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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-14 · 11 (14.3.1919) · p. Seite 148

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
11 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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ÖÄ*.iw Dr. Bloch'S Wochenschrift -kr.'ir Kirche auf „ihre Erfindung"^*) Ta, die ersten jüdische R^ormier selbst, die der Ortziel die SynaWge .öfßlDlM, Wernahmen Ae Mit voWem Biewußtsein und' klarer Ansicht ' als ein . kirchliches Jnfi-cumenh Sie sprachen von einer „deutschMischen Kirche"«**), von der katholi-> schen Orgel. „jNorgue catholique" hielt der Anonymus Tsarphati in den „Lettres dMn Jsraelite francais", 1836tz für ebenso, notwendig zur Rettung des JudentzrMes) wie die Vepkeguna des Sabbats auf -den Sonntag, die zeitglerechto Änderung des Mirahambundes und den ganzen übrigen Nattenkönig systematischer Entjuduug. „Katholisch" nennt sie hier, der französische Jude-, während für Deutschland ebenso Hie'nes Hyacinth, diese Spottfigur eines deutschen Assimilanten Hamburger Genres, der trotz der Taufe die gewohnte Denkrichtnng nicht überwunden, behauptet: „Und.gäbe es in der pro-, testantischen Kirche keine Orgel, so wäre sie Mi leine Re^ Ligion". Unüjbertwefflich zeichnet dieser Biedermann, was der Sude Leim Orgelspiel empfindet: «Esäst eine Religion, als wenn der liebe Gott, — Gott bewahre! — eben gestorben wäre, nnd es riecht dabei nach Weihrauch wie bei einem Leichenbegängnis und dabei brummt eine so traurige Begräbnismusik, daß man die Melancholik bekommt — ich sage Ihnen, eS ist keine Religion für einen Hamburger." Sn der Tat! Die Orgel spielt das „Memento mori“, der Mische Gottesdienst ruft sonneusreudig: „Ubhacharta hachajjim", „Es Lebe das Leben!" ' Dem naiven Mischen Empfinden ist die Orgel so kirchlich, daß Hyacinth unwillLürlich GLockenklang damit verbindet. OrgFton und GlockeMang, sie gehören, zusammen urü> wären die Orgelpräsidenterr konsequent, sie inüUchr auch für Glockengeläut in ihren Tempeln Sorge tragen. Mau sieht, wohin man 'kommt, sowie man einmal zu dem Reigen antritt, zu dem— wieder nach Goethe — „Djer .DlckÄsach. dW'.MelLgLW",-SuMW^ Am untrügliche sten spricht aber die katholische OeMde .selbst, indetn sie eine Heilige zur Efinderin der Orgel' macht. Nie sieht man die Sancta Caecilia ohne dieses JnstrumIenL dargestellt, vielleicht Leschigrt die Zukunft auch der. Synagoge eine OrgeHeiligje? Professor Krauß und andere Ortzelanw alte mit ihm behaupten auch, die Synagoge.sei die Nachsohgeryr des Heiligtums in Jerusalem, und wie dort, 'könne, ja solle auch in unseren Tempeln die Oxgel spielen. In Wirtlichkeit .bestand die.Synagoge, diese älteste Institution der Menschheit, die sich bis heute erhalten hat,' nachweisbar bereits zur Leit des zweiten. Tempos, gleiche zeitig mit ihm, Een ihm Mine Synagoge war sogar in den S&tipä zu Jerusalem! sMst hinerngMaut. Sie' hatte eben mit dem TempÄdienst nichts gemeinsam. ' Im Tempel wurde geopfert, in der Synagoge ge.' betet. - Im -Tempel waltete Priester, in der Synagoge der Prophet und Lehrer. Djer T^mpeldienft war das Privileg der sadduzäischen Aristokratie, in der 'Synagoge dominierte der volkstümliche Hehrer, der Pha-' risäer. " ' . Mit den Opfern war Instrumentalmusik Verbum den. Sie war, wie die Opfer selbst, nicht dem jüdischchi Genius entsprungen, sondern, wie Maimonides'u. a. betonen, eine KönKession oft das Heidentum, das ja Opfere ohne Musikbegleitung, man denke an den' schrecklichen Molochdienst, nicht kannte. And wie das Opfer selbst, war auch nur &u deren Begleitung am Sabbat