamter ich bin, ein Zugssührer des k. u. k. Infanterieregimentes Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, Derselbe stellte an den mit der Erpedilion -betrauten Beamten das Ersuchen, ihm vier halbe Hektoliter Bier zu verkaufen, um dieses Bier ins Feld milzuuehmen. Der Beamte teilte dem Zugsführer mit, daß mtt Rücksicht auf den damals herrschenden Fässermangel das Bier nicht abgegeben werden .könnte. Diese Erklärung d«s betreffenden Beamten beantwortete der erwähnte Zugsführer mit der Bemerkung, daß er .sich hierüber beschweren werde, daß ihm kein Bier verkauft werden wolle und hat »such tatsächlich bei dem Stadtvorstande in Mährisch-Ostra« vorgesprochen. Am selben Tage, um halb 3 Uhr nachmittags erschien nun der Zugsführer wiederum im Bureau, verlangte den Direktor der Brauerei zu sprechen und habe ich als ältester Beamter in seiner Abwesenheit den Zugsführer empfangen. Derselbe machtemir die Mitteilung, er habe das Bier in einem anderen hiesigen Bk:rdepot bekommen» worauf ich erklärte, daß wir leider-nicht kn der Lage gewesen seien, mit Rücksicht aus den herrschenden Mangel ' an .Fässern seinem Wunsche nachgukommen. Ohne jede Veranlassung hat nun der erwähnte Zugsführ« die Aeußerung gemacht, „das M eine jüdisch« Gemeinheit". Ich verwies diese Anrempekung und daraufhin versetzte «ie de» ZugsMrer «tot Ohrfeige.