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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-03-07 · 10 (7.3.1919) · p. Seite 132

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
10 (7.3.1919)
Date
1919-03-07
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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odi* 34*»/'.. Dr BLoch'S Wochenschrift Ä» 10 nen. Inzwischen wird filr die Juden der. Boden irrt Osten immer heißer und heißer. Neben .Pogromen» Entrechtungen und rafsimertesten Verfolgungen aller Art wird mach im Osten ein gut organisierter wirischastLicher Boykort gegen die Juden ins Werk..gesetzt, der die jüdische Aeoöllerung dem Hungertode preisgeben, bezw. zur Auswanderung zwingen soll. Alle Aüichte im Osten, angegangen von der krassesten Reaktion bis zum äußersten Radikalismus, haben sich gegen die Juden verschworen. Jene sicht im Juden die Ursache der Revolution, wie allen Umsturz, dieser hingegen die Säule der Bourgeosie, wie des Kapitalismus. Wenn auch ein grober Teil der Ostjuden wird auswandern Müssen, kann dies, wie. schon ooen hemerkt, nur sutzessioe geschehen, und wird noch immer ein beträchtlicher Teil im Lande-zurück-, bleiben müssen. Hier könnte die Dom Verfasser aufgeworfene Idee nutzbringend verwirklicht und für wiele Tausende Rettung aus Not und Qual werden. Die Immatrikulation auf Änglo-Palastina, würde mit einem Schlage die schwarze Wolle, die schwer.am Himmel der Ostjuden lagert, verscheuchen. Der Schutz des mächtigen Äldion würde den unter den schrecklichsten Verhältnissen lebenden, täglich bedrohten, durch unmenschliche Behandlung verNmmertenÖstjuden zur herrlichen Entfaltung und Entwicklung ihrer hervorragenden, aber .künstlich niedergehallenen geistigen und sittlichen Kräfte zum Wöhle der Menschheit und in erster Linie zum Nutzen des jüdischen Volkes seine Hilfe verleihen. Man denke sich z. B. die jillliche Erlösung der rumänischen Juden, denen trotz Erfüllung aller bürgerlichen Pflichten bisher nicht nur das Bürgerrecht — entgegen .den Verpflichtungen des Berliner Vertrages - voreällyatten wurde, sonderndie noch allerlei grausamen Verfolgungen und Bedrückungen preissegeben worden sin-d,-ohne daß jemand legitimiert gewestn wäre, für dieselben einzuschreiten. Diese schutzlosen „Fremdlinge" Würden nun.kraft ihrer Immatrikulation zu Anglo-Palastina stolze, vollberechtigte Bürger des mächtigen England werden, unter dessen Schutz sie ruhig und unbehelligt auf ihren Kisherigen.Wohnsitzen würden leben und wirken können. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß in diesem Falle diese und ähnliche Regierungen sich wohl hüten würden» zu zaristischen Mitteln in der Behändluirg der Juden zurückzugreifen, wodurch wenn auch noch nicht ganz, so doch immer ein großer. Teil der akuten ostjüdischen Frage gelöst erscheinen würde. Die vom Verfasser angeregte Idee trägt trotz mancher Mangel in ihrem Innern^ einen recht gesunden Kern,- und erscheint es gerade heute sehr angezeigt, daß dieselbe von matz gebenden Kreisen.! eiflich erwogen und ernstlich durchdiskutiert werde, denn „sonst schenkt die Weltgeschichte uns vieHeicht niemals wieder einen Augenblick, den wir nutzen könnten, wie diesen . . Vom Jahrmarkt des Lebens. Ktossen z«r Tagesgeschichte. - Man sieht jetzt klar und deutlich wi-e sich die Christlichsozialeu für ihre Niederlage bei den Wahlen rächen. Die Zufuhr nach Wien, stockt jetzt derart, daß sich die Leute um Rüben anstellen und daß Äs Nahrungsmittel Haisischsteisch angebotcn wird. Man merkt den Zusammerihang. Die chrisllichsozialcn Landwirte haben den Befehl belliMmtzn, daß nach der sozialdemokratischen Hauptstadt - nichts geliefert, deren unfolgsame Wählerschaft beMaft werden solle. Was . sirw denn der Rathmlspartei Gesetze, Menschlichkeit und Recht? Die Entente sogar zeigt ein gewisses Mitleid Und schickt der von den Shristlichsozicuen Kngrunde verwÄteten Stadt Aushilfen. Nur die Christlrchsozialen sind unbarmherzig, sie, die. so gern vom!,Mttestamentarischen Haß" sprechen. Sie sägen dagegen bei ihrer Agitation, daß Wien von den Juden ausgehungert wird. .Jetzt zeigt sich jedoch wer die wahren Schuldiger sind und wie gleichmütig^ sie der Hungersnot gegenüber- .stehen. Ein einziger landwirtsch aftlicher Bezirk hat mchkr als Äle Juden Wiens znsammengenommrn, aber unbarmherzig wird von den agrarischen Kriegsgewinnern und Kriegswucherern alles zurückgehalten. Sie brauchen ja auch keinen Profit mehr, denn mit-Geld sind sie. geradezu gemästet und gehen jetzt daran, ihre unbeschränkte Macht zu zeigen.. Was kümmern sie sich um Vorschriften? Als die Christlichsozialen 'noch an der uneingeschrästkten Macht waren, haben, sie dafür gesorgt, daß auf dem stachen Lande niemand anderer zu befehlen.habe Äs die Oekