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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 237

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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3nte 9k. Hi "BLsch-'Ä »schrmchnft" fti DLL die LMuMLS. - Das Jüdische PrrtzLllrmu in Stockholm meldet: Kinrm Pariser TekögrätNm der jüdischen.Tageszeitung „Der Tog" in Nswyork zufolge, setzte sich Wilson dafürein, daß m dem Bökkerbundentwurf auch Bestimmungen über die religiöse -Gleichberechtigung ausgenommen werden, wodurch die jüdische Gleichberechtigung in den verschiedenen Ländern durch den Völkerbund gewährleistet werden sollte, aber die Wünsche Wilsons seien von großen internationalen Interessen durchkreuzt worden, und Wilson habe vorderhand Abstand nehmen müssen, aus seinem Standpunkte Zu beharren. In den Kreisen der Mischen Politiker in.Paris fei man darüber sehr enttäuscht. Man bringe den Mißerfolg im Zusammenhang mit der Tatsache, daß dir jüdischen Delegationen der verschiedenen Länder zu spät nach Paris gekommen seien, man hoffe jedoch, daß es noch gelingen werde, die Mehrzahl der Konferenz untzustimmen, und eine äußerst energische Arbeit in dieser Richtung sei notwendig. In Wilson. werden die Juden nach wie vor ihre Stütze finden. - WchtlinM^end.? Zum längsten Stadtratsb'eschluß. Der jammervolle Krieg, der Europa viereinhalb Jahre nicht zur Ruhe'kommen ließ, hat alle Bewohner dieses Erdteiles wohl tief erschüttert. Im Hanse einer jeden.Familie hat er Spuren zurnckgelassen, die niemals weggewischt werden könne?". Unser Familien- und Wirt- MaftsMen erfuhr durch ihn.eine derartige Erschütte- 'rung,"däß eine Erholung aus derselben zumindest für die gegenwärtige Generation ^als eine Unmöglichkeit erscheint. Gilt dies für alle am Kriege beteiligt gewssenen Völkern, um wiMel mehr noch haben jene bar unter zu leiden, die zu den Besagten Ahlen. Feste, uner» schütlerlich scheinende Existenzen sind zugrunde gelange?!, Hunger und Elend iinb die steten Begleiter a?:f all unseren Wegien. Wien, die sonst: gemütlichste und' vielleicht sorgenloseste Stadt Europas, das jeden müden Welttvänderer Erholung und frischen Mut für den Kampf ums Dasein brachte, dürfte jetzt nächst $e* tersburg die einzige Mitleid erweckende Stadt sein. Wie es um Wien bestellt ist, hat erst jüngst der englische General Srnuts, also gewiß chn objektiver Schild erer unserer Verhältnisse, klar Largestellt. Ist nun die Läge Wiens im allgemeinen eine tieftraurige, urw wieviel mehr ist diese noch für einen großen Teil jei?er.Mischen Flüchtlinge, welche fast seit Kriegsbeginn ihre Heimat, ihr - Hab und Gut v erlassen mußten und hier Zuflucht suchten. Mit welcher Sehnsucht haben sie ans den Moment des Kriegsendes' gehofft und wie bitter enttäuscht wurden sie von demselben. Wohl haben sie sich schon mit der Tatsache vertraut gemacht^ daß sie bei ihrer RüÄehr nach Dause' nichts von dem allen, was sie in jahrzehntelanger uitb mühsamer Arbeit an Wohlstand sich schufen, wieder finden werden, aber daß sie Rühe und Recht ans ihrem heimatlichen Boden genießen werden, war für. sie etwas Selbstverständliches. Das Kriegsende begann-gerade für sie.mit einem neuen Kriege.' Der Osten Galiziens, dort wo die J?chen am zahlreichsten sind, ist der. leidenschaftlichste Kriegsschjauplatz zwischen Polen und Ukrainer!