Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. u Dr. Blsch's wollen asi diesem Tage gaW Juden sein, sich ansbieten und answeinen nach Mer Mterart diesen einen Tag im/Jahfe, Mnü.sie MeirHaupt noch Keterß. Und nur an Beter haben wir im Tempel zu. dsmksnl. Für M ist das alte Kleid der Kindheit noch nicht ausgchvadhfen. Hevrn ProWor Samuel Krauß-.brauche scheucht erst an die sinnige UefeÄieferung zu erinnern, daßder erste Träger seines Namens Samuel, der als der BeDünder der Synagoge bezeichnet wird, von seiner Mutter Channa ein Kleid erhalten, das .mit Hm ivuchs. Ein solches Neid trägt die Synagoge in ihrem Kultus. '*" Wie Goethe sagt und Lagarde Meneng end begründet :7 eine Mtsse macht Man nicht, sie ist geworden, gewachsen. Das Gleiche gilt vom Mischen Gottesdienst/ Do/heißt es- Vorsicht! Nicht den ererbM wärm-enden Wck, der uns in tmr hefti'Mn Stürmen, der tiefe losen Kälte einer Welt sMchützt, gegen ein modisches Gtwand eintauschen, unter d^m das Mpzj erfriert! Dü/ Orgel einführen, das ist aber nicht etwa nur Mtge^ nnäM ÜmaBeiten, das ist' nicht eine .TdiletteHrage des Wtüs,.das ist ein Schnitt ins lebendige Fleisch. , Bn unserem . Mischen Mcktüs hat sich die jüdische Seele MstMsMrt. Ist ihm haben sich, Geschlecht aus Geschlecht, die vor uns waren, die Hände gereicht Utfe wir fotzen die Kette zerreißen? Man sehe, wie W. HerMrg in seinen noch ünmer rmübertrossenen jüdischen FaMilienpatzieren" (Zürich ^1893), S. U23, den Unterschied zeichnet zwischen dem/Erstdruck in. dar Kirche und dem in dLr Synagoge ^Nichts von angenommener Andacht, jedem schien wohl wie in fturou Hanse, jeder fühlte sich in seinem Recht! Ja. dies ist ein Bo.k Lvn. Älärmerwi Der Boriänger: stand oben und zeigte die Rolle seinem Äv!k. Keine mystische Hostie, kein wundertätiges Dil» — nur das Aesetzhuch/vieseK RolkeS, wie sie glauben, der Menschheit." Gerade darum, weit üst Mittelpunkte deis kirchlichen ÄotheMenstes das Mysterium stcht, dnirch. das - die jS.efe msilche die nchstische Vereinigung mit ihrer Gottheit vollziehen soll, darum behauptet 'die Orgeldie Mt ihren. Mstisch verschwommenen und verschleiernden Tönen diese seelische Disposition herbeizuführerr, wie nichts an^ deres geeignet und imstande ist, chste zentrale Beden- Lung/infer Kirche. Wie Hetzer („Das Gebet") mit ReM betont, . ( ■ ^bedarf eine große Gemeinde/ die sich zumeist aus DurchfchnittZfwtiimrch Znsammsnsetzt, um Gottefühlbare Nähe inne zu werden, eiuts sichtbaren Zeichens einer äußeren Gleichnisses; sie empfängt nur ans der Betrachtung, der Schau eines'Kultusodjrkteß, in dem Gottes Gegenwart sichtbar und greifbar wird, den Jnrpuls zur Innigkeit und LeidensHafttdeS-Gebetes." Diesem psychologischeir Moment hat die 'Synagoge Rechnung getragen, indem sie in den Mittelpunkt best Gottesdienstes, dort wo in der Kirche die Mysterienhandlung steht, 'die Bvrlesung aus der Dora mit dem feierlichen Ein- und Anshefen stellte. Dos „Wesoth!hatwrah!", dies Erheben des Paniers, das unser Volk siegreich ichrch mWrWge GBstesschlachten und Ströme Mischen Bkntes, -getragen und makellos Mn erhalten inmitten einer Wrlt von Hassern, welch andere Gefühle löst es M deir . Herzen der jüdischen Gemeinde aus, als der Anü Mck'/W Mrnerrchile in den WmüteM fer chrrMchen f Man vevfnche es nun, sich diesen Akt in unserem WttEenste von OrgÄHmn begleitet vorzuflellen. Eine - Mschnacksverirrnna des Nachäfsimgstriebes, wie wenn eüva ein Christ-an seiner Haustür eine Mesusa anbrächten Man würde -hier wohl gar von Sacrlleg redein. > /Dne aber, die nicht dm katholischen Gottesdienst oM BorbAd Mr Synagogen-Meformen anseheist, fondeÄtz wie Heine siigt, ehr evangelisches Chiristen- Sitbe auchdie Studie von Wiener, 8om Wesen des-jüdischen Gebets (DÄ Fube, IM», G. 467.) ' Wochenschrift