Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Gr. Moch S Wschrnschri?! Äeite 201 HilfsMron fst? die O^fsr dsr Pogroms La WaliZrerr. Bei der Jsr. Allianz zu Wien sind folgende Spenden eingegangen : , . XIV. Liste (bis 24. März 1919). Dr. Heinrich Raab f . . . . . . . . . K. F. Weingart. . . . . . . ... . . - „ Sammlung des „Neuen Wiener Tagblatt" - (Aktion Reitzes) . . . .... ... . „ Sammlung des Bethausvereines „Ohel Jakob" „ Frau I. Sch. ans. Brody (für das Seelenheil der-Frau . E. K.) . . .. . „ Berth. Stiaßny, Butschowitz ... Wilhelm Karpeles - . . . . . ... . „ Israelitische KultüSgemeinde Caslau . . . . „ je 56 K: „I. M.", Frau Kaposi, „Dr. L. H." zusammen . .... . . . . . . . . „ R. Reich . . ... . . je Z0 K: A. von Engel, Max Rosner, Briinn, Bethausverein im Prater „Tefilath Jeschurom" zusammen . . . . ..... . . . . „ Zusammen. . . K. Bereits ansgewiesen - . . „ Summe. . . K. 1.000 — 600.— 575 — 451.- 160.— 1§0- 100.— 82.— 150- 30- 60 — 3.808.- 1,083.644.81 1,086.052.81 Weitere Beiträge werden vom Bureau der Jsr. Allianz, II., Untere Donaustraße 33, Postsparkafsenkonto Nr. 8152, sowie durch Einzahlung auf Konto der Jsr. Allianz bei der Credit-Anstalt, Wiener Bankverein, Anglo-Österreichische Bank, Zivnostenska banka in Prag dankend in Empfang genommen. MVischsr Jugendfürsorge- und Erzichungstsg. / Sonntag, um 9 Ahr früh, 'begann der für zwei Tage anberaumte jüdische Jugendfürsorge- und Erziehungstag im Festfaale der Handels- und Gewerbekammer. - > Der Präsident der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge, Herr I. Wachtel, begrüßte namens der Einberufer die Versammlimg und' bemerkt, daß der Endzweck der heutigen und morgigen Tagung die Gründung eines Verbandes für jüdische Jugendfürsorge ist, der sich trotz seines selbständigen Wirkungskreises im Rahmen der großen Organisation der jüdischen Wohlfahrtspflege, welche von der Zentralstelle .für jüdische .soziale Fürsorge in Angriffs genommen ist, konstituieren wird. Dir Krästezersplitterung unserer Wohlfahrtspflege läßt deren Mechanisierung dringend geboten erscheinen. Der Standpunkt .der Zentralstelle geht dahin, daß es auf dem Gebiete der jüdischen sozialen Fürsorge keine Parteien geben darf. Die Einigkeit der Liebe zu .allen notleidenden Glaubens- und Stammesbrüdern ist von keiner Seite bestritten und die aus dem Herzen quellende Liebe zu (dem köstlichsten Ente, welche unsere Fürsorge zu betreuen hat — den hilfeheischenden Kleinen — bedarf'der werktätigsten Mithilfe von uns allen. Wir wollen die unserer Fürsorge anvertraute Jugend zu guten Juden, tüchtigen Staatsbürgern und nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft erziehen. Meinungsverschiedenheiten - über den zweckmäßigsten Weg zur Erreichung dieses Zieles werden auch ber uns nicht fehlen, aber diest Klippe wird zu umgehen sein in Anbetracht!der .großen, und heiligen Sache, die uns vorfchwebt und uns allen gemeinsam ist. Mögen unsere Beratungen' zum Segen und Wohle unserer Kleinen führen. Das walte Gott! Zum Vorsitzenden wurde Gemeinderat Dr. Rudolf., Ritter von Schwarz-Hille-r, zu Stellvertretern die (Herren Arnold Lemberg er, Kultüspräsident Dr.,Ernst Moser (Mödling), Medizinalrat Dr. Samuely, Isidors Wachtl und Frau Gisela Zirner^Z wie back gewählt. - Zu- Schriftführern die Herren Dr. Siegfried Bernfeld, Dr.. Rudolf Scharstein, Kultuspräsidsnt Moses? Stößl (Klagenfurt), . Ortsschulrat Moritz Angar und Frau Cäcilie Fränkl. ' . . - Der Vorsitzende - Dr. .v. Schwarz-Hiller begrüßte: in Vertretung des Staatsamtes.für soziale Verwaltung, HofraL Pro- Wor^Dr. Robert Bartsch und Sektionsrat Dr. Viktor Süchau«k, für das. Staatsamt für Volksgesundheit Sektionsrat Doktor J»no schk-, für das Staatsamt für Unterricht Hofrai. F i e g e r, M di« niederbfferreichische Landesregierung Graf Z edt Witz, für das Poltzeipräsidium Polffeirat Dr. Wahlko^f, in NertretuuK des Magistrats Herr Oberjugendanwalt Dr. Faulhammer, für die Magistralsabteilung III Magistratsrat Dr.' Robert K r zr f ch, für die Zentralstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge Freiherr von Pidoll und Frau Hermine Herzfelder, für den Verband für freiwillige Jugendfürsorge Hauptsührer Dr, Emmerich T ä über, ferner die Vertreter des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde und des Jüdischen Nationalrates, In seiner Eröffnungsansprache würdigte Dr, p. Schwarz- H i l l e r die heute allgemein anerkannte Bedeutung der Kinder- und Jugendfürsorge und.stellt fest, daß gerade wir Juden sicherlich das herzlichste Interesse für das Wohl und Gedeihen aller Kinder» ohne Unterschied