Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 11 (14.3.1919)
- Date
- 1919-03-14
- Page
- Seite 145 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch’s Sahrzxnx XXX?I Zentralorgän für die gesamten Interessen des Judentums □ aaaaaaaaaaaaanaaaaaanäaaaaaaao □ B tt q K. I. Postspartasiinavü. S | Clearing-Verkehr: 810.978 § Ketattfe« oxl WmintstraNo»: SBiea II/i, Pralerstratze 9 Talsphom 45.359. § * □ nSODBBDBBBBQ iManBomooaoiia Q —-m— —. Wien, 14. Wrz 19IS Erscheint jeden FreUag vrief-Adrrsse: Wien, 11/1, Pralerstratze 9 Lelegramm-rdreße: Dloch's Wochenschrift Wlen. kZBBMBBBBQBBBBBB0B0riBB0BBBBBBBBBO 8 Bezugspreis: g 5 Halbjährig 10 Kronen | 5 Ganzjährig 20 Krone» g 2 Einzelexemplare BO Heller | ■ . «»z«i»e»: Li» SsmI |t|nittait § ■ »* **)tit|cilc 6» Helle». * * B B □ aBaeaaaaaaaoaaoaaaaaaaaaaaaaaa^ Inhalt: Leitartikel: Der Kampf um die Orgel in der Wiener Gemeinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Gloffen zur Tagesgeschichte. — Wie die jüdische Autonomie in Palästina aussieht. — Engländer und Juden in Palästina. — Unsere Kriegs- . . gefangenen in Italien. — Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien. — Korrespondenzen: Die orthodoxe Weltkonferenz in Zürich. — Zur Reform unseres Religionsunterrichtes. — Jüdische Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte! — Wilhelm Dannhauser zu seinem 80. Geburtstage. — Israelitischer Handwerks- und Ackerdauverein. — Vermischtes. — Feurlletonr Sind die Engländer Inden? — Briefkasten. — Inserate. Der Kampf um die Orgel in der Wiener Gemeinde. Bon Dr. Max. Grunwald. >„Wär ich hier weg! Mir ist, als ob die Orgel mir - : . ' , Den Atem versetzte." Goethe, Faust, Domszene. Wir leben in Zeiten so furchtbar, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hat. Millionen blühender Menschenleben - .sind auf dem Schlachtfeld verblutet, weitere Millionen .hy'ben durch Äe folgen des Krieges! ihren Unteresang gefunden. Unsagbares Elend breitet sich lüher verwüstete Länder und Mer todtrcmrige Völler, Staaten sind zusamMengebrochen. Krämpfe brudermörderischen Wütens toben in Wem Innern. Von fremder Gnade fristen wir das Heute. Mit bleicher Sorge denken wir an das Morgen. Bon allen Seiten-droht noch ärgeres Unheil, wenn menschliche Phantasie es überhaupt zu ahnen vermag Wie pon BLbLn geschüttelt, wankt der Boden unter unseren Füßen. Ehern, -jedes mitleidigen Trostesblickes bar, wölbt sich der Himmel Mer unseren Häuptern. Das Ohr hMt uns vor Entsetzen über die Lidbs^ Posten, die uns täglich Non jenem traurigen Heldentum-berichten, das mit jüdischem Blute seine Kultnrunfähigkeit vor aller Welt besiegelt. An unsere Türen pocht unablässig die Hilflosigkeit der mit dem! nackten Leben dieser Hölle Entronnenen. Neues Grauen uralter Ähasvertragik! > . >! J L \ß In der Hauptstadt des racheberauschten Frankreich tagt der Rat der Sieger, der iWer das Schicksal der; -Welt entscheiden soll. Auch iier die Zukunft unseres Mischen Volkes. We alte Vätereirde am 'Jordan soll wieder Mische Heimat werden. D>en schutzlosen Brüdern in den Ländern ihrer Hasser winkt Befreiung aus ihrem Helotenlose. Das'Höchste sott ersttvebt werden. Auf weltgeschichtliche Vorgänge sind aller Augen gerichtet, alle- Nerven. gessmnnt. . In diesen schicksalsschweren "Tagm, die auch unsere Gemeinde mit ernsten Erschütterungen bedroht, bv* schästigt sich bei uns in Wien ein Komitee mit der Aufgabe, — in unsere Gemeindetempel, außer anderen Reformen, die O-rgel einzuführen!*) Wir hätten es abgelehnt, uns mit dieser absonder-» lichen Erscheinung eingehend zu beschäftigen, wäre sie nicht auch literarisch auf den Plan getreten. Im Auftrag», des Komitees hat eine bewährte wissenschaftliche Kraft, der Professor an der Jsraelitischen-Theologischen Lehr-» anstatt in Wien Herr Tr. Samuel Krauß soeben eine Broschüre Mgunsten' dieser Bewegung verössentlicht.^ Sie bestimmt mich, meinen Standpunkt, der von dem in dieser Flugschirift vertretenen abweicht, mit fol-< genden Ausfiührungen zu kennzeichnen und zu begDÜn^ den: *) Inmitten einer versinkenden Welt, unter den gewaltigen Erschütterungen der entsetzlichsten Geschehnisse, in dem Zustanb albgemeiner Gedrücktheit und quälender Ratlosigkeit haben naturgemäß die Widerstände gegen geistige Infektionen empfindlich gelitten. Trugbilder, Hoffnungen, Schlagworte, die mit unglaublicher Schnelligkeit sich übertragen, bilden heute das einzige Narkotikum, das man den Massen reichen kann, um sie zu berauschen, ihren Hunger nach Irrealitäten zu stillen. Dies macht viele Unbegreiflichkeiten unserer Zeitgeschichte begreiflich. So soll nun auch die Orgel allen Schäden am siechen Leibe des Wiener Judentums Heilung bringen. Daß selbst Bildung und geistige Veranlagung der Gewalt einer Autosuggestion erliegen, offenbarte eine kleine Episode in der am 11. Dezember v. I. von den Leitern jener Resormbewegung veranstalteten Versammlung. Eine wegen ihres langjähigen öffentlichen Wirkens vielgenannte Dame ergriff, das Wort, um aus ihren Reiseerinnerungen ein Erlebnis zu schildern. In Rom wohnte sie einem Gottesdienst in der Sixtina bei, und trotzdem sie eine gute Jüdin sei, wurde ihre Seele mächtig ergriffen und zur Andacht hingerissen. Dieses seelische Erlebnis sei ihr unvergeßlich und deswegen empfehle sie aus innigster Ueüerzeugung die Orgelresorm. Die Rednerin erlag offenbar einer Selbsttäuschung, denn in der Sixtina und in der Peterskirche zu Rom fehlt die Orgel. **) Zur Orgetfrage. Bon Dr. Samuel Krauß, Professor an der Jsra Mischen Theologisch, n Lehranstalt in' Wien. Wien 1010. Verlag des W.ener jüdischen Organisationskomitees (II., Walzgasse 7). In Kommission bei R. Löwit Verlag, Wien, I., Fleischmarkt j. Preis K 1.50.