Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 253 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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ft*. 1- ,Dr. VWH^s Wochenschrift" Kicke 96» nach persönlichen Eindrücken.^Jahrbuch für Wische Geschichte und Literatur 1904): ,,Dr. Siegmund Steril ein für das höhere Lehrfach ausgebildeter, mit der Hegelschen Philosophie vertrauter, mit ^bedeutenden oratorischen Talenten aurgestatteter Privatgelehrter, kündigte im Januar 1845 öffentliche Vorträge „über die Aufgaben des Judentums und der Juden" an . . . Als der Redner nicht nur die Elemente des derzeitigen Judentums einer strengen kritischen Analyse unterwarf, sondern als "das Produkt 'derselben die leibhafte ^Organisation einer sogenannten „deutschjüLischen Kirche" als ein praktisches Ziel Hin stellte, deren Glieder in symmetrischer Reihenfolge die „Gemeinde"^ dir „Landeskirche" und die „Gesamtkirche" bilden und für deren innere Entwicklung keine anderen überlieferten "Gesetze gelten sollten, als das im Muffe begriffene freie schöpferische Religionsbewutztsein.der Gegenwart.^. — In jener Zeit gestaltet« sich ein (noch fs ideal-platonisch ausgedehnter Ausbau einer ,,deutschjüdischen Kirche" sofort zu 'einem' Programm,;um das sich Gleichgesinnte scharten." Nach (diesem Programm das tatsächlich Ittlter dein Eindruck der deutsch-katholischen WwegunA entstanden war, hattedas österreichische KultiMninisterium so un» recht nicht, wenn es iMer die Pester Resormgenosserpschaft (G. Wolf, Joseph Wertheimer, Seite 226) urteilte: „Sie ist nach ihrer Wesenheit in politischer Beziehung ohne Zweifel dem Deutsch-Katholizismus gleich zu achten." ' Der Referent befürchtet — und diese Befürchtung hat sich bestätigt —, daß mit dieser Rüfonü ..einem 'Sektenwesen Vorschub geleistet wird. Sie droht die religiösen Ileberzeugungen der Juden zu untergraben." Anteynuns an die Zionisten. SchlieWch sucht Herr Professor Krauß Mich Anleh^ ntmg bei An Zionisten, gegen welche -er — „weil? sie hms auf eine abschüssige Bahn mitreißen wollen". — mit; dein ganzen Mbereifer einess,/Judvn. deutschser Natipnalif-- tät" aus .Budapest in einer soeben erschienenen Weiten Flugschrist die Waffen schwingt. (^Die Krise der Wiener Zw, Denschaft. Von Prof. D-r. Sam. Krauß-'Wien 1919"^) ,Jm Klynpfe für die Orgel befindet er, „das radikale Vorgehen der Zionisten" glimpflicher an^usehen, und versteigt er sich M dem Ausruf: „So möge nian Farbe be-- kennen und sagen : wir wollen keinen Galuth mehr" —^ in der Voraussetzung nämlich: ,Mni Zeitalter des Er-- Wachens und des Auferstehens des Judentums" — werde wohl auch dem ReformHrdentum! eine neue Renaissance erblühen lassen. Auch hier muß ich ihm' eirtfe Enttänschun'g bereiten. Moses He ß schreibt in „Rom und Jerusalem" unter) der Kapstelaufschrift „Mesormschwindel, S. 44", folgendtzs: . „Die modernen Religionsreform«tor«n und Religio nsfabritanten sind Sektierer ohne Sekten. Jeder von unfern jüdisHeu Protestanten hat seinen eigenen Koder." „Ich würde'also> wenn Sie das so .nennen wolhm, zu Reformen die Hand bieten, aber sicher zu ganz andern, «lr den von unsern Religionsreformatoren beliebten, flach nivellierenden! Kein altehrwürdiger Gebrauch sollte mir aigeschafft, kein hebrSisches Gebet verstümmelt werden. Vorbeter und Sän^r ^dürfte« Mir keine seelenlos« Instrumente sein; ich würde »ielmehr streng darauf Halten, daß die Gebete und Gesang« .von frommen Männern und Knaben worgetragen würden, die nicht nur den UnsprÄhrn der Kunst,' sondern auch der Religion genügten. Das Bethaus ist kein Theater, und die Vorsänger sollen-etwas 'anderes, als gut« Komödianten fein. Was nicht aus dem Kerzen kommt, kann nicht zu den Kerzen gehen." -- »'^tn Erik kann das Judentum nicht regeneriert, kann es durch Reformen höHstens zur Abtrünnigkeit gebracht werden. Und dar vird keinem 'Reformator und keinem Tyrannen gelingen." Wordiau (Das Juderrtum im IS. Jahrhnn- '„Diese Juden ließen sich leutselig herab^, Juden zu bleiben, brachten Hr Judentum aber in Wnklang mit ihrer Verleugnung jeder messianischen Hoffnung, indem sie «s reformierten, daß heißt feine pralle, ehrwürdig« morganländisch* Tracht durch ein Modepöckchen von flottem Zuschnitt Qiihfb Äüstutz ersetzten. Sie machten d i« Sy n ago g e zueiner Kirche ohne KrH uz." - *; ^Theoretisch war das Reformjudentum das Bestreben nach:«m« »ollständigen und rwrbchaltlosen Anpassung pn 'die neue staat» »ßchtlich« Lage der «n«nzipiert»n Juden, praktisch.