Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
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M. U Or. BtiMS MMMMM Ästt, LOA -^7 iLvtfprech«." Zum, KHlutz kAt dits« -getreue Eckarr unserer Eefremde, uristteft Vorbetern. «ms Herz, l,Sülz«rs Schir Zioy gründ- ... lich .'zu studieren undfür/i besten richtige, . den Absichten ihres ■*■■ üüvrrgetzlichen Schöpfers entsprechende Jnterpretatton in ihren Synagogm Sorge zu tragen".?. / •' Hierbei ist hervorzuheben. was'Dr- Steiner für tzrmülige Wiener PubkrÜtM.nicht zu unterstreichen Mäüchte;dätz Sützsrs7„'Schir ^Zion", das übrigens den' Ruhm Wiens im Auslände festetbegründet hat, als die weltreisigsten unserer.Operetten/ durchgehends ohne Or- ^. gelbeglettüng gesetzt ist. Ein Beweis» datz der Meister : ’ für alle Zeiten seine Schöpfungen nür von Menschen- ' I stimmen, aber nie von der Orgel vorgetragen wissen; wollte. Daher können höchstens Kantoren, die nicht über SuWs. Geschmack und,. zeitgemäße Bildung verfügen, sich für die Orgel erwärmen. , ~ . Jene prächtigen Herzenswärmen Worte Dr. Steiners geben' den Gründton des juste inilieu int Empfinden der '-Wiener Gemeinde wieder, der trotz mancher Schwan- ' kungen, bald nach rechts, baw nach links,'doch immer > .wieder zumDurchbrüchkamund seine Herrschaft be- . hauptete. Das Ansehen, das der von Mannheimer .. und Sülzet geschaffene .»Wiener Minhag" weit und . breit genoß, würdigt I e l l i ne k m einer Predigt im Jätzre 1861: . ' . / „Jeder Reisende", sagt Jellinek, „kann euch berichte«, datz. ««nn unsere deutschen Glaubensbrüder auf. dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft'' jich auszeichnen, die öjterreichische Judenheik sie . Lurch die Schönheit und - di» Herrlichkeit des Kultus üüertiifft , Zum. zweiten. Male -hat Wiens- .Gemeinde durch ihren. Tempel ,dr«)en we>lreiche-iden-Eulpuß m Zrraet gewonnen.* . Änd allesdies ohne Orgel! Kürz vor seinem Ableben besuchte Hermann Lohen Wiederholt unseren Leopoldstädler Gottesdienst, und io* wohl vor Ar. G üdemann als auch einer anderen angesehenen Persönlichkeit unserer Gemeinde gab er seine -? sLindrMe dghin^wieder: '^Dst sichte nchN:Hs fgeht auch ' ahne Orgel!".. . - ';; Auch im Jahre 1871 War ein Versuch, die Orgel > M Tempel einzubürgern, gescheitert. Die Mahnung Jel-ineks, den deutschen Brüdern neidlos die Krone der Wissenschaft zu lassem aber im Kultus sich die Selbstän- ° digkeit zu bewahren und nicht auch darin - bejs «den reichsdeutschen Orgelfreunden ein Anlehen auszunehmen, sie Wirite trotz desWachsens ^des deutschen Einflusses. Noch indemselben 2ahre wurden jedoch unter dem Ein* drücke der- Beschlüsse der Leipziger jüdischen Synode von einem Komitee, das über eine weitergehende Refor- - mierung des Kultus zu beraten hatte, beim Kultusvorstande dahinzielende Anträge, u. a. äüch auf Einführung der Orgel, eingebracht. Die G^nerschaff gegen die beabsichtigte Neuerung zeigte sich aber so stark. daß . der. Orgelantrag fallen gelassen wurde. Der Wiener Kultusvorstand beharrte bei der fest- . ' gelegten Erkenntttis, derzufolge die Orgel als dem Judentume Wesensfremd und mit den Gründlagt.» desüber- ' lieferten Kultus unevreinbar gilt. Hierauf beruft sich m seinem Gutachten an den Berliner Borshmd im Jahre . ' 1661. Michael Sach s: . . „Es-darf hier auf di«. Haltung der Wiener Gemeinde hmgewiesen - werden,' die am frühesten d^n -Gottesdienst in <rn^ ' - semeffener - Weise ordnet«, . in dieser Anordnung am. freiesten sich , bewegte, ohne aber den. traditionellen Bode« zu verlegen und in separatistische und reformistische T^ndArzen einzugehen. In . .