Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
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Grit- Lbß „%\\ Mvch'4 Wschenschrifl' Nr. \ t Dös Basilika in Alexandrien Hatte keine Musikinstrumente, darum kann sie unmöglich ein jüdisches Gotteshaus gewesen sein. — .Im Talmud wird sie alss «H11xIidjltit Israels" gerühmt — .Lerr Prof. K^. belehrt mich: „In Alexandrien sei in der beregne.: Beziehung nicht von einer Synagoge die Rede". Un-er „Vaselika" sei hier vielmehr „eine riesige Kaufhalle". eine. Art „Wiener Börse" gemeint. .-„In dieser riesigen KauHalle^ kn der sich Juden der verschied enstcn Branchen zusammenfanden, würde auch gebetet, Md damit den in den weiten Hallen etablierten Geschäftsleuten «ine - ^Mtzfvah" nicht entgehe,, wurde, wenn sie rnit „Amen'' einzufallen . Hatten,. mit einem Tuche, von "ein« Emporbühne aus,, das Zeichen gegeben. Das Ganze ist -so, als wenn an der Wiener Börse sich «in „Minjan" einfände,, dessen Teilnehmer auch den anderen Maubensbrüdern das Nachsagen des „Amen" ermöglichen wollten." Und weiter: „Ein zu Gebetszw ecken rnitv.er^ ^endeter Raum wird von den MMinern „Basilika" genannt, wo man doch sehr gut wußte, daß die heidnische Basilika ein Bau ist, der mit Göt- -trrtzatuen geschmückt P." H^ier denkt der .unbo-» kanaene Leser: „Wie tolerant diese Rabbiner, , die an Lokalen, die' mit Götzenbildern verziert sind, zu beten Leinen Anstoß nehmen"! ' » Nun lese man die Schilderungen der in Frage stechenden Oertlichkeit, wie sie der Talmud (Bckbli Sukr« Sich) bietet: „R. Zehuda sagte:- ^,Wer die Doppelstoa.in Merandrben in Aegypten nicht -gesehen, Hat die Herrlichkeit Israels Nicht geschaut" (lo raah bii'bodan schel Zisrael). Wi: eine große Basilika war sie gebaut. 71 goldene Stühle befanden sich borti . entsprechend den 71 Mitgliedern des Synhedr.ium s. Unermeßlich war die Zahl der Besucher. Zn der Mitte war eine Tribüne (bema) aus Holz, auf der der Chazan ha-kenesseth mit einem Tuche in der Hand stand, und wenn inan Ameü zu sagen Hatte, so schwenkte er das Tuch und das gantze Volk antwortelq „Amen". Man faß da nicht durchLmander üM. - / Dies der Bersichtimbabylonischen Talmud.' Räch' dem pälastinensischen Talmud «i.- Krotochm, S. 55^, wurde von dem genannten Chazan ein Flaggensignal gegebelst, wenn einer aus der Gemeinde, zur Th ora auf g erufen, zu lesen begann.. Nach jedem Segen, den er sprach, erfolgte ein solches Winken mit dem Tuche, worauf biie Gemeinde mit „Amen" antwortete.' Ebendahin lautet f der Bericht in der Tosesta (--<t. Zuckermantel, S. 198h Dort wird noch hervorgehoben: „Nie im Leben kann man etwas sehen, worauf Israel so ganz besonders stolz sein darf (lo rgah kabod gadol? Israel kol jamawh' vis den Gottesdienst in der Basilika in Alerandrien." „Die Herrlichkeit Israels", sein „höchster Stolz" — «ine Art „Wiener Börse"!! Auf den 71 goldenen Ehrensefseln, „den 71 Mitgliedern des hohen Rates Entsprechend", — die Börsensensale!! Mitten im stäubenden Geschrei der Makler und Galopins — die Thoralektron!!^— Wir begreifen, daß — der, freilich von Herrn Profti' Krauß nicht für voll genommene — Grätz auf ein solckM Unterstatt Auslegen gar nicht verfallen ist, daß er sich auch gar nicht daran stößt, daß im gjrr-echischetC Aexandrien eine Synagoge die g riecht s ch e Form einer Baftlrka aufwies. Daß sich bei der Judenverfolgung in Alexandrien unter Vespasian (oder Trajan) die Wut der Judenfeinde sofort gegen die aüe Prachtsynagoge ächtete war natürlich. —In Parenthese : Was hätten die A.exandriner gegen eine „Börse" ü in Krauß haben sollen?! — Grätz schreibt hierüber in der dritten von Rosenthal besorgten Auflage 4. .Bandes seiner „Geschichte"^. 117): 1 „Die uralte alerandrimsche Synagoge^ «in Wunderwerk der «gyptisch-griechischrn Baukunst, von weHer dir Zeitgenossen sagten: „Wer sie nicht geschei^. hat noch nicht 'das. Schönste gesehen^/ wurde bis auf den Grund zerstört. Die. Zeitgenossen konnten nicht Genug die Größe und die Pracht dieser 'Synagoge rühmen. Sir war »rr «ne Basilika gebaut; mit ringsherum lausenden Säulengängen. 