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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-11 · 15 (11.4.1919) · p. Seite 210

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
15 (11.4.1919)
Date
1919-04-11
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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fc«** m WMD WBDAMW .--■*** '■* SchWeyensschtti der Eegualten und Mepeintgter^ dikt zu Lsm Ewigen auMeg und Erhörung fand, bis zu dem Schmerzensschrei des Pharao, der ihm durch, den Tod sK«: Erf^eborenen erpreßt wurde.? . An jener Nacht Mob sich wohl kein. Auge in ganz Aegypten. In den Häusern der Unterdrücker wachte die Furcht vor dem drohenden Strafgerichte. Denn nach der letzten Drohung Moses' hatten der Pharao und das ägyptische Volk von dieser Nacht das schlimmste zu befürchten. In den Häusern der Unterdrückten aber rechte die Hoffnung auf das Erü>e der Knechtschaft. '„Wie Weicht doch die Zeit so träge dahin!" so dach- Len Wohl die sehnsüchtig Harrenden. „Oder ist es nur ein Phantom, dem wir nachhangen? O, wenn wir uns getauscht haben, dann wird die Knechtschaft nur noch^ pemvöller werden: zu der Geißel wird sich der Hohn gesellen. Nein, nein, es ist keine Täuschung! Wir glaw. ben an Adonai, den Gott unserer Väter, und an Mose, feinen Knecht!" / „JO, daß nur die Mitternacht schon vorüber wäre!", fo Mmg es dagegen vom Lager der Aegypter. „Sollte Mose, der Hebräer, dennoch die Wahrheit verkündet; Hröen? Sollte sein Gott mit dem unaussprechlichen Namen wirklich der Schöpfer des Himmels und der Erde fein urü» frei gebieten über Völker und Länder? Sollte die TodesdrohuW fich erfüllen und der Sklave ttiumphieren über seinen Herrn? Nein, das ist nicht möglich! Die Götter, die Aegypten von Anbeginn beschützt, können nicht trügen. Harre mutig aus, Aegypten, und sprich wie Lu Anfang: „Ich kenne nicht Adonai, und Israel enttasse ich nicht!" Aber horch, was war bas? Kscyrg das nicht wie Wcheruf? Es war die Stimme Adonüis, der Vergeltung übte an seinen Feinden. Die Stunde des Gerichtes war angebrochen. Die Aegypter stürzten auf die Straßen, sie schrien und weinten, sie stöhnten und klagten ringsumher: die Stadt war zum Leichenhaus geworden, „denn es sab kein Haus, in dem kern Toter war". Und die Angst wuchs immer mehr, dieweil die Hand des Ewigen sie getroffen, und in der Furcht, daß sie alle sterben ten, sprach der Pharao zu den herbeigerufenen Führern Möse und Ahron: „Auf, ziehet fort aus meinem Wolke, ihr, sowie die Kind«: Israels; gehet hin und dienet Adonai, wie ihr gesprochen .. . Gehet pur .und segnet auch mich!" Seit jener Schreckensimcht in Aegypten, wo sich um die Mitternachtstunde die Rettung Israels vollzog, gab es für die Bekenner unseres Olaubens keine Nacht mehr, die nicht von Sternen der Hoffnung erleuchtet war. Wie Israel in jener denkwürdigen Nacht, die dem Auszüge voranging, gegurtet und gerüstet der Erlösung harrte, so harrten die Väter auch in der Folgezeit kraft - ihres 'gottinnigen Glaubens zuversichtlich des Befreiers, der ihnen nicht ausbleiben konnte. Die tiefste Finsternis bezeichnete ihnen fortan stets den Beginn des Freiheits- Morgens, getrosten Herzens sahen sie das Leid den Gipfelpunkt ersteigen, damit das nahe Heil, um fo gewisser heworsprieße. - Und so wurde jene „Nacht der Wachefeier des Ewigen" zu einer nie versiegenden Quelle des Glaubens und der Hoffnung in Israel. Aegypten bleibt Symbol für bjedes Land, das Israel ^verfolgt, der Pharao Vorbild für jeden Bedränger der Unschuld, und Opferlamm, ungesäuertes Brot und Bitterkraut sind uns Denkzeichen und Syntz. bole der Leidensgeschichte und Erlösung. Also