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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 232

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 232 (sequence 4)
Language
German
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Sette L4S es' so und nicht anders. Da lobe ich Mir den „refov-' mitxtm" Gottesdienst in Berlin, wo der Rabbiner W diesem "Stück, eigens Die Kanzel be.ritt mid in feierlicher deutscher Sprache, wie Ln Worlen der Offenbarung, die ganze Schönheit und Erhabenheit dieses Stückes endhüllt. Oder m:n nehme Len „Ehrenge Mg", der da Lnh-eöt: „Liebliche. Gesänge will ich vor.ragen, und Lieder will ich aneinander reihen", ein Gesang, der noch immer im „Minhag" von Wien am Sabbat zu Musaph figuriert; wie wird er in diesem Minh g verunziert, wie wird der alternierende Lobpreis im Munde des Vorbeters (notabene: des zweiten Vovbe ers/ denn der erste ist bereits abgetreten) und der Chorknaben zu e'nem - HLUschen Gezeter und Angstrufen von gehetzten Menv HLM, ore rem Ausgang zueilen! Und das alles bei geöf.neter Lade! Wäre es reicht besser, das Herrliche nicht zu berüh ren, als pro sanieren ju lassen? Das Publikum — nun das PubÄtum ist an all idem gar nicht nt es* essiert, denn es macht sich eine Ehre daraus, den „Ehrend gelang" nicht anzuhören. 'Und dieser Wiener Mi.Hag verherrlicht Grunwald grsüh'volen Herzens und.ist bestrebt, dieses Muster eures Go.tesdiens.es für alle Zeiten aufrecht zu erhalten! ' ' Das Judentum vertäut, so sieht man es in Grün- Walds Ausführungen, einerr ganzen Schock Heidentum; es - siecht aber Hirz, wenn der Scha len eines christl chLr Geräts aus sein graues-Haupt fällt. Un er Berufung auf Jore DM 178, 1, läßt Dr. G. ein Mu ck'nstrumentz wie dir Orgel, noch immer unter den Begriff chukrath ha-go: sa len. Man muß sich aber den bezogenen Paragraph j anMm. Nichts als die Registrierung von ein paar Lalumisischen Sätzen, die augen;che nlich auf das atz lanaanäische und syri che Heiden um ^ehen. Wer diese Sätze auf das Christentum bezieh , beendet eine un .ichiM Ausfa'sumtz ß sehr ist der wahve EharÄ.E§ der Sitze unverkennbar und Dr. Grunwald sollte doch wissen, daß im Prozeß Rohlng-Lloch der Der« i:.i siege £};. K o y p vor Gericht erhärten ließ, d ß un er „go." der tülmudischen Quellen nur der Heide/, nicht aber der Christ zu verstehen sei. Dürsen wirres uns erlauben^ r o ■* i m» dem Wor.e und der Sache einen anderen Inhalt zu gebe, i? In Wrrk.ichteit aber ist uns die. Orgel ein Gerat wie jedes andere, das uns und unseren Zwecküa zu passen scheint, und wir denken ch edei wchrer ai 6 fl Kirche, noch aN ihre PrachLentfaltung,. noch auch aa ihre Verboechrn, die sie cm dem Judentum verüb: hat. Ner Mr G. ist die Orgel schnurrstracks die Hinüberleirung zur Kirche. Dies führ: chn zu einer Behauptungdie, wenn sie wahr wäre, der Synagoge kaum zur Ehre gereichen würde. Ausgehend davon. Laß im Mit eipunkte des kirchlichen Gollesdrenstes das Mysterium steht, schreibt er wörtlich: . . ..Diesem psychologischen Moment hat die Synagoge.Rechnung getragen, i.iÄem sie in den Mi, etpunkt de; Goterdi nstes, dortz wo in der Kirche die Myste ie-lchanölunz steht, die Vorlesung aus dcr LHora mit dem feierlichen Ci l- und Aucheben, stellte. Das „Wesoth ha-Thoradies Erheben des Paniers, ... welch' andere Gefühle löst es in den Herren der jüdischen Gemeinde aus, als der Anblick des Venerabile t.i den Gemütern der ch.i .lichen Beter! Man versuch» es nun, sich diesen Akt in unserem Gottes-« dienste von Orgeltönen, begleitet vorzuslellen . . « Vor allem frage ich, warum denn der Orgeltusch, der auch unter Grunwald Duldung das eingehende Brautpaar empfängt, nicht an den fremden Go t gemahnt? Doch/ das ganze klingt ja gerat« so, vielleicht ohne Absicht, als ob nnler Ein- und Ausheüexr und vollends die Erhebung Inseres „Pan'erZ" .einsiGegSn-- stück wäre zum Mysterium der Kirche!Aber