Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 251 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. r? ' ,Mk. MWnMM' CeüefiffT schrisü J«kob Obst aU-v* s >** Buch „Modernes Hrdentum- (1907), in welchem er unseren synägugalen Tottesdienst, Koie er in Wien bestellt Ist, scharftadelt." „Ma»» mag vou deu- Mouue deuten, wie man wiil, — die Gabe besitzt er, ruhig uud richtig zu beobachten." Jakob Obermeyer war Lrhrer an her orientalischen Akademie in Wien; er wurde bestellt zur Zeit einer leidenschastlichcn judenseindlicheu AFitaion, gerade als der Kampfesruf „gegen das Judentum" alle Straßen WienZ Ourchballle. Auf Obermeyer rl'o beruft sich Herr Professor Krauß als seinen. VorMNGr in der abfälligen Beurteilung unseres Gottesdienstes. „Man mag von dem Manue deulleu, wie mcyr will". .Eine merkwürdige Leumundsnote!. Indes die Orgela>si 'währsmänner des Herrn Professor Krauß sind alle mit solchem Schönheitsfehler behaftet. Eine seltsame Vor- . liebe für das Wurmstichige. ' „Man mag über ihn denken, w^e man will." Wie aber wenn irgend einer sich denkt, daß des Iluiors scharfe .. Angriffe und seine schmähenden Bemerkungen Der d^n Gottesdienst der Wiener Judenheit dem 'Screben dienen sollten, arischen Machthabern, Brotgebern, jndm^egnerisch gestimmten Vorgesetz en und ähnlich interessierten Kreisen zu gesa len? Nein, Herr Professor Krauß! Ein Unbefangener wird-dem Zeugnis einen klassischen Wert kaum zu er-' kennen, wen'n der Zeuge ihm mit dem seltsamen Komptiment vorgestellt wird: „Man mag. ,über ihn fceitfeu, wie man will". Obermeyer ergeht sich in heftigen Ausdrücken gegen- . die Gestalt' des Mischen Gottesdienst^ in W en. Er . jtadelt sehr scharf die Kantoren unb hat auch eine ab-' fällige Bemerkung über die Predigt; seine zum Te l häßlichen Bemerkungen über die Mischen Kantoren zitiert Herr' Professor Krauß nicht, und zwar mit allem! Fug, denn er; hat sich bereits einmal hieran garstig die Zunge verbrannt. .. s . - ,.... . : Den Rabbinern gegenüber glaubt er sich solchen Rücksichten überhüben; vielmehr bittet er noch zarte Andeutungen Mer „Angriffe, die gegeli den einen oder an-» deren Prediger, die eine öder die andere Predigt gerichtet worden sind". Mit dem Orgelchema steht das alles in keinem organischen Zusammenhang. Es dient bloß dazu, dem Orgelgegner e'nige Süßigkeiten — in 'Seidenpapier — zu verabreichen. Angesichts der -rauschenden Triumphe seiner Kunst der öffe-ttlichen „Rebe in Propagandaversammlungen zugunsten der Orgel, eform glaubt er sich 'berufen und hält er tS nicht für überheblich. den Rabbinern ihre Menschlichkeit vorzuhal e.c.: Messerscharf- und generalisierend, lauten die .Sätze Obermeyers: -- „Die Predigten sind, nicht mehr das., was sie 'ehemals waren, nämlich Belehrungen ... Die nurderne Predigt i.r mit Schuld an dem Verfall des Judentums, der immer m-ehr zunehmenden Verflachung der jüdischen Kultur , Gewiß ein sehr hartes Urteil Mer die Mische Predigt in ihrer TolälMt. Als Obermeyer es niederschrich, predigte im Leopoldstädter Tempel Adol^ Schmiedl und auf der KanM im Tempel der Inneren Stadt Moritz Gü de mann. Ob d'.e Mische Predigt - seitdem in der Auffassung des Herrn Pro es.or Kra..ß sich wesentlich zu ihren Gunsten geändert hat, das weiß ich nicht, glaube ich auch nickst an..ehmer zu dürfen. Allein eines we ß ich, daß Herr Professor' Krauß an! einer jüdisch-theologischen Lehranstalt zur AusbiLdm.tzt -von Rabbinern wirkt. Hier ist ein dankbarer Boden für seiüen Resormeifer. Warum hat er den I magern dos - Diener Rabbinerseminars, die im Lause des letztenVierleijahrhunderts aus der - Lehranstalt en lassen wordLr sind, nicht während ihrer Studienzeit gezeigt, wie man. predigen soll, wie man die Aufmerksamkeit ver Malen zum ^Zwecke. religiöser Belehrung ertaeät- :mtb: festhälr? Wenn die moderne PrediA schuld U an fom Verfall dB Ju^ dentumS wie dcch yon WcoMor Kragtz grUerufentz .Urteil Obermevers lau. et —, dann ist dfe'e rabb'.n 'He Generaton mangelhaft voraebildet, .und wer a.ders ist dafür verarrtwortlich, als die theologische Lehranstal? Der losgedrückte Pfeil springt zurück und trifft teit: . Schützen. . . Und noch e'ne Kleinigkeit Sein neuerliches Plädoyer für de O^ALkre'orm fei-et also Prof. Krauß mit der Bemerkung ein, daß t: n'ckst der erste, der mit dem Mischen Go tesbienst in We.y unzufrieden sei, sondern Herr Obermeyer habe vor ihm» seine Unzufriedenheit mit diesen Ei.richtuuge t in scharfer Form geäußert. Der Le er muß nun anrehme.