Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 150 Wochenschrift Nr. 10 .Gelegenheit -müssen wir hinzufügen) daß es auch i0<tr nicht MgÄht, Laß die Kirchen M tvHflen Hetzen tzetz-en die Juden VenDt werden, wie esffMer und' auch in letzter Zeit Mchechen isL Die ChrMichsozialen sollen gefälligst nach Hrestr eigenen Progrannn leben und Luch die gesetzlich anerkannten Juden nicht behelligen. Sie werden natürlich sägen, daß sie nicht gegen unsere Gottesdienste auftreten, sondern gegen unsere Hasse. Wer wir wisstn nichtwie sM unsete Besonderheit in Her jetzigen sozialen sTeseffschaft stärker und anders' ausdruckt als im Bekenntnis zum Mischen Glauben. Mer uns also angreift, gsreist innerster Linie unser religiöses! Bekenntnis an, und das' Programm der Hepphepp-Partei will das verbieten. Hoffentlich wird man ihm folgen. * * Ein antisemitisches Mcndblatt brachte kürzlichj eür sogenanntes saty risch es Bild mit einer sogenannten witzigen Unterschrift. Eine Protetarierfamilie sitzt nach dem .Wahltag bei Tisch und. der Batet: sagt: „Sozialdemokratisch gewählt haben wir jetzt. Da müssen die Hendln und die Kohlen bald komMen." Ohne ein Anwalt Der Sozialdemokraten Ar sein, Muß man diese freche Verdrehung wwhl bewundern. Denn bis jetzt 'haben die ChriWchsozialen in allen parlamentarischen Veräretuttgskörpern die Mehrheit und in der Negierung die unbeschränkte Macht gehübt. Es wäre ihre. Pflicht und Schuldigkeit gewesen, für die Verpflegungder Bevölkerung zu sorgen. Obwohl sie jedoch die engsten Bundesgenossen der Agrarier sind) merkt ein jeder ihre gewissenhafte Sorgfalt in Mrsorge schmerzhaft am eigenen Leibe. Es Liegt, also Mr die politischen und wilrtschjaftlichknr .Bankerotteure rein Anlaß vor,. mit dem Vorwurf Arer eigenen Fehler gegen andere zu Hetzen. , Die RrmMM «ich tzie SPvenSöxMr Mdrn. Das jüdische politische Wochenblatt „Egyenlöseg" erhält aus Kokoszvar von verläßlicher Seite einen Verricht über die Atrozitaten der Rumänen gegen, die dortigen Inden. Der kommandierende General von Koloszvar Necnlcea hatte aus eineM kleinlichen Grunde der rein ungarischen Bevölkerung dieser Stadt eine Kontribution von nhumnalhunÄeitLansend Kronen auferlegt und erforderte,, Laß diese Kontribution ausschließlich pon jenen vMhlt werden müsse, „die in Koloszvar eine politische Rolle gespielt und sich für ihr UngartuM exponiert" hatten. Der KoMmandant übermittelte dem Bürgermeister der Stadt eine Nämensliste von 47 Bürgern der Stadt, die allein diese Kontribution anszubringen hatten. Unter-diesen 47 Bürgern befanden chrH nicht weniges als zehn Inden, auf die der rumänische General die Summe von 300.000 K. entworfen hat. Zehn Koloszvarer Juden mußten mithin ein ganzes Drittel der auf die Stadt entworfenen.Kontribution entrichten. Und sie taten es ohne Murren, ohne Erwiderung, förmlich ßyschU Der rumänische General R eculce a hat mit Wler Bestrafung der Indenschaft Koloszvars das glänzeDfte Zeugnis ihres ungarischen Patriotismus, ihrer stMMtlerlichen MMglichkeit an.das UngartuM ausgestellt. Das bloße Wort, daß sie keine Ungarn wärendaß sie sich als zur jüdischen Nation gehörig betrachteten, WLe diesen zehn Koloszvarer Inden die Bezahlung der normen Kontribution erspart — sie sprachen SGes WörUen nicht aus. es fand sich kein einiger unter ihnen, der fein Ungartüm! verleugnet hätte. , Wir die vMe HWWtteMgWrg der Juverr. S t ö chh'io lm. ^Aus Paris wird gemeldet: Am 26. Februar überreichte eine Delegation des „Bereinigten jüdischen Ausschusses" in London, dem unter anderen Lord- Rothsch.ild und der ehemalige Minister Sir Herbert Samuel angehörten, der Friedenskonferenz ein MÄnörandüM, welches die S i ch e r ün g d e r E l e i chberechtigüng der jüdischen Bürger in allen Staaten