Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 17 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 247 (sequence 3)
- Language
- German
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Waren doch die Matadors dieser Partei und ihre Wenn die Wiener Christlrchfoziaken ihrer Pogrom» Kresse schuld, datz KZ nicht rechtzeitig zu einer Verständigung kam, sondern Latz der entsetzliche Krieg weitertoben konnte bis zum vollständigen Niederbruch der Mittelmächte. Sie sind die eigentlichen Schuld träger an allem Elend,-' dem Hunger, der Not, welche die Unglücklichen zur Raserei getrieben. Ganz so, wie in Rußland. . Im Oktoberhest der „Süddeutschen Monatshefte" hat Professor Panl N. Cotzmann eine Sammlung von Aufsätzen abgedruckt, die der bekannte russische Schriftsteller MaXim Gorki in seiner Zeitung „RowosaShisn" („Neues Leben") im ersten Revolutionsjayre vom Mai 1917 bis Mai 1913 veröffentlicht hat. In einigen dieser Aufsätze läßt, er sich auch über die russische Iudeufrage aus,. der er mit dem Blick des warmen Menschenfreundes und des echten russischen Patrioten, den er auch als Sozialdemokrat nicht verleugnet, gegenübersteht. »Man bedenke nur," sagt Gor ki, -.unter den anarchistisch gesinnten Bolschewisten befinden sich zwei Iuden. Ich glaube, sogar drei. Manche'sprechen von sieben und sind üverzeugt, datz diese sieben Simsons den von 170 Millionen bewohnten Tempel Rutzlands niederreitzen werden. Das könnte man dumm und komisch nennen, wenn es nur nicht so gemein wäre. Der rachüchtige Gott der Iuden wollte eine ganze Stadt verschonen, weil sich in ihr unter lauter Sündern ein einziger Gerechter befand. Und Menschen, die sich zum milden Hecland bekennen, glaubendatz für die Sünden von zrpei .oder sieden Iuden das ganze jüdische Volk Lützen mutz. Dann mutzte man auch sagen, datz für den re inras si ge n russischen Sünder Lenin alle Bewohner des Simbirsker.Gouvernements sowie der angrenzenden Gebiete aufzukommen haben." Die „Reichspost" selber schrieb in einem Sonntagsartikel vom 21. Iuli 1913: ' i, 7 „Die russische Erde, durch Jahrhunderte von giftigen Miasmen verseucht.und verschiammr, i,r wie ein Sumpfwaro, oer selbift wenn er gervdet i>i, noch verderbenbcmgenoe Düste ausatmet. Aus den inuinen Biiißlanbs dampfen Kranchsit und Unheil und immer noch wissen wir reicht, was das Morgen dieses Lanoes, dessen Heute schon so kacajtrvpyenhast ist, sein wird." , Tatsache ist, datz der Bolschewismus genau so ein geschworener Gegner der jüdischen wie der christfichen Religion ist, datz die Bolschewisten einen systematischen Ver-tichlnngskampf gegen die jüdischen Eememdeinstitutronen, insbesondere gegen das Rabbinat, führendatz die Kultusvorstände und Rabbinatskotlegieu' aufgeröst, die jüdischen Zeitungsorgane verboten werden, so datz fast aus sämtlichen jüdischen Gemeinden Rutzlands eine wahre Massenflucht der Wohlhabenden wie der Aermsten staltgesunoen hat. . Der berühmte Kardinal Erzbischof M a n n i n g sagte einmal auf einer Londoner Räthausversammlung: „Und nun mutz ich noch einen Punkt berühren, der mir äußerst schmerzlich gewesen ist. Wir alle haben während des letzten Jahres die Antisemi.enbewegung in Deutschland verfolgt. Diese' Bewegung stützte , mir vor - alten Dingen einen heftigen Abscheu ein, weil sie dahin zielt, dir Grunolage des gefeuschaftlichen Lebens zu zerstörelftlllnd dann erfüllte sie mich mit noch größerer Besorgnis, daß sie den Hatz anfachen würde, der in der Tat Äutzland bereits in Flammen gesetzt hat und wer weiß, wohin, -^.noch ausbreiten kann." . - So sprach - ein edler Kirchmfürst