Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 254 (sequence 10)
- Language
- German
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Srtt» ST« .Mr. BkMs . Pr. n ist -«s himmlische P«ntrr Stoi das wir mutig stritten. And tausend Tode haben wir! . ' Am dirsPanier geMten . . ." .. Dieses'Lied«, irrtümlich Gabriel Messer zugeschrieben, hat in -die verschiedensten jüdischen Bl.üterlleen und Schulbücher Ausnahme ggfcmbcn. Nirgends cm Wort des Befremdens! Nirgends ein Spott Wer das „Pan'er"! Was der Schulchan Arukh (Orach chajjim135) Wer die Hagchaha iDrschreibt, ist eine ganz natürliche Forderung^ Mer warm, jüdisch fühlenden Herzen. Schon Die Kußhände/die der, aMchobenen Thorarolle zufliegen, lind des ein ZeiMw. -Buxtorf in seiner „^nugo^a vJu> ddica, S. 729", schreibt hierWer : „Dieses AmLt heißet Hagbahah Ambt, wird auch um Geld vergantet und verkaufst. Die Frauen in ihrer Abteilung haben hierbei -einen großen EedrLng/um die vergatterten Fenster und Gucklöcher; daß sie auch hie H.» Schrift des Buches sehen und «blicken mögen; denn dieweil sie das Buch nicht küssen können, wie die Männer, so thut ihnen doch das Anschauen woyl." Daß dieses weithin sichtbare Erheben der Thora nicht zeremoniell ebenso, wie das Aus- und Eiuh-eben,. wenn nicht nvch reicher' ausgestattet wurde, ist einfach darauf zurüGuMMn, Laß diese Funktion nicht dkm Kantor zufällt (Ljgl. »Berliner, Randbemerkungen, 2."Buch, Seite 31). Vielleicht wirkt der Akt aber gerade in seiner Schlichtheit um so mehr. Vr- - f Das OrgjLnWtwnskomitee und der GemzeindegesanF. f-' Endlich muß ich die Insinuation ableh.len, als ob ich die Tschiaßnysche Denkschrift und Die Bestrebuu^ün dös Organisationskomitees in Bausch und' Bogen ver-. Würfe und ünleugbare Lebelftäjnlbe „für alle Zeiten aufrechterhalten -volle". Die Schrift desSchFratesTschlaßnY entsprang.einem löblichen Strchen, ^as ich wohl würds^ar weiß. Es ist «me der schwierWten- Aufgaben, vhne beWt-dere H ilfs^ mittel den altjü'öischrn Gottesdienst, der keine Andachtsvarade. fordern von ü-Dtviduellem Leben erfüllt war» auf Wassengebetsversammlungen zuMertragen. In der Synagoge muß Lchen sein, wenn sie ihrem Zwecke dienen soll, lebendige Andacht, lebe..dige Teilnahme am' Gottesdienst. Die Orgel bringt das nicht, sie bringt im besten Fall denaußeren Schein. In Wirklichkeit wird sie zumeist den letzten -Funken! Lehen ersticken und aus!, der GemeindeanhLcht ein Synagoge-ckonzert machend) Der Ehor allein bringt keine Hilfe, er kann nur eine Art akustischer Polizei üben, er kann sehr prächtig llingen — Der Mm ist B nicht gegLben, lebenssigestLLöen M schaffen. Die Gemeinde soll den Chor bilden, hie Gemechde selbst — das allein vermag^ erwünschten Wandel--Au schaffen.^'). Hier, winkt dem OrganisationsVomitee eine schöne verdienstliche Aufgabe, Gesangsvereine ins LÄen zu rufen, die mit Hilfe von Kantoren!- und Chordirigeuten. den synagogalen Gesang pflegen, und deren Mitglieder beim Gottesdienst 5en Übrigen Teilnehmern als Vorbild. - Stütze und Kerntruppe dienen würden. Nicht %vl bedauern 4vüre es auch, wenn dieser und jener erst durch d en GesanWverein den Weg zur Synagoge fände. Es h-cyrd elt sich hierbei nicht um Wege eines 5kunstgesanges, nicht uni Erzielung von Preisen in einem Sängerwettstreit, sondern um den schlichten Synagoge.lgesaug, der die Synago- Memnelodren in jedes Mische Haus und in jedes jüdische; Dhr tragt. . Die OAel aber als Weilmittel für die Schäden an- Mvreisen, ist „ein TruAild, ein Narkotikum für die *) Schon R. Alercrnder Schorr rät den Gemerndemitgliedern, lieber in dir gomödir zu'gehen, als 1>iest in dös Gstteshous zu Verpflanzen^ (Bechor Schor Taan. 12, 2.) 5) Aeocr die^.Durchführung gehe E i n sie i n- M a y e r, Di»' Einrichtung des Esttedienites' Lei -d<y—rsrneti ichen Gemachen des ErotzherzogiuMS Paden, Karlsruhe'1890. S. 21. Massen, ihren Hunster nach Irrealitäten zu.