-. Obe-meyer ebenfalls eine San'erur-ig durch ei e Orgelre'orm empfiehlt und es ist offenbar daraus abgesehen, solche Vorstellung zu erwecken. In Wahrheit gibt sich O. als schärfster Gegner der Orgelresorm. So l.est maiz bei Obermeyer Seite 11 und 12 wörtlich: „Ich habe besonders in Süddeutschland einige Reformsynagogrn besucht, lleberall viel äuye.ec Glau; und Pomp, oieß besang uud Spiel, ein drei..es Abbilo, eine Ka i x'w des eini ijea Tempels in Jerusalem, des Mischen Natiouathei ig ums, der Wallfahrtsstätte Israels. Die Reformsynagoge i,t lein „Bet- Haleneset", kein Sammelhaus für die behenden und bittenden Juden, die ihren wahren Tsmprk, ihr na.ianaie; Httkstum verloren haben und heute in aller Wett gestreut leben, reine Stätte des stillen Ernstes, der Andacht, der Sammlung. Die Reformmnagoge ist ein Scheintempel, ohne' ei igeuden na.imalen Eharacter. darin ein Kultus ohne religi -je Würde und >' HLc^rnej in ein falscher Tempel, in dem jüh statt der Le i en Operetten t ugr-. rinnen hören lassen, der statt von zartvibrie.enden, ri: Gebete diskret begleitenden Harfen- und Lau enklängen von rauschender Orgelmusik erfüllt ist, welche dir Celle.e übertönt; eine Stätte der Unterhaltung, des .Kunstgenusses", ein Konzert» eine Komödie:" - ' ' Das „vergißt" Herr Prof. Krauß zu melden! Seite 88: „Ein schlichter» frommer Jude/^der heuttu'age nach Wien kömmt und hier in einer. Synagoge in Semei ijchaft ntt ebenso sch.r ytten, ' frommen Milbetenden seine Andacht verrichten möchte, hat nur die Wahl zwischen einer unga ichen und panischen (-rhtcha'tdäischen) „Klaus". Hier wir dort kann er, fern von ag. dem unterhaltenden Singsang u.d fremdartigen ^e enioni.kl der "„Tempel", sein Herz in stiller Andacht vor seirrm Schöpfer aus schütten. Der polnische Jud^ in seiner ,.Klaui" steht rei„iö» und sittlich weit höher als der deussche Jude sei rem „Tempel". Mutz ja selbst Heinrich Heine j.i seiner Sch i't „Kleber Polen" zugeden, datz ihm - im allgemeinen der Charatter des polni chew Juden in seiner Abgeschlossenheit be s:r gefällt als der des laiions« und rrformlüsternen Westju:en. Hei.e sagt: „Trotz der barbarischen Pelzmütze, die seinen Kopf bedeckt und der noch barbarischeren Ideen, die denselben füUen, schätze ih den polnichen Juden weit höher als so nmnchen deu.schen Ju.en, der seinen Lolivar auf dem Kopf und seinen Jean Paul im Kopf trägt" (Heines Reisebilder. Gotha, 1» S. 228).. Das Luch Obermeyers ist e'ne gistige Kamp'schrift >gegeu dcrs mo -erne Judenium; jede, a^ch die Mtt.gste Re'orm wird karikiert, zur Läch riitt ke'tt verdamm:. Ter Wiener Mische Got eMieust ist ihm nicht zu wen'g, er ist ihm zuviel reformiert. Wmn Herr Pro'ef'or Krauß es gieichvohl sert'g-- bringt Ob-ermeyer als Gewährsmann un^ Eide-hllfaö für seine Re'o.mpropagan. a den Leiern vor?,u.ü ,r.n, so bekundet das gewiß eitte itaunenswett^ ötua,ttcrii^?- t. Den Charakter solcher „W'sse-ychaft ttz-.r bewrcrsa, muß ich mir versagen des überlasse ich getrost der öfieatU« chen Beuttei.ung. . . » Für die Tat'ach:, „baß in der ural'en Gemeinde L?on Korfu das „Höre Israel" mit Musillreglettung re- -'zitiert wurde", führt Professor Krauß El e ec Liebermann, Verfasser des M»»2:ruran, von dem! Grätz inder „Geschichte der Juden" meidet daß er später die Taufe genommen und z :m Kaiholiz'smtts.Mer-» -getreten war. Un) da es mir widerstrebt, in Ll. Mle.-,e > heiten des Mischen Gottesdienstes ei. e. Täuil als Kronzeugen gelten zu lassen, beehrt mich Pro essoc ».ra ß mit den: KomplinMt, daK ich „in beliebter Manier u..^ nach bewahrtem Muster'^ chperr Mamr zu verdächtiLevk