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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-04 · 14 (4.4.1919) · p. Seite 196

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
14 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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- Mch» E "Ttzr förbcnmgen GenLge tut?<r^8ch kanN mir lebhaft vor» KeNrn, Latz, Wenn ein Odessaer Jude den Sachen in Dien etwas besser auf den GruMMhß.er irr Den Ruf; ausbrichl: „Was müssen denn diese WKN3r für schwache 5ber!e fei>!^ iwenn sie sich vor -einerOrgel so sehr flirchten!" Und dasselbe Wird auch der Krakauer, der Lemberger, der Warschauer, der Petersburger ufw. Jude sagen können. denn sie alle si nd Ln'dLr .Mefprm'" weiter als wir! Nächst dem GoeHe-Motto, das ich schon beleuchtet habe, tut .Kabbrner Dr. M. GrunVald.gleich zu Beginn seiner Abführungen auch mir die Ehre an, einiges aus meiner Schrift „Zur Orgelfrage" wörtlich zu zitieren;' er reibt aus derselben Kraftworte Heraus, mit „halakhische Tüftelei", „talmudischer Kleinkram" und daß derchaiachische Gesichtspunkt uns nicht binden könne. Natürlich wirken diese Worte, losgerrssen vont Zusammenhänge, ganz anders, als sie gemeint sind. Daß ich in derselben Schrift auch sage» datz gerade durch die alten Raöbiuen auch der höhere Gesichtspunkt vertreten wirh, urch daß diese Rabbinen so Nug, so vorsorglich waren, dab sie mit sicherem Blick die Bedürfnisse der Gemeinde erfaßten <S. 13), dies verschweigt die Gegenseite. Wenn das nicht StimMungsmacherei U, so weiß ich micht, was unter denk Worte zu verstehen sei. Das gdji soweit, daß mir wiederholt imputhert wird,, ich hatte die Orgelgegner ^FüHerkmge" igenÄm^i-wo.^ doch/ dieser Ausdruck in meiner Schrift kein einziges Mal voickommt, und auch die „Halbwisser" berührte ich nur insofern, als ich sagte, es sei schwer, mit Dnen zu disputieren, was doch? in jeder wissenschaftlichen Frage ehne allgLmein anerkannte Wahrheit ist. Sich selbst als Rechtgläubigen, den anderen als Ketzer hinzustelten —s ach, Die köstlichhTPoch das Ding überrascht uns nicht-, ür allen derartigen Debatten gefallt man sich m d« Pose» - daß., tznün dasMlte^und5 -Gefühl heraus verteidigt, wogegen der Neuerer notw^- - dig Zum AbfgT reizen muffe. .Wie lächerlich! Dagegen l^e man in meMr Schrift nach, Wie ich vM«- Achtung von den RefsM§Mnsm.-ssprechL.. ratfc >drH->ich-:esanerkenne, daß beide Parteien „es aufrichtig mft dem Judentum meinen und ihm neue Kräfte Md neue Stützen zuführen möchten" (S. 4). In der GütachLenfamW lrmg vom Zähre 1845 bemerkt einer der Reformfreunde ganz richtig: / ' „D r Zweifel an der EntwtchrrristsfWgkcit des Judentums. die Engherzrgrcil und Geistes flachheit. rstlchefeine Existenz in der Anhänglichkeit an überlebten, staken Formch'gesichert hal^ fstricht, wenn auch, vielleicht nur aus Irrtum, gegen unsere heilige Lehre mehr Lästerung ans, als die leichtfertigste Zweifelsucht, als der herzloseste Unglaube je vermag. — I nes starre Stabilitätsprinzip, welches jedem übernommenen Ausspruche, jede: bestchenden Einrichtung für immerwährend die bindende Kraft erteilen gehört zu dem krassesten KarLismus und erschüttert den Geist.deS Tcstmud?, der einzigen Stütze deS heutigen Judentums, Im Juner^en." - Ich .kann mich eben zu der -Ansicht Grunwalds. daß - der Gottesdienst, wie er h^ute in Wien beschaffenist, . ein nmstergültiger s«, nicht bekennen.^) Er war es viel, leicht Ehemals, in den sechziger Jahren des vorigen - Jcchrhunderts> als^M annhe i mer und S ülze1 hier wirkten, was ich. ja in meiner Schchft genügend Hervorgchoben habe. Aber wo der Fortschritt fehlt, ergibt sich m Rüchchrüt, uftb in Wien ist Man fest sechzig Zähren nicht vorwärts glommen. Eben an' die großen Tradi^ iionen Wiens hatte ich appelliert, als Üs um die weitere n) Gehrimrat Prof. Hermann T o h e n, der Begründer des Neukantianismus, dessen Schriften zur'Musikästhetik auf .den Leser »je Offenbarungen wirken (übrigens «in. Schwiegersohn Lewan^ dowskys). hat während fciner .Anwesenheit iw Wien wiederholt den LeöpoldstLdter Tempel besucht und -einmal auf dem Wege nach . Hrylse zum Herausgeber dieses Blattes sich geÄrtzert: „Der Gottesdienst »st hier recht erhebend und Man Geht: ,,es grht ohne Orgel"." "V - - . Dr . B Entwicklung de» Gottesdienst«- W unserem Men ehte Lanze brach.