Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 15 (11.4.1919)
- Date
- 1919-04-11
- Page
- Seite 214 (sequence 6)
- Language
- German
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»tu 230 M. MHM'S WMknWrift WHge HMmMen. Dertck. die ChrWahsozialen hcwen mit dem Predigen vowGÄvalttat-Ar g^en die "Juden in der letzten Zeit Wechte Erfahrungen gemacht.. Ihre un- Mchrigen Zuhöper Habeck sich erläiGt, auch Wer die Judengasse hickaüszugehAr und siogar vor -Klöstern nicht stehen M Necben^ Das gleiche könnte sich nun leicht hei der Milliarde ereignen. Denn in dieser .angeblichen Milliarde des RothschW stecken auch riesige Industrie^ Mltern<ehmmr und die Arbeit vieler tausender Mein-' scheu. Es gibt Wer noch viel.mehr, noch viel .stärkere Milliarden, die nckr totes -Vermögen siindeine Ham^ sterei von Vermögenswerten, an denen man unmöglich ÄsMerAchttt kann, wenstlmainHie Wsicht hat, Milliarden mit Beschlag zu bellen. Die Statistik der großen Ver-> , mögen in Deutschösterreich, kcmn uns darüber Aufklärung geben, wo sich diese großen SumMeu und Werte befinden. Wir brauchen dem Abgeordneten Mayr wohl 'nicht zu sagen, daß es sich um seine engen Parteifreunde handelt und daß er sich nur unOusehen braucht, um in seiner Nähe Milliarde zu entdecken- Also nur schön vorsichtig! Die Leute bleiben einfach nicht beider koscheren Kost, sondern beim Essen wächst ihnen der Appetit auch nach werteren Gängen. - * * „Greif' nur hinein ins' volle Menschenleben und wo dn's packst, da ist es interessant.^ Dieses Goethesitat läßt sich aus die christlichfoziale Watsch,äst trefflich! va-- riieren. Immer und Meräll stehen die Christlichsozialen bei ihrer Agitation mit riesigen Pinselnum den Juden! .schwarz pie einen Neger anAustreichen. Wenn man dann ihre eigenen Taten untersucht, findet man die Vorwürfe gegen jedex anderen weitaus Wertrosfen. Da, war'zum Beispiel eine Einkaufsstelle für KriecOkückM in Tätigkeit ^und an Hrer Spitze stand der christlich- MiÄe Stadtrat'Mjüsilör. Das wäre nun eine prächtige Gelegenheit gewesen, den Juden ein Berschel zu geben, wie es an einer von jeder Korruption und Eigenliebe weit entfernten Verwaltungsstelle aussieht, was um so. nötiger wäre, als!bekanntlich> in deck KriegsWhett nicht gerade .reiche oder satte. Leute speisen.. Was geschah jedoch in Wirklichkeit? Eine Nachschau des Soldatencates - brachte zutage, daß der chrifflichsoziale Stadtrat sich« aus eigener Machtvollkommenheit so viel feinste Lebensmittel jeder Axt hatte herausgebien lassen, daß er sie mit seiner Familie unmöglich! .allein verzehr enkonnle^ Auch das Personal der Anstalt, unter welchem der christtichsoziale Vorstcher wohl keinen Juden chrstelleck ließ, hat die bekannten Rrdensarten von den Leuten cür der Krippe vollauf erfüllt. Wenn eine solche Sache sich bei Juden ereignet hätte, so hätte die antisemitisch^ Presse für Wochen ausgesorgt gehabt und ein Regen von Rufzeichen wäre Wer die vor Entrüstung schäumenden Artikel niedergegangen. Aber die Priester und Anhänger des berühmt gewordenen ,zGott Nimm" hoben eigene Sonderrechte. Mit vollem Mund greiseck sie die angebliche Wische Korruption an und fordern, schärfste Maßregln, während sie sich inzwischen den geräumigen eigenen Bauch! mit den ^Ergebnissen der eigenen ^r^usckion vMstoPfen. ' . Kl* I«dr m errgtifcher Gefaugenschast. Von Robert O. Rohnre aus London. Dieser Krieg hat alle Begriffe auf den Kopf ge-, stellt. Vorurielle, die wir bisher mit der -liebenden Sorgfalt hegten, die Menschen nur Vorurteilen zuteil werden lassen/ wurden .beseitigt; viele rühmten sich ihrer neuerworbenen Weisheit und setzen andere, neue Voxuvt&k an die Stelle der alten. Aber eines ist sicher: jbie MsOWche