Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 15 (11.4.1919)
- Date
- 1919-04-11
- Page
- Seite 211 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Gr. »HM «MnMkift Seite 827 Aus Bedrängnis Mr Freiheit und Erlösung. Das wirddas Pessach der Zukunftsein, auf das unsere Väter unablässig gehofft und geharrt haben. Mit dom sittlichen Fortschritt der gesamten Menschheit ist das Geschick Israels unlöslich verknüpft und verschlungen. „Gleichwie der neue HimMel und die neue Erdedie ich erstehen lasse, so bleibt aufrecht euer Santa und euer Name." (Ies. 66, 22.). >. , Der Ausbau einer neuen. Welt, ein neuer Himmel und eine neue Erde werden von Jesajas für die Zukunft angekündet: Soll es nun Wahrheit werden mit dem Bunde der Völker? Der Zukunftspsalm für den Völkerbund ist längst gedichtet, das DankgebeL der erlösten Menschheit schon verfaßt,- es ist der Iubelpsalm: „Lobet den Herrn, all iht Völker, preiset ihn, all ihr Nationen, denn ewig waltet über allen Gottes Liebe und Gnade!" Möge bald der Tag nahen, an dem die schmerzensreiche, gemarterte Menschheit geeint diesen Malm anstiMmen -darf. ' . , ii „Nord und Wesh und Süd zersplittern» -i! Kronen bersten, Äeiche zittern; M Flüchte. du, im reinen Osten, «s Patriarchenlust zu. kosten." Goethe. M Die biblische Dichtung „Iaakobs Traum" von Richard B e e r> H ofm a n n hat im Wiener - Vurglh rater ihre begeisterte - Ausnahme gefunden. Jubelnder Zuruf grüßte das edle Werk, dankte dem'-bescheidenen Dichter. Wie Iaakob mit dem Engel, hatte auch er schwer mit seinem Genius gerungen: „Ich lasse dich nicht, du segnetest mich denn!" Vor zehnIahren ward das Gedichdentworfen; in behaxrlichsM Äufftisg vollendet. Blank, geschmied^ ' schloß 'sich: Vers ,.gn .Vers zu schimmernder' Zette. Anderthälb Tausend Verso umfaßt das Werk, und keiner -darunter, . der.nichtstrahlte und leuchtete > in sprachlicher Macht.. ErNbrejtor-.Strom rauscht dahin, pon den heimlichsten undtiefstest -Bronnen der Poesie nachquellend gespeist. XEht> Magkobs Traum" ist nur! gewaltiger Auftakt, grotzartjger.Molog, imposantes Präludium -zu einem stolzen-David-Drama, oas erst die ab-; .schließende Vollendung, -die-: krönende Erfüllung brin-! gen soll, hoffentlich auch bringen wird. Der Weg Israels im Wandel der Zeiten, durch die Jahrhunderte und Jahrtausende, durch Nacht des Leides zum Licht der Er-[ lösimg ist das ungeheure Thema. Nicht allein der gottgeschenkten Schöpferkraft des. Dichters, auch seinem be-j harrlichen, zielsicheren, ungbirrbaren Zunft-. und Form/ willen gebührt der Mitwelt dankbarste Bewunderung, j Hier nicht zu ermatten, zu immer stolzerem Höhenflug! den.Fittich anzuspannen, besagt wahrlich nichts geringes.^ Man Muß bis auf Dante und Firdusi zurückgreifen, um! ein gleiches künstlerisches Ausdauern — „Durchhalten" nannte Man's wohl — anzutreffen. „Durchhalten bis zum! Endsiege.. .".Die verbrauchte Phrase klingt nun schal[ ins. Ohr. .Die .Ereignisse , haben ihr einen bitterbösen! Beigeschmack verliehen. Hier aber.hat wirklich ein Zämp-! fer, wagemutig und unerschrocken allen wider ihn sich! rings auftürm'enden Schwierigkeiten trotzend,! auch deM quälenden nagenden Zweifel in der eigenen Brust, durchgehalten bis zNM glorreichen Endsiege, dessen unverwelklijchen Lorbeer ihm nun keines nörgelnden Neiders hämische Verkleinerung mehr zu -entreißen vermag.j In Urväterzeilen werden wir rückgeleitet. Eine! heroische Welt schließt sich weit vor uns auf. .Diese! Menschen sind alle überlebensgroß; gemessen nach höuti-1 geM Maß und Begriff. Sie sind einfach, in ihrem Empfinden, stark in..