und Festtag, im Tempel das Spiel zu rühren gestattet. Selbst das von Krauß , *) Co mußleja auch in der Kirche mit dein Erstarken des Christentums unter Konstantin die dem Tempel entlehnte Musik dem 6»utus Rom&hus weichen. - **) Aus jener Zeit stammt der „Israelitische O b e r k i r ch e it* rat" in Württemberg. hjervorgehobeye Fest des WasserschöpseNs mnK^ dWW am. Sabbat. der Instrumentalbegleitung entraten: Es ist somit aus Zweifachem Grunde irrig, unter Berufung aus das Vorbild des Tempels in JerusaleMder Jnswumentalmusrk am Sabbat und Festtag in. der. Synagoge Raum Zu schaffen. ' ■. " "Wie wir sahen, rann weder das Heiligtum in rusalem hierfür als Vorbild angerusen werdennoch wurde dort außerhalb des Opserdienstes an Säbbaten und Festen musiziert. . Vielmehr haben wir Grund, in der Verbannung der Instrumentalmusikaus der Synagoge, und Zwar schpn vor der Zerstörung des Tempels in der Mi« lig-en Stadt/ eine Absicht Zu erblicken Selbst Kr den Fall also, daß im Heiligtumie Zu Jerusalem eine Orgel, gespielt hätte, wäre aüs Msän) Umstande für die Synagoge nichts Zu folgern. Nun ist aber die Orgel int Heiligtum! hemeZweM erwiesen.. Unsere Orgel.war dgmals noch nicht erfunden. Auch eine Wasserorgel stand, nach ausdrücklichem ZeugnD, nicht im Tempel. Von der „Magrefa", die man für ein orgelartiges, Instrument ausgeben will, sagt aber der Talmud selbst, die hundert Töne , dieses Jnstrumew' tes. dM übrigens nur eine Elke laua war, seixn eine Hyperbel (B^liner, Zur Lehr, S.. 36). ~ Wie unzweideutig wendet sich der -Prophet. Amos gegen die Ausartung des Opferwesens mit seinem unvermeidlichen Klingklang, wenn er ausruft,(B. 22, 23): „Ich lehne ab, eure Speiseopfer, und das Mahlopfer enrer Maststiere sehe ich nicht an. Verschone mich mit dem Geplärr beiner^Lieder und da.8 Geklimper deiner Psalter mag ich nicht hören." . . ' ' Und Wie eindringlich Mahnt Hpfta A4, 3), mit baßsertiger Rede vor Gott hinzutretm undAtatt der gelobten Farren mit den Hippen, d'. hr inbrünstigen Mb ei, zu bpsern. ' ' r. , - . Auffallend ist es doch jedenfalls daß in W^r.somäHtigeir Synagoge, wie der in Alexand'lrieft,/ währWj der jüdische Staat noch bestand, ohne Musikbegleitung gebetet wurde. Hier war der Besuch so stark, daß durch Schwenken einer' Fahne die Synagogenordnung aufrecht erhalten werden mußtp./ Weshalb dieses' optiscfyn Signal, weshalb nicht Orgel oder sonstige Musik? Eine „R e f o. r m" des jüdischen GottMienstes ohne Berücksichtigung! des Bodens, dem die bisher giltigie Form entsprossen ist, wäre ja auch wirklich nicht eine „Resormätio", sondern ehre „^mputatio in eapite et in lnomhWc11 Vom Jahrmarkt bes Lebens. Hkosse» zur Fagesgefchichle. Teütfche nud Chriftlichsoziale. ... Es ist erreicht! In der Neuen Nationälversamtwlnng gibt es eine.-Partei, wäche den Mut hat, Men Antisemitismus Zu betonen und. zu unterstreichen. Großdeutsche Vereinigung heißt diese VespemiguW rückständiger Geister, die. mitten, auf.der Brandung unserer. Zeiten den läppischen antisemitifchen Fetzen schwiMMeN läßt. Da muß man den. ChriMichfozialen / wirklich .schon das Kompliment machen, daß sie ein bischen gescheiter sind als die Herren Heilo und Teut, Me sich jetzt mit dem Herrn Hepphepp zu e.iuem bedaaernswerten.Trio.verMniM. Die ChriMchsozialen umschvechen wenigstens. Vorsicht^, ihren AntisemiLi-sMus und machen. sich nicht vor dem ganzen Ausland lächerlich iAher Me.!. - BergMiMntz platzt gleich grob und dick mit deM Judenpnnkt heraus. Sie verlangt die Erklärung 'der 'Jüden^-als^eiMie Nation und Verhinderung von jüdischen ^Zuwanderungen. - '

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