Seit« iss tum unter Mischer Firma wollen und sich alles Heil vom. protestantischen Gemeindegesang mit Orgel erhoffen, zerstören ein wichtiges ja unentbehrlich^ Element unseres iüberlieferten Gottesdienstes, die jüdischen. Melodien. Bon dieser Methode sagt El bogen: „Dabei, kam der überliefert; Synagogrngesaug vollkolumeu irr Wegfall, die neuen Gemeindelieder hatten weder mir den Reopoustouen noch mit den Melodien der Tradition einen Zusammenhang; sie hatten eine Verarmung von Melodien zur Folge." Von dem jedoch, der im Tempel nicht ohne äußeren Anreiz beten kann, sagt ein Berufener, wie SLeinthal: „Gesang und' Orgel-rauschen am Ohr vorbei. Man überschätze überhaupt die ästhetische Gestattung des Gottesdienstes nicht. Ts ist nicht d e Schönheit des GebetS, welche wirkt, sondern dessen Wahrheit und Schlichtheit. ES sind vre einfachsten Akzente, welche das Gemüt am tiefsten ergreifen und am «reisten erheben." .Auch der Frage wollen wir nicht ausweichen: Ist die Orgel ein ausgesprochen kirchliches Instrument? Oder steht sie Mt te christlichen Kultus nur in so loser Verbindung, wie etwa, um Kraust zu zitieren, das efel* irische Lischt in der- Kirche oder die Wachskerzen, von denen er sagt: niemand werfe behaupten wollen, „daß wir in unseren Synagogen z. B. Wachskerzen verbiet chr sollen, weil sie zufällig'auch die katholische Kirche vewwerrdet?" Bildet die Orgel einen integrierenden Bestandteil des chrWichen Gottesdienstes? Krauß verneint es. Die Orgel werde ja auch in Konzerten verwendet. Ganz richtig. Nämlich überall dortwo kirchliche Motive zum Ausdruck kommen. Oh ich Bach oder.Händel jn der Kirche oder .im Konzertfaal! höre, all der Sache ändert sich doch damit nichtL Sitzen wir aber in der Oper selbst mit geschlossenen Augen und hören wir in der „Jüdin", den 7,Meistersingern", in der „Cavalleria" oder worin immier Orgeltöne, so wissen wir sofort, diese Szene spielt in oder vor der Kirche. Der Orgelton versetzt uns mit einem Schlage sitz die ganze eigentümliche'Gefühlswelt der Kirche. „D-äs Instrument der Instrumente" nennt sie die Kirche, deren eigenste Erfindung sie ist. Für ditzse Tatfache zitiert unser lrun verewigter Freund Feferigo Eonso l o in Florenz in seinen «06rui sull' origuie v sul progresso üeila mosica liturgica“ Chateaubriand u. A. Das Orgelspiel hat nichts Jüdisches an liefe Med. schel, Wangemann, Zimmer,, haben nachgewiesenz daß die Kirche ihre- Musik nicht vpm TelNpet in.Jerusalem übiernomwen hat. Sie erinnert auch nicht an Zion, fettteit Tempel, die Psalmen und Levitenchöre, sondern an Golgatha, an Mm, an die KreuMÜge, an die Flammenstöste, auf denen unsere Märtyrer ihr Leben gelassen haben. Und wenn auch Kraust Mt Löw ein „jüdisches Gefühl" gegen, die Orgel nicht gelten lassen will, — man must sich nur einmal von Augen- und Ohtenzeugen erzählen lassen, wie an dem Sonntage,, an dem in Lemberg die Mischen^HeiligtümieL: in Flammen standen, an dem jüdische Männer geschlachtet, jüdische Frauen . geschändet wurden, wie da zur selben Stunde aus allen Kirchenorgeln, angeblich zur Feier der Einnahme .der Stadt, das triumphierende TedenM ertönte! Alle Geschichtsschreiber der Orgel stimmen darin überein, daß die Orgel das christliche Instrument katexochen ist. UM fo wie die Kirche nicht den Sabbat und nicht das Pasfahfest Mt den Juden gemeinsam Hafen wollte, Jfe perhor.resziert der Kirchenlehrer Thomas von Aquino Harß- und Zither in der Kirche „ne videatur judaizare."^ damit sie nicht Mle, nicht den Anschein erweHr/7Äs^ ob sie die. TeMPekmusik nachahme. Musaens . erzählt: wie einem Cdelmanne, der in seinem Hanfe eine.Privatorgel anfsLellen wollte, bedeutet würde, die Orgel stelle seit der Sintflut der Kirche allem zu. Er sei im. Begxisie, das 3. Gebot zu übertreten. So eifsrMhtigwar die