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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-04 · 14 (4.4.1919) · p. Seite 199

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 199 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Dr . MEs WscheMrift mmm Getroffenen Geulüge getan zu Haben, indemes ,am folgenden Tage meldete, daß. weitere vier SLempelfälscher ergriffenwurden,'deren Namen keinen Zweifel an Hrem ' rein arischen Blute erlaubten; .allerdings' wurde in diesem Falle NationalWt und GlauÄnsbekenntniA .der Verhafteten nicht ausdrücklich .angeführt. Dafür aber dürften sie wirklich Fälschungen begangen haben. Der Fall ist leider nicht vereinzett. Amvergangenen . Sonntag wurden in Prag,65 Wüchtlinjge in «einer Betstube arretiert, und erst losgelassen, als sie den Revers unterschrieben Hatten, der sie Kinnen acht Tagen zum Verlassen derRepublik verpflichtet. Eine hetzerische Presse findet an kurzsichtigen Bureaukraten gelehrige Schüler und beide zusammen ahnen nicht, wie ihr^eist- und herzlose Wüten gegen Wehrlose das Ansehen unserer jungen Republik nach innen und außen schädigt. Die Rä>ublik, der wir loyale Bürger fein wollen, braucht uns. Ihre innere und ihre äußere Lage ist leider noch keineswegs konsolidiert. Die StiiüMung der ziffermäßig nicht starken, kulturell und politisch aber -sehr bejdentendcn jüdischen Minderheit in iden tschechischen und gemischtsprachigen Hellen Böhmens, Mährens und der Slowakei dürfte .ihr von Rechts wegen nicht «gleichgültig sein. Und wenn England sich beistuM, das ',Mternationjale" Judentum! für seine politischen Zwecke zu gewinnen, so wäre es auch, für unsere Republik keine -Schande, in dieser Beziehung politischer zu sein und Weise und Bureaukratie etwas' straffer zu zügÄn. ^■'* Die Lage der Judm in der Republik. Auch auf der Tagung der' jüdischen Volksrüte Mährens, Welche am! 23. März in Brünn stattfand, hat der Präsident des Jüdischen Nationalrates iw Prag, Dr. . Ludwig Singer, der das politische Referat erstattete, unter'anderem« ausgeführt: „Unsere augenbliMche Situation hier ist gekennzeichriet durch einen AMtifeMitiismus, wie wir. ihn noch nie erlebt haben. Die Regierung denkt wohl nicht so wie das Volk, doch lätzt sie sich bedauerlicherweise von der Bolksstimwe leiten; und in noch höherem Matze ist dies bei.den untergeordneten Behörden der Fall.. Der ^oirtfchastliche Boykott nimmt bedrohliche .Folgen an, und es ist notwendig, durch straffe Organisation und zielbewutzte Arbeit dagegen anzukäMpfen. Unsere Delegierten in der Schroeiz und in Paris sind genau informiert und arbeiten für unsere wirtschaftlichen .Rechte. Unsere systematische Arbeit sowie die Erkenntnis. Hatz jene.Parteien, welche den Antisemitismus zur Ablenkung des Volles von ihren eigenen Sünden brauchen, im Rückgänge find, lassen uns hoffen, datz die -uns feindliche StröMuirg nicht allzulange dauern wird, und datz uns 'ln unserer Republik eine freundlichere Zukunft beschießen ist." ^__ Mne Auviem bei Prasidertt Masaryk. Dr. Singer und' Professor Dr. Engel berichteten im! Abschlüsse daran über die Audienz des Jüdischen Nationalrates. beim Präsidenten Masaryk. Am 23.März wurden Professor.Dr. Engel, Dr. Mar Brod und Emil W afdstein vom Jüdisch«en Nationalrat vom Prä- - sidenten in mehr als 'dreiviertelstündiger Audienz empfangen.. Das Gespräch wurde in denkbar' freundschaftlichster Form geführt. Präsident Masaryk wurde aus alle Beschwerdepunkte und Mitzstande. über welche die Inden in 'der Republik Mage führen, aufmerksam ge-- macht. M asary k versprach, in allen angeführten Punkten, so. in der Frage der chttiseMitischen Agitation, der wirtschaftlichen Boykottbewegung und in der Flüchtlingsfrage, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, datz