ihrer Volks- oder Glaubenszugehörigkeit haben, daß wir aber unter den heutigen Verhältnissen zunächst darangehen müssen, im Rahmen .der staatlichen Fürsorge für die jüdischen Kinder zu sorgen. Hierauf begrüßte Hofrat Bartsch namens des Staatsamtes für soziale Verwaltung mit herzlichen Worten die Tagung und betonte, daß die Regierung der freien Fürsorgebetätignng innerhalb des Staates keinerlei Schranken auferlegen wolle. Nach den Begrüßungsansprachen der anderen vertretene» Behörden und Korporationen sowie des Herrn Dr. Markus Spitzer namens des Kultusvorstasndes erstattete Herr Prof. Dr.Z appert das erste Referat über Säuglingsfürsorge. Der Referent schilderte das erschütternde Säuglingselend. das besonders der Krieg verschuldet hat, an der Hand genauer statistischer Daten. Er wies darauf hin, daß nicht so sehr .die .Gründung neuer Institutionen erforderlich fei, dir rn großer Zahl vorhanden sind, sondern daß es darauf ankommt, durch organisatorische Maßnahmen einen Ueberblick über das gesamte Fürsorgewesen für Mütter und Säuglinge zu gewinnen. Als Mittel hierzu schlägt der Referent die Einführung eines Schwangerschaftskatasters vor, dessen Kosten die Kultusgemeinde tragen soll, da wir uns zunächst auf jüdische Kinder beschränken. — In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß die jüdischen Pfleglinge in nichtjüdischen Häusern gewöhnlich ein sehr trauriges Schicksal' haben. Herr Direktor Mar Fischer hielt das Referat über „Fürsorge hn Vorschulalter". In historischer Darstellung zeigte er, wie die Fürsorgeinstitutionen für vörschulpflichtige Kinder sich erst allmählich gegen eine , starke Gegnerschaft durchzusehen hatten. Er schilderte sodann die ^Tätigkeit der -einzelnen Institutionen und erwies die dringende Notwendigkeit einer Vermehrung derartiger Anstalten. In der Diskussion schilderte Fräulein Grete Oberät k ihre Erfahrungen als Leiterin des Kindergartens der jüdischpädagogischen Kurse und.forderte eine Berücksichtigung des Montessorisystems gegenüber der MN 'Direktor Fischer vürtretenen Fröbekmethode. i Auf Grund einer Umstellung der Tagesordnung wurde sodann das grundlegende Referat über „Aufgaben eines Verbandes für jüdische Jugendfürsorge" von Dr. Siegfried Bernseld Vorgelegt. Er umriß in beredten Morten die großen Schäden, die die heutige Zersplitterung des Fürsorgewesens mit sich bringt. Der Verband muß die Erfahrungen der verschiedenen ihm angeschlossenen Vereine bei Währung ,ihrer vollen Selbständigkeit den anderen zugänglich machen. Auch die Erfahrungen anderer Völker und Länder sollen gesammelt und studiert werden und schließlich müsse der Verband eine Zentralstelle für die spezifischen Aufgab«» der jüdischen Jugendfürsorge werden, als -welche zum Beispiel die Ueberführung des großstädtischen Proletariats zu produktiven Berufen, das Problem des jüdischen Unterrichtes unter anderem anzusehen wäre. Der Verband soll alle angeschlossenen Vereine in ihrer bisherigen. Tätigkeit fördern, dann aber auch die gesamte Jugendfürsorge nach einem bestimmten Plan regeln. Der Referent entwickelt schließlich, um bie große Bedeutung des Verbandes anschaulich zu machen, ein großzügiges Programm für eine freie jüdische Schulsiedlung, in welcher nach und nach das gesamte jüdische Jugendsürsorgewesen außerhalb der Stadt zentralisiert werden sollte. Eine solche Gründung bietet außerordentliche Horizonte und wäre ein Novuml in der Geschichte des FLrsvrgewesens. > In der Nachmittagssitzung ,knüpfte sich an dieses Referat eine eingehende Debatte. > - . Frau Dr. Margarete Grunwald lenkt die Aufmerksamkeit aus die Jugendgerichtsfürsorge, einen Zweig, der. in der allgemeinen großen jüdischen Fürsorgetätigkett noch kein« Beachtung gesunden hat. Es war ja wohl auch kaum nötig. Denn es ist erst eine der traurigen Erscheinungen des Krieges, daß zu djdn Judengerichtsfällen auch die jüdische Jugend einen^ wennauch immer noch geringen, Prozentsatz stellt. Der Vorstand des Frauenvereines ftr den 2. und 3. Bezirk hat sich mit dem Ansifchen an das Leopoldstädter Bezirksgericht gewendet, einer Delegierten zu erlauben. Sei den Verhandlungen jugendlicher jüdischer Straffälliger anwesend zu sein. Mit größtem Entgegenkommen wurde das Ansuchen bewilligt, und ich bin nun (fett eineinhalb Jahren bei allen derartigen Verhandlungen anwesend und interesflrre mich für die verurteilten oder auch fretzesprochenen Kinder. LeideG mit wenig Erfolg. Das liegt daran, daß mir gar kein Hilfst mittel §u Gebote stehen, für diese Kinder etwa» zu tun. Gs gibt keine Heime Mr sie, keine geeignete '-Organisation, die mir