Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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icttt m ffot. Bloch'« Wochenschtjst iä Auch beim Gottesdienst am Sabbat und Festtag? Darauf kommt es. doch vor allem an! 2m anderen Falle hätte er ja, wie Prag, auch Bagdad zitieren können, wo .Pethächja aus Regensburg im zwölften Jahrhundert synagogale Jnstchrumentalmusik (für Hochzeiten und andere ähnliche festliche Gelegenheiten) antraf.^) Die angebliche Orgel Korfus ist der Parteischrift eines Mannes entnommen, der von den ersien Orgelorgiasten gedungen worden war, chren Wünschen ein wissenschaftliches Mantschen rmHrchängen.^) Die Geschichte der OrgeKeform!.beginnt in Deutschland Mit Israel Jacobson, dem „Braunschweigischen Judenheiland", wie Goethe.ihn nennt, dem ersten Kirchenvater^) der "deutsch-jüdischen Kircheib), der mit der Verchristlichung und der Verteutschung.des.Mischen Gottesdienstes einsetzte. Wie blindlings von den Orgelenthusiasten christlicher. Ritus in die „deutsche Synagoge" herübergenommen wurde, beweist ein Gesangbuch, in , dem man in einem der entlehnten Kirchenlieder übersehen hatte, das Wort „Jesus",' wie an den anderen Stellen durch „Gott" zu' ersetzen. Bekannt ist das Schreiben an den Probst Teller, in dem die Berliner Orgeifere ihre Taufe anboten, wenn ihnen der Eid auf die kirchlichen Dogmen erlassen würde. „Das Pentagramme macht dir Pein." Viele setzten sich auch Mer diese Skrupel hinweg, und getauft. wurde in solchen Massen,' daß, wie es hieß, ein Aristokrat seine Babewanne zur Verfügung stellen nrnfete.16) Friedrich Paulsen schreibt in seiner Ethik: «Erst wenn die Juden völlig seßhaft werden in dem Sinne daß der einzelne seine Zukunft unlösbar verknüpft sicht mit. der des Volkes, in dem er lebt, erst dann wird das. Gefühl der Äbnormität ihres StaatsbürgertumS völlig verschwinden. Oh dies geschehen kann dhue die Aufgebung. der alt na t i o n a l e n Re ligi o n sübun g, oft allerdings wohl fraglich."' Unter dem Eindruck solcher Chauvinismen .ging man daran, die nationale Affimilatiion auch rm Gottesdienste durchguführen. , Jede Erinnerung an die Mische Vergangenheit wurd e ebenso getilgt, wie jede Hoffnung auf eine Mische Zukunft. "Zion und alles, was an Mische Stammesgemeinschaft gemcchnte, mutzte aus dem Kultus schwinden. Das Hebräische fristete nur ein verschämtes Bettlerdasein. Und diesen gabianisierten Tod mit Gemeindegesang und Orgelklang nannte Mn „mosaische Kort- Das deutsche Beispiel fand rm Auslände Gefolgschaft. Die französischen Konsistorien perfügten die allgemeine Einführung der Orgel. Eeorgelt wurde in Jtanoch Wien nicht den Geschmack der Budapester zu teilen. ES wäre daS Erste, was sie mit uns teilen würden. Natürlich so wenig ein Zeichen moderner „Reform", wie elwi der Glockenturm an der alten Synagoge zu Cochin. **) Grätz (XI, 420) sogt von chm: „Unter den Rabbinern. Deutschlands war keine Stimme dafür zu finden." Man „trat mit einem gesinnungslosen Abenteurer Ln Verbindung, der sich verkauft hat . . aus Oesterreich, ein Spieler, der sich später taufen ließ". Äus den Fall Korfu näher einzugehen, war uns bei der Kürze der Zeit nicht Möglich. Diese meine Erwiderung ist ja in wenigen Tagen verfaßt worden. Sie sollte nur dem ersten Stoß des Angriffes sofort begegnen Auch in dem Sinne, als sein Sohn nicht nur — wie so vielfach die Nachkommenschaft der Orgelapostel — sich taufen ließ, sondern Vorsteher und Sprecher der „christkathol:scheu" Gemeinde in Berlin Wurde. Uebcr seinen Vater schreibt er: „Sein bewußtes Vorbild war Moses, sein unbewußtes Jesus." Er selbst habe mit seiner Taufe nur die Konsequenz gezogen. (Berliner a. a. O. 43.) 