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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-14 · 11 (14.3.1919) · p. Seite 153

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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M. 11 kr. VbG'S Wochenschrift . . . ' ***** m rücksichttgung der Geistlichen,, wogegen .die christlichfoziale Partei sowohl im Nationalrate (Prälat Hauser), als auch rot Gemeinderate Geistliche und Religionslehrer hat, und sogar vor einigen Jahren einen bereits verstorbenen Pfarrer namens Laur als Gemeinderat besaß, dessen Patronatsherrin, wenn wir nicht, irren, die Kommune selber war. Doch so hören wir sofort den Einwand, das seien doch politische oder Verwaltungskörperschaften. Gewiß. Wir fragen aber, um wieviel mehr gehören Rabbiner und Religionslehrer in rein religiöse jüdische Körperschaften. Ueberdies verweisen wir auf die Verfassung der evangelischen Kirche, R.-G.-Bl. vom.5. Januar 1892, nach, der der Geistliche und sein Stellvertreter Sitz und Stimme in der Leitung haben, ohne erst hiefür gewählt werden zu müssen? Dies .d er T a t b e st a n d. Herr Dr. Schreiber bemängelt ferner mein angeführtes Beispiel v!on der LläMpe, indem er Meint, wenn jetzt die Flamme nicht leuchte, „genüge eine kleine Drehung". Mit Verlaub, Herr Prokurist der Elektrizitätsabteilung der Unionbank, diese Drehung genügt nicht, denn ich sprach von dem Nichtfunktionieren der elektrischen Lampe und nicht von einer Flamme. Da hilft keine neue Birne, da muß 'der Fachmann herbei, um bei dem komplizierten Apparate nachgusehen, wo der Fehler steckt. Nicht anders ist es bei dem Großbetriebe einer modernen Kultusgemeinde. Man verschließe daher nicht statutarisch die Gemeindestube den Fachleuten, wenn picht die Gemeinde im Rückstände und Stillstände bleiben soll. Man versperre sie aber auch nicht — und dies unsere nicht minder stark betonte Voraussetzung für die Gesundung des Gemeindelebens — gegenüber der modern wirkenden, zugleich aber jüdisch fühlenden Frau. Der mix persönlich unbekannte Herr Arnold Rosenbäum (ein Deckname?; im „Lehmann" nicht zu finden!) wirft Kultüsverwaltung und Kultusfunktion durcheinander. („wmn Frauen. den.Kultus nicht .leiten.; dürfen, dann können"sie auch den Kultus nicht verwalten"). Eine Begebenheit, die ich aus dem. Munde des seligen Ober- Rabbiners Dr. Gü bemann seinerzeit gehört habe,dürste diese Eedankenverwirrung in den Zeilen des Herrn Rosen bäum am besten beleuchten. Oberraöbiner Doktor Güdemann erzählte mir, daß zu ihm ein frischgewählter Kultusvorsteher, llniversitätsprofessor, mit verzweifelter Miene kam und.mitteilte, daß ein christlicher Universitätskollege, der von feiner Wahl gehört hatte, an ihn mit der Frage herangetreten sei, „ob er als Kullusvorsteher die Trompete (Schofar) in der Synagoge blasen werde". Nein, mein lieber, wahrscheinlich nicht existierender Herr Arnold N o s e n b a u m, weder der Kultusvorsteher noch die Kultusvorsteherin haben zu blasen, zu schachten, zu singen oder gar zu predigen. Der Kultusvorstand ist nur ein überaus wichtiges Organ voll Willen und Macht, und daß beide in die richtigen Wege zum Heile der Gemeinde geleitet werden, kann und soll auch die moderne jüdische Frau viel beitragen. ÄZenn je die Frage auftauchen soll, ob auch die Frau Kultusfunktionen vornehmen könne, dann wird die Entscheidung nach bestem Wissen und Gewissen und nach jüdischer Lehre objektiv erfolgen, ohne „allerlei Einwände an der Hand" (wie es in dieser. Zuschrift heißt), welche Zumutung ich als .beleidigend mit aller Entschiedenheit zurückweisen muß. Allein alle Widerreden und Ausreden zerfallen, in nichts gegenüber der Tatsache, daß die Wiener Gemeinde neues Leben und frisches Blut, braucht, daß sie an ihrem bisherigen unzeitgemäßen Statut krankt, wie seinerzeit Altösterreich an seiner, den geänderten 'Verhältnissen' nicht entsprechenden Verfassung. M ö g e n d i e M ä n n e r, aber auch bie Frauen sich finden, di« der einst ruhmreich gewesenen Wiener Gemeinde eine n e u i Dl ü 1 e v er s ch affen! Die Z ei t dräng t! - - - ' Rabbiner Dr.