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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-28 · 13 (28.3.1919) · p. Seite 184

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
13 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
Seite 184 (sequence 8)
Language
German
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__,.'u _ I'.' oth]i,-t—i-L.i. ir'~':.;r - <mm * ' ' ''~'MK;--i«WVyBr - :- ' zm isr die Eintretung für ferne BerwirklichuLg verlangen: vor üllchn über MMen.unsere Kandidaten jüdisch denken, fühlen und handeln, es -muß sie jüdisches Interesse beseelen, bas sie zur Arbeit für den Kultus, für die jüdische Ähre und' zum sozialen Handeln antreibt. Wer geistig und sittlich hochsteht, und diese seine Kräfte für dtze Juden und jüdische Werke und Einrichtungen verwende^ wird' von uns unterstützt werden. Wir suchen keinen Kampf. Unsere Befehdung gilt nur den Elementen, welchd das Judentum untergraben. Das sind nicht nur dieAresigiösen, das sind auch diejenigen, welche den nationalen Gedanken jLn die Stelle des religiösen Empfindens setzen wollen. Unser Gegensatz ist stark auch Zu .den' Elementen, welche in.Phrasen und' WortgeMengsel die Jug«ü> betören, denn der jüdische Politiker yruß vor allen Anderen altes, was er sagt, cmführt und behauptet, beweisen, begründen und bewerten. Die Zahl" unserer politischen Vertreter ist so gering, daß si^ eine Auslese des Besten sein muh, das wir Kaden. Das ist sazuch ein PrograMmpunft unserer Vereinigung und, wie mitscheint, ein sehr notwendiger.; Lm MMer Seid. ' Aus Arad wird gemeldet, daß sich der Hauptver-- trauensmann des 46. Irrfanterieregiments Andreas Fellner vor^den Augen der versammelten Mannschaft erschoß. Fellner Hatte öffentlich erklärt, daß er die Disziplin seines Regiments mit seinem Leben verbürge. Ms die Kompagnie den Befehl erhielt, sich in ein benachbartes Dorf zu begeben, verweigerte ein Teil der . Mannschaft: den Gehorsam mit der Begründung, dah HreAusrüstung unvolllommen sei. Fellner versuchte, die renitenten Soldaten zu beschwichtigen, indem er es ihnen vorhielt, .wie schwer es jetzt sei, neue Sachen^ Herbetzuschaffen. .Im übrigen habe ich mich für euren Gehorsam mit meinem Leben verbürgt. Ich mühte eüretwegen wortbrüchig werden, wenn ihr meutert, und würde mich lieber vor euren Augen erschießen.. Ich bitte euch, treibt mich nicht zum Aeuhersten." Da sich doch noch welche fanden, die nicht gehen wollten, zog Fellner seinen Revolver und erschoß sich vor der Front der KvMpagnie. Er blieb auf der Stelle tot. Andor F e llner, 21 Jrchre alt, war ein einfacher Eisenarbeiter, aber jüdischer Rasse. Dem Leichenbegängnis wohnten Kri^smirnster B ölhm Und der Präsident des Budapester Soldatenrates Pogany bei und legten Kränze auf die Bahre des Verstorbenen nieder. Zur Ehrung' Fellners wurde zur Zeit des Begräbnisses in sälntlichen Budapester Ministerien die Arbeit auf fünf Minuten eingestellt. Dem Verstorbenen soll ein Denkmal errichtet werden. Die GEbauem. In der Innsbrucker Zeitschrift „Widerhall", Rr. 11 vom 15. Marz 1919, wird mitgeteilt: „Gerade unter den Großbauern gibt fesr ebenso w« unter den durch seinen Reichtum gefühllos geworden«! Stadtmenschen, Leute, die aus den Zähren der allgemeinen Not nur dajs «ne gelernt haben: wie man seine Mitlebewesen am besten auÄbemen kann. Sie haben sich' Zn dieser "Kunst eine Fertigkeit erworben, die man gerockezu raffiniert nennen kann, Gin durchtriebener Spitzbube könnte jn der AusMgelmrg der Wege, auf denen er die Taschen anderer ausräumen kann, kaum findiger sein. Dickei ließ sichs aber der gute, ewig klagende Bauer gut gehen wie in Frredenszeiten. Der atz feine in Fett schwimmenden Krapfen, Wnen Gugelhupf, seine Schüsseln voll Milch, ohne eine Miene #U «erziehen, wenn irgendein armer Teufel init der leeren MUchflasche rm Rucksack anklopfte. , » t . ,-Hlck'n selber zÄmig" — wie oft ward einem dies« Auskunft