fordert. Das. Memorandum verlangt volle Freiheit der Religionsübung, freien'. Zutritt zu den Staatsämtern und zu affen Berufen für alle Einwohner ohne Unterschied der Nation und des Glaubens. Personen oder Gemeinden, die.unter der Nichtbeachtung dieser Grundsätze leiden, sollen ein Beschwerderecht beider Erekutive des Volkerbnndes einge-. räumt erhalten. _ .. . , KttkL Eisner. ,Knrt Eisner ist der Mörderhand zum Opfer gefallen. Sein zeitliches Sein und Wirken gehörte, wie es im „Ino. Echo" richtig heißt, nicht seinem Volke, und doch war er Fleisch vom' Fleische und Geist vom Geiste, seines Volkes. Die .Sache des jüdischen Volkes war ihm gleichgültig,' seine Sache war vielen von uns gleichgültig. Ietzt, da die Hülle des Zeitlichen gesunken ist, ist nur noch das Ewigmenschliche zu würdiiZen. Sein EwigMenschliches war das Eroigjüdische. Des höchsten Gebotes jüdischer Sittlichkeit Erfüffung war sein Leben, das ein Leben für andere, war.. In ihm "lebte die sittliche Forderung eines Amos und der Erlösungswille des Gasiläers. Die, für die er kämpfte, schallen ihn volks- und landfremd. In seinem Tode^ mag er zu seinem' Volke, dem er entfremdet ^war, eingetan werden. „Lieb sei jeder Mensch, der im Ebenbrkde geschaffen", ist des IudentuMs erstes Gebot. Er, hat es erfüfft. „Heilig sofft M sein, denn heilig'bin ich", ist des Judentums letztes Gebot. Er lebte das Leben eines Heiligen und stärb den Tod eines- 'Heiligen. Er sei .stolz dar-; auf, Iude zu sein) sägte ' er den Lästerern besUüdischeN Namens. Auch das jüdische Volk ist stolz auf diesM seinen verlorenen Sohn. Kündet den Ruhm! dieses Volkes, dessen verlorene Söhne gut .genug sind, die' Welt zu erlösen. 1 : . > Der „Vorwärts" schreibt: " . 1 ,-)W!wn Eisner trotz, seiner hohen Begabung und trotz seiner völligen Hingabe an die sozialdemokratische Politik-nicht das zu leisten vermochte, was er erreichen wollte, so lag has daran, daß er, obwohl Hw ein starkes politisches Gefühl eigen war, nur. zu leicht der völlige Sklave seiner Ideen wurde. Gr ging ganz in seiner' Phantasie auf und er war in eine einmal gefaßte Idee so stark -verstrickt, daß er, auch wenn alle Welt um! ihn ifie wb'-i lehnte, lieber mit ihr zugrunde ging, als sie auMgeben.' Er konnte sich wie selten ein änderet.Mensch in jetne Idee verrennen Andrer konnte dabei zu einer völligen Mißachtung der realen Faktoren der Politik gelangen. Bei aller Wertschätzung und' Ergebenheit seiner Kollegen-Mr Hn war das Urteil allgemein geworden: ^in prächtiger Mensch. ein glänzender Schriftsteller, aber ein wenig fruchtbarer Politiker. "" . Kurt Eisner war nie ein wohlhabender Mann. Er hat nie Sinn für materielle Güter gehabt. Und er war schnell entschlossen, alles,. was ' seine: materielle Existenz ausmachte, über Bord -'ziu werfen, wenn er damit stei seinen Ideen nachleben konnte. Es gibt in .Deutschland wenige Menschen, die dem Gelds eine gleich starke Verachtung bezeugten wie er. Er, der vielumworbene. glanzende Schriftsteller) hat in Nürnberg als Chefredakteur monatelang in der.Redaktion sich von ärmlichen Maggisuppen ernährt/, nur um sich nicht von seinen Büchern, die ihn bergehoch sin vollster Unordnung umgaben und die ihm auf seinem -Tisch kaum Platz für den Suppenteller ließen, nicht trennen zu müjffen." . In einer. Anfang 1917 zur Zeit.der deutschen Siege an bas deutsche.GeneralkoMmändo des 1. Armeekorps gerichteten Eingabe sagte er: „Ein Staat, ein Volk, eiln System', in dein die .Wahrheit unterdrückt wird, oder sich nicht hervorwägt, ist wert, so rasch und so endgültig wie Möglich zugrunde. zu gehen... Wo ein solches iVertuschen, Verhehlen und Herdünkekn uM sich greiftist — das habe ich als Historiker imMer wieder bestätigt gefunden — die nationale Katastrophe, nahe."';; \