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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. Seite 212

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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#** ** ' M. «M «LGMchM mid Beruf künd-t fis: „Wcch» ist Gtzmaels Wort. Wenn andere kniend -um Erbarmer flehen, üb^ fch Erbarmen wie der Herr - auf Knecht! Doch du soW aufr echt vor dem Vater stehen, Erbarmen weigere zch!' Fordere du dein Recht! Um meinen Namen magst du Unerhörtes dulden, doch.noch in Martern fühlen, daß ich dich nie ,verwarf. Ich will, ja nur, Mein tzohn, mich dir so tief verschulden, daß ich Zur Sühne dich erhöhen vor allen darf." Und der erwachte Iaakob spricht: „Herr, was dein WilleMir auch auferlege, wie.Krone will ich's tragen, nicht wie Joch! Hast du Mein Blut erwählt zur Feuerfackel, die ob den Wegen alter Völker flammt, lah deiner heiligen Wahl-— Herr — nie vergessen, was fern und spat noch meinem Blut entstammt. Doch wenn sie es vergessen — müde sinken am Weg —, lab sie in Klein-^ Mut nfcht vergehen, Herr — rufe, rufe — und! aus meinem Blute wird immer wieder einer dann erstehen, avfachen, das. nws, Herr, von. dir entzündet, heilige Glut noch unter Wimmern schwält, und ihnen sagen, sagen, sagen, wozu sie Gott in alle Zeit erwählt. Kraft leihe, Herr, dann seinen armen Lippen! Don 'deiner Herrlichkeit, die mir erschien, wirf einen. Strahl, Herr, auf sein Wort, nur einen. Herr, tu's um deinetwillen, nicht um ihn!" - Iaakobs Traum klipp und klar auszüdeuten, wer wollte das Wagnis auf sich nehmen? Höchst unkünstlerisch wäre das Unterfangen, ein edles Kunstwerk auf' eine Formel zurückführen, in. eine Formel pressen zu wollen. Wenn solches Möglich wäre, dann wäre das Kunstwerk-als weitschweifig und weitläufig überflüssig und die Formel vermöchte völlig ausreichend an seine Stksle zu treten. Eine Verklärung, und Verherrlichung des jüdischen Gedankens hat ein jüdischer Dichter unternommen, an sie die beste Kraft seiner reichsten und reifsten Jahre gesetzt. " Don den Frauen ist Rebekah ganz wundersam gezeichnet. Frau.Bleibtreu spielte sie auch im groben Sinne der Dichtung, kam dem Dichterwilltzn am nächsteir. Auch Herr Gera sch hatte als Iaakob seine Augenblicke der Hingnissenheit, in denen es weniger auf die nackten Beine, als auf die nackte.Seele ankam. Herr H obling .als Edom ließ Wünsche frei. Weshalb nicht lieber Herr Marr? Herr Sieöert, ein-verständiger Sprecher, ein getreuer Diener an Dichterwort. Herr Waiden, Samael, welch ein Meister rhetorischer Dialektik, geschmeidiger Spitzfindigkeit, gelenkigen Denkens. - Die szenischen Bilder Alfred Rollers» gaben oft zu viel, weniger wäre erheblich mehr gewesen: Die Phantasie ünregen, bleibt in solchem' Falle die Hauptaufgabe. Das Wien,das zur Zeit, als der Dichter die Feder ansetzte, noch das Wien Luegers war. —und dieser Triumph eines nationalen Iudenstückes auf dem Burgtheater. Dabei — mne seltsam! — auch nicht ein einziger Jude unter den Mitspielern. Burg und Oper väschlieben sich seit langem grundsätzlich den jüdischen Künstlern. Ein jüdischer Dichter vermochte die Worte machtvoll feinem überragenden Werke zu entriegeln. Eine herrliche Gabe dem jüdischen Volke zum Dessachseste 1919. - Naftali Bode M e r. Vom Zabrmsrlrt des Lebens. Ktssse» zur Jagtt-tschicht«. » .Der Abgeordnete Stöcker voni der Großdeutfchen VereiBguNg hat das' Erde dfs Bergan i, des Mechanikers Schneider, des Getzmann und äh!m Wer GeistesheDen archetreten. Er reLtzt in der ÄatioiWrersaMmlurG den ganzen DM das deutsche Volk. Bor den Judm »at-Mich, deren unersättlicher^Appetit bald den gaWenj Globus verschlungen haben wird. Er