Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
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D». Blloch's Wochmschrfft Sette r«L ... Wir kennen tne Weise, wir kennen den Ttzxt mrd wir kennen auch ganz genau den Verfasser. Die Großdeutschen maßen sich also an, unsere Richter sein m wollen. Man muß über doch entschieden vetrlangen, daß -die Leute, die ein Urteil, sprechen, vor allem selbst unbescholtene Leute sind. Mit Welchem Recht fetzen sich aber Teut und Heilo auf den Mich terstuhl? Betrachten wir doch einmal Knau, aus welchen Elementen sich diese Partei zusamärensetzt: Da sind einmal als Hauptblock und_ Stütze, als die Dirigenten und GeldgÄler, die deusch^ nationalen Fabrikanten. Das sind dieselben Leute, die am Biertisch und in Versammlungen vor kornbluMenblauer Begeisterung Kühen, aber ohne zögern slawische Arbeiter für ihre Fabriken aufnehmen, wjenn dadurch die ^Arbeitsstunde ümteinen einzigen Heller billiger komMt. .Wie diese Leute den Staat, und die Bevölkerung ausgenützt und ausigeplün'dert haben, braucht keinem Kenner - der. Verhältnisse gesagt zu werben. Ein beträchtlicher Teil unserer Kriegsschulden befindet sich in dein Taschen der deutschnationalen Fabrikanten. Der zweite Teil der Partei besteht aus den sattsam bekannten Geschäftspolitikern. Diese sind wohl in erster Linie für den Zerfall und ZusamMenbruch der Monarchie verantwortlich. Sie Haben so lange und so stark die Rechte der anderen Rationalitäten angegriffen, bis diese sich auflehNten und empörten. Sie waren die Durchhalter in den Restaurants des Hinterlandes, wie ihre Fabrikanten in ihren KassenziMmsern. Noch heute sind sie Götzena.nbeter der Hohenzollern und Republikaner mit Vor-, behalt. ^Megim ihres Wesens und Treibens wurde düs Wort von den „Zehnerjägern" im Parlament geprägt und sie waren die BerÄer des letzten Kabinetts-- Eine Menge von Korruptionsaffären hat ihren politischen Weg begleitet und die Vorgänge in Deutschböhmen werden von. ihnen in Wien bedauert. Wairum stäken sie-sich nicht ,an. die Spitze ihrer bedrängten 8^lksgen.ossen,-und Wäh- W"im N^anKen. Südetenländ und nötigel^als politische Märtyrer nach slawischem Muster ihren Gegnern und der Entente Achtung vor ihrer UMrzeugung und dgn unverbrüchlichen Rechten ihres Volkes. ab? Mach diesen Leuten kommen etliche aus dom Bauernstand. U-eber diese sind wohl die Allen geschlossen. Sie gehören nicht nur tzu den größten Kriegsgewinnern, sondern zeigen auch noch eine Menschliche HärÄo, bit M'an nicht für glaublich halten wütrde, wenn sie nicht Tatsache wäre. Sie sühiren eine großartige Politik im Munde, aber .aus ihren Bezirken nährt sich nur der rücksichtslose Schleichhandel uüd der hungernde Städter wird weggeiagt. - Eine Führerrolle in der Partei haben wettors die Studenten, diese Vertreter deir Humanität, welche ihre Kollegen von den anderen Rationalitäten so häufig! mit Stöcken überfallen haben, um deren blutenden Köpfen den richtigen Begriff 'von der deutschen Kultur beizu-- bringen, welche ferner die nichtdeutschen Studenten vom armseligen Tisch der Mensa verdrängen wollen. Sie sind unermüdliche im! Kampf gegen das Judentmn und Slawentum und andere — tuMls, damit sie sich selbst die bequeme Unterkunft an 'der Krippe des Staates erhalten. Wenn sie dann als Beamte unter sich sind, dann zeigen diese steisna.cki.glen Herren eine plötzliche Beweglichtkeit als Streber und wissen sich rasch in das Auftreten eines Hoftats hineinzufinden, von Wer Tüchtigkeit gar nicht zu reden. f Außer diesen schönen Gestalten finden wir itt_ der teuschen Partei auch noch einiges 'Gefolge, meistens ehrliche uwd anständige Menschen, welche eben das Uln> glück haben, von Leuten geführt zu werden, welche den Laus der Welt nicht verstehchr und mit den bunten Lyppein des-Mittelalters