Ncstur ist dieselbe geblieben in all ihrer Torheit. Die Beziehungen der- Völkerzueinander sind in erster Linie auf Vorurteilen, - in einzelnen Füllen auf Haß und Rachgier gegründet. Hat sich doch das . Temperament der herrschenden Klaffen in Frankreich in diesep Hinsicht aufs, glänzendste bewährt. Der Franzose hat seinem Hang nach „Revanche" ungMgelt Folge gegeben und damit — sollte die Menschheit inzwischen nicht vernünftig werden — die Grundlage für einen neuen; Krieg geschaffen. Aber nicht von..Franzosen und Deutschen, von Juden will ich reden. Und dennoch .ist es unb edingt notwendig, daß man hierbei die Beziehungen der Voller -zueinander wohlweislich in Bierückjichtigckckg. zieht; denn in erster Linie haben wir österreichischen und deutschen Juden in der Gefangenschalt der Franzosen und' Engländer unserer Staatsangehörigkeit, wegen gelitten. Als „Deutsche" und „Oesterreicher" wurden wir „interniert", und als „Deutsche" und '„Oesterreicher" haben wir vier Jahre und auch bedeutend länger.hinterm Stachetdxäht geschmachtet. Als „Deutsche" und „Oesterreicher" haben wir. all die. Entbehrungen, die Drangsale, die Schikanen des ^Jnterniertentagers burchgemacht. Nicht als Juden haben wir gelitten, sondern als Angchörrge des Landes, dessen . Staatsbürger wir dem Gesetze nach sind. / . Waren wir im Lager selbst im Zusammenleben mit unseren österreichischen Und deutschen „Kameraden" und Leidensgefährten als Juden noch der. besonderen Gehäisigteit, die oas PrwilegiuM des Juden bildet, aus-! gesetzt, so. ist dies leiser Gottes ein Kapital für sich. Mutz man dabei doch bedenken, daß in englischen Jnternierrenlagern, um deutsche Matrosen! und sonstige Seeleute nicht zu erwähnen, sidie überwiegende Mehrheit der Internierten von Kellnern und Barbieren gebildet, : die, von. einzelnen Uhmlichen Ausnahmen! Wgesehen, über Meck' mD"MW"Nhm°'MWüngs'My''ö«-. Mgen. Ds tut mir leid betonen zu müffen, daß. es igauz 'besonders die Wiener und sonstigen österreichischen Kellner auf der berüchtigten Insel. Mqn und im Lager des. „Alexandra Palace" in der Nähe von London waren, die im unverfälschten Mn der Vergani-Pr.esse Wer Juden und alles Jüdische schimpften. Kam mpn jemals mit diesen Leuten in nicht, zu vermeidende Berührung, und ergab sich aus derselben die fast ebenso, unvermeidliche Reibung, dann wurde man mit den üblichen Komplimenten überschüttetbei denen das Wort „Jud" durch! ein ziemlich.- rohes und kräftiges 'Bestimmungswort ergänzt, die Hauptrolle, den Gipfelpunkt und dap abschließende Finale bildete. So hatte der internierte Jude nicht nur die Unbill, die Härten und Grausamkeiten des Jnterniertenlagers selbst zu ertragen, , sondern auch noch die Roheit und Niedertracht seinereigenen Kameraden mit sin den Kauf zu nehmen. Aber nicht nur die Oesterreicher, sondern auch die Reichsdeutschen sietztzr> ihrem Herzen.freien Lauf, wenn es sich darum' handelteeinen jüdischen Leidensgefährten zu beschiMpW. . Was nun die Haltungder englischen Behörden am belangt, so sei ganz besonders darauf hingewiesen, daß. die Verhaftung, die der Internierung voranging, in denkbar willkürlichster SoW vörgenommen wurde. Bei Nacht und Nebel drang der Polizist ins Haus des üwglücklichen Deutschen öder Oesterreichers und bestand darauf, daß der Verhaftete ihm sofort auf ,die nächste io-, lizeistation folge, von wo aus er ins Jnterniertenlügep geschafft wurde. Der Umstand, daß es sich Hierbei eventuell um einen Juden handeltekam gar nicht , in B^ tracht. Der Mann wurde als „Oestorreicher" oder „Dörfischer" und nicht als Jude interniert, gleichviel, ob er 1, 5, 10, 15 pder 20 Jahre sin London öW fonftwo in England als angesehMer Geschäftsmann öder Handwerker geWt MM.