11) So. nannte sich die Berliner Reformgemeinde. Ihr Gebetbuch war betitelt „Die deutsche Synagoge. Die Synagogengemeinden wurden Kirchengemeinden. _ ") Man schlug vor, die Gelausten bei der Parade im Lustgarten vor den hohen Herrschaften vorbeidefilieren zü lassen." Darunter jene Jüdinnen, bie» nach Börne, Kreuze trug«, so lang wie ihre Nasen. lien, in Ungarn, kurzum überall, wo ein starkes nationales Empfinden des ' Wirtsvolkes die Juden in seinen Bann zog und die Assimilation übertrieb ben wurde. Von den polnischen Juden berichtet Löw („Die Lebensalter", 1875 S. 315) selbst schon aus älterer Zeit: „Den zu Vermögen, Einfluß und Ansehen gelaugten polnisches Juden gefielen nich: nur die Tracht und der aristokratische Stolz die polnischen Adel», sondern auch der christliche Kirchengesang! Um .nun diesen musikalischen Genuß nicht zu entbehren, entschtossen sie sich, der Gesangstücke, die ihnen gefielen, auS|ber Kirche in die Synagoge zu verpflanze»." Und dem Kirchenliede folgte allmählich die Kirchenmusik. Sie zog. ein und das Judentum aus. Unvergeßlich bleibt mir ein. Freitagabend in einem Pariser Tempel — ich habe das gleiche Schauspiel in §mem weit näher, liegenden sich später wiederholen sehen —, als mit einemmal die Bänke sich leerten und alles sich nach vorn drängte, nicht etwa, um, wie in alter Zeit, die Predigt besser zu hören, sondern um — Kaddisch zu sagen. Also, nicht die Orgel ' und nicht die deutschen Gesänge, sondern das /Kaddisch zieht diese.ßeueration m jene nationalisierten Tempel. Wie es mit der nächsten sichen dürfte, errät man bei einem Besuch, .eines solchen Tempels einer Großstadt Nordwestdeutschlands. Dort wird bei der ^Seelen-, andacht" von einem Lhor.mil christlichen Damen vom Stadttheater gesungen, von einem christlichen Organisten musiziert und eine Haskara gehalten für die einstigen Träger — der jetzt angesehensten christlichen Firmen. Bon Christen wird für Christenväter — allerdings kn anderem Sinne als.in Amerika — im jüdischen Gottes- Hause Gottesdienst gemacht. Run geht allerdings Herr Professor Krautz einen Schritt weiter. Mährend er sonst ein „sptziell.. MN^s Gefühl^ uüd 'damit ° auch das. Goettzesche ,>GeMl -ist alles" nicht gellen lassen will, sträubt er sich doch eingestandenermaßen gegen den christlichen Organisten im jüdischen Tempel. Ein Jude soll die Musik besorgen. Auch am Jomkippur. Wir können uns. nicht eines gewissen Mitleids mit diesem armen Juden erwehren,-der. zut Erbauung seiner Glaubensgenossen für ein paar Gulden den Jomkippur entweihen soll. Er erinnert zu stark an den armen „Batlan", der sich bei der „TokhaM" aufrufen und für seine zehn Kronen alle Flüchen über sich ergehen läßt. Oder, was..beim Jomtippur ja naher liegt,, an den Sündenbock, den, man dem Asasel weihte. Ihm könnte man nicht einmal, wie einem Berliner Organisten, ins Stammbuch schreiben: „Orgle, lieber /Organist, mit Gefühl und als ein Christ!" Nicht überraschen kann es uns deshalb, daß durch das Erstarken der Mischen Selbstbesinnung in deutschen Gemeinden dem Eifer der Orgelkorybanten Einhalt geboten wurde. In frischer Erinnerung steht uns der Kampf um die Orgel in Köln.« Der verewigte D av id Wo If sohn, der verttauteste Mitarbeiter und erste Nachfolger Theodor Herzls, nahm mit seinen Pattetgenossen energisch gegen, die Orgel. als Palladium radikalen Assimilantentmns, Stellung und — sie fiel. Auch beim Bau der Synagoge in der Rykestratze hat der Berliner G emeindevorstand die Orgel ausgeschaltet. Matzgebend war für ihn, datz das Mische Publikunt in jenem Stadtteil kerne Resonanz für Orgelgelüste bildet. Wolfsohn nahm mit sörnen -Parteigenossen mergisch gegen die Orgel Stellung und — sie ftel. Auch beim Bau.der Synagoge in der Rykestratze hat der Berliner Gemeindevorstand die Orgel ausgeschaltet. Maßgebend war. für ihn, datz das jüdische Publikum in jenem StadtteÄ keine Resonanz für Orgelgelüste bildet. .