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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-28 · 13 (28.3.1919) · p. Seite 181

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
13 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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m i* W. «sW mü&mw Seite m kaMf in einer. evSngelischen ittr^eks^rnKt befassen, könnte sich auch H err H erto Mehr um eigene Angelegenheiten Wninrern. statt mit echt jüdischer Zudringlichkeit, Mie er es nennt, um Dings, bei! denen er noch weniger gefragt wird als anderswo. «kfs «»nn tz« Regwrunz «us ZnSM «efieht, wie Werden dann di« Zu-«« Sei iyrem -§sMW m der „DevtM-tz Zeitung" stets besonders hervorgehabenen starken SolidLritätSgefühl «in« bewaffneten Aufstand gegen d»fe Rrlgierung Machen? Solange uns die „Deutsche Zeitung" über diesen Punkt nicht «ufllLrt, Müssen wir ihr« Angaben mit Mißtrauen betrachten. ' Draußen im Deutschen Reiche spielen, die Großagrarier die Rolle unserer Christlichsozialen. Ganz Europa weiß, welche Rolle sie vor. und im Kriege gespiselt haben, wie ihre'Pretzorgane und' ihre Redner seit Jahr und Tag den Wasfengang mit dem „Erbfeind England" heraufbeschworen, wie sie ißtlbelten, als der gewefene Kronprinz im Reichstag dem Abgeordneten applaudierte, der vom kommenden Kriege mit den Engländern sprach. Als es jedoch galt, die Ausgaben für die .Seerüstungen Deutschlands zu-bezahlen, lehnten sie alle Steuern auf Grund und Boden ab, zwangen den Kanzler zum Rücktritt und legten die Kosten ihrer hurrarusenden Vaterlandsliebe den breiteil Massen durch Abgaben auf dir Lebensmittel auf. Als der vom ihnen gewünschte Krieg wirtlich ausgebrochen war, gingen sie genau so volksfeindlich vor, wie unsere christMsozialen Bauern, hungerten und wucherten die ^Städte aus und wurden während ihrer Riesenprofite heiser vom Rufen, die Deutschen wüßten durchhalten. Sie wären es, welche die Regierung zum endlosen Festhalten am Kriegsgedanken ermunterten und welche schließlich den vollständigen Zusammenbruch verschuldeten. Ihre politische Haltung, ihre Mißwirtschaft und Profitgier, ihre Brutalität gegen die Menschen vom' Baron abwärts haben ihnen natürlich den stärksten Haß der breiten Massen zugezsgen, und genau so wie unsere Antisemiten versuchen sie auf alle Arten, diese brandende Wut auf die Juden abzulenken, obzwar diese in Deutschland bekanntlich nur ein Prozent der gesamten Bevölkerung ausmachen. Wo immer etwas Uebles für das Reich entstanden ist. find die Juden daran schuld. Der Krieg ist entstanden, weil Kaiser Wilhelm jüdischen Ratgebern folgte. Aus denk. gleichen Grunde wurde das feindliche Friedensangebot zurückgewiesen. Die Revolution ist nur auf jüdische Mache, zurückzuführen und die letzten Kampfe in den Straßen > sind wieder nur von Juden veranlagt worden. .Man wird atemlos bei der Aufzahlung der Maßlosen Dumm-' heilen, .welche von den äbgekrachten Alldeutschen und! Großagrariern gegen die ernten Juden ins Treffen! geführt und namentlich in der .„Deutschen. Zeitung" mit- Schntockphantasie erfunden und dann bis zuM Ekel wie-/ dergekaut werden. Es wäre diesen Herrschaften schon! recht, wenn sie die Juden gu Sündenböcken machen! könnten, aber-sie haben Äämit so wenig Gluck, wie unsere! Antisemiten. Der Versuch, die Juden zu Führern be'r] Spartakisten zu Mächen, trägt der „Deutschen Zeitung"! folgende Abfuhr im „Vorwärts" ein, die den Titel hat:j „AnttfernittW Getstesverwirrrrnge«." Der .Spartakuskampf ein Krieg der» Juden? Die „Deutsche Zeitung" möchte . die- Spartatistenkämpfe gar zu gern in ein kkeines Judenpogrom ausmünden .'lasten. Zu diesem Zweck erzählt sie ihren -''Lesern SchauergeMchten über die angeblich russisch-jüdischen Drahtzieher der Bewegung, sie Hat sogar entdeckt, daß überzeugte Kommunisten als Abzeichen den fogenaünten „Judenstern" tragen! : . . Wir waren schon im Begriff, 'den schwerwiegenden Angaben der. „Deutschen Zeitung" über die jüdische Führung des - Spartakistenaufstandes ernsthaft