Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
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M Dr. Btoch'A Mocheuschrift i-r - G«r harakHLfche j^esLMUpunLt. „Daß die Synrchoge nichl nachahmM solle, was im Heiligtum rechtens w«r'VneEMr M^rrtMHasser „Me hvlachrsche TüstÄlei". Er meint lernet: „Den talmudisch- MÄMschen Gesichtspunkt'köunten wir L iimüre-von NE Mveisen." Dioch „die Klugheit gMetet, auch in Uesen talmuUschen Kleinkram einzutreten". Wenn aber der Verfasser sodann erklärt, daß der Gleist des Talmuds »LsseW wohl erMMcht, .an unsere RefövmiM hieran^ zutreterr", .so werden mir darrul-egen. versuchen, was uns zu einer anderen Urteilsbildung Meitet hat. $$ssk Prof. Krauß nennt zwar Re Gegner der füt$& in der Synagoj^ „Finsterlinge" und wisser", wahrend „die echten ZAmuhkenner aus der ganzen Geschichte so großes Wesen nicht machen mrd, wenn nur OpportuniLLtsgründe sie daran nicht hindern, leicht Wr MWmen Kr KoVe»" We». Äkles dies wiiL und darf uns nicht deirrm. Wir wissen uns Ln guter GesMchast rnii den größten Leuchten unserer rabbinischen Literatur, unanMiVarm AntorKäten, wie R. AkLa Eg e t, -R> Mose .Sv f et, R. Mürdcchai Be net, R. Jakob Liss a n. a., von denen Gutachten gegen Ue Oro^l vorliegen, daneben einem R. Hirsch Chajes, 'd^r bekannten gali>- zischen Talmudgröße, bax Shit Orgel in einer besonderen StüeitschrSst bekämpft, sie als unMisch brandmaG und dB für den Mischen Gottesdienst absolut uMrlässig etUäfct. Mäumrn, bie Herr Professor Krauß kaum des „HaAwissetums" zeihen wird. Ebensowenig rvird nnm einen Samson .Rafael H i!rsch oder eintzn Israel Hilde!shLimer, dessen Schilllern bei Verlust MWöinerdtpünM das Amtieren an einer Orgelshuagoge 'untersagt istccks „welHemd"- oder einen MichE Sachs) seine Täterschaft gegen die Orgel pn WWW cherföiKWer ÄNMlNgm mit ihren Wrfechtern bestimmen konnte, als „Finfttzjrling" bezeichnen WkDn. ■: - Was die einschlägigen halaktzischm Bestimmungm MrzM so ist M mW MWlich der Paragraph StWlchan aruH, Zobe dea, 178, 1 maWEndx der auf Grund von 3. BuchMose ^18, 3 (ubh'chukkathehem lo thxlekhu) die Warnung vor Nachahmung von „Ehukkoth haggojim („SaAirMn drt MWet") ausspricht. In dieser BestiMrmmg erblichen die genannten lÄntchitätdn eim AMehnung Älter Menwnte, die^ dem Kultus einer anderen Religion sympwmaEch mrdcharakterisierend angchoren. Mögen fte nun jüberhaupt fremden Ursprungs sein oder sÄÜst ansanH jüdischen Charakter getragen, aber dann, von einem fremden Kultus übernommen, dessen Stigma und damit unW bische Färbung angenommirn 'haben- (Näheres bei Guggenheimer, „Jeschurun" 1862x S.. 19L) Entschieden ist »hiernach für mich, daß Kultuselemente Ue deM Judentume von Hause aus ttfwfc und durch Wc Eindringen in die Synagoge unseren jüpi-- schen RMs Kn alterteren geeignet sind, ihm zur Wahrung ' der Integrität unseresreligiösen Charakters ferngehalten werden müssen. Zunächst die Irage: -,Jst unter Chukkothhaggonm guch das Christentum zu verstehen? Sind'seine Ähren und sein Kultus so. wesentlich von denen des-Judentums verschieden, daß gegÄr die Uebeirtragüng eines sWifisch chrWichen Brauches in die Synagoge vom jüdischst ' ' ' ' ' ' ‘ ' ' ' Man lese nur, was ein christlicher Biologe LoeMe (Jüdisches und Heidnisches im christlichen Kült, .Botin MIO) von Seite 16 an - UerMer zu berichten weiß: - .Au späterer Zeri sind die heidnischen Einflüsse auf das Christentum je länger, desto stärker gewogen. Sie zeigen sich auch im offiziellen Mtt. 'Sowohl der Kalender als der Ritus der Kirche sind nach-Mnßgäbe heidnischeu Brauches erweitert worden. -WnhnaWrn wird am 25. D^ember gefeiert, weil der Tag der^NeburtStag deS-Lol ru vtötus war. Auch Bitt^ und Sühngänge nnd Heiligenfeste sind von der Kirche nach Maßgabe heidnischer Feste fixiert-wordeu ... Die Eucharistie ist durch Wrfnahme des OpfergLdankeu^ dem heidnischen Opfer genähert, auch in der Form von dcru h e ibulf ch t n Kultus beeinflußt worden, sofolgt das Zeigen des Allerheiligsten zurÄdoration dem BÄrbild des Isiskültes, aus dem Heidentume stammt wohl, auch die Anwendung von Kerzen und Weihrauch. Der Tauflitürgie muß es ähnlich ergangen sein, ebenso den N'ten des Exorzismus, dem Gebrauch des Weihwaffers, dem Kült der Toten und der Heiligen, dm Kerzen, Blumen-- und anderen Spenden an Gräbern, Weihgeschenken, Nachbildungen geheilter Gliedmassen und dem Bilderdienst, Der h e i d nisch e Kul t gehört zu den unerläßlichen Ingres dienzen deS christlichen Kults " Doch bereits 1889/W0 hat Tkebe tn seinem „Hei,-* dentum in der römischen Kirche" auf 1165 (!) Seiten über den Gegenstand eine Fülle , von Material Msammengetragen, das vollständig hinreicht.,*) Wenn man des BegriffsüMjanges von Chükkoth Haggojim in Bezug auf unsere Frage in seiner ganzen Weite sich bewußt werden wm, muß man sich den unüVerbrückbaren Abstand Kar.machen- Ur das jüdische Gebet in feiner besonderen Natur und Art vom christlichen unterschlbdet. jüdische Gebet in seiner ganzen Kraft und Eigenart und Weiche kennt dnör der, der einmal W. engsten KraZ in einem schlichten Rauur, ohne irgend einen Schmück, irgend einen SinnechMzohne Kantor und Chorgestyrg einen Jomkippur gebetet hat. Was ihn. da bis 'M Tränen erschüttert,-das ist der Inh alt der Gebete, wenn er sie Wolrt für Wort mit VerständlrV spricht, dießö uralten schlichten HÄzensergüsse, wie sie sein Väter und Großvater gesprochen, wie er sie von den Lippen seiner . Mutter gehört hat. Dieses ,-Wden mit seinem Herzen", wie die Schrift es.nennt, dieses „Urteilen Mer sich seOst"- wie es "schon in dem Wortsinne der Bezeichnung für Gebet „Tefilta" ausgesprochen ist : dieses .sein . offene Tun wie MheimMs GMsten mit dem unbestechlicher! Äuge des eigenen GÄVissensprüfen undan dem.Höch'. sten uns . ins HeM gepftarWen MaWab messen, atzesdas, was der Jude „KawwaNa"?,Andacht", d, M An spannüng Er SeeMPräste' auf'das'eine Kel/'M^Dee'!^' restlos dem ErnströMen Gottes?M öffeuen, nennt — wir sollte das nicht ein HineinKnuvren und -dröhnen lebloser Orgelpfeisen^ als-.SMung-.. aG rstiMMungssei-ndlich empfmdem? Jedes Wort spinnt taufend HMensfädLn zartester Erinnerungen voller Pietät mit ^westenMgeyer' .Wrgan^' genheit, wenn es so. WFprachen' Ed, wie> 'eA.: eznst Ue ' längst EntschluMnrerLen gesprochen. Wan denkenur au das- Sch'um Jisroel! Welche emeWelt von UntärtönLn! Disi: Schmerzerrsschreie der Märtyrer, das Wschiedswort des sterbenden VatKH unser erstes^ StaMWi? zu Wott, ohne ibn, noch. Ku ahnen! Wie man mit dem Vater spricht, so spricht der Jude im Gebete «MfMem/.GvML- „Sicha"'. ,Despräch", nchMt er darum, auch sein Beten.**) Und nun soll sich die Orgel aufdrin-glichvin dio.- ses Zwiegespräch mengen, sie soK die Stimme GottÄ MerLönen oder gar chie etwa. dar-Mlen? 'Wir wagen diese Blasphemie kaum auszusprechen. UnabMisbar drangt süb uns das Empfinden auf, daß der Gsdach^ desstellvertretmdM OpKrs) her ja die: Wristologie; be? herrscht; in der Orgel ein Analogon -findet. Auch dieser .MechaniKmu.^ solt die Inbrunst dech tiefelMiff-eMn, mit-ganzer HingMeMtendslkHerzens vxr tr eten..'WüN , muß unwillkürlich an die Gebetmühlew her Tibetaner deMn. , . Und pKräde jene, füg die das OrgMonzert in erster 'Reihe berMnetist. die Zomkippur-Juden, sie pÄradv Bezeichnend sind seine Motti. ^Sie fragen ihre GSLternnd Beschwörer; ihre-Wahrsagec und Zeichendeuter (Jesaias). Der Hänywkskömgrn brittgLNsie-NLuchopfei. (Jeremia)" u. ähnl. . . **) „Und . der Sprechende beim G'ebkte ist nicht nur der. Beisnde, sondern ebenso Und 'noch mchr Gott. Seine Stimme tönt mit^vnd Wertönt -dasWort'desWtendch, det-Rus des WtersÄMür eineÄMdsorr auf die Gottesstimme, die er nie so laut und deutlich vewMMtnnd versteh: als gerade wenn er selbst betet." (Perles.)- '