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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. Seite 135

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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Sk» 10 Dr. Mach'« WoH«fchrift Seite 151 v Eine Ahnung fernes Geschickes offenbarte das Schreiben, das er Januar 1918 aus Berlin, an seine Uran, schrieb, wohinihn die. Parte- -gerufen hat. In dem! Briefe heißt es: ' „Als ich gestern nachts einsam durch die Stadt zum Hotel wandert« — am Landwehrkanal entlang — überfielen mich schwermütige Gedanken. Da beschloß M mich von ihnen zu befreien, indem ich sie Dir Moertraute. Es bedrängte mich eine trübe Ahnung, als ob sich. mein Schicksal bald vollenden könnte. Ich ioieißv chatz ich durch Gefahren wandere, die ich deutlich siehe, und gegen die ich doch blind sein will. 'Aber ich Kinn nicht anders. Ich tonnte niemals mehr frei atmen,, wenn ich nicht jetzt das täte, was ich für Meine Pflicht 'halte. Dieser -persönlichen Verantwortung und Verpflichtung kann ich nicht mehr ausweichen — um meiner Seele willen. Aber ich gestehe: ich sehe klar das Licht in der Finsternis,^ dem ich Wandern muß. Ich kann nicht los davon. Aber dieser Weg wird mir nicht leicht, gerade fetzt nicht, wo ich mich in der Blüte sder Kvast ünpiollssn-et stichle , . : In der Leichenrede» die Gustav Landauer bei EisNers Bestattung hielt, sagte er: ,Murt Eisner, der Jude, war ein Prophet, der gegen den Kleinmut der Menschheit rang, weil er an sie glaubte. Er war ein Prophet, weil er ein Freund der Armen und Geknechteten, -weil er ein Dichter und ein unerschrockener Verkünder der Wahrheit war. Er war ein Prophet, weil er ein (Erkennender war, dieser Dichter, der zugleich von der.Schönheit,' die kommen sollte, träumte Und dm harten, bösen Tatsachen unerschrocken ins Gesicht sah . . . Er war ein Schwärmer und zugleich ein unermüdlicher, trockener Erforscher der Wirklichkeit. . Auch ein Prophet in dem Sinne, daß er die Zukunftvoraussah." . Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien. Bei der Jsr. Allianz zu Wien sind folgende Spenden eingegängen: - XII. Liste (bis 3. März 1919). Schweizer Jsr. Gemeindebund Basel . . . K. 56.006.— Durch Herrn B. Höfbauer (Sammlung Kindler und Rechter),' Mißhandlung August Schneider 300 K.; 100 K.- : Emma Kindler, Speditionsbureaü Adolf Stern. Lemberg, für Lemberg, je 50 St.—: Berta Fischer, Albine, Heinrich und Bertold Kindler. Ciliä Rechter, Eva und Giza Rechter, Natan Büschel, Dt. Thalcr, Gabriel Krön, G. Tillinger, Zachariäs^lräk, Sußmann & Appel 40 ,K.; je 30 : Elvira Margulies, Leon Dick, Genia Kretz; je 26 K—: ^Verlorene Wette", Leo Werber, JoNKs Rubin, Aron Reich, Josef Kretz; znsarkmen . ... ... - - . - . - „ 1.286 — Sammlung des BethaüSvokstandes der Talmud Thora .... . ... ......... 27.- SamMlung des „Neuen Wiener Tagblattes" . „ 25.— Jsak Paschkes, Hohenau ...... - „ 25.— Sammlung „Der Abend" . . . . . . . . „ 15.— Zusammen. . . K. 51.867.— Bereits ausgewiesen . . . „ 1,605.016.06 Summe . . . K. l,056.383.06 Weitere Beitrage werden vom Bureau der Jsr. Allianz, II-, Untere Donanstraße .33, Postsparkassenkonto Nr. 8152, sowie durch Einzahlung auf Konto der Jsr. Allianz beider Credit-Änstalt, Wiener Banbierein, Anglö'-Osterreichische Bank, Zivnöstenska banka ln Prag dankend in Empfang genommen. Der WahVrechLsstreit in der ffkaWtssckWr Kultusgsmemde. Douüerstag den 27. Februar fand int Sktzungssäale der isr. Kultusgememde eine öffentliche Ptenarsitzung des Kultusvorstandes zur Beratung eines Wahkreforirrentwurfes, den das Vertreterkossegium zur Beratung vorgelegt hat. Als Auftakt zu dieser Verhandlung hat am Abend vorher Me von Iüdifchnationalen einberufene Massenv ersamlmlung iunter Leiluns des Herrn Bruno v.P ollak- Parnau rm Zirkus Busch startgefunden, bei der Nationakrat Robert Stricker, Dr. Karl Pollak, Dr.Plaschfes heftige Anklagen gegen die Leitung der Kultusgemeinde erhoben und die Parole: „Eroberung der Kultusgemernde!" ausgegeben haben. Frau Erna Patak appellierte an die Versammlung für das Frauenwahlrecht in der Leitung der Kultusgemeinde. Eine von Herrn Dr. Auerbach beantragte Resolution um sofortige Ausschreibung von Neuwahlen zur Kultusge- Meinde, und zwar auf Grund 'allgemeinen und gleichen Wahlrechtes, fand einstimmig Annahme. 