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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. Seite 213

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 213 (sequence 5)
Language
German
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Nr 15 D» . MES MchmschkW Wv» 2SS rticher als Mr Talmud/ wenst auch feine Talente in dev ' NatioMversaMmlung - leider nicht anerkannt werden. Denn nach feinem -lächerlichen Zwischenruf antwortet« ihm ein Sozialdemokrat ganA trocken: „Wenn man euch den Juden' weMiMrstt, seid -chlr festtig?' Wie, Mas? Den Großdeutschen den Juden wegnvhMen? Das wäre ja noch schönt Sie Hstben Mär ein großM HickM Programm, aber dM iglanbt ihsten ja keine Seele. Den einzigen Zulauf haben sie wegen rhrsr Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie nstd Gre 'Anziehungskraft, ihre gute NumMer ist das Geschrei und Getue gegcst die Juden, Vei dem sich ihre hochgeschätzten .Wähler, und Geldgeber ein bißchen unterhalten. Und nun folt sich jemand unterstehen, den Juden einfach wegzunehmen. Er w!ürde ohüe Zweifel den grimmigsten germanischen Zorn gegeN sich herauMschwören. Er wäre ein Verräter an der großdeutschen Partei, ein mitleidloser Geselle, der einem anderen das' politische Leben nicht gönnt.-. Nein, Mn. Wir beantragen vielmehr ein Gesetz,, das-den .Großdeutschen eine gewisse Anzahl von Juden garantiert. Es könnte viÄeicht politische Lebensmittelkarten vorsehen mstd etwa folgende Fassung haben: Selbem “ Politiker in Deutschösterreich werden' die Mindestbedingungen für seinen geistigen Lebensunterhalt garantiert. Den Großdeutsch en werden sie nach ihrer ^Anzahl einige jüdische Gruppen zur-politischen Ausbeutung zugew lesest.. Mit der Durchführung dieser- Anordnung betrauen wir natürlich deN Abgeordneten Mt0cker. * * * Trotz dieser, mächtigen Mfuhr Mar der tüchtige j© r öcker nicht zum schweigest zu bringen und noch einmal erhob er seine tönende StimMe-, um die 'Juden ma-, ralisch zubrandMarken. Diesmal gab er es ihnen, bei-, 'sonders gut und wenn sie nicht mit gesenkten und schäme ^roten KöpseN herumgehen, so zeigt das vollständig die! moralische .Verkommenheit ihrer Rasse. Ein' Redner hatte behauptet, der Wel wäre in den' Schlützejngrabien nicht zu finden' gewesen!. Das!-Muß Man eine direkte Provokation des Abgeordneten Stockes nennen. Er schleuderte denrt auch dem Redinyx die Frage ins Gesicht: „Wo waren denin die Juden? Wie viele von den Juden sind den Heldentod gestorben?" Bei der Antwort müssen? wir nun ernsthaft werden, vollständig ernsthaft. Denn es ist neulich eine Statistik, herausgekommen, die auf Grund sämtlicher Quellen beweist, daß sich unter den Gefallmen 4 bis 5 Prozent Juden befinden, also «Her mehr denn weniger als deMj Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entspricht. DE« edelst, totm Helden haben leider sehr viele Witchen-ustd Waisen Unterlassen und weder die leibenden noch die toten Opfer des, Krieges brauchen sich 'gemeine Verleumd düngen gefallen zu lassen.-Viele von unseren Helden sind nur deMalb in ein frühes Grab gesMken, wöil einige großdentsche Maulmacher, namentlich die enthobenen Fabrikanten gar nicht genug bekommen konnten von lauter Dstrchhalten, damit ihre Kriegsprosite Nicht gefährdet werden. Und nun wagt es ein Großdeutscher,, die vielen jüdischen Heldengräber cm allen.Grenzen der früheren Monarchie zu-schmähen und gegen die zahllosen Hinterbliebenen. unserer Gefallenen zu hetzen. Wotanehre, Wotanmoral! Nachdem' wir von den Schatten unserer teueren Toten ehrfürchtig Abschied genommen haben, wenden wir uns nun wieder dem. Abgeordneten S t,o cker zu, der die Juden in den Schützengräben vergeblich! suchte. Der Adel interessierte ihn nicht. Dieser war vermutlich aus seinenSchtössern unentbehrlich oder ebenso häufig krank, wieHie ins enge Ghetto zNrückgedrängtest, -von allen