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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 231

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 231 (sequence 3)
Language
German
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Seit« 247 Br. >6 . „M MöM MiM Vertreter. für Ne Verhandlungen bestellte, bewiesen, baß er in ernsten Momenten änch MW ist, sich h§on politischer PMeileidenschaft zu emanzipieren. Hat die Bevölkerung Wiens im allgemeinen!UrLache,^ Dr. S chw a,r z- H'iller Dankbarkeit zu bekunden, so sinid wir Juden es ganz besonders. Während viereinhalb Kriegsjahre leitete Dr. S ch w a r z - H i l l e r dje Flüchtl ingszentrale, welche Tatkraft geistige und physische Anstrengung diese Leitung Von ähm erforderte, läßt sich mit Warten gar nicht genug schildern uNd wenn während dieser grausamen langen Zeit. die Lageunserer Stammes- und GlaNöeNsMnossen aus dem Osten - eine halbwegs leidliche war, verdanken sie es' nur ihm. Wie Merall, wohin. e,r durch das Vertrauenseiner MiMürger entsendet wurde, w irkt er auch im Vorstände der' israelitischen Kultusgemeinde in allen Fragen mit besonderem Erfolge.. Ans seiner Liebe und Treue^zum Judentums das er erst aus seiner intensiveren BeMigunig für djassÄbe näher feinten lernte, macht er kein Hehl. Die Juden des Ostens, die sonst in Wien nirgends viel Sympathie begegnen, haben in ihm einen aufrichtigen Vertreter ihrer ge« rechten Interessen. Die jüdischen Wähler sind bei dieser Wahl in ainer sehr peinlichen Situation, weil ihm eine hervorragende Persönlichkeit >aks Gegenkandidat gegeu- Merfteht und es. kann nicht in Ährede gestellt werdeir, 'daß die Person seines UegeiEandidaten Dr. Jakob Ehrlich ein integrer Charakter. und von zweifelloser Begabung, ebenfalls würdig ist, das Judentum in der Wiener Gemeind estübe zu vertreten' und hätten die Juden die Mögilichkeit, bei'den Wahlen in den Gemeinderat mehrere Juden zu wählen, so müßte es als ein großer politischer Fehler bezeichnet werden, wenn sie nicht auf Personen wie Dr. Ehrlich. zurückgreifen würden. Leider gestattet uns die Wahl-, Mmetrie der Sozialdemvkräten und Christlichsozialen nicht/in Wien mehrere Juden mit sicherer Aussicht gewählt ßü werden, als Wahlwerber aufzustetlen. In diesem Falle ist es nur eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir mit aller Wärme für die Kandidatur des so vielfach in allen» Lagen bewährten bisherigen Gemeinderates Dr. Rudolf Schwavz-Hiller eintreten. . Wenn die Juden der Inneren Stadt und der Leopoldstadt nicht darauf verzichten wollen, daß ihre Interessen im Wiener Gemieindercch, deren es.MiH besonders viele gibt, mit Sachkenntnis und UnvoreingenomNtlmheit vertreten werden, und wenn sie weiters nicht den schnöden Akt der llichankbarkeit beigeheil wollen, müssen sie am Sonntag, den 4. Mai, in!der Inneren Stadt Stadtrat Dr. Oskar Hein und in der Leopoldstadt Mmeinderat Dr. Rudolf Schwarz-Hiller als Listenführer für den Gemeinderat wählen. G. Uvkthmals M Orgelfrage.^) Bon Professor Dr. 8- Krauß. Ich bin nicht der erste/der init den gottesdiestst-' lichen PerhälMissen kn WiM nicht zufrieden ist. Vor mehrals zWn Jahren schrieb Jakob Obermey er das Buch „Modernes Judentum" (1907), in welchem er unserensYnagoMlen.Gottesdienst, wie. er in Wien bestellt ist, Härf tadelt. Wan nchg von dem Manne denken, wie man will — die Gabe Mißt er, ruhig und rvhtig M WßäMen/'Wtze: . ^;Di'e Predigtet sind nicht Mehr das, wassie ehemals waren nSmlrch Bekehrungen. Der Prediger würde.-sich heute durch solche Reden unbdlieöt, machen; er soll vielmehr dem HubMum . gefallen, sich Hei5 ihm einschmeicheln . . ,< Dir moderne Predigt ist mit Schuld an dem Verfall des Judentums, der immer, mehr MnÄMenden Verflachung der jüdischen Kultur." 