prophetisch im Jahre 1881. Eines sollte doch Herr Weiski rchmer nicht' autzer acht lassen: Deutschösterreich ist auf das Wohlwollen der zivilisierten Westmächte angewiesen, deren Vertreter m Wien weilen und Zeugen der Vorgänge sind. hetze und .Fremdenverfolgung nicht Einhalt gebieten» fo lenken sie in Bahnen ein, die unbeirrt nach Moskau führen. ' Vom Jahrmarkt des Lebens. Kkojfen zur Pagesgefchichte. Ter Einbruch in die Lcopoldstadt. — Gegen die Flüchtlinge. ' Es ist also endlich gelungen. D«er Pöbel hat die Sb» renenrufe endlich verstanjden und besolgr, welche von der antisemitischen Presse ausgesioßen würden uud ist in die Leopoldstadt eingedrungen.- Unschuldige Bürger und Passanten wurden Überfällen, wehrloe alle Leute schwer mißhandelt, die Beuteg'er stürzte sich mit Heißhunger auf den Inhalt der Taschen, auf die Kleider, auf alleswas einen Wert besaß. Von den Exzedenteu wurden Schüsse abgegeben und es ist nur einer besonderen Fügung des Schicksals zu verdanken, toerä nicht eine ganzei Reihe von Menschenleben zugrunde ging. Die Bevölkerung Wiens zitterte einen ga.Hen Wend lang und bekam einen Begriff davon, wie das Wüten entfesselter -Elemente und ihr sinnlose Toben aussieht. Wer ist schuld daran, wer trägt die schwere Last 'her 'Verantwortung für die Vorgänge, welche sich jetzt nicht nur in Wien-, sondern in der ganzen Welt abspielen? Erinnern wir un£ nur auf die kurze Zeit zurück, .in welcher der Antisemitismus auftanchte. Europa war ein Rechtsstaat, erfüllt von den Begriffen der Heiligkeit des Menschenlebens und der Sicherheit des rechtmäßigen Eigentums. Ta tauchte der Antisemitismus ans uno erklärte das Leben und das Eigentum der Juden als vogelfrei. Es erfand die Pogrome und führte sie durch. Wenns man den russischen Bolschewiki jetzt ihr Vorgehen, vorwirst — tun sie etwas anderes als was die echt russischen Leute, die schwarzen Hundertschaften längst schon unter dem Beifalls der altti.emitischen Welt uud mit dem Beistand des russischen Militärs im Ghetto durchgeführt hatten? Die gleichen Judenschlach^en wüteten in Rumänien und wurden zur polltijchen Mode des polnischen Kulturvolkes. Die Antisemiten des Westes aber hörten nicht auf, die gleiche Methode auch für ihr« Länder leidenschaftlich zu verlangen. Ahlwardt in Berlin, Rochefort und Drumont in Paris, die christlichsozialen Hetzer in Ungarn' und in Wien, eine ganze Reihet duMer Ehrenmänner wie der Mechaniker SchneLern .Vergani, der von Dr. Bloch moralisch und Wissenschaftlich nach hartem Kampf niedergestreLe Pfarrer Deckcrt, waren in jedem Augenblick bereit, den Pöbel gegen Leben und Habe friedlicher Wischer Bürger anzusühren^ Pater Scheicher hat das auch buchstäblich getan und ijh schon an der Sp.tze einer wilden Horde in ine Leopolpstadst gekommen und anläßlich des infamen Ritualmordprozesses gegen Hilsner waren die Leidenschaften bereits so ausgepeischt, daß man ihren tätlichen Ausbruchs seden Augenblick gewärtigen konnte. Die Antisemiten haben also Gesetz und Recht gewalttätig durchbrochen und die rote Welle, welche jetzt durch Europa zieht, ist von ihnen in Bewegung gesetzt.' Die armen Opfer, welche in der Vorwoche beftat^eL wurden, sind jenen Geistern zum Opfer gefallen-, wekM $e von den Antisemiten gerufen wurden. Damals hat/- die antisemitische Presse sich in Trauer gehüllt, in Trauer: >über ihre eigenen Taten. Jetzt aber kaum sie augesichM der jüngsten Vorgänge ihr Behagen nicht unterdrückenweil es gegen Juden ging. Ohne ein Wort des Kommentars hat sie den gekürzten und gemilderten Wolizeibericht MgedruckL und ausS eijMiM bloß eine'gistM