Nöteni des Lehens gequältem Juden. Wer Ivo. blieben die jüdischen Aoldäten? Der WgeioKmete GLöcker sah lein »st v<n ihiren in den Schützengräben -und er «hebt das mit JstgriMM hervor. Warum aber sah der iWgeordnete S to ckerhie Juden in den Schützengräben nicht? WÄl^ er die Schützengräben sÄW nicht sah. Der grimmige Judenfeind sparte sich! selbst auf für. den mörderischen' politischen Kampf im Hinterland, -er saß während des Weltkampfes um die hehren- Ziele, des' Germanentums wohl verwahrt in einer Kanzlei-. Wie er behauptet, in der Kanzlei dess Lastdeskulturrates und nicht in einer Zentrale, wie andere sagten. Da es aber trotz allen technischen Fortschritten noch immer - keine Fernrohre -gibt, welche Wer die Alpm und Karpathen hinweg bis zur Front sehen, so konnte Freund Stöcker die Indem in' den Schtrtzengräben nicht schön.. Bloß sein Instinkt und feine Parteipresse verrieten ihm, daß die Juden sticht in den Schützengräben seien, aber auch von der.Parteipresse war Niemand an der Front und so bleibt es einstweilen bei einer.unbewiesenen Verleumdung. Vielleicht wäre Herr'Stöcker etwas vorsichtiger gewesen, westn er geahnt hätte, daß man seine Kriegstätigkeit kennt. Web aber wird einen Mann nicht für tapftr halten, der so tapfer gegert die Juden spricht? Mer der Abgeordnete Sever sagte unter großer Heiterkeit: „Er selbsttz?der Held!, war in der Kanzlei" Und so war dev genaue Keiner der Schützengräbm, der Streiter für die großdeutsche Wahrheit, der tapfere Fechter Stöcker für den Rest der Sitzung geschlagen.! Dagegen fand sein Gesinnungsgenosse Thann er auf und sagte in? einer Rede, -ebenso gefährlich wie der Mel sei auch das Judentum. Ties habe sich, besonders im Kriege gezeigt, vor allem bei dm Zentralen. Dun'W ist zwar desr Rede Sinst aber es ist schlieUich gaM gleichgültig, ob der Jude ans diesem oder jmem Grunde verbrannt wird, we^n es nur geschieht. .Was aber, ihrer Rolle bei dm Zentralen betrifft, so mag sie gut oder schlecht, groß -ober klein geweseni sein, mögen die Zentralen eine Rettung oder'einen Schaden bedeuten. DM ist uns gastz gleichgültig. Wer wir möchten gern eine - Röntgen'isierung dieser Frage vornehmen, eine Untersuchung Wer die Geschäfte der Zentralen. Man darf überzeugt fein, daß dadurch ein großer Teil des antisemitischen Aberglaubens zerstört würde. Es würdest Namen und Gewinne austauchen, deren Inhaber eine gewaltige Streitaxt im Kampf gegen die Inden schwingen. und dabei — hie gut deutsch allewege — dem ge^» riebensteU Juden iübertreffen. Die Juden haben schon einmal die unglückselige Gabe, so auffallend zu wirken, wie ein Firmenschild. Man hat -auch ihre Gesichter und Namest in den Zentralen vor allem gesehen. Aber im stillen Hintergrund, wo die Flöten der germanisches und christlichsozialen! Politik und Moral schweigen, wo man zum Geld, sagt: non ölet, können wir viele Leute treffen nstd ihrm Anhang finden, welche judestfeindlich sind bis aufs. Messer. Wer wahrscheinlich sind! sie es nur aus Neid darüber, daß man! die Profite nicht ihnen allein -überläßt, sondern daß auch diese SeMitw Geschäfte machen wollen!. Also nur heraus mit Listen und Beweisest, Herr Abgeordneter Thann er, aber verschweigen sie uns nichts iü&et großdeutsche Anteile an der Wirtschaft der Zentralen. Natürlich darf die Milliarde des RoHWld in einer antisemitischen Debatte'Wer Vermögensabgabe nicht fehlen. Wir wissen-zwar nichts od er'sie besitzt und es interessiert uns auch gar nicht, 'aber der Abgeordnete Mayr — oder war es ein anderer? Diese Leute reden alle dasselbe —■ rechnete' sie wieder einmal den Juden vor. Man solle diese MMarde dem- Rothschild nehmen und einfach-die Brotabgabe mit diesem Geld decken und die gantze Frage wäre gelöst. Der so sprach, war ein Ehristljchsozialer und wir alaWm, er wird,einG

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