rrachzugehen. als uns zum Glück folgendes einfiel: Erst vor ganz kurzer Zeit haben wir unaufjp horlich in der „Deutschen Zeitung" gelesen, daß gerade die gegeng| wärtige Regierung Deutschlands ganz verjü d et sei, daß Deutsch-^' land gegenwärtig nur von Juden beherrscht werde. Wir erinnerten uns auch noch eines Mahlanfchlages. gelegentlich der Wahlen zur Nationalversammlung, dessen Verfasser der „Deutschen Zeitung" 'sicher nicht fernstanden, der Mit den Worten b'«- Zgann: Achtzig Prozent Juden fitzen in der Regierung; wir erinnerten uns der illustrierten Flugblätter i.,gegen di« Judenr « Ui e r u n g. der Landsberg, Hirsch, Dapidfohn. üfw." iBor einiger Zeit Mußten wir uns mit der „Muskete" beschäftigen, welche sich als Witzblatt - b^sichnet, obwohl Man die Berechtigung für diesen Titel nicht iMMer finden kann. Diese Zeitschrift hatte wohl alle Ursache, ruhig in ihrem Winkel zu sitzen und ihren wöchentlichen Geist zu verzapfen, ohne jemanden anzugreifen. Denn sie gehörte als Offiziersorgan zu jenen Hurrablättern, die mit großem Geschrei für den Krieg eingetreten smd. der uns „läuterir und erheben" sollte. Als sich nun die schrecklichen Folgen des furchtbaren Mordens zeigten, drehte die „Muskete" um und ersetzte ihre Kriegsstim- Mung durch „Antisemitismus". Sie machte es ebenso, wie die läppisch« christlichfoziale Presse, welche der über 'ihre Kriegshetze empörten Bevölkerung den Juden wie einen Schild entgegenhält. In der „Muskete" waren eine Zeitlang Bilder zu sehen, und Worte, zu lesen, an denen der Urwaldantisemit aus den neunziger Jahren seine Freude gehabt hätte. Wie sich dann später herausstellte, war der Scfwpfer dieses wöchentlichen Geistes ein Dr. Paumgartten, der nun seine Gesinnung und seine schreckliche Langeweile einem teutschnationalen Blatte angehängt hat. Die Redaktion der „Muskete" gab eine Erklärung ab und ließ die Judenhetze eine Zeitlang blekben. Run hat sich thr über offenbar wieder eine Kraft stärker gewidmet, die wir m der Wahlzevt pls eifrig wirkende Hilfskraft des rohesten Antisemitismus kennen gelernt haben. Cs ist dies der Zeichner Schonpfkug. der diesmal ein.jüdisches Zerrbild letzter Klaffe bringt, einen Mischen Reserveoffizier in Uniform mit Regenschirm, unter den die Redaktion einen sogenannten „WA" macht. Wir überkaffen es dem Urteil jedes vernünftigen Menschen, der das Machwerk gesehen hat, sich über seinen Wert und seine Berechtigung selbst ein Urteil zu bilden. Die Redaktion hätte sehr starke und reichliche Veranlassung, sich nrit übergroßen Mißstanden des öffentlichen Lebens zu befassen. Aber diese werden von ihr aus dieser oder jenen Gründen übersehen. Bloß auf die Juden mit ihren 90 Prozent armseliger Erßstenzen richtet sie ihr Sinnen und Trachten, obwohl Zn ihrem Verband einige Leute ihrer Abstammung nach eigentlich wUen müßten, wie es heb den Juden steht. Wenn es aber bei dieser Haltung bleibt, werden die jüdischen Leser wohl wissen, wie sie sich zu verhakten haben. Auch der.Zeichner des „Morgen" leistet sich in der letzten Nummer des Blattes eine Erleichterung antisemitischer Gemüter. Reben einer Gesellschaft 'ehrmÄiger österreichkscherlHocharistokraten in der Schweiz »steht protzig ein offenbar ebenfalls gefluchteter jüdischer Kriegsgewinner nebst Frau und Kind und danrit man die Konfession ja incht^ verkennt, hat er den Mögen David auf der Brust! So zu sehen im freiheitlichen Organ, dessen Besitzer und Mitarbeiter wohl wissen müßten, daß auf jeden jüdischen Kriegsgewinner hundert.christliche kommen. Wenn die Redaktion keine geistreicheren Einfalls-hat. um ihre Unparteilichkeit zu beweisen, wird sie der Sache des Freisinns gewiß dauernd gMe Dienste erweisen. * * * t Man Muß wirklich schon sagen, daß sich der Antisek mitismus manchmal zum Jur erhebt, wie ja auch mancher ^wütende Mann einen komischen Eindruck macht. Da gibt 'es zum Beispiel jetzt die Frage der deutschböhmischen -Offiziere. Die Prager Regierung fordert, daß sie in

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