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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-04 · 14 (4.4.1919) · p. Seite 197

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 197 (sequence 5)
Language
German
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Nr .14 Tr. Btruh S . WM« ftS aljo. bW ärm'fdißcn Schleichhändler mit ^eiM.d»ren Juüntum noch gar nicht ifeststeht? , " Wir würden uns auch 'gar nicht mit 8er lleinen Verleumdung der antisemitischen Zeitung abgebcn, wenn wir nicht einmal Mer -das Thema des Schleichhandels ein-paar Wortesagen ^wollten. Man spricht immer / davon, daß sich der' 'SchleichharHel fast ausschließlich kn Mischen Händen befindet. Währ ist davon nur, daß <ni|; wir Juden solche -/Individuen haben, und /gMz einverstanden sind,, wenn diesen die * Behörde das HanM 'we^ legt. Mer es -kann keme 'Rede davon sein, daß sich die Juden -in -besonders hervorragendem Maße' an Hm''HchMUWl^Mh Kandel mit NahrunAMitteln bvteiligeü. Es ist W zum Ueberdruß sestgestellt> worden, daß die Wuitzel des 'ganzen Uelbels /bei den Bauern liegt, also bei waschechten / Christlichsozialen, welche in höchst chriUicher Moral und Nächstenliebe ihren gesetzlichen Verpflichtungen zur Wlie'erung nicht Nachkommen, sondern - die Haupt-- und Residenzstadt WeMirchners eher ver- 'chnntzE-Msen, "-<iU Laß sie-von den Preisen des Schleichhandels etwas Nachlassen. Von den armen Ämten nun ganz abgesehen.wLlche im Rrlckfack etwas für ihre Familie nach Hause holen, -kommen zu diesen Baue m wieder nur Veute heraus,' welche--die antisemitische Presse zu ihren, dankbaren Lesern rochnm kann. Man braucht nur. das -Publikum der Wisenbähnzüge in den Zeiten - änznschauen, in welchen der Schleichhandel nicht gelähmt ist und man. wird jfinden,. daß .das .jüdische. Element weniger -als spärlich darin wertveten ist. W ist doch ein offenes Geheimnis, daß -sich -mindestens fünf Prozent der Wiener. Bevälkenmg ausschließlich, mit deM Schlcich- Han6el beschäftigen und unter /diesen rst^ em winziger -ÄruchE/Juden.-!Mr-etwäs-sqnW^-b^nWt^-ist-E HWWHH WHAA«r,Mkjachen-MA.MsMk./ Hie/änH ssemiKsch^/ Blätter sollen nur «Erkundigungen in ihren Kreisen -einziehen und werden, bald erfahren, daß der jüdische SchleLchhmrdek gegenüber «dem christlichen nur .eine-Bagatelle, bedeutet. . ~ \; . ■ ■■■ . V * . ■•-. .: - . Eines der Mendblätter, welche. ihr« Spalten Mit Verleumdungen der Juden ausfüllen,, brachte kürzlich ein antisemitisches Gedicht. Vom christlichsozialen Parnaß wurde, in -plattfüßigen. Versen 'mit hinkenden. Neimen , verbündet,. daß man bei -der bevorstehenden Vermögensabgabe auf die Juden achtgeben solle, denn diese würden' /versuchen, aus allen Kräften'zu schwindeln. Eine weise Voraussicht, wie man sie 'einem .Dichter 'garnicht zütrauen sollte! Dieser tüchtige Mensch und finanzielle Teler path sieht, also den!Juden nicht /nur .in die Taschen, sondern auch in hie Kerzen und sieht in letzterem lne schwärzesten Absichten. Auch wir sind der Ansicht,. daß der Staatssekretär für Finanzen darauf'achten soll,, daß jeder vermögende Staatsbürger se'ne finanziellen Pflichten vollständig erfülle. Wir raten ihm jedoch unsererseits, bei seinen/Nachforschungen keine religiösen Unterschiede zu nrachen. Denn bei den Juden ist lange nicht so viel |u holen wie -bei (den christlichen iKriegsgewinnerrv. €tt ganze Reihe oer teuhchnattonalen FDrikarrrc» ist mit M/lliarden ebenso reich gesegnet, wie die Reihe der chrisllichsozialen und feudalen Großgrundbesitzer. Und wenn der- Mann vom antisemitischem Abendblatt wieder finanzielle Gedichte machen willso raten wir ihm, dringend, sich in der nächsten Umgebung des Rathauses mWzuschauen^ Wir versprechenlihm, ldaß er'Kei die.er Gele^errheit sehr viele Leute finden wird, welche vor dem Kriege noch ziemlich bescheidene Anhänger des Gottes' Nimm waren, jetzt aber für eine große VermöKnsabgabe sehr stark in Frage kommen. . . ' - - ' - ' 7 .' 