70 goldene Sessel »«reu darin sür die 'Aeltesten Ulerandriens ausgestellt, deren Zahl und Ordnung rin Nachbild des Synhedrnr waren. Zedes Gewerk - und Gewerbe hatte in dieser Synagoge eine eigene Abteilung, an welche 'sich die fremden, zugercilen Gewerksleute wenden anschließen konnten. Zn her Mitte derselben war eine Ballustrade von Hoh, worauf der Aufseher stand. So groß war der Umfang der Synagoge, daß einer dazu ernannt werden mußte, eine Fahne zu schwingen, so oft die. Zuhörer aus den Segensspruch des Vorbeteis mit „Amen" einfallen sollten. Diese Synagoge oder Proseuche — wie sie di; Einwohner, nannten — zerstörte Turbo. Seit der Zeit, fügt die jüdische Quelle hinzu, ist der Glanz Zsraels erloschen." Die gleiche Darstellung gM Emil Schürer, der bekannte Göttinger Prosessor und Verfasser der „Geschichtä des Volkes' Israel im Zeitalter Christi". Nach seiner .Meinung kann das von Phllo („i^ r.'-gnuon« r.cl Ca» jnijf L Z0) als die größte und vrachtigste Synaso^ Alexandriens geschilderte Gotteshaüs kein anderes als jene „Basilika" gewesen sein J e\vit.li ü:iicyc!oi ^di a l,p.365). ß dpe nkels Bibel-Lexikon I, 85, schreibt:. '„Der' Talmud preist dis herrliche Synagoge Merandri;nÄ. in der jede Handwerkerzunft ihren eigenen Platz hacke. Zm^Ehor dieses, einer Basti'a ähnlichen Gotteshauses, standen 70 mit Gold und Edelsteinen belegte Stühle, nach der Zähl der. Mitglieder vom hohen Synhedrium," Jo st, Geschichte des Judentums und se'ner Sekten: l(I 353) spricht nach Philo (in Flaccum, 975) von der' Lterandrinischen höheren Verwaltu.igZbehörde, aüäeblich aus 70 Männern bestehend, welche auch in der großen prachtvollen Synagoge Alexandriens besondere goldene Sitze hatten>.... /.Jedes' Gewerbe, hatte in der. großen Sy.na goge seine gesonderten. Sitze..Sie wurde von Tiberius AlÄand^r zerstört/.. (al^o im Kriege der Juden gegen die Römer in den 60 er Jahren von dem bekannten Renegaten, dem 'Neffen Philos). .H a m b u r g e r, .R e 'a l - E n z.y k l o päd ie ^il, '48: - ,^L>ie Hauptsynagoge, ein wahres Kunstwerk, griechischer Bauart. . . .. Eine besondere Abteilung war für dje Männer des Hohen Rates, dis auf kostbaren Sesseln saßen:"- - - - Aehnlich Elbogen, der jüdische GotieZd'enst, das Standard-work über unseren'Gegenstands S. 458. Dem TaLm^ud aberAu imputieren, daß. er eine.-Wiener Börse" eine „Kaufhalle" alsdie „Herrlichkeit Israels" Hrnpveist, haben weder Ei s e n m e ng e r noch Rohling oder sonst irgend einer ihrer Geistesge.tofsen bis scheute gewagt. Nn Professor an der Wiener Israelitisch-' theologischen Lehranstalt hat ihnen) einen solchen ^Fnnd gebracht! mudhassern unglaublich erscheinen. Die Juden Alexandriens sollen in einem Raume gebetet haben, der stilgp; mäß mit Götzenbildern Hätte' geschmückt sein sollen. In demfe'ben Alexandrien, in dem die gewaltsame Äufsttllutt'g von K-aiserbildern in den Synagogen die Juden zur schärfsten Abwehr heransforderte! Die Zuden, die es als einen götzendienerischen Gewaltstreich brandmarkten- /als Herödes am Tempel zu Jerusalem dein römisckM Adler anbrachte!' Die Juden, die, unter ihnen sogar Mitglieder des herodianischen Hauses, mit Erfolg dagegen protestierten, daß Pontius Pilatus'römische SKn'darten mit dem' Kaiserbilde nach Jerusalem bring,entließ; Wiehe auch Schürer^ Geschichte. III, Seite, 528.) Der Herr Professor ruft mir stirnrunzelnd x e.^tbsär-Ä zu: „Weise, gebet acht auf euere Worte!" Nach xiner solchen Leistung muß man ck-agen: bei ihm kände: diese Mahnung zu spät. Drei wurmstichige Kronzeugen. t Die literarische Methode, die Herr Prosessor Krauß für /den Federkampf gegen mich sich zurecht gelegt hat, mit dem Ausmaß dessen, was er als „wissenschaftlich" für zulässig -erachtet, wird am schärssten illustriert durch den „Fall. Obermeyer". . d ,sJch bin nicht der erste., der Mit 'den goltesdirnstttchen . Verhältnissen in Wien nicht zuftieden ist.' Bor mehr als zehn Jahren