heute noch behängt sind wie ein'Narr im Fasching. VW'würden denn diese. Leute dazu sag^n, wenn Amerika oder Ungarn plötzlich befcWeFen ww den, ihre Deutschen als Staat im Staate zu behandeln — man weiß schon, was das heißt — und .ihre weiterle Zuwanderung zu verhindern? Sie würden Zeter und Mordio schreien und nach allen Richtungen der Windrose jämmerlich protestieren. Den Juden gegenüber, welche schwach und wehrlos sind, halten fte jedoch diesen Stande punll für erlaubt und setzen die ganze vernünftige Außenwelt mit ihrer Politik in Helles Erstaunen^ Was werfen sie uns Juden eigentlich vor, oder vielmehr, was wckgen sie, Mer unszu lügen? SM sagen, daß wir Kriegsgewinner sind, aber das sind ihre Fabrikanten noch viel.mehr. Daß wir feig sind, dann mögen sie die Listen ihrer eigenen Enthobenen nachsehen und uns sagen, welche von ihren tapferen Führern am Felde der Ehre gefallen sind. Daß wir zu viel Einftuß haben, aber den haben .sie ja .selbst bisWr Schabt und es ist daraus nichts anderes entstanden, als die Kata-- stropfe von zwei Großmächten. Ihr 'Geldbesitz ist dem jüdischen turmhoch MMlegeN und die Stellungen iw Staat und in der Armee größtenteils ihre Privilegien Ihre Herrschsucht, ihr Haß, ihre Unversöhnlichkeit, ihre fragwürdige Gesinnung, zeigen sich jeden Tag. Sie schachern mit Mandaten, wie ein Kleiderjude mit Röcken'schachert, und sie entwickeln außer einem schrankenlosen und gefräßigen Egoismus wirklich nur noch eine bodenlose Unfähigkeit, die seit. Jahrzehnten bewiesen ist, Mit ihrem neuen Programm stellen sie sich auf den .Boden best ältesten und dümMstcn Lügen, sie schien nicht die kommende Menschlichkeit, sondern nur den alten Sumpf- und Froschteich einer albernen Politik, an der auch die Revolution leider.nichts geändert hat. * * * Was ehrliche Entrüstung ist konnte man neulich aus-einer Randbemerkung der „Reichspost" herauslesen. Sie sagte im Bericht Wer die Sitzung des GeMe-inderatW von einem Redner: „Dieser jüdische Sozialdemokrat führte eine im Wiener Gemleinderat ungewöhnliche Neuerung ein. Er .richtete vom. Tisch des Referenten aus heftig!« Angriffe gegen die Majorität." Es gibt also noch HuMo? risten und die besten von'ihnen sitzen in der „Reichspost". Diese edle Zeitung will mit ihrer Glosse wohl sagen, daß ein Referent unparteiisch sprechen soll und darin stimmen wir ihr vollständig bei. Aber seit wann war das im Wiener GeMeinderat der Fall, seit wann haben dort Vorsitzende oder Referenten auch nur einen AuKNblick gezögert, dem UnMut ihrer Partei die Züjgel schießejn zu lassen und die ohnmächtigen Gegner Maßlos zu verhöhnen und anzugreiftn? Es gibt wohl keine Partei, die so brutale politische Manieren eingeführt und gezeigt hat, wie die christlichsoziale und die das Recht, den Anstand und das Herkommen so höhnisch mißachtet hat. Der. Bürgermeister Weiskirchner schien nicht den Vorsitz im Gwteinderat zu fühiren, sondern an einem Wirts- Haustisch, an dem außer den christlichfozialen StamMigästen niemand etwas zn reden hat, widrigenfalls er ihn sofort abidraht. Die christlichsozialen Stadtväter hüben seit Jahren auch nicht ein einziges Referat erstatte^, ohne wüste Beschimpfungen der Gegner daranzuknüpsen. Und welches waren denn sonst die politischen Gewohnheiten der Reichspostpartei? Rekapitulieren wir einmal ihre Kulturgeschichte, da sie doch offenbar im Begriff ist aus der Geschichte unserer Zeit >zu verschvinden: An der Wiege der Partei startden die Ochsenknechte von St. Marx, welche nrit ihren SehnenzieMern die freiheitlichen Versammlungen sprengten. Beim „blauen Luchsen" draußen wurden Anhänger durch die gemeinsten Peivleumdungen gegen die Juden 'geworben. Die Größen der damaligen Politik waren der Mechaniker Schneider, der wie ein Marktweib Wer die Juden Mmpse» konntet