'ÄM-ttüLschh 'BÜrtt ist M der $ß$t, feinen panr Dutzend Lesern eine schreckliche ^Tatsache mitzuteilen. ES hat immer Mwußt, daß.die Juden von Natur aus feig sind und sich vom Militärdienst drücken, wo sie können. Bei Deutschen komMt so etwas bekanntlich niemals vor und deshalb müssen sie.die Juden auch verachten. Was sich letztere nun /während des Krieges! /geleistet haben,. spottet jeder Beschsreibung. Nicht weniger als 1300 Gesuche angeblicher Raöbinatskandidaten wurde», überreicht, damit die Gefertigten als Geistliche - vom Kriegsdienst befreit würden. Eine -solche Feigheit war noch nicht da. Das Blatt vergißt allerdings, mitzuteilcn, wieviele von diesen Gesuchen bewilligt wurden, aber ist nicht. schon der Versuch zum Gesuch eine echt jüdische Feig" heit? Kerner hat das : Blatt vergessen, daß es in Oesterreich-Ungarn mehrere hundert jüdische Gemeinden gibt und daß es daher ganz gut mehrere hundert Rabömatskandidaten geben kann. Znm.Schluß aber, und das ist das wichtigste, vergaß dieehrenfeste -Schriftleitung, mitznteilenwieviel und welche Herren aus dem Krei'e. ihrer Mitarbeiter ihre teutonische Tapferkeit mit dem 2-rb.n bezahlt haben. Denn es widerstrebt uns, anzunehmen, daß diese Herren sich haben entheben lassen oder aus Gründen!dä Alters oder zufälliger kleiner Körperfehlcr den großen Krieg des Germanentums bloß auf dexn Tücke upd Frechheit. des Slawentums ging, mußte es doch jeder Anhänger der keuLschen-Jdee machen, wie d e Serben, wo bis zum höchsten Lebensalter hinauf einfach ein jeder ins Feld ging, der ein Gewehr tragen fonn'e. Wo bleibt also die. Heldentafel teutschösterreichischer Schriftsteller? . . Was. aber die vielen-Rabbinergesuche anbetrifst, .so schd-wir. nichtv«WMch.-^Wir erinnerrgvns Mm Beispiel ganz genau, an ein kmetKvOÄüges' Ereignis! aus der Zeit des großen RaMnerprozessM hen, die MlkrtaM- I höüde so antisemitisch führte, 'wie einen moralischen \ RituakMord, obwohl gegen neun Zehntel der Inhaftierten nicht einmal die Anklage «hoben werden , konnte. In diesen Zeiten der -großen Aufregung erschien plötzlich in der >,Reichspost" dir 'verblüffende ^Erklärung, des ÄöteS von Melk, in welcher -er jede Beschuldigung weit. zurüA wieS, als wären in -seinen Instituten sehr Vie7e ,,KriecA» kkeriker" ausgenommen worden. Warum war diese Zurückweisung Notwendig geworden? Hatte vil'e'cht jemand bemerkt, daß die christlichen Priesterfeminarien gerade in der Kriegszeit so stark bevölkert waren uuid daß es viele — es waren gegen Zehnt au sende im allen Oesterreich — gesunde und starke; Leute Lei weitem vorzogen, ein . goth gefälliges Leben zu -führen, Mls zuM Gefalle» der Militärbehörden «den Tod auf dem 'Schlachtfeld zu suchen? - Natürlich wagte es i das Kriegsministerium auch nicht im Dramnse, 'dieser heiklen Frage näherzu- IreLen -oder gar ein amtlich es Commnnirnä darüber!auKzugeben. Aber das teutsche Blatt kann sich M Len Spaß Machen, die „christliche Rabbinatsfrage" etwa km Bezirke Melk zu umerfuchen, wo es einige Anhänger hat. , ' Q ' ' ' . . r» ,Ein Fräuenlloster iit Stockeran,wurde von der Bevölkerung lüherfalken, die Nonnen würden in die Kapelle gesperrt und rn;w Aschen ihre Nahrungsmittel wegKnonvmen. Wir schicken voraus^ baß wrr^ öurchaus gegen diese Vorgänge Stellung nehmen und jede Gewalt Werharcht, und besonders die Gewalt-gegen wehrlose Frauen, wie je^« Ueberschreitung her Gesetze verurteficm Merkes ist-unser ZLecht, das zu sagen, nicht daR der KRerchspoU', Me soznsagen ganz blaß ist vor Schrecken und Entrüstung über Me^ Plünderung. Denn M-ese Zeitung ist ja der Pion'ev der Vorkämpfer, der Großvater der Idee, gegen eine miß-

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