Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 15 (11.4.1919)
- Date
- 1919-04-11
- Page
- Seite 220 (sequence 12)
- Language
- German
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JS6 er. ui mwmw Nr. II UriedLNstonfereitz, Latz diese Erez^Jisrosl als selbständigesjüdisches^ Land anerkenne, dessen Staatsordnung sich austaue auf Grunds der schriftlichen und mündlichen Lehre. " ' Als die' Frage des Anschlusses an die Zionisten verhandelt Würde, sprach ich mich gegen denselben/aus, da die /Orthodoxen Galiziens und der Bukowina sich nicht mit' den Zionisten vereinigen können, «eil.letztere die Religion für eine Privatfache erklären. Zu grotz ist der Verdacht der Chassidiin -gegen die Leute, die die besten Linder des Volkes herausgeschleppt haben aus dem Beß - hamidrasch, «eggerissen haben von den Stätten der Thora und sie dem verderblichen Einflüsse europäischer Kultur ausgeliefert haben und in ihren Schulen gottesleugnende Dinge lehrten. Als Muster dafür kann das Wiener jüdische Pädogogium' dienen, in welchem BibNkritit betrieben wird. Zu weit stchen diese Kreise von uns entfernt-/ Äs datz wir uns mit -ihnen vereinigen können. Es wäre dccher viel vorteilhafter, so meinte ich, sich mit anderen jüdischen Vereinigungen in den rein äußeren Dingen der Palästinasrage zusammenzuschließen, im übrigen aber sollen die Orthodoren selbständig Vorgehen." „Weiters beteiligtk' ich wich an der Debatte in der Ieschiwah frage. Ich habe vorgeschlagen, in allen Jeschiwaus Prämien auszusetzen, um die Schüler zum fleißigen Lernen anzueifcrn. Weiters regte ich an, eine orthodore Literatur zu schaffen, die nach Form und Inhalt der modernen Literatur nicht nachstellen darf, die unsere Jugend^verdirbt. Man möge ferner eine große Agudoh-Bibliochek ins Leben rufen, mit einem großen Schatze von Büchern, .die von jüdischem Geiste getragen, sind und zu diesem Zwecke SammelsteÜen in Wien, Frankstrt und Zürich errichten. Am dieses Unternehmen finanzieren zu körmen, soll eine ^Pidjän Nephesch"- Steuer eingehoben werden, und zwar von jeder Person eine -Krone undjedem Familienoberhaupt« zwei Kronen. Bei der Frage der Emigrationsbureaus stellte ich unter anderem den Antrag auf Schaffung einer Erez ° Jisroel ° Lotterie, die auf die Massen des Volkes eine große Zugkraft ausüben würde." „Besondere Anträge brachte ich ein zur Frage der Organisation der thvratreuen Juden im Goluß. Gerade wir Juden aus Galizien betrachten die Organisation als etwas besonders Wichtiges, da bei uns noch Gott sei - Dank 80 Prozent der jüdischen Bevölkerung vrstodörer Richtung find. Und über uns -verfügen Leute, die den Schabbes öffentlich entweihen; die Gemeindevorsteher find Neologen, die kein - Interesse fürjüdische Angelegenheiten haben, - für Thorastudium, und sich überhaupt uicht um rituelle Dinge kümmern. Wir Müssen dafür Sorge tragen, daß diese Verhältnisse geändert werden amd die Leitung der jüdischen Angelegenheiten jüdisch«! Händen unvertraut werde." „Feierlich war der Augenblicks als man auf der Konferenz, die „Kenesses hagedauloh" und dem „SBrnxb horabbonim" an ihrer Spitze gründete. Wie ein Traum erschien dies unseren gedrückten Gemütern, vor unserem geistigen Auge.zeigte sich uns das Beß-dm hagodaul mit den Führern des Synhedrions und der Gedanke an die wahre Erlösung flammte in uns auf. Möge Gott bald die echte Hiffe senden!" - / , . i Bevem zur rLtLerMtzuÄg arnM, kranler ZspaelitLN, Wien. ' Am 13.- Mürz fand die Generalversammlung des Vereines bei zahlreicher Beteiligung unter Vorsitz des Obmannes kais. Rates Markus B!ondi statt. Herr kais. Rät Markus Bvndi begründet die Schwierigkeit der Abhältung einer G eneralversantmlung wahrend des Krieges und dankt den Mitgliedern und Gönnern des Vereines, speziell der KultusgeMeinde^ die durch jhre werktätige Mithilfe es «möglicht hat, den wesentlich gestiegenen Anforderungen nachzukoMmen. 