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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. Seite 217

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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SU WrW WWWWG s«üe »sr dener" (DttrtschÄ Museum 1783). Nachdem! Jacob: nach dem Tode Lessings (März 1783) durch, Clise Reimarus aus Berlin die Mitteilung empfanden hatte, daß Mendelssohn ein Wert über Lessing zu veröffentlichen beabsichtige, gab' er zunächst die einfache Antwort, daß Lesftng Spinozist gewesen sei, und teilte aus die nun erfolgende: -Bitte , um nähere Auskunft (November 1783) an Else Reimarus den Inhalt jenes obigen Wolsenbüttlers Gespräches' mit. Hierauf knüpfte sich im Verlaufe des Jahres 1784, in welchem Jacobi infolge des Todes seiner Gattin und eines längeren Sohnes tief gebeugt und körperlich leidend sich :nß l'Bad Hofgeismar begab und von dort nach Weimar zuM Besuche Goethes reiste, zwischen Jacobi und Mendelssohn ein zahlreicher und ausgedehnter Briefwechsel, an dessen Veröffentlichung wohl von keiner Seite gedacht wurde. Nachdem aber 1785 Mendelssohn ^Morgenstunden" einT Polmnik gegen den Spinozismus enthielten, beging Jacob: die Rücksichtslosigkeit, ohne vorhergehende Anfrage, oder Verstand-' gnng den ganzen Bri efwechsel drucken zu lassen. ,KU eher die.Lehre des Spinoza in Briefen an Herrn Moses Mendelssoh::, Breslau 1785." Mendelssohn verfaßte sein ^Sendschreiben an die Freunde LeHings", dessen Drucklegung er durch feinen bereits am -22. -Mai 1786 e-solgten Tod nicht mehr erlebte und Jacobi entgegnete hielauf durch die Schrift „Wider Mendelssohns , Beschuldigungen, betreffen die Briefe .über die Lehre des Spinoza. Leipzig 1786". Abgesehen von dem Charakter eines häßlichen und persönlichen Gezankes, in welches die Sache hiemit ausgeartet wckr, hatte» Jacobi dabei das Blckenn'tnis niedergeslegt, daß nach seiner Ansicht der Spinozismns lediglich Atheismus, aber von seiten des! logischen VerstandeAgebranches unüberwindlich sei, da jede Demonstration Gottes in spinozistischen Fatalismus ausmünden müßte, wohingegen uns durch die UnmittWarkeit des Glaubens an dem Dasein eines persönlichen höchsten Wesens festgehalten werden könne. Hochinteressant ist nun eine in jüngster Zeit erschienene Schrift „Herders Gott von Misabeth Hoffarth, Halle a.^ 1918/ Bausteine zur Geschichte der deutschen Literatur, heraüsgegeben vost Franz Saran, Professor an der Universität Erlangen, Band 16", der wir folgenden Passus entnehmen. Mit dem Bemerken, daß auch Goethe bei de-M 'Streite zwischen Jacobi und Mendelssohn gern Herder vorschob, da er sich selbst kein rechtes Urteil zutraute und sich bei Jacobi damit, entschuldigte, daß er'-,,Physik 'studieren mäße, um über die Metaphysik etwas sagen zu können", m** term 12. Jänner 1785 ausdrücklich ihm aber schrieb: „Ich üb'e mich an Spünoza, ich lese und lese ihn wieder und erwarte mit Verlangen, bis, der Streit über, seinen Leichnam losbre^ chen w:rd. Ich enthalte mich aller Urteile, Loch bekenne ich, daß ich mit Herdern in diesen Materien seht: einverstanden bin.!" - ,»Schon die . Artwie Herder Spinoza zu Beginn der Gespräche Wer ,Mott" einsührt, zeugt davon, daß es nicht die eigentlich metaphysische. .Seilte'von Spinozas System^, sondern vielmehr die sittlich-religiöse ist, die vnf Herder —^ genau ebenso wie auf Goethe — die stärkste und, nachhatigste Wirkung ausgeübt hat. Zuerst wird Herder tief berührt von den sympathisches Zügen des Menschen Spinoza. Die von Eolerus dargestellte Lebensgeschichte de!s Niederländers und der fjjn» fang des TrÄCtatus de lnteHeefas em»nri*tione ßnd er welche beit Phitolaus zum Spinozafreund bekehren. Wir lesen mit ihm den Beginn des Traktats Mer die Ver-' besserung des Verstandes, durchleben mit..ihm Spinozas innere Umwandlung, seinen! Kamps und Sieg, sein Sich- Wwenden von den vergänglichen! Gütern, Reichtum, Ehr» und