wirkt ettva so wie die bekann'tchr Spielpuppen, welche Papa und Mama sagen! können, nur eintöniger. Wenn sich Stöcker gequetscht fühlt, so schreit er Jud! Jud! Wenn man rhNi nachgeben würde, so könnte die Lebensmittelnot bald behöbensein. Man braucht 'nur einfach die Juden stückweise zu verteiltem damit sie auf. deM Kraut gefressen werden, das uns die GroWeutschen Agrarier, bewilligen und allen wäre geholfen.. Es 'gGt leine Gelegenheit, bei welcher Stöcker uns niederträchtigen Hebräer nicht entdeckt. Wir können uns noch so gut verbergen, wir können^ sogar selbst 'überzeugt sein, daß uns eine Frage gad nicht interessiert, aber Stöckers Falkenange entdeckt uns doch, er zerrt uns mit hartes Faust aus der Verborgenheit hervor, er stellt uns eine Weile.hohnlach ensö an den Pranger und zerlegt uns schließlich zu Nutz und FromMen alter anständigen Menschen m unsere Bestandteillie. Letzhin boten sich in ld er Nation akve'rsaMmlung präch^- tige Gelegenheiten' für Herrn 'Stöcker, man kann schon sagen, Leckerbissen und Schmatzen Mischte sich in seinen .dauernden Ruf Hepphepp.' Zum Beispiel .wurde über die Frage der Exterritorialität gesprochen. Es solle niemand außerhalb der 'Staatsbürgerschaft stehen und dadurch Steuerfreiheit, Zollfreiheit und Befreiung von der Vermögensabgabe genießen. Dadurch würde der Staat Millionen' Mvinnen. Nun war wohl niemals ein wie immer gearteter Jude exterritorial von Steuer, Zoll oder Vermögensabgabe befreit, im Gegenteil. Mer Abgeordneter Stöcker kam jeder.Möglichkeit in dieser Hinsicht zuvor und rief dem Referenten zu: „Vergessen sie nicht die IJuden!" Mitleidig, wie wir find, .wollen wir dem Abgeordneten S tocker zu 'Hilfe kommen. Er verstand wahrscheinlich vom ganzen Referat nichts c0 Pas Wort VerMögegsWgabe, er' fühlte sich durch dieses gequetscht und rief daher sofort: Jud! Jud! Ausgezeichnet — der Wgwrdniete S t ö ck er mag darüber wachen, daß sich die Juden nicht vor der Vermögensabgabe drücken, er mag uns' aber dafür gestatten, die' Vermögensabgabe bei den! großdeutschen Fcchrikanten und Agrariern zu iüberwacheN. Wir garantieren ihm dafür, daß seine Beute aN unterschlagenen Abgaben ÄnaN lä< chdülichen Bruchteil jeNer aüsmachen wird, welche wir zur Strecke bringen« werden. Nur heraus mit den Rechnungen des Kriegsministeriumis, der Zentralen, der Ernährungsämter!, 'Es wird sich bald zeigen, daß sie den Weg der Großdeutschen mit Milliarden gepflastert haben. * * * Eine weitere prächtige Gelegenheit fand Abgevrdneter Stock e r noch in der gleichen Sitzung der Nationalversammlung. Er paßt eben gut auf die Juden auf und es en-tjgehtihm nichts vön dieser Rasse.Man sprach über die Abschaffung des Adels und der Titel und ein Redner sagte, daß weder ein Gchwarzönberg iwch ein^ Auersperg es wagen dürften», "vor das Volk zu "tretefiv und um ein! Mandat zu werden. Darauf antwortete der Republikaner, Abgeordneter S tö che r: Mnersipexg ist ein deutscher Fürst.. Der kankr sich sehen lassen. Mir fassen euch euere Indem" Also wie liegt die! S.aW eigentlich? Wünschen die Großdeutschen We Fürstär zu behalten und ihr deiutsches Volk weiter vor dleiM Hochadel ducken zu lassen!? - Wer diese Frage interessiert uns nür ganz nebenbei. Wfr möchten vielmehr^von einem Meister d^r. Logik oder eistöM süchtigen ^Konstrukteur erfahren, wo der ZüsamMdnhgng zwischen: einem Angriff auß die Politik LW Auersperg und den Juden ist. Man muß schon« sagen, daß der öoi den Großdeutscheu wegen angchlicher Rabuliftik und Haarspalterei verrufene TcktmNd diese Kunst des Zusammchrspannens nicht fertig gchlracht hätte. Wer Ktöcker ist eben tüch-

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