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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 236

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 236 (sequence 8)
Language
German
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Seite 2*2 „Dr. Bloch s Wochenschrift' Rr.. 16 rrWeilen? Die. Halizrschen zmd bllkowtnelrsischen Jud^-r/ sollen nur zurückgehm Ln Mord und Brands sollerr sichj und i-hre Kinder dem Gemetzel aussetzen. Ein antisemt-' tisches Mittagblatt zog seine größten Lettern hervor, um einen Artikel loszulasfen: „Eine Gefahr für Wien. — 200.000 Galftianeraus Budapest." Es hat aber keine Auskunft darüber gegeben, wohin sich diese armen Leute eigentlich wenden sollen'. De.m sie bekommen in ihre sogenannte Heimat nicht einmal die Pässe und wenn sie selbst zu Fuß gchen wollten, würden sie an zwei Grenzen zurüchrewiesen werden. s Ja, aber Wien lann seine geringe.i Nahrungsmittel nicht mit Einwanderern teilen, werden die Unentwegten sagen. Ein trefflicher Standpunkt, dem die Egoisten-, welche nur für den Augenblick denken, zustimmen mögen.-. Würden sie Ne zuküustM Rolle Wiens als Fremdenstadt in Betracht ziehen, so würden sie vielleicht zu anderen Schlüssen kommen. Aber inüuerhm—lassen wir den Augenblick und seine Not gelten. Warum heißt es in L-er Verfügung mit so hartnäckiger Gehässigkeit immer wieder, Haß. es sich um Flüchtlinge aus den östlichen Teilstaaten handelt? Wenn Wien keinen Raum und l'emck Nahrung.für Fremde hat, dann hat es eben für gar keiu chl Hremden Gastfreundschaft, mag er nun aus den TeilsLaat-en oder aus den Alvenländern oder aus Deutschland komnren. Man könnte den WLeirern eure solche allgemeine Maßregel nicht v erd ernten. Deurr die Wiener .-"dürfen ja Nn-die eigenen deütfchösterreichisch-en Länder ohne Einreisebewilligung gar nicht hinein rund wenn , sie es dennoch Lun, .so werden sie . sofort bestraft und abg-Lschafft, als wären sie selbst galizische. Juden. Warum Men sie al/o nicht nach die'er Sei.e Vergeltung? Weck sie sich einfach fürchten, weil sie sonst erwar en müßten^ daß man bisse Stadt dem Schicksal übei'Ueße. Von Wien aus haben, die Christlichfozialen die Gebiete der alten Monarchie erobert, aber die' Parteitreue schließt nicht aus, daß die Christlich ozialeu am Land die verarmte- . und iherabgetommene Stadt veroaufeu und verraten. So stürzt man sich denn wenigstens zur Befriedigung se'ner schönsten und edelsten Gesiühle auf die. wehrlosen galizischen Juden und weist ihnen die Tür aus- Wien hinaus und ins Jnternierterilager hinein, wo sie wie Gefangene werden schmachten vxüffen. Es wird jedoch bestiunnt e'n- . mal die Zeit kommen,, wo sich die Gerechtigkeit wieder freie Bahn verschaffen wird. Tann wird sich welleicht zeigen, ob es gar so klug und weise war, viele Tausende von . Menschen wie rechtlose Parias zu behandeln und sie . zu Feinden einer Stadt zu nr achen, welche wich er einmal . wird iuternationale Geltung haben wollen. •. Der VZUerbund die G-svechtiZkLit Lcks ZAdsu. Ein Teil der internationalen Frage, die auf dem Versailler Kongreß behandelt meiden muß. ..." Unter dieser Asberschrrft. veröffentlicht .„The Public Ledger" in Philadelphia unter dem 17. DeZember 1916 erneu Aussatz von William Howard Taft, den Früheren PräsiLenten der Vereinigten Staaten. Diese Ausführungen find um so bemerkenswerter, als Taft sls Nachfolger Wilsons zum Vertreter der Vereinigten ^Staaten auf der Pariser Friedenskonferenz bestimmt ist. - > - ,M)ie ernste Anstrengung,, die von den Juden der Verenügten Staaten.unternommen worden ist, ihren Einfluß auf die unhaltbare Situation ihrer GlaubensZenosfen in den entfernteren Landern Europas geltend zu machen, ist oft an dem Argument gescheitert, daß unsere Regierung nicht das Recht habe, sich in die internen Angelegenheiten einer anderen Nation zu mischen.