'k) FörtsttzWg arls Nr.' 14 dieser ,,WochenMist". Ich Din weit entfernt, diese und lähMchie Aeußerungen tragisch zu nehnfen, wie, ich auch nicht Ne Aw» griffe. Ne geg^n den «iste!n oder anderen PchdiUer, die eine oder Ne andere Predigt gerichtet worden sind. Mir besonders zu Herzen nehme. Wer symptomatisch sind sie 'alle und stellen jedenfalls den äußeren Beweis dar, daß der Wiener Gottesdienst so mustergültig denn doch nicht ist, wie ihn Dr. Grunwald hinzustellen Vtzliebt. In der Tat, die Schäden kennjt ein jeder, foferir ev vor ihnen nicht absichtlich die Augen schließt; sie sind zudem in der TschiaßiNyfchgn Denkschrift auch schrift^ lich gekennzeichnet worden. Offenbar kennt sie der verehrliche Vorstand ebensogut wie wir, und wenn er nicht einschreitet, so bekundet er nur, daß er an dem Gelingen der Heilung verzweifelt, NM nicht Zn sagen, daß er die Institutionen hintanfetzt vor der Schonung der MerG scheu. Ich sage aber, daß das nicht richtig ist, und Mag ich darum auch als Unruhestifter oder Eiferer verschrien werden. Ich sage weiters, daß cs in Wien Schäden gibt, die in diesem Ausmaß ohne Schädigung der Religion selbst nicht Mehr zu ertragen sind, und sollte diesÄ Anklage, die ich hiermit erhebe, als zu streng oder mt* gerecht befunden werden, so möge mich der Vorstand vor sein Forum! laden, damit ich ihm die Beweise tie/ fere. Ich werde ihm darlegen, daß in seinen Tempeln Tag für Tag Unwürdiges^, UnjüNsches und Unvernünftiges verübt wird; Man wird vvn mir hören können, daß im .Beten und in Riten gegen Herkommelr und. klar vorgeschriebenes Gesetz Verstöße Vorfällen, die man nicht anders als grob und ärgerlich Weichnen kaE Unsere Gebete abZuleietn, wie es in unseren Synagogen gemeiniglich geschieht, geht wider den Geist und den Charakter dieser Gebete. In den Texten dieser. Gebete heißt es zu wiederholten Malen, daß sie gesangen werden sollen. Do im einleitenden Stück Barukh sche-amar: „Mit 'den Liedern Davids, Deines Knechtes-, wolleit wir Dich' preisen"; Ne nun folgenden Psakmenl selbst, in der Liturgie „Verse des Gesanges" geheißen, enthalten wiederholt den H.inweV aus den gesanglichen. Vorträg, darunter den mit Instrumentalbegleitung; sodann : „In Chören der Myriaden Tuches Volkes, deK Hauses Israel, soll in. Jubel Dein Name verherrlicht werden, unser König" nsw.; im 'beschließenden SWck JischthaWäch gibt es nicht weniger als WnWhn Ausdrücke des Lobes .und Preises, mit dem wir uns Mott nahen sollen, so daß der Deutsche seine liebe Not bat, soviel Synonyma des Lobes in seiner Sprache anHutreiben; sodann: „Dem Allmächtigen — gelobt sei er — weihen die HimMelskläNge" nsw.; die Kednschah vollends soll durch uns Menschen nach der Harmoime der himmlischen Chöre vorgetragen werden. Der alternierende Gesang in. Hallet ist noch hjeute eine feste Vorschrift, die aber nicht eingehalten wird. Wenn wir daN alles nicht tun — und wir tuitt es fäktisch nicht — finden wir uns nicht mit Lügen ans den Lippen vor Gott, dem Schöpfer ein? Ach, welche Entartung, welche Roheit gegenüber deM wiöklichev Gebot Neser Litur- 'gie! Im 'Wenn, dem letzten Stück jeder Liturgie, kommen die erhabensten. Gedanken tznM Ausdrucke; aber das ’bm reits sich' dem Ausgange zndrängende Wnblikum> jn&- der Verpackung seiner Requisiten beschäftigt, mit Werten, Schritten und Drängen polternd, hat auf nichts acht uM macht das gange erhabene Stück zu SchandeErVerbeugen und' niederwersen, so heißt es in deniseMn, Wollen wir uns vor Gott, deM Heiligen, dem König der Könige — statt dessen belechigt Man chn mit Worten Md Gehärden: und das soll ein 'Aevegckter Gottes-» dienst fein! Oh Iber Schande! Wer ich weiß, daß ich es umsonst unserem PMMm. Vorhalte; ein . Wandel ist da nW zu evreWN, Das „ßMfche GeWl" will

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