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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 235

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 235 (sequence 7)
Language
German
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liches Gutachten abgegeben; einen Angriff Habe ich weder provoziert-' noch einen solchen -Won der Gegenseite erwartet. Nur um! meine wissenschaftliche Reputation zu wahren, habe ich wieder, zur Feder Weifen Müssen^ nun das geschehen, Machte ich meine Tätigkeit-in diö-« sem' Punkte M abgeschlossen, es möge von der Gegen-' feite gesagt und geschrieben werden, was mchr wolle;. Ich habe, so hoffe ich, erwiesen, daß «gegen die Einführung der Orgel in den synagonalen Gottesdienst von jüdisch^gesetzlichem Standpunkte nichts vorgebracht werden kann, 'daß vielmehr die alten Zeugnisse für die Musik im Gottesdienste sprechen, daß die Zahl der Zeugen, die G. gegen sie ansührt, sehr reduziert werden kann,*) daß man ferner mit Hloßen Gefühlen und auch mit irreführenden Schlagworten hier nicht auskommt und daß >D unstatthaft sei, eine StimmnncDnchche zu geben!, wo es gilt, zur HÄNng und zur Rettung.dies Juden-' tums mit dchnj Aufgebot -all unserer geistigen Kräfte zu arbeiten. . ' Schließlich bin ich gegenüber deM Publikum die Erklärung schuldig!, daß unsere Bewegung nicht wie Zerr Rabbiner Dr. Grun-wald ihr den Anschein zu geben sucht, sich in der Orgelfrage erschöpft, sondern, wie im Titel der Tschiaßnyschen Denkschrift und in der Benennung unseres Organisationskomitees klar ausg^ drückt ist, eine ganze IReche von „Kultus und Arziehungsg fragen" aufgeworfen hat. Daß Gsich im! allgemeinen Mer sie ausschweigt!, dient uns aG Beweis', daß er die löbliche Tendenz unserer Bewegung nicht in „Zweifel zu ziehen vermag. Um so. mWr befremdet uns«, daß Rabbiner Dr. M. Gruuw ald im> Eingänge feiner Polemik es als eirte „absonderliche Erscheinung" hinsteklt, daß. sich in dieser schweren Zeit Männer «gefunden haben, die sich Mit 'der Reform des Gottesdienstes! abgebM. Dem' Wiener Wischen Opganisationskomitee gereicht es 'öielMM 'MM' hohen MrdiettM daß' es gerade' in dieser so rgenschweren Zeit noch immer so w arm es Inter-, esse für die Veredelung pÄs Gottesdienstes und lür die Erziehung des Wischen Volkes betätigt und .der Herr RMbimr. der müh! in.einer Herbstpredigt des Jahres 1dl8 in beweglichen Worten Mer die Indolenz, der Juden Klage führte, sollte bei diesem Zeichen des Aufschwunges doch nicht von einer „absonderlichen Er-? Meinung" sprechen. „Weise, gebet acht auf eure Morte!"**). i i" Vom Jahrmarkt des Lebens. ' Ktoffen zur Hagesgeschichle. Bor einigen Tagen wurde die Oeffentlichkeit durch folgende schöne WitteÜUM Werrafcht, wehhe in sämtlichen Tagesblattern zu lesen war. . *,): Herr Oberkantor I. Morgenstern, der die lauf Betreiben des- Oberkantors P. Minioikvssty in Odessa lerfolgtk Einführung der Orgel bezeugt, ->.in - Faltung das «andere in Wien lebende Odefsaer Glaubensgenossen ebenso bezeugen können, drückt mit Recht sein nicht geringes Bestemden darüber aus, Latz die Wahrheit feiner. Aussage in einer pvn »der Redaktion gezeichneten Mvfse in Zweifel gezogen wurde. Antwort der Redaktion: 'Herr Oberkantor. Morgen st er,n hat gegen den berühmten Amtskollegen von Odessa die schwere Anklage des Döppelfpielens, der 'Falschheit erhoben, datz 'ft mit der Feder vor der Oeffentlichkeit die Orgelresörm verurteW, in seiner Gemeinde aber die .Einführung der Orgel „betrieben" häbe.Vas Heißt: er trinke heimlich Wiesn^und predige öffentlich WMer. Gegenüber einem Mann vom Range Minkowskys. der. herühmt als Sänger, auch wegen seiner hohen Bildung und seines CHaraflers BerHnmg gemetzt, darf einer solchen Anklagp mir dann ohlle ein starkes sstngezeicheu Verbreitung gegeben werden Äeiznder ArrMger einwandfreie.Zeugen Leibringt. Don den „in Men "lebenden Odefsaer Glaubensgenossen" . hat sich