ecks Eine alle.HoMungen Mmichte wachende Kund» zuteil! -- Dabei stand in der Milchkammer .SchSM an Schüssel und d« Kochm sprangjm herum mit dich« VLuch« und trnnLw BWake« voll von dem heute fö koWar gewordensn Wofft «rs. Schreiber dieses passierte de selbst, daß er eines Lages auf sein« Frage, ob» er: nicht eine Schale Milch haben könnte für sein Kind, keine Antwort erhielt. Wir zum Hohn schüttete - der Bauer die kuhwarm aus dem Stalle kommende Milchin zwei große Schälen und setzte sie seinen .Katzen vor. Und so etwas jetzt, zu einer Zeit, in der 'btr Mangel feinen Höhepunkt erreicht hat!" j -' mmmstt mm m; Wie, so oft in dem entsetzlichen Weltkriege auf den Zeitereignissen ähnliche Begebenheiten und Erscheinungen, von denen die Bibel berichtet, Angewiesen und Vergleiche zwischen deM Einst und Jetzt angestellt wurden, so sei hier auch daran erinnert, daß die Bibel auch schon eine Revolution und Entthronung kennt, die in Manchen Zügen an das Ereignis ernmort, das allen unseren Zeitgenossen wohl für immer -unvergeßlich bleiben wird. Ts handelt sich uM den Aufstand der zehn israelitischeu StäMMe gegen RshabeaM und seine Thronentsetzung. König <5ae' kömo, der Vater Rehabeams, hatte kaum die Äugen geschlossen, als die zehn Stämme mit ihren Forderungen an ihn herantraten. „Dein Vater hat vm ein hartes Joch auferlegt, so erleichtere du uns den harten Dienst — und.nvir wollen dir untertan sein." So lautete, in der Form ruhig und entgegenkommend, in der Sache selbst aber entschieden, ihre^ Forderung, in der Äusdrucksweise unserer Zeit das Ultimatum, das die Israeliten dem jungen König stellten und zu dessen Beantwortung sie ihm eine Frist von drei Tagen auf sein Ansuchen bewilligten. Und nun setzen die Verhandlungen ein, die Beratungen mit denen, welche von dem Gefühl ihrer Verantwortlichkeit gegen König, und . Voll erfüllt sind, und denen, die für die Forderung der Zeit noch nicht da» rechte Verständnis hcchen könnest. Zuerst -fraMRehabeam die Alten, die schon seinem Vater, bem’ König SaloMo, gedient hatten. In ihrer abgeklärten Weichheit und Welterfahrenheit raten sie ihm zur' Nachgiebigkeit: „Wenn du dich heute als ein wahrer Diener deines Volles erweisest und deine Antwort in freundliche Worte kleidest, wirst du dir für allezeit das Voll zu Dienern gewinnen." Aber der junge Fürst geht auch Mit seinen Altersgefährten zu Räte, „den Jünglingen,- die mit ihm groß geworden waren", wie die Bibel anscheinend Mißbilligend bemerkt, die also nicht mehr Erfahrung und Urteilskraft besaßen und auch nicht besitzen konnten, und dennoch den Mut aufbrachten, ihn zu beraten. „Mein kleiner Finger ist stärker als die Lenden meines Vaters. Hat Mein Vater euch ein schweres Joch cuzferlegt, so will ich es noch schwerer Machen; hat er euch mit Ruten gezüchtigt, so will ich euch Mit Skorpionen züchtigen." So raten sie — weil sie nicht wissen, daß der allzu straff gespannte Bogen bricht. Und der übel beratene junge König folgt seinen jugendlichen Ratgebern —, und so bricht denn das Unheil Mit aller 'FolgeriHtigkeit ' und Selbstverständlichkeit über sein Haus herein. Die zehn StämMe, die sich so schnöde abgewiesen sehen, erklären ihre Trennung von dem dävidifchen Königshause: „Wir haben keinen Teil an David und kern Erbteil an deM Sohne Isars. Zu deinen Zeiten, Israel! Jetzt sorge selbst um dein Haus, Davidl" — Auch der neue König, Jerobeam, ist schon auf der Bildfläche erschienen. In ihm hatte schon König Salomo den Rivalen seinO Hauses erblickt : seine Hand aber hatte ihn, der sich durch rechtzeitige Flucht in SichEheit zu bringen wußte, nicht eMtchen können. Jetzt aber tritt er Mühelos die HerrsMft an, die jugendlicher Leichtsinn und UeberMui ft'eventlich verscherzt hat. Man sieht, die Menschen Miben dieselben, und die Geschichte ist eine ewige Wiederholung desfen> mts sich schon Mher ereignei Hck-

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