-Wem! WrDtz und MWKKni. Alles ist! unbedingt gefestet und gradaus' M ihnm. Es ist ungebrochene, unvQlbrcmchte Kyrft in diesen Männern und Frauen, keine , Historie bedrückt sie. Sie sind selbst Ein grandioses Michekängeleskes Bibelsehen, Bibelempfinden eignet dem Dichter. And warum' sind jene Wesen so groß? Weil sie Gott um soviel, näher sind als heM persönlichen'Gott, der zu ihnen redet, sich ihnen. Milteilt, sich ihnen erschließt, sich brausend in sie ergießt, sie bis zuM Aeberstrvmen erfüllt mit seiner Göttlichkeit. Weil sie nichts anderes begehren, denn zu ihrem (Sötte zu gelangen, durch seinen ihnen deutlichen Willen. Ihr sittlicher Wert Hängt alleinig von der Intensität ihres religiösen Empfindens ab, von der Innigkeit des Zontattes mit dem Aebersinnlichen. Sie haben alte ein unbesiegbares Vertrauen in das Anerfaßliche und sind sich doch ihrer menschlichen Begrenztheit durchaus bewußt. Daß sie sich klein fühlen vor der Göttlichkeit, macht ihre Größe aus. Iaakob, Rebekahs und Iizchaks jüngerer Sohn, steht gegen Ed'oM-Efau.. den rauhen Jägersmann, dem die Wege des Wildes vertrauter sind ctfs Gottes, geheimnisvoller Pfad. Iaakob. der zarter, seelischer geartete, sucht und findet Verbindungen mit dem Aebersinnlichen. Er knüpft die zarten Fäden an, er spinnt.sie heim-, sich fort. Die Erstgeburt? Was gilt sie dem! unerforsch- - sichen Weisheilswillen des Herrn? List Nichts, das .verweht, nicht Mehr wert, denn ein Linsengericht. Iaakob Same soll zu einem großen, dem auserwählten Volke wer-s den, das der Herr siebh denn es ist Min Volk, das Volk Seines Bundes, das er zur Strafe mancher Schuld durch die Erniedrigungen der - Jahrhunderte führen, auf däs er Leid und Schmach Musen wftd. um es herrlich zu erhöhen und leuchtend zu verklären. Iaakob ringt um seinen Gott. Er ist Zang-fer und Obsieger. Diesen ^Iaakob dem Bibelwort urmenschKch nachgefchaffen zu.haben, ist große Dichtertat. Siehe! Er lebt .und leidet und wandelt. D^r rauhe Bruder schwor >ihm den Tdd. Nicht ehetwill Edom ruhen und rastem : bevdr er Iaakobs Blut rinnen gesehen. Des grausamen Iägets geschärfter Pfeil soll den wehrlosen Hirten mitten in das H^rz hinein treffen. EdoM kann zu Zain werden, dckr den Abel-Iaakob tötet. Ein Dämmlein, das Iaakob hegend, siebend, sich zärtlich vor die Brust gedrückt hatte, »fangt »dm'Todesbolzen für ihn auf, und ohne jeden Rachegedanken öffnet sich in übÄstrSm'ender Bruderliebe Iaakob leine Ader, damit sein Blut sich mit dem brüderlichen!Blute vereine. Der erschütterte Edom', der Iaakobs Blut Irinnen sieht, ist von seinem Ehde gelöst. Bruderliebe [-befreit von jedem' Banne des Haffes, von allen grau-» [famen Trieben der Zerstörung/ der Vernichtung. Der tiefe Symbolismus der Dichtung birgt such [seine stärken Gefühlsmomente, und kern empfindendes [Herz, vermag sich ihnen zu verschließen. 'Ehe Iaakob sich zur Ruhe begibt, gewinnen riefeln- [der Quell .und starres Felsgestein Stimme für ihn. Sie sprechen vertraulich zu ihm, als zu einem ihresgleichen, der eins ist Mit ihnen, brüderlich liebend eins, der die ganze Welt umspannt in üöerströmender All- [EMpfindung. Iaakob geht einher voll dunkler Fragen — nicht [Zweifel —, tief erfaßt von aller Wesen Leid, erwählt, daß [alles, dem Leid geschieht, ihn rufe, ihn heische, ihm klage. Das ist die ihm anvertraute göttliche Sendung. Er begreifh,sie und sie drüM den BeMmmdrten. fief Zu [Boden in Wer namenlosen Schwere.; Iaakob entschlummert. Die Himmelsleiter steigt vor [ihm auf. Die drei'Erzengel reden zu ihm, künden ihre himmlische Botschaft. Ein vierter Engel, Scimaöl, warnt. Nicht mephistophelisch ttägt er seine Bedenklichkeiten vör. [ImMerhtn als kühler Logiker und ein Wes Für..und fWider ^gegeneichrn!der fein etwagsnder, fMrfsinMer Geist. Die ÄtiMme -'bes- Herrn ünrd laut. IKäköbs Sendung