- Dieses 'Argument hat für die gegenwärtige Situation kaum eine Bedeutung. Der beste Beweis hierfür-.ist,, daß die Pogrome und Iüdenverfolgungsn in den Ländern, in denen sie immer existiert haben, andaueru-und daß die chaotische und rechtlose . Lage in diesen Dändsrn eine Mnstige Gelegenheit für die grausame Befriedigung, des Rassen- und ReligionshasseL geboten hat. Im ganzen M es picht zuviel gesagt,^ daß das jüdische Polt m -diesem Kriege inehr gelitten 'har als die Neutralen, mehr als jedes andere Volk, vieRei-cht sogar als Serbierund^Armenier. ' Die wahre .Geschichte ihrer Kämpfe und Verluste in Polen und Galizien ist herzZerrsißend. Wir fünf Nationen, die jetzt den Vertrag von Versailles entwerfen, ,werden die Aufgaben haben, in Polen, in der Mrams Und in den baltischen Provinzen Negierungen einzusetzen. In all diesen Ländern bilden die Juden einen Wesentlichen Bestandteil -der Bevölkerung. In der ckraurrgM Geschichte des Mittelalters finden wir die Juden vor den Bedrückungen und den Grausamkeiten Westeuropas zurückweichen und in das große polnische Reich strömen, dann sich ausdehnen von'der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und von dem Privilegium der religiösen Toleranz eines der polnischen Könige Nutzen Ziehen. Die Ironie der Geschichte.ließ das polnische Königreich untergehen und ein großer Teil von ihm kam' än Rußland, Ibas; die Juden unter seine tyrannische Herrschaft brachte. Da? her kam es, daß zu Beginn des Krieges die Hälfte von den dreizehn Millionen Juden, dieses auf/der Welt gibt, innerhalb der rufsischsn Rayons, in denen es ihnen gestattet war, zu leben, gewesen ish die in der Wirklichkeit mit den: Gebiet, das Rußland den Polen abgenommen hatte, zufammenfallen. Eines der bedeutendsten Projekte, das die 'Mächte auf der Versailler Konferenz zu besprechen haben, ist, in dem Gebiete Rußlands, in dem! die Juden in Massen ' wohnen, ünablMgiäeMegierüngen - zu "erriDen/.7'Wft wurden gänzlich pflichtvergessensein, wenn wir nicht .als fundamentales Gesetz von diesen neuen Republiken verlangen würden, daß die Juden dieselbe religiöse Freiheit haben müßten, wie in den Vereinigten Staaten. Aber wir müssen noch mehr Lun! Wir müssen einen Völkerbund haben, um beachten zu können, daß-das durch den Verlrag geforderte fundamentale Gesetz erzwungen wird. Den Präzedenzfall hierfür -finden wir m dem.Berliner VcaLrage, in dem Bulgarien und Rumänien als unabhängige 'Länder erklärt wurden. Rumänien, das feit langem die furchtbarsten Schandtaten gegen die Juden auf dem Gewissen hat, wurde auf dem Berliner Kongreß gezwungen,, als eine der Bedingungen für seine Konstituierung eine Erklärung abzugeben, daß es völlige religiöse Freiheit gewähren würde und daß keiner seiner Bürger wegen seiner Religion in irgendeiner Weise, verfolgt werden dürfe. Die rumänische Negierung hatte die Anverschämtheit, nachdem diese Bedingung in seine Grundgesetze ausgenommen war, die Juden, die seit zwei- oder dreihundert Jahren in Generationen in Rumänien, lebten, als Fremde zu erklären und zu behandeln. Auf diese - Weise wurde der Schutz der Juden, derin dem -.Berliner Vertrag worgesehen war, zur Farce und das, nachdem Rummnen als Regierung die Unerkennung des . Zusatzvertrages der anständigen Behandlung der Juden. zugesichsrL hatte. ' ' ' Aus dem Vertrag vou Versailles sollen keine solchen Farcen, hervorgehen. Konnten wir ein kräftigeres Argument für die Errichtung unseres- Völkerbundes, finden, als die Durchsetzung der. feylgeschlagenen Verträge des Kongresses von-1879, der unter dem Vorsitz Bismarcks stattfand? Wenn irgendein Doll -ernstlich des Völkerbundes bedarf als eines unbedingt notwendigen Teiles des Vertrages, der in Versailles geschloffen, wlrdhn.wi.-d> so ist es das jüdische Volk." /

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