^stillen^.' Schaffet in Wien jüdische GesMlgZvereine und rhr habt Äne Mt' vollbracht! j Unwürdig, nur auf Täuschung berechnend, ist es, wenn Pros. Krauß der RedeivMung sichbsdicjut:dii- „ha r ml o se O r g el", wiährend er selbst EWgeu (Der jüdische Gottesdienst) zitiert, «der die Orgel als hasSchibbolet . im Kampfe umj die Reform bezeichnet. Dies weiteres lesen wir' -über die-,„H arm!osigkei 1" dieser und ähnlicher gewaltsamer EingriffL in den jüdischea Gottesdienst .'bei Elbogen, der doch aus seiner fortschrittliche.§ Besinnung kein Hehl macht: " „In fast allen größeren Gemeinden wurde nach und nach ein Gottesdienst mit Musikbegleitung eingeiihtei, Li: Folge davon war fast durchwegs daß ein Teil der Gemeinde einen besonderen Gottesdienst nach herkömmlicher Art abhielt. In diesem fpalt zwischen den Bestrebungen der Theologen und dem Verständnis der Gemeinden liegt ein wichiiger Grund dafür, daß dir Erfolge der Neformbewegung zu dem Aufwand an Mühe und grast.- Kl jden Erschütterungen des E-ememdelebens' in keinem rechten Verhältnis stehen. Dir örei-en Massen hingegen, deren Leben in Anschauungen und Formen der Vergangenheit rerankert war, gingen leer aus. Die. Geschichte Hat über alle radikalen Umwätzungsn ihr Verdikt gefällt, nur eine an dir Vergangenheit anknüpfends; stetige Entwicklung^ als berechtigt erwjeM. Von ihren,!herosrstechendsten Zielen ist die NeformbeDLgung. am weitsten .entfernt geblieben. Es ist ihr nicht gelungen, die .ängestrebtr Frei-etz in die ^gottesdienstlichen/Formen zu bringen,' dazu mangelte es ihren Anhängern an-Verständnis, an liebevoller Verlirfung. Die Vertrautheit mit dem Gottesdienste hat trotz stirer Verei-lfachung nicht zugsnommen, die Gleichgültigkeit gegen st in; Li.rihtungLN ist gewachsen, sie ist gerade dort mit am größten, wo den Forderungen nach zeitgenlätzen Anlgestaitungen am meisten Rechnüng getragen wurde.". ' Wenn aber Herr Prof. Krauß meint, daß man „daÄ Recht dazu hätte"; den Tempel der Leo.poldftadt für hie Drgel unv den reformierten Gottesdienst zu heääspruchen, so. muß Dem nachdrücklich w'versprochen werden. Solche P/äue und Absichten hätten offen und eh l',ch bckannt- MWen werden -müssen/-bevor' nMv-'ei.üeü'/öffentlichen Ausruf zu Spendensammluncsen für de.i Wiederaufb aü des Leopoldstädter Tempels publizierte. Wenn man eine Spendensammlung eröffnet zum Wiederaufbau einer, bestimmiten S/nä§oge, Ne 'daraufhin eingelaufepen Gelder aber für einen Orgeltempel verwenden willso verstößt das nicht allein.gegen bas jMschie Religionsgesetz, sondern auch gegen die bürgerliche Moral von Treu unid Glauben. Zahlreiche kleinere Spenden Ärme.r kfogar von ärmeren Leuten, die ein Opfer brach/en, um das jü^ dijche Gotteshaus in seiner Schönheit wieder erstehen; zu lassen —, ihnen wird es eine recht unlieibame.lletzerraschung sein/ zu erfahren, daß ihre Spende dazu diesen soll, das Mische Gotteshaus in einen Orgeltempel zu ^verwandeln. - - Aas Wndapester Dorbikd.H E Kr.s ironische Bemerkung: „Sich selbst als Rechtgläubigen, den andern als Ketzer hinzustellün — ach wie köstlich" verrät eine vollständige Verkennung der Tragweite des von ihm in die jüdische GLmei'nschaft hinein- Mwörfenen gefährlichen ZündjWsfch./MirifAtt^j^ - lisikation zum Großinquisitor, ich werfe nilch mchv zum Gewissensrichter aus. Nur Mer emds/,bin''-icht-mirE ün^ Klaren und' muß ich 'warnenid mei^e Stimme erhchen: Wer Liebe zum tJudentum in seinem Herzen^ träA, wird in dieier schweren gewitierschwanderen Zeit, die den weiteren Bestand^ der Kultusgerneinde überhaupt in-Frage stellt, sich wohl hüten, .mit - Vorschläge zu Kultüsre-i formen aufzutreten, welche nur die Gemüter zu eudr.Melen, -die Parteigegenfätze zu flammender Lohe - zu entzünden' Meignet' sind. Wer mit den zeitgjefchchtlichen ' Vorgängen innerhalb des Judentums während dD letz en . - halben Jahrhunderts weniger vertraut ist, darf noch die .Erftschuldigung des Blinden im Porzellanladen.für sich -Hn - Anspruch nehmen. Solche mildernde Umstände sckann man einem Manne, wiie Professor Krauß, unmöglich