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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-28 · 13 (28.3.1919) · p. Seite 178

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
13 (28.3.1919)
Date
1919-03-28
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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ter m - Ä«. MMR MMrnMrtzL - r i ii iirtb zwar aus Zwei Gründers sicht: : Mell zwisths: dem Menschen _ p und Gott kein« vcrmiLtelp.dr Stimme Zein soll. Drr betmdeMensch . ' . wrrcht unmittelbar seinen Schöpfer an und schickt nicht gedankenlose Töne als ^in „B-ittk für uns"' zu ihm empört, und weil. dt« Menschenstimme mächtiger, erhebender, iüs die chy Instrumente . . W. Aber selbst der katholischeste Mann der Erde, wenn er di« tiefsinnigste kirch^He Feier begehen will, fr bedient sich der Orgeln nicht. Inder. Sirtinischen Kapelle .in Rom. ertönt nur Vokal- - Lwstk, hier redet die -Menschensrimnre allein zu Gott und ebenso wird in der Peterskirche zu Rom 4!eine Orgel laut. Warum soll mm die Synagoge aufgeben, was Fi« seit Jahrhunderten besitzt, : den Gesang der Menschenstimme, die unmittelbare-Sprache zu Sott? Ad LH im Frühjahr« 185S aus den' Wunsch des geehrten Vorstanves in Berlin den löitigl. Musikdirektor. Herrn - Meyerbeer um eine .Psalmkömposition zur .Einweihung funserrr n«r«r Synagoge anging, äußerte er Zanz unerwartet: „Sie »erden wohl nur Gesang und Orgel m der Synagoge haben? ,IM - Kiesigen Dome, in Berlin, der Metropole des Protestanttsmus ^br ich es durchgesetzt, daß feine Orgel hinzukam, weil die Vokalere eine «eit gewaltigere Kraft Md Wirkung haben." Frankl ernMnt sodann, wie er in OrgelsynagogLv den Eindruck Hab«, sich' in einer protestantischen Kirche zn befinden, wie selW m einÄ MiMnskirchr mit Rücksicht ouf das angeborene Mdifche Lmpfmdekt her frisch Getauften das Orgelspiel pnteröleibe. und wie Lmrußt ^rnd mit Absicht „beim Bau« der neuen Synagoge in Wien (Leopoldstadt), nicht der christlich-gotische Stil, sondern .der risch--arabische gewählt wurde. Seit wann ist denndujüdische Geist ein nachahmender?2) Ursprünglich in seinem Glauben an einen Gott, originell in stirer Legende und-Gefchrchte, originell in seinen hriligen und weltlichen Dichtungen, warum soll er plötzlich zum Nachahmer der Kirche /werden, der er nicht . hvlbrxi Lir ven'.Te-üdxrste» viel mehr an die Schmerzensschrei? ' inner Glaubensgenossen, während zweier Jahrtausende, als an Musik erinnert." - f : " ~ - Zum Schluß fordert S r an kk das Komitee auf, Li« Gememdemrtglieder zu befragen. Sie mürdon sich - Me pntschied«r gegen die Orgel aussprechen. Daß damals eine solchr SLrmmung m. unserer Kul- . tusgememd« vvrherrWe» war in.erster ReihraufLas WWm ''MN«- dienste im Wiener Tempel Richtung und Matz g'egeden Hatte: Jstrk Ros Mannheimer. , Bereits <im Jahre 1820 hatten ^die Vstreter dar Wiener Judenschaft bei der n.-ö. Landesregierung um Westatigung eines Refornr-entwurfes. eingereicht, in HM u. a. die :Mnführung deutscher GesZnge -r vorgesehen .. war, die .. . .