- Die Möglichkeit ist 'dazu da, da wir doch.. gerade in der Leopoldstadt in dem! Oberkantor einen vorzüglichen Meister des Gesanges besitzen. D a mal s 'also war das Gebotene ausreichend und für pieke".Prv-, vinzgemeinden, die ja gegertdie Hauptstadt naturgemäß zurückgeblieben waren,' auch mustergebend. Heute ist von dem Alten vieles verdorben und entartet, heute wird Wien von vielen Gemeinden sowohl rznPunkte der. äußeren Ordnung und Feierlichkeit, als "auch der Beschaffenheit-, des Gottesdienstes weit überflügelt,- heute waltet hier ein anderes Geschlecht, das. für. das Judentum nur Mt, wenn ihm das Judentum auch etwas gibt. Ich spegieÄ habe es besser und schöner yor mir gesehen, und zwar im „Chortempel" zu Budapest,-wo schon seitsechzig Jahren die Orgel den Gottesdienst verschönert. "Auf diesen Umstand spielt Grunwald an und - bemerkt dazu: „Im übrigen brauchte noch Mien -nicht den Geschmack der Büdäpester zu teilen. Es wäre das > erste, was sie mit uns. teilen würden." Wieder ein WH Aber wenn Wien,. das „Musterbild"^ andere Gemeinden beeinflussen konnte, warum' sollte es jetzt, nach solanger Zeit, nicht sich ssekbst' beeinflussen Waffen...dürfen-?. Doch an dieser Stelle muß auch ich dem geehrten Gegner mit einer Schilderung aus seinem Heimat, ^speziell - aus Hanchurg, zu Diensten sein: »Aber, jene,;mit ihrem frommen Herzen, ihrem reinen, kindlichen, ungeheuchelten Sinne sind heimgegangen. Ein neues Geschlecht. ist . .. äufgestanden, das alles besser verstehen will als die Alten, das mit offenen Äugen sich umblickt, baS weit Wer däS Dach der. Synagoge hinaus, weit Mer.den Sternen,- weit über dem blauen-Hiwmel,. der' für itzn keiner mehr ist --"den Herrn der Herren thronen läßt. Über auch die Zeit ist heimgegangen, ^die alte düstre Zeit mit ihren Schrecken,. mit. ihrein Schimpf und Hohn für Israel - . . Da ist draußen hell und .freundlich-alleS, und? die Synagoge ist düster mit ihrem, alten LMt«glänz,)- dä^tst bwußen^ulle-- schön und'feierlich, .drinnen-in Sy»agoge-Mlb^ und'.geschmacklo-; da will man draußen.'asteS verstehen Mirkeu-MLusKL^iK. drinüen in der SyntzMge ist UÄks NüvWSndlich und dunkel »Sin Geschlecht geht,"'ein Geschlecht kommt, und die Welt, bestehet-ewig-° Bir. haben nichtS gegen die Bravheit, die Ausrlchtigkeit, den edlen Ernst der täglichen Synagögenbesucher,' aber sie gehören dem »gehenden- Geschlechte an, und für das kommende haben wir zu arbeiten, soll di^ Welt bestehen. SS wird eine Zeit kommen, wo das. jetzt kommende Geschlecht daS gegenwärtige sein wird-, was werdet Ihr ihm antworten^ wenn eS Euch, sagt„Das Vermächtnis, das Ihr uns hinter'Ässen, eS - bedeutet'uns nichts, es genügt nnS nicht, es sagt uns nicht zu, es stoßt nnS ab";. — oder noch, ärger, wenn, es Euch 'gar nicht um bas . Vermächtnis fragt, weil man es längst in die Rumpelkammer unreL alte Scharteken geworfen- ' weil man ihm längst den Rücken gekehrt, hat.^ (Z. Frankels Zeitschrift für die religiös n Interessen des Judentums. 1848, S. 60 ff.) Die .Worte, wie ich glaube, lassen sich ruhtzz. auch auf das Wien d-r Jetztzeit amwenden. - (Schluß folgt.) ' ' - Vom Jabrmarftt des Lebens. 7 Hkoffm Zur TagesgefchichLe^ Man hat Ln der. „Reichs'po^ schon wieder eine der großen Entdeckungen gemacht, welche 'M-eistcnZ auf ' findungen cherauslausen. Zehn Mische SchleichMnd^e.r mit Fleisch hatman?entdech. DaA Publikum wendet sich mit Grausen von dieser Untat ab. So etwas ist wirklich noch nicht dagewesen. Allerdings chat die „Reichsdost" vollständig vergessen, daß vor einigen Tagen 17 christlich-. soziale MiLgliedeMergewiß nicht Mischen Fleischhauergenossenschast genannt wurden, -die' weit mehr -als eine Waggonladung Fleisch, - Fettuich -Innereien aufgeslatelt hatten und sie eher teilweise zugrunsde gchen ließen/ als sie unter den Schleichhändelspreisen?herzugebcn.' Auch/ in vrelm,- gar nicht" Ärscheren Gasthäuserd. wurden zusammen viele Zentner Fleisch beschlagnahmte. Was sollen

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