feiert jedes Geschlecht Jn jeder Zeitepoche in dem Auszüge aus Aegypten nicht bloß das uralte, fol- Uensewere Ereignis, sondern auch seine eigene B^reiung aus der Knechtschaft. Aus allen Katastrophe die es erlitten, nach den grauenhaften Verfolgungen fcta erbarmungslosen Feinde .erfeofc jss sich imTner wieder und stand aufrecht. - „Ich wüTsschte/' sagte RoosevelL..als UrUidM m einer Ansprache in Washington, „daß jeder Mverik^ nische Bürger fest entschlossen märe, die Flinte nie ins Korn zu werfen, wenn er, was im Leben eines jeden vorkommt, einmal besiegt wird, sondern daß er sich ermannt und seine Niederlage in einen Sieg verwandelt." „Ich kenne kein untrüglicheres Zeichen eines "königlichen Geistes," sagt Emerson, „als jene Zähigkeit in Verfolgung der Ziele, welche, fo oft auch die Genoss«!, die Parteien oder das Glück wechseln, doch fest bleibt und kein Iota aufgibt von ihrem Mut und ihrer Hoffnung, sondern alle Widersacher aushält und ans Ziel ge- _ langt." In . der Kunst, sich über das Geschick zu erheben, rrM in allen äußeren Smrmen die innere Freiheit und Fassung nicht zu verlieren, hat der Iude sich frühzeitig üben müssen: ob er noch so schwere Gewitterwolken über seinem Haupte hat zusammenballen sehen, sobald sie sich verzogen, kehrte seine lebensfrohe Stimmung rrseder, um welche feine Feinde oft ihm neid fein durften. Iahrhundert um Jahrhundert zogen dahin, seine Leiden steigerten sich immer und mehr, ließen keinen frohen Ausblick auf eine Besserung zu, er aber blieb hoffnungsselig und erlösungsgläubig, und alljährlich, wenn der Frühling nahte und die Natur ihre Wiederauferstehung feierte, setzte er sich an den Sedertisch, stählte sich an der Würde und Hoheit seiner Geschichte und sprach: „ttaaobara awde lesclianahabaa bene ehoriirv. Dieses Iahr sind wir noch Sklaven, im! kommenden Iahr schon freie Männer. — Unsere Zuversicht stärkte die prophetische Verhciißung: „Fürchte dich nicht, Würmlein Jakobs." (Ies. 61.) „Warum wird Israel mit dem Wurme verglichen? Um dir zu sagen, wie der Würm sich nicht anders wehren kann gegen die mächtigen Zedern, als mit seinem; Munde, so kann Israel, wenn es bedrückt wird, sich auch nur mit seinem Munde wehren, seine Waffe ist das Wort, der Geist: Das ist das Erbteil Israels, Hakcwl Kaul Iaakauv, die Stimme ist die Stimme Jakobs." Noch harren wir der endlichen und endgültigen Erlösung — Erlösung Israels und Erlösung der Mensch-, heit. : Lau omar Adaiinoy, nausen schemcscb loaur jaumom — im jomuschu hachukim iiotdeh milfonai n’um Adaunoy gram spra Iisroel jisclibausu. So spricht der Ewige, berbte Sonne eingesetzt hat zum Tageslicht: „Wenn diese Gesetze, die Naturgesetze, weichen vor meinem Angesicht, so spricht der Herr, dann wird auch Israels Stamm aufhören." (Ier. 3, 35.) Darum „zagen wir nicht, wenn die Erde «ankrt und Berge sinken in des Meeres Tiefen"^ ' * Aber auch der Menschheit kündet unser Fest Erlösung an aus 'Zwist und Hader, aus Zwiespalt und Streit—^eine Einigung aller Nationen im Völkerbünde. „Einst wird er zuwenden alle- B ö lker einer gelauterten Spreche, daß sie alle anrufen den einzigen Namen, und sie werden verachten ein jeglicher ferne silbernen Götzen und seine goldenen Götzen, und einig werden älle-die Schulter neigen,. ihm -zu dienen mit Ehrfurcht. Mit Ehrfurcht und Zittern wird ihm als Körig huldigen die geeinte Menfchhe-t, und an jenem Tage wird der'Ewige der Einzige fein, und fefn Name der einzige." So klingt in her Gebetordnung der letzte aus und lenkt den Blick von den Leiden der GegemDart in eine lichtvolle, hoffnungsreich» 'Zukunft.

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