««* m «fe« Methode, den endgültigen Ilebertritt zum Christentum allmählich vorzubereiten und zu erleichtern." Achad Ha am (Al peraschat derakhim): „Die Reform ist etwas Künstliches^ etwas, das vor aller Augen, zu einem beftnnmten Zeitpunkt, durch einzelne Personen, aus ihrem freien Ermessen.heraus, zu einem ihnen erwünschte« Zweck gemacht wird . . . Daher erblick« ich muh das Heilmittet für diese Krankheit, wie für alle unsere sittlichen Krankheiten überhaupt. nicht in äußerlichen Reformen, sondern in d«r Einführung „eines Stromes neuen Lebens" in das Herz des Dolles." Ru pp i n (Die Juden der Gegenwa r t).: „Die Reform hat dem Gottesdienste hauptsächlich die Orgel gebracht, das heit sie hat sich dir .Formen dxs christlichen Gottesdienstes zu eigen gemacht.. Die Andacht ist kalt, modern-; europäisch, das nationale Moment ist gewichen, die jüdische Seele hat bereits Toilette gemacht, sie zeigt sich nicht mehr in ihrer eigenartigen Gestalt. Hier ist (alles schön geordnet und geregelt nach. Schemen und Vorschriften. Eine-herrliche Musik mit Orgel, aber das Sichergietzen der Seel« fehlt, die Wärme ist fori. Cs 'hat sich hier etwas Neues, Fremdartiges mit dem Judentum verbünden, ohne organisch zu verschmelzen. Es ist aus dem alten Bethause ein Mittelding zwischen Synagoge und Kirche geworden." Pazmanik (im Jüdischen AlNrjanach -5670): „Man wollte den jüdischen Gottesdienst an den protestantischen, die Synagoge an dir Kirche «npässen man versuchtebewußt den jüdischen Ritus aller seiner Originalität zu entkleiden." „Did Reform war in ihrer Wurzel faul, denn vor allem ging ffc hlllvon aus, daß der jüdische Gottesdienst ..jedes nalioaaljüdischon Erhaltes entkleidet werden" soll^ Und jdarin lag der Samen der furchtbarsten Zersetzung des historischen Judentums, was nicht Klotz von den damaligen orthodore« Juden, sondern von einsichtige» Reformern begriffen wurde." . „Mit einem Mort«: die ganze Reformation in allen tzr«» Schattierungen ging von der Negation der jüdischen Nationalität aus und bezweckte nur die Konservierung „Deutscher mosaischen Glaubens". Der Eolut als solcher wurde ul» »leibende und ewige Erscheinung anerkannt und da« bewirkten die faktischen Resultat« der Reformation: sie «ardch eine Durchgangsstation zur Taufe. So hat die Reformation dazu beigetragen, den Assimilationsprozeß zu entwickeln, jedenfalls,, indem sie ihm den Charakter eines Kompromisse» verliehen hat. Form gerettet, Inhalt hinausgeworsen. Denn im Golut mutz jvd« Reformation unbedingt zur Hörest werden." Endlich eine Konstatierung in „Der Zionismus und seine Gegner" Mer die heilbringende Wirkung der Orgelreform : „Die Nachkommen Mendelssohn werden zwar noch von de« Nichtjud en stets " als Juden bezeichnet und angesehen, sind aber bereits seit.mehreren Generationen gelaust. Don den Nachkommen des eigentlichen Gründers der liberalen Bewegung im Judentum', David Friedländer, ist kein einziger Mischen Bekenntnisse». Der von den Liberalen als ihr Mann angerufene Gabriel Rießer hat nur christliche aNchkommen. Der Sohn des ersten Mannes, der liberal« Tendenzen durch eine Orgelsynagoge zu v«rtreten glaubte, war, als er älter geworden war, der Sprecher der christkatholischen Gemeinde in Berlin. Aron Bernsteins, des Gründers der Reformgemeinde, Enkel ist Kirchenvvrsteher in Charlottenburg. Aus dem liberalen Juden. Lazarussohn wurde der ftomme Christ Prof. Lassoiy. . . . Erstlich liegt es Im Wese» des Liberalismus, nicht religiös zu sein, und dann ist der sogenannte jüdische Liberalismus gar kein Produkt des prophetischen Ideals, sondern nur das Resultat — für die Meisten Juden sogar nur «in« Durchgangsstation — der Entfernung vom Judentum, als für das Fortkommen hinderlich ist." -Auf die Haltung Wolfsohns in dem Kölner Orgelstreit hübe ich 'bereits hinMmesen. Iie KagSaHa. Herr Professor Krauß spottet nrit schulmeisterlichem! UMrl-egenheitsdünkel Wer meine Bezeichnung der Thora als „Panier" und meine Bemerkung Mer den, ferner Ansicht nach, „im jüdischen Ritus gar nicht besonders hervortretenden Akt der „PaniererhMmig" bei der Hag- Whn. Eine Antwort wäre Hier wohl entbehrlich. Die Ged fM«. die sich jeW jDischen Herzens bei Uchem.feiert zichen Akt tzemächtsKin, hat M. M PatzaMeKcher ich seinem erAeifsuden WjmrüM (in L. Ai Frankls „Libanon" 'und sonst) -gesWderl: „Di«« ist die Thor«, die» das Wort. Das .Gott uns hat Gegeben, Daß wir'» bewahr«» fort und f*efc l And trag«« durch das Lck»«." . \