'Herr Frommer erteilt zum Rechenschaftsbericht die iwtwendigen Aufklärungen und betont die bedeutsame Errungenschaft einer eigens streng rituellen Küche im Wiener Allgemeinen Krankenhaufe. Dies beweist, dass auch die Tätigkeit des Vereines bei den hohen Behörden und der Krankenhausdirektion Würdigung und Anerkennung findet. IM Zusammenhänge damit ist dadurch auch eine erhebliche Derbessemng der Krankenverpflegung Möglich. In den furchtbaren Kriegsjahren konnte Vgc Verein nicht nur einer stets wachsenden Zahl von Zivilpersonen, sondern auch eine grosse Zahl von Hanken Soldaten d Mit ritueller Kost verpflegen. Die Tätigkeit des Vereines erschöpft sich jedoch nicht nur mit der rijtuÄlen Verköstigung allein, sondern die Kranken werden auch besucht, deren Wünsche erfüllt, und so war unser Vorstandallen Kranken auch Führer, Freund, Ratgeber, .Ernichret-- Md-r.-2Mter: Die Einnahmen des .Vereines rM.Wten Berichtsjahre (1918) beliefen sich auf 19.000 »Kronen, W! abgelaufenen IäMe auf '73.000 Kronen. jDie Mitgliederzahl ist dank dWLeührigen Tätigkeit des ^Vorstandes von 500 auf 900 gestiegen; die Iahresbeijträge von 3200 auf 8500 Kronen. Trotz hieser wesentlichen Steigerung der Einnahmen hat sich das Gebarungs- Defizit wesentlich erhöht, da noch rMmer die enorme l Teuerung es mit sich bringt, dass die Ausgaben sich j nicht mit dem Budget in Einklang bringen, lassen. Wir bitten daher unsere verehrlichen Mitglieder, dir! Jahresbeiträge wesentlich zu.erhöhen;-um allen Anforde? jrungen gerecht werden zu können. y Der Rechenschaftsbericht wird fodann einstimNivg genehmigt. , Bei der Wahl werden die bisherigen Borstandsmit- | glieder einstimmig, rciiedergewählt. Auf Antrag eines Mitgliedes wird aus der Ver- IsaMmlung ein Betrag von 7000 K. für ausserordentliche »Erfordernisse gezeichnet. Die Versammlung begrübt spe-!ziell den hochverdienten Vereinspräsidenten , und Ehren- »Mitglied Herrn kais. Rat Markus Bvndi mit dem »Wunsche, ihn noch viele.Jahre an der Spitze des Ber< eines in voller Gesundheit und Rüstigkeilt wirken zu sehen. Der Delegierte der Kultusgemeinde, Herr Landes- Ischulrat Dr. Markus Spitzer, Vizepräsident des Vereines, entschuldigt sein Fernbleiben mit unaufschiebbaren amtlichen Agenden. ___ SonrrMo verwendet sich für die jüdischen FMchMnse m Men. Die italienische Mission in Wien erhielt ein Telegramm von S o nn in o aus Paris, wonach angesichts der trostlosen Lage, in der sich laut Bericht des Ober-, rabbiners Professor Dr. Chat es 3 0,0 0 0 jüdis che F-lüchtlinge aus Galizien und der Ukraine'befinden, die italienische Delegationin;. Paris,'heim,/ Ohersten interalliierterl Wirtschaftsrät interveniert hat, um In der weitmöglichsten Weise für. die Linderung ihrer Not zu sorgen. Gleichzeitig wurde zur Finanzierung dieser Aktion auch> dringendst die Intervention des Mischen Wohlfahrtamtes, in Newyork angesucht. Dazu erfahren wir, dass Oberrabbiner .CHajes ln. B ern bei' der amerikanischen. Gesandtschaft in dieser Sache interveniert hat, welche bereitwilligst die erhaltenen Informationen nach Paris weiterleitete und auch den nach Paris reisenden Delegierten Dr. Reich und Dottor Ringel Instruktionen.Milgab. Von Paris aus wurde dann die Verbindung mit dem amerikanischen Hilfskomitee hergestellt und von der Entente hie Zustimmung erbeten, dass wie nach Polen auch nach Deutschösterreich die Einfuhr von Geld und Lebensmitteln für die notleidenden Flüchtlinge gestattet werde. / AMuDlMäii^ewichhllien irt Linz. •' t- Äm 6. April fanden in Unz die Wahlen in den .Vorstand der. Kultusgemeind'e statt, und Mau nach durchgeführter Staluteniänderung zum ersten Male auf demokratischer Grundlage. Das aktive Wahlrecht hatten alte männlichen und weiblichen Personen vom 20. Llehjenlsjähr an« pMe Mcksicht aus die SteuerleistuW./' Ein versuchtes Kompromiß zwis^n der jüdischnationalen und jüdisch^em'okratischen Partei . scheiterte in-i folge der extremen Forderuitgjen der erster enbedauerli-- cherweise und so kam es zu ein^m hseftigen Wahlkampf, an welchem sich 87 Prozent 'der igesamten WjähÄer be^ teiligten. Gewiählt wurden sämtliche 20 Kandidaten der Mdisch-demokratischen Partei,; so daß die Jüdischnätio-< nalen derzeit unvertreten bleiken. < Es wäre iM Interesse des Friedens? und der Ruhtz in der Gemeinde gewesen, wenn die Jüdisch nationalen die ihnen' im KoMpromißjwege angebvtienen 8 Mandate angenommen hätten. - ' . [