Lust, und sein Ergrmfen - des einen, wahren unvergänglichen Gutes, der MtLesbekenntnEs und Gottejsliebe, die sich betätigt in der Vereinigung des Gemüts mit der gesamten Natur. — Daß Herder gerade diese Stelle, wohl die einzige, in der Spinoza aus seiner sonst so starren Unpersönlichkeit Heraustritt und . uns tief in seine Seeve blicken läßt, der eÜMtlichM Aus" einandersetzung mit dem System des Niäerländers voransschickt, ist fürs sein .Verhältnis zu ihm von vornherein bezeichnend."; „In noch höherem Maße ist dies die ganz zu Be>- ginn stehende sehr schöne Wiedergabe des Lehens Spinozas im Anschluß an die BiograpUe des Johannes Colerus. Hier tritt es zutage, welch tiefen Eindruck die Lektüre dieses Lebenslaufes aus Herder gemacht haben muß, wie ganz er sich in Spinozas lebendige Seele hineizusühlen versucht hat. Er schildert, wie'des Niederländers Leben mit seiner Lehre übereinstimmt, wie es ihn zeigt als. einen wahren Philosophen, durchdrungen von ernster Sittlichkeit, die ihm still uns fricdsam, bescheiden, bedürfnislosuneigennützig zu sein, die Kraft gibt, von warmer segensvoll wirkender Menschenliebe, von Wahrheitsliebe und Ueberzeugungstreue. Die Stärke und Unerschütterlichkeit der Ueberzeugung von der Wahrheit seiner Philosophie, wie sie Spinazos Lehen und alle seine.Schriften beherrscht, wie er sie auch in manchen! .seiner Briese ausspricht, wirkt auf Herder besonders eindrucksvoll. Vor allem aber tut dies Spinozas ttefcS Religiösität. Herder erkennt im sittlich-religiöschh Bedürfnis richtig die Wurzel von Spinozas Philosophie, versteht ihn in diesem Punkte besser als Jacobi, obwohl dessen Spinozaauffassung sonst die weitaus genauere ist. Er erkennt, daß die Gottesidee bei Spinoza die schlechthin allumfassende uhd in diesem Sinne einzige, daß seine Gottesliebe nicht etwa eiste angeniommene Maske, sondern fein tiefstes Gefühl ist. ,,Der Begriff Göttes"ß führt 'er aus, „ist Spinoza so gegenwärtig, so unmittelbar und innig geworden!) daß ich ihn gewiß eher für einen Schwärmer fürs Dafein Gottes, als für einen Zweifter oder .Leugner desselben hielte.' Mle^ in allem ist Gott für Tpinoza, alles in allem ist Goth auch für Herder. Das tiefe Erlebnis des 5v zcd xtav ist beiden gemeinsam, zieht den einen zum andern.. — —" /Auf Grund der Stellung, die Herder zu Spinoza und seiner Lehre gewonnen Hat, der Ueberzeugung von der Vortresftichkeit seiner philosophischen und moralischem Grundsätzedenen er ,,eine mehrere Ausbreitung und tiefere Einwirkung wünscht, äks sie in seinem Buch Mr.die meisten haben können und haben werden", lehnt Herder die ungünstigen Meinungen Mer Spinozas Leben und Charakter und die nach seiner Ansicht falschen Abfassungen des spinozistischen Systems ab. Er.verteidigt Spinoza gegen das ■ Verwersungsurteil, welches das I7. ..Jahrhundert Mer ihn gefällt, rügt, daß es auch zu seiner Zeit, noch nachgesprachen, Leben! und Lehre dies! Niederländers als der Begriff des Verabscheuungs- und Hassenswürdigen Hingestellt werden. Die Cartefianer und die Theologen, die zunächst seine Philosophie für Atheismus erklärten, Bayle, der dasselbe tat, sind daran schuld. Diesem Irrtum unterliegt auch Jacobi und die Zurück- ^Weisung von dessen Auffassung ist es vor allem, auf die es Herder ankoMmt. In feinen , Briefen- Mer die Lehre des Spinoza" hatte Jacob: den Satz ausgestellt, Spij-» nozismus sei Atheismus, da „sie rechtverstandene Lehre des Spinoza keine Art von Religion zulasfe". Für Jacobi ist der Spinozismns die klassische Ausprägung des Rationalismus^, und als solcher, da Man auf dem Wege des Verstandesdenkens nur dazu kommen kann, dcÄ Meltganze als Gott zu^etzen, Atheismus im Sinne vock Kosmotheismus. Es ist klar, daß dieser Auffassung Ja^ xobis die Herdersche, welche eiben aus die katfächlich vorhandenen irrational»^ Bestaidnteil» d»r spinozistischvn

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