- M. R o s eti wanit. - Znr Reform unseres Religionsunterrichtes. Bon Dr. S. Gand). In einer Ausschußsitzung der Mlichtorganisation der Mittelschullehrer Deutschösterreichs wurde dieser Tage die Frage der Reformierung des katholischen Religionsunterrichtes behandelt. Auf der Tagesordnung standen folgende drei Punkte: „1. Welchen Einfluß üben die gesetzlich anerkannten Religionsgenossenschaften auf die Schule aus und mit welchen.Mitteln? 2. Günstige und ungünstige Wirkungen des Religionsunterrichtes. 3. Welche Maßnahmen wären geeignet, die sittlichen Kräfte und die Kunst- und Gemütswerte der Religion den Schülern zu erhalten und zugleich die nachteiligen Folgen des gegenwärtigen Religionsunterrichtes zu-^beseitigen?" Die letzten zwei -Punkte waren auch für uns schon fange von besonderer Aktualität, jetzt muß es aber als höchst dringend erscheinen, daß sich die maßgebenden Kreise dazu entschließen, in eingehender und sachlicher Weise dazu Stellung zu nehmen. Auch die jüdische Oeffentlichkeit müßte schließlich diesem Problem soviel Interesse entgegenbringen, wje der Orgelfrage, die gerade jetzt neu.aufgeworfen wird. Ich beabsichtige ufcht, eine systematische und erschöpfende Behandlung bÜfer Frage hier zu geben, sondern bloß einige Thesen zur öffentlichen Diskussion zu stellen. 1. Der jüdische Geschichtsunterricht muß weiter ausgebaut werden. Es muß mehr Gewicht gelegt werden auf die Entwicklung der jüdischen Religion und Ethik. Auch die Wirtschaft- und Sozialgeschichte muß ausführlicher behandelt werden. Dies ' und die folgenden iPunkte würde nur frommer Wunsch und leere Phrase bleiben, wenn nicht dem Lehrer die entsprechenden Lehrbücher und Hilfsmittel an die Hand gegeben und Fortbildungskurse für Lehrer abgehalten werden. Unsere Lehrbücher sind ganz unzulänglich,,die Vorbildung des jungen Lehrers für den Lehrberuf äußerst mangelhaft, da unsere Seminare Rabbiner und Gelehrte ausbilden, aber nicht Lehrer. Es muß daher eine Kommission eingesetzt werden und berufene Fachmänner mit der Lösung dieser Aufgabe (Lehrbücher und Fortbildungskurse) bettaut werden. 2. Die Bibel ist das kkassifche Werk der Weltliteratur. Sie ist stets eins Quelle der religiösen Erbauung, ein Born der Verjüngung und Veredlung des religiösen und sittlichen Empfindens für die ganze Menschheit gewesen. Sie birgt unermeßliche Külturschätze und Erziehungswerte für die ganze Menschheit, ganz besonders aber für uns Juden, deren Stolz und Kleinod sie stets war und sein wird. Ihr muß wenigstens eine Wochenstunde gewidmet werden. Mso eingehende Bibeklektüre in deutscher Sprache unter Beseitigung der für die Jugend ungeeigneten Partten. Auf der Oberstufe der Mittelschulen wissenschaftliche Einleitungen und volle Berücksichtigung.der modernen bibelkritischen Fragen. Durch eine ehrliche und tendenzlose Vibeltritik kann unsere heilige Schrift und unsere Religion nur gewinnen. 3. Wir werden uns auch entschließen müssen, für die Oberstufen ein eigenes Lehrbuch für System und Geschichte der jüdischen Religion und Ethik einzusühren. Dies müßte freilich mit der Zeit einer Spaltung zwischen der orthodoxen und liberalen Richtung im Judentum führen, was aber durchaus nicht zu. bedauern wäre. Der Gegensatz besteht und die Kluft gähnt. Sie durch Vertuschen und Verschweigen Überdrücken und verkleben zu. woflen, ist töricht und vergebens. Beide - Teile leiden darunter. Eine reinliche Scheidung tut not. Politisch könnte unser Volk ttotzdem geeint auftreten, da ja unsere Feinde zwischen Orthodoren und Liberalen keinen Unterschied machen. In der W i rkki chke i t aber ist unser Volk trotz dieser scheinbaren, schlecht

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