bisnun ikein einziger gemeldet, die Anklage zu unterstützen. \ ' t **)/ Raummangels wegen wird die.Erwiderung Dr. *G>tun* Walds erst in nächster Nummer erscheinen. . X ' „In der „Korrespondenz Wilhelm" wird! verlautbart: Vor einigen Tagen ist an die gegenwärtig kt Wien wohnhaften Fremden, 'die aus den östlichen Teilstaaken der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie nach Deutschösterreich geflüchtet sind, die amdliche Mahnung ergangenehestens wieder abzureisen. Ter Appell hat 'bisher nicht gewirkt und der Zuzug solcher Fremden dauert an. In den Wiener Hotels und Pensionen wohnen! dermalen tausend Angehörige dieser Deilstaaten und.treiben zum Teile einen Aufküuid, der im Gegensätze zu der Not weiter Kreise der einheimischen Bevölkerung steht. Die schwierigen Wohnungs-- und Lebensverhältnisse machen .es den Behörden Mr Wicht, der Frage der weiteren Behandlung der Flüchtlinge tztäherzutreten. Es besteht vorläufig die Absicht, sie entweder..auszuweisen oder sie an solchen Orten unterzubringen, wo ihre Beherbergung und Verpflegung der schwergeprüften Wiener BevöRerung nicht so züm Schaden gereicht, .wie es .dermalen der Fall ist. .In dieser .Hinsicht ist. arh die Wiederbenützung eines oder des andern der ehemaligen Flüchtlingslager gedacht. Die 'bezügliche Mion wird Donnerstag, den 17. d., einsetzen und wird hiebei auf Standes unv Vermögensunterschiede nicht Rücksicht genommen werden." Der Stadtrat hat die Angelegenheit noch verschärft und beschlossen, 'den Flüchtlingen nur für einige Tage Lebensmittelkarten zu verabfolgen und Re «aus dem Osten zugereisten Personen ausznweisen. Man wird diese Verfügung von vielen GesichtspuMen aus besprechen. Man. wird sagen, haß Wien in einer Art Notwehr handelt, daß -es sich bei seinen traurigen Verhältnissen in der Ernährung einen weiteren ZuzNg von Fremden nicht gefallen lassen darf. Dann! könnte man vielleicht die weitere Einwanderung verbieten? Damit begnügt sich nun der vorderhand noch christlichsoziale Stadtrat durchaus nicht, sondern er «geht mit der'Ausweisung der aus den östlichen Teilstaaten der Monarchie vor. Man bemerke nur, wie oft das Wort „östlich" in den Verfügungen vorkommt. Man mußte wirklich nkit antisemitischer Blindheit «geschlagen sein, um die Bedeutung dieses hinweisenden Beiwortes nicht zu erfassen. „D«ie aus den östlichen Teilstaaten der Monarchie nach Deutschösterreich geflüchteten Fremden" heißen jetzt mit einem großen Wortschwall die Mlizischen Juden. Nur werden diese Armen «gegen die neue Verfügung verschiedenes einwenden. '$& sie nämlich nach Wien flüchteten, gab es weder Teilstaaten noch ein Deutschösterreich, .sondern' sie flüchteten einfach vor der über ihre Köpfe und Dlächex heraufbeschworenen Nussenflut als die ersten und'berdanerNswertesten Opfer des Krieges! einfach in die Hauptstadt ihres damaligen Vaterlandes. Sie blieben in Wien vor allem deshalb, weil sie niemals wußten, ob die Kunst unserer Feldherrn einem neuen russischen Angriff standhalten würde. «AM dann der Zusammeinbruch kam, konnten sie erst recht nicht zurückkchrendenn es ging monatelang «alles drunter und drüber, die Eisenbahnen waren blockiert und 'bis heute ist es fast nicht möglich, sie zu benützen. Was aber hat sie zu Hause erwartet? In Ostgalizien spielen sich schwere Kampfe mit' den Ukrainern ab, bei welchen sogar Lemberg beinahe in Trjümmer gelegt wird, die'Bukowina ist öo*tt den rumjKnischen Truppen Merschwemmt. kurz der von den Wiener . Ehriftlichfozialen mit Hellem Jubel begrüßte Krieg dauert bis zur Munde noch immer weiter. Außerdem hatten noch die Polen für ein kräftiges WiMrmmeu gesorgt, indem sie wütende Pogrome veranstalteten und ganze Synagogen mitsamt der Harm versamvrelten Gemeinde niederbrannten. Aber Ms 'bekümmern sich die goldenen Wiener Herzen tzer RaHaNsgewaltigm um solche Klei-

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