kein Mansch außer G. denkt an so etwas. Und ich mrd die tausend anderen, .die in anderen Gemeiulden zu dein feierlichen „Höre noch den ebenso feierlü^n OroMmsivevnehnchn, so daß e& itut fö mWW raüW ünd braust durch die weite Synagogenhalle — wir sühLen unsg<^ hoben durch diese Töne .und denken dabei nicht im ent^ ferntesten an DchsLik und Venerabile und wie.fonstcdiL- Dinge Mch heißen.. Mystik -fljeckt nur Ln den Wor.eN Grünwalds, der diesen im jüdischen Ritus gar nicht sonders hervortrelenden M der „Pani^erheLung" zu einem Akte der Kirche in Beziehung bringt. Selbst LN unseren modernen Tempelnwo das Eia- und Ans hebe:-/ mit Recht so feierlich als möglich gestaltet wird,, wird die hagbichäh (Tho-arrhebung) ziemlich vernachlä sigt,. und in den orthodoxen Tempeln, wo dieser Akt übrigens erst nach der Thoravorlesung! vor sich geht, wird noch weniger beachtet. Dieses Stück unseres Ritus mag . zugleich als .Schulbeispiel, dienen, wie ein und dersel.be Akt sich anders ansmalt in den eirrzelnen Köpfen; was für G. eine Paniererhebnng ist, ist für den jchlichtsa Juden bloß ein Anlaß, einen Thoravers zu rezitieren-, {Bsinans . . nuuan is ist auch die Orgel für einfach denkende Köpfe ein Musikinstrümen.t gleich anderen, siüc den-Voreingenornrnenen jedoch ein christliches Machte mitte! sondergleichen), und wie in diesem Falle ferner der angebeutete Unterschied, besteht zwischen or hodoxem und neologem Ritus, .ein Unterschied, der gewiß unerheblich ist, so-ist auch die ganze Lehre vom „Mürhag" für den Eingeweihten bloß eine Sache der AngewWrUtM und dieser Art sind.fast all die-„Reformen", die wirverlcmgen und die man in anderen Gemeinen bereit durchgeführt hat. Während. Man aber für jeden noch so geringfügigen „Minhag", sobald er nur das Synagogenlebe.r betrifft, ins Feuer geht, und während man die unschuldige Orgel bekämpft, als ob sie eine Ausgeburt der Hölle IMge^Wder,eAMihK daß.sie das Juderrtum im innersten Kern treffe.: sir;>üsM, So mein verehrter Gegners Da er nicht leugnen kann, daß im'a 'ten Tempel zu Jerusa.em die Jnstrumen akluu.if einen breiten Raum einnahm, so sp'elc er dagegen das Argument aus, jene Musik sei nur das Beiwerk zum Opserkult gewesen, und dieser Opseriült, so meint er unter Berufung aus Maimonides,. habe, — heidnische» ChavaAer gehM, d>5nn des Maimondes Theorie gehe dahin, daß das ganze israelitische Opferwe.en nur eine Konzession gewesen sei an das Heidentum, von dem sich eben unsere Väter nicht hätten emanzipieren können. ' Abgesehen davon,, daß Maimonides selbst, dort, wo er das praktische Gesetz registriert, von', den Opserhalchlungrn durchcu-s inc Torre der größten Ehrerbietung! spricht, abgesehen ferner davon, daß des' Maimonides Theorie unhaltbar ist und von den groß en Lehrern des -Judentums auD schärfste bekämpft und verwor.en wurde, folgt daraus nun für unsere Sache, daß G. mit einem einzigen Federstrich der Halste der Thora — denn die HälsM von ihr ist mit dem Opserwefen v oll —^ ein heidnisches Gepväge aufdrückt, um nur gegen die schreckliche Orgel aükäntpfen zu können. Und wie steht es nun mit der Logik? Ein kraftvolles, jugendfrischeL Volk, wie es damals die .Israeliten waren, rich et seinen ganzen, wohligemerkt ganzen öffen lichen Kult nach heidnischem Muster.ein, und wir arme, abgehärmte, just dem Tode des. Galnth mit knapper Not entronnenen' Epigonen und Schwächlin-ge sollen n!icht. das Recht haben, von dem uns so nrachtwoll um-ringenden Ehristentrvm' das arme Vehikel einer Musilentfaltung entleihen zu dürDr?^ Und wie steht es nun mit G. selbst? Die ganzö Opferthvra. ist ihm ein .ärgerliches Ueberbleibsel des Heid-, nischen Wesens, aber er-betet jeden Tag und befonderK im Musaph um baldige und vollst-Lndige Wiederhev- .stellung dies^ Opferknltes und, läßt die GerMinde beM h Ss stM de«» unser- Mbetz KviespreMi 'ÄWcD-

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