-dem gewiß schr. entsprechend gehaltenen Gottesdienst ist der Orgel ^beharrlich die Stelle verweigett worden, trotzdem datz in Pest - N . unbeschränkter,' in ,Prag( in 'einem DereinÄempel)' in begrenzter Ausdehnung eine-: solche beim Gottesdienste benutzt wird. <£s; darf als bestimmte Tatsache betont werden^ die dem Mchreiber .v^rtzKses von züyerlässigster .Seitemitgeteilt. worden, datz disr Einsicht auch in die. dortige. Gemeindevertretung sich Eingang; ver-? .Wisst, hat, wie durch die Fernhältüng der > Orgel die Gemein de - , vor schismattschen Regungen und bedenklichen' Spaltungen bewahrt wm**«. ist" ' . . . ^'v, Diese Einsicht beherrscht«, wie wtr sahen, auch noch ein Iahrzchnt spätei die Leitung unserer Gemen re. In einer Medigt über „Jerusalem, die Opfer und die Orgel" sagte dama^ Dr. Güdemann:' „Jeder ehrliche Mann wird von vorneherein zugeben, im. Äcljle dieser Sctzr.slen ^Talmud Namdem, Gchuichaa aru«)/uuL ihrer Urheber stutz die vorgrschlagenkie Reformrn nun einmal nicht. Gegen den Vorhalt, datz er, der Redner, selbsh „an einem anderen Orte feiner. Tätig?eit dte Orset im Go1tesdien.ste gebilligt und zugelasfen". habe, somit natürlich, ha in dieser Frage befangen und nicht einWandfrei, als^Rrchler abgelehnt werden^müsse, bemerlf Güdemann: „Ich bin bei der Orgel im Gottesdienste aufgewachsen. Wenn ich mich dennoch dagegen ausgesprochen habe und ausfpreche, so beruht dieses Urteil, wie ich wohl sagen darf, auf . einer reiferen Erfahrung und Bildung." , Sich auf das angebliche.Orgelspiel mv Heiligtumzu Jerusalem zu berufen, sei inkonsequent im Munde derer, die den Opferdienst m jenem Tempel,, mit dem doch die; Teyrpelmusi? organisch zusammenhMgt, cM „Metzgerhandwerk" ablehnen. »Dagegen,, datz man die Orgel Mr erlaubt ausgibt» äwfl st« nicht ausdrücklich verböten i / sei an Simri zu erinnern» der auch für sebreUnLaL geb tend machte, datz sie ja nicht ausdrücklich verboten sei. . „Die aufgeregte Phantasie und die v«schwommene Schwärmerei und Vetzückung, wie fie für «inen Augenblick die rauschend« Mustk rkAcitHl — da» rst Utlpl. Renzlösttat uao nicht tzw'Ääuachr die de« g fällig ist. der da gefugt P. 4, Läfr , »Bu bist angewiesen zur Erkenntnis" und (ebdas. 4, 6H: „Bewahret die Gebote Gottes und übet ste im Leben aus", sondern Rellgtosität und Sittlichkeit im Haus und Leben, in der Famüßr Md r.> Wcilverr-dr «.-er uonze.^s uu<y>e,.aem Si.uue mi» klarem Bewutztstin — das ist jüdische Andachst. Di« Orgel mag mit ihren rauschenden und beraujchenden Tonen vorttesfüch zu einem Gottesdienst«' passen, der auch des Weihrauchs und anderer sinusbestrickender Liittel bedarf, um seine Teünehmer selbst für «inen Augenblick M einen Zustand des^ Rausches, der Betäubung,; der Äeurd.-rung und vrS gc.n-geu Ärarirraulpsefestjuoayneli, aoer zu dem -jüdischen Gottesdienste mit. seiner sonnigen Llarhett, tn welchem jeder sein eigener Mittler und Prie>ter tzt, in welchem grotz und klein und hoch Mö niedrig mit Gott' von tAngestchst zu Angesicht verständlich redet, um wre vor einem Freunde sein Herz auszuschütten, seine Brust zu Erleichtern. zu diesedr einfachen Gottesdienste wird die Orgel . nie paffen. , Diese Lrt'Htn Reform zieht nur die llnwiffenheit nach sich. Daraus Möget itzr l» gern, »lco^et aus das Nrgumenr von der Sorgfatt f»r die Zu-- Inttji und die Jugend zu getzür ist." Diese mahnenden Stimmen aus dem Grabe, diese Träger der .großen Traditionen unserer Kultusgemeinde führen wir nur als Beweis für diegrundsätzlich, ablehnende Haltung chr, die porg jeher in der Orgelfrage von den führenden Geistern der Wiener Judenschaft eingenommen wurde, eine Haltung, die für viele Gemeinden vorbildlich wurde und sie vor inneren Kämpfen und Zerklüftungen bewahrte.. Eines-aber könnten unsere eRformapostel auch von der Kirche lernen, als kostbares Gut ihr.entlchnen: Das ist die Ehrerbietung vor der Geschichte. ' In der Kirche, so sahen wir, hat sich die Orgel ein nahezu kanonisches Ansehen erworben. Ihre legendarische Erfinderin wird als Heilige verehrt. Papst Pius X.. der aus ästhetischen Gründen persönlich ein Gegner der Orgel war und. sie aus der Kirche beseitigen wollte, drang damit nicht durch und, stietz .auf den Widerstand der ganzen katholischen Welt. Und doch besitzt der.Katholizismus, zwei Kirchen,ohne.-. Orgel. fiis. auf beit heutigen Tag: In der Sirtina und in der Peterskirche zu Rom Md-sie keinen Emgan^Miese Kirchen bestanden näntz- /lich Leretts vor der Err^Mung der Orgel Mdsn chüU- . Men Ritus und man HMe es als Verletzung der schuld!- < gen Ehrerbietung vpr der Geschrchte. als einen SW'der- .ilKietLÄoMrest..AMMdey,' dmch eine solche Neuknung den historischen Eharatzer dieser GoMeshSuf^ ändern