1 Zur öffentlichen Plenarsitzung der Kultusgemeinde hatte sich ein starker Zuhörerkreis eingefunden: der beschrankte Raum des Saales konnte natürlich nicht alle, die Einlaß begehrten, aufnehmen. Vor dem Eingang hatte sich eine große Menschenmenge angesammelt, leider auch ein Ester Ianhagel, unreife Burschen, welche während der ganzen Beratung, trotz des Regens, auf der- Straße lärmten und selbst unbeteiligte Personen harangüierten. Es ist großer Weltfasching und wie „es sich christelt, so füdelt er sich". --- Von den' Streitpunkten der Parteien erwähnen wir zunächst die Frage einer Kurie der Höchstbesteuerten, und es darf konstatiert werden. daß sie des Streites, kaum' wert ist. Das alte.Statut der Kültusgemeinde Wien kannte eine solche Kurie nicht, die erst über Initiative des verewigten Präsidenten Heinrich Kling er geschaffen wurde, um die Vertreter der Hochfinanz, Mitglieder alter jüdischer Patrtzierfamilien züM Eintritt in die Verwaltung der Kultusgemeinde zu veranlassen. Gegenwärtig weigern sich jedoch die Angehörigen jener Kresse, ein Mandat überhaupt anzunehmen, und es lohnt sich kaum', diese Kurie, die den Zweck verfehlt und nun einmal den Geist der Zeit arg verletzt, im Wege des Kampfes aufrechtzuerhalten. Einen.weiteren Streitpunkt bildet das Wahlrecht der Krauen, worüber auch Herr 'Rabbiner Doktor Rosenmann in der letzten Nummer dieses Blattes an dieser Stelle eingehend sich geäußert hat. Die Ausführungen des Herrn Dr. R osenM an n zugunsten des Frauemoahlrechtes fanden berechtigte Aufmerksamkeit. Der „Wochenschrift" sind einige Erwiderungen zugekoMnen, deren eine, von..einem Herrn ArnolÄ Rosenbaum, wir hier folgen lassen: ' „Seit Zwei Jahrtausenden wandert das jüdische Volk durch.die Länder und hat überall Gemeinschaften zur Verwaltung ihrer Kültusangelegenheiten und zur Versorgung der religiösen Bedürfnisse gebildet. Nie und nirgends hat„ man die Frauen zur Leitung der Kultusangelegenheiten berufen. Eine zweitausendjährige Geschichte soll wenigstens das Gewicht einer Tradition haben. Selbst beim Gottesdienst erscheinen Männer und Frauen in gesonderten Räumen^ I Nun hat Herr Rabbiner Dr. Rosenmann aus der falten Geschichte des Judenvolkes bekannte Beispiele angeführt, daß hervorragenden Frauen an der politischen Leitung des Volles segensreichen Anteil hatten. An derpvlitifchen Leitung, aber nicht an der religiösen und kirchlichen, d. h. Hynagogalen 'Leitung. Entsprechend der altjüdischen Traditionen erhalten heute auch mit Recht die Frauen das politische Wahlrecht, nicht bloß in Deutschösterreich, sondern auch in Deutschland und England und anderen Staaten. Allem bei den Kirchengemeinden, in den religiösen Institutionen dieser Staaten — sei es der Katholiken oder Protestanten oder anderer Religionsbekenntnisse — wurde noch nie versucht, Frauen in die Leitung zu wählen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß, wie ich in einem gelehrten Artikel der „Wochenschrift" einmal gelesen habe, die Benediktion „daß du mich nicht als Weib geschaffen", aus der griechischen Gnosis in das Judentum eingedrungen sei. Das Schlagwört „Reallion" ist hier deplaciert.- Im politischen Leben lasse man fich von Grundsätzen der Demokratie!

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