-. In dem blutigen Streite' dieser zwei Volksstämme wird der Jude als dritter verbramrl.ft Nach den Pogromen' iw Chrzanow und s BrzMch .zwei Städte Westgalizlens, folgte Lemberg mit feinem RMrd-Pogrom. Die .Seuchk ist ansteckend. Täglich laufen Berichte auch E den *>tt schiedensten Städten Ostgalizieus ein, die von Grausamkeiten den Juden gegenüber zu berichten wissen. Angesichts dieser Zustände muß. man es wohl von menschlichem Standpunkte beLreifen, daß derin Wien' noch zurückgebliebene Teil der jüdischen Flüchtlinge nicht so leicht zu bewegen'ist, nach seiner Heimat, die in den meisten Fällen für ihn mehr eine Schlachtbank vcbemep zurückzukehren. Selbst wenn sich diese unglücklichen Menschen schon entschließen 'sollten, dem von so vieler Humanität gotrageuen Beschlüsse unserer edlen sozialdemokratischen und christlichsozialen Stadträrsvätern Folge zu leisten, ist es gegenwärtig technisch unausführbar, die Flüchtlinge nach ihrer vermeintliche?: He'mat zu beförderrr Der Weg .über Lenrberg ist infolge des Kampfes zwischen Polen und Ukrainern gesurrt. Auch Ungarn, das jetzt in allen seinen Teile!? Kriegsgebiet ist, kann für den Rücktransport nicht in Betracht kommen, 'somit bleibt nur noch der ebenfalls wenig menschenfreundliche Aüs-- weg der Internierung ftei. Ja, aber wo sollen diese Leute interniert werden? Glauben etwa die weisen sozialdemokratischen und christlichsozialen Stadträte, daß auf ihr Geheiß hin irgendein deutschösterreichisches Krowland sich die Internierung von ehemaligen Kriegsflüchtlingen auf-seinem Boden ge'atlen las en wird? Dies durch Ansitzen, wird selbst dem rnächtigen Staatskanzler Rerr.ier nicht gelingen. Nein! Die in Wien noch vorhandenes: jüdischen Kriegsflüchtlingo aus dem Osten f&tacrt dermalen nur auf radikale Weise beseitigt werden, das heißt, sie in die Donau werfen. Ob der Wiener Stadtrat, nachdem er sich von der Undurchführbarkeit feines Ursprung liche?: Beschlusses überzeugt haben wird, auch zu dem vorgeschlagenen Mittel greifen wird und ob auch dam dieser, wie jener Beschluß mit soviel Freude von der „Arbeiter-Zeitung" begrüßt werden wird und ob sie dann noch bei der Fassung dieses neuen Beschlusses weiter -hoffen wird, daß „mir aller Energie gearbeitet werde, daß er nicht mn Papier bleibe", wollen wir vorläufig Loch noch bezweifeln. Das Argument, daß für die hungerleidende Bevölkerung Wiens durch den Abzug der Flüchtlinge besser gesorgt werden könnte, wäre nur dann berechtigt, wenn das deutschösterreichische Gebiet seine antoch hone Bevölkern rrg aus Eigenen: verpflegen würde, da aber dies leider nicht der Fall ist und diese auf die Gnade der Entente angewiesen ist, so habe.: auch die Flüchtlinge Anspruch auf dieselbe. Die Enten'e richtet sich tei der Verpflegung von Wien nach der Kopfzahl, sie selbst hat nicht soviel lleöerfluß a?r Nahrungsmitteln, als daß sie uns gönne?: sollte, behaglicher zu lebe.:. 'Sollte es nach den: Diktat der „Arbeiter-Zeitung" gehe?: „Für Flüchtlinge keine Lebensmit-etlärten" und darunter die jüdischer Ariegsflüchtlirrge aus Galizien verstanden sein, so konnte ihr vielleicht noch von einer anderen Seite geantwortet .werden, für die Wiener keine Nahrungsmittel. Wien, das z?:r Zeit Luegers nicht mit Grausamsten gegen die Juden Vorgehen konnte, wird es auch nicht vermögen, unter dem .sozialdemokratischen Vizebürgermeister: Reumann und dem Chefredakteur der „Arbeiter-Zeitung' Austerlitz. Unsere Parteinahme si'rr die Flüchtlinge geht natürlich nicht so.weit, daß wir alle ausnahmslos in Schutz nehmen wollten, wir ■ sind ebenfalls der Ansicht, daß all diejenigen Flüchtlinge, die sich aus welchen Grü.rden immer ein einwandfreies Strafdelikt zuschulden kommen ließen, aus Wien ausgewiesen werden. Eine Stadt, die in Not und Elend'lebt, kann nur unp-erschuldete Leidensgenoffen, tolerieren!. Von der Regierung erwarten wir, daß sie nicht, ' wie sie es-seit dem 'Beschlüsse des Stadtrat es getan Kap

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