Re- Medur geschaffen werde. Insbesondere sprach Wasident Masaryk feinen lebhaftem Unwillen über die H etzp resse aus. Die Deputation empfing den.Eindruck, datz der Wasident von dem besten Willen beseelt, sei, die gerechten Forderungen der Juden im! Rahmen seiner verfassungsMätzigen Befugnisse zu erfüllen. Wer bWrrfcht Aas Wirtschaftsleben Europas? Tatsachen zur jJudenfrage. Im Rahmen einer Polemik, die sich in der Frank» Porter Halbmonatsschrift „Das freie Wort" abspielt, nimmt Dr. Eduard Baerwald zur Judenfrage das Wort. Aus seinen längeren Ausführungen erscheinen uns die folgenden tatsächlichen Feststellungen des allgemeinen Interesses wert, die »sich gegen die Behauptung wenden, datz die Juden «das Wirtschaftsleben Europas beherrschen. Dr. B aerwald sagt zu diesem Punkte: Gewiß spielen die Juden im Bankgewerbe kraft «Erziehung und Tradition eine große Rolle, aber keineswegs eine ausschlaggebende. Es darf daran erinnert werden, daß die maßgebenden Männer der Deutschen Bank, die — wie viüe glauben, tzu D!eu1schlanbs Unglück — die türkischen Geschäfte ins Leben gerufen und die Politik mit dem -Geschäft verquickt hüben, Georg Siemens, Gwinner und Helfferich gewesen sind, von denen kein einziger Jude war. In der Großindustrie tritt die Bedeutung der -Juden vollendszurück. Mit Ausnahme von Albert Ballin, der doch wohl nicht zu den schlechtesten Männern Deutschlands gehört hat, .spielen die Juden im ganzen Schiffahrtsgew erbe gar keine Rolle, in der Binnenschiffahrt, im Schiffsbau, deM Transportwesen, der Kohlenproduttion, der chemischen und der Schwerindustrie nehmen sie keine.irgendwie maßgebende Stellung ein, weder in Deutschland, noch'gar in Amerika^ dessen wirtschaftliches L-eben pon den Morgan, Gould, Banderbitt, Rockeseller, Carnegie Armourbeherrscht wird, lauter waschechten und znM Teil recht frommen Christen. Gegenüber der Behauptung, daß Lord Northcliffe ein Jude fei und Stern aus Frankfurt heiße, stellt Dr. Baerwald fest: In Wirklichkeit ist er ein Schotte, heißt Alfred Harmsworth und die garHö Fabel von seiner jüdischen Abkunft gründet sich anscheinend nur -darauf, daßvor langen -Jahrzehnten ein Mitglied der Frankfurter Bankierfamilie Stern nach England ausgewandert und dort als Lord Wandsworth in die Peerage ausgenommen worden ist, wobei dann übelwollende Sprachkundige aus dem ähnlichen -Klang der Namen Harmsworth und WanMvorth die ihnen gewünscht erscheinenve antisemitische Folgerung gezogen haben. Es ist nun einmal.so, wie es Gottfried Keller in den .-Miß-? brauchten Liebesbriefen" gefchAdert hat, wo er ergötzlich beschreibt, wie eine üble Gesellschaft beisammensitztr ,,Alle Männer, die es zu «irgendeinem Erfolg -gebracht, wurden auf das ' «gründlichste demoliert, «jeder wollte die ^genauesten Nachrichten von ihrem, Tun und Lassen haben, keine Schandtat gcch es, sd-ie ihnen nicht zugefchrreben wurde, und der Reftain jbei jedem war schließlich ein trocken .sein sollendes: „Er äst übrigens Judel" Worauf -es im Chor Ebenso trocken hieß:;,Jctz er soll ein Jude isein." Im ZuscfMmenhang m-it Bord Northcliffe wild selbstverständlich «auch Baron Reuter' genannt, der jüdischer Abkunft ist und' dem «die deutschfeindliche Gesinnung des nach ihm genannten .Depeschenbureaus zur Last-gelegt wird. Wenn wirklich «Baron Reuter, dessen Familie seit Mitte des 19. Jahrhunderts in England ansässig ist. sich dort als englischer Bürger für die Ziele «der englischen Politik eingesetzt >HÜt. so!ist das .Noch weit eher zu verstehen, als wenn Der erst in reiferen Jahren nach Deutschland gekommene und vor noch nicht langer Zeit in den deutschen Staatsverband Msgenlomsmene H. St. Chaniberlain „seine englische Heimat beschimpft; feine

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