- .. - . .... ' . -- „zur Erhöhung der Andacht und zur Erhaltung einer regelmäßigen G^angsordnung mit Musik, und tzwar von. einer Orgel _ begleitet werden sollt«n.">) . , < - ' - , ' ' Als Mn Männheimer im ^rni"I825 nach - Wien kam, nar sein Blick vor allem'.darauf ^richtet, DhNe Wie Psynd uns dieser Begriff der MMerschaft, kommt« deutlich gerade in dem Gegensätze .der EiMesdienste zum Ausdruck, wenn wir zum Beihriel dasorgelöegleitete „Thrist ist erstanden" am Osterfest der Name.übrigens voader heidnischen Ostara — mit unserem Ha Lei am P-ifüch. dem MbÄnden. . «B'seth ZiSra-l mr»i»ajim" .serzletchtzd. MSist fornii Wahrlich kein enqherzige und kuysichtige Intoleranz und Kleinlichkeit, kein „mit Kanonen nach Spatzen schießen", wenn unser« Wieners Größen sich entschieden gegen die mit der Einführung der Orgel gegebene .Vermengung. AdMtz Mparater. KNtru»fdl.men wehrten. - i:s) Dieser jüdische .Geist Mtt jn-Mserem Gottesdienst ebenso zutöge, üüe in den protestantischen Ländesyrchen der jeroei-iz nationale GharÄter. Dom katholischen Standpunkte aus erklärt Döllinger '(Küche und Kirchen): LhriNentmik^charf^-'.«nd'--- -soll'? keinen nationalen Beigeschmack haben; unsere -Kehre und religiöse Hebung soll farblos und geruchlos fein wie Wässer." Diese Färb- - kosigkeit und Geruchlco'sgkeit Meist auch het jüdische' Gottesdienst' auf, wenn er, durch Streichung aller nationalenMsmenteentjudet, durch hie Orgel verchristelt,. nicht die- KonsequeW zieht!. . nur Gebeke^m der Landessprache ßltzulassen. Die paar hebräischen . 'Brocken, vwlfach, wie das-Latein bei den Katholiken, unverstanden^ 'die Lllein tuy'es wckhrlich ntzcht. ' / ' . ' ») Gegen Biedermann, der diesen Standpunkt «erlrat, setzte Mannheimer, die Ausschaltung der Orgel hurch, obgleich ~er gerade " dem danrals in. der Wiener Iudenschäft allrnächtigen Biedermann . ' Mir Berufung nach 'Mien zu Verdankcn hatte. Er handelte also nicht aür'..OpportAsitLtSrückslcht . io'ndery a«S-der'NederzeuInnz von ber Rötwendtzkeit solch« Haltung. denIriebrn Ht d« G«mrinde zu siörm, dar Gottesdienst in schöne und 'dLbei doch. Mt jüdische Sormen zu kleiden^j In .^seiner dänischen Heimat wckr meit gMehei^' patz man zur Abfassung eines Gesangbuches für dm Tempel «in aus Juden und Christen gchM«t«/LÄWd'Mk<M.-ML^nnH %X-m-px selbst stanh mit I a ko b fpn und Genoffen in enger Fühlung. Trotze dem «faßte er pon jaÜem Anfang an klar und be« stimmt seine Ausgabe dWn, in. Wien O st un b W e ft, alt und neu zü versöhnen. Dp uts che Gebete gehörten nicht nach Wien, dessenIuden^ deutschnational zu empfing den keinen Anlaß halten. Ebensowenig paßte die.O r g ek m «ine Gememde, di« den leb enUgen Zusammenhang Mit dem jüdischen Osten, mit den Quellen original-jüdischer Musik nie verloren chatte. Dpm.2^3. Januar 182$ bis heute ist diese Schöpfung Mannheimers im Vestnt-.' lichen in den^^ Wiener Eememdetenweln in Kraft ghbliebm, -Mit, dieser Liturgie und ihrer sinngsmatzen Mrfühnmg ' Ht! 'Merek.MenHnLe^die - geradezu providentielle Aufgabe zugewiesen, vor aller Welt hen Dvweis zu liefern, daß dqp Judentum an origineNen, angestammten. ihm -ureigenen religiös^Wchen uÄd'geistig^ ästhetischen Schätzen gMug besitzt, um aus sich selbst — ohne Benützung fremden Gutes — sich eincn Gottes- . dienst zu schaffen, der auch «m ^Modern empfindendes, aber zugleich im jüdischen Boden Lmrzelndes Gemüt vollauf zu befriedigen^Äermag. Mit dem Derlaffen dieser ihr von der DMehüng gewiesenen Richtschnur durch Einführung eines, ihr wesensfremde» Elementes, wie der Orgel, würde 'unsere Gemeinde Antreue gegen'ihre go» schichiliche Ausgabe begehen. Es wLre-eine SelbstpreisL«Mng.- - -. Aeber Sal. S ukzer s hie Orgel ablehnend« Aal- - tung schreibt der verewigte Kultusyertreter -Pr. Mar^ milian SF e i n e r in ffäner Diographie Sulzers<- ^«Aorlichß^ttW^r Mntore» W tzle^rgel erklärt W de« Streben, die hi» fr § ma»aelndeS««g etdesihignn» durch A»strN« e n.t»l.mu s ik z.u v e % decke». Die Orgel isi.das Instrument dÄ christlichen MitrelalterS. Sir zum jüdischen Gottesdienste heranzuzreberi. ist Nrderspruch in sich. Die Orß»l ist erklünßeu, wenn - die zum Feuertobe 'verdammten Indeneine.. Kirchrntür passierten, wenn die gleich Schafen j» die Kirche getriebenen.. Juden-:, bis Predigt erwarten mußten. Die Orgel ist das Instrument ber - tsthoiirchen LNurqie. Tine Zieste iünn' - lsnm ohne' Org> t Lsedacht werden, das Spiel der Orget führt zur Ist« der Messe. .-Darum paßt sie nicht für den jüdischen. Gottesdienst. Bei viele« Wichtigen CHorrefponsen,. . wenn es^ auf ..idie deutlich« - rhythmisirrtr Aussprache. des Tertes ankommtwird die Orgel durch ihren^ stets dominierenden Charakter und ihre Neigung, die Tön« auszrchatten, sogar stören. Dies veranlaßt« Sulzer, die Orgel, nur bei -besonderen Gelegenheiten (am Echurtstage. des Kaisers, bei Trauung«!, Requien u. dgl.) tzu verwenden., Er beharrte auf der Ueberzeugung, daß ' unserem gottesdienstlichen Gesänge ausschließlich Dokalchörr — aus Knabtti- und Männerstimmen gebildet — . 4) 'Grätz (XI, ,435) sagt von M. in verständnisvoller Würdigung: „Zum Leidwesen seiner ehemaligen Reformgenossen gab er Orgel und deutsche Lieder preisl In M. -wie in dem^ neuen Tempel in Wisr - umarmte sich Rhrrgen- und Abendland, als wären - der Wiener Tempel und die L^emeinde von .Anfang an bestimmt gewesen, das Bersöhnungswerk" zrKschen 'den alten und neuen Formen zu vollziehen. Sulzers Melodien machten die öetüübende« Orgeltöne überflüssig unjd ließen-sie als störend erkennen. Kanzel und Thor, gleichgestimmt, erzeugten dahereine. eigen« StiMmung in der anwachsenden .Wiener Gemeinde, deren GMndton Liebe zum angestammten.'Judentum« war, zugleich das jüdische AttertuNr mit Ehrfurcht zu betrachten und dem Bedürfnis derneu«» Zeit zu genügen^ Eine Gewjeinde; welchewahrhaft Mustergeworden'ist, in welcher/jedes- Glied vor allembestrebt ist- Frieden zu!erhalten, und Spal 1 u»ge« im Keim zu . ersticken. In M«l verwandelt -sich.tzuerst die . SelVstviev-^ /»chtuyfi der enropäisch grstinnnren Juden in Selbstachtung'. Di^.Wiener Gemeinde erlangte. dadurch, wie es scheint, «ine geschichtliche Br^ deutung." So weit Grätz. Mannheimers ehrllch jüdlHes' Streben fand auch, wie bei den Reformern (Abc. Geiger), (so minder bei den Altfrommen gebührende Lnerkennuna. / Die De?' mühüngen des „Organisationskomit«es" beweisen^ daß stch ist unserer Gemeinde Selbstbesinnung' regr und' man - ihr 'Anseben " wieder Mk ^6^ möchte/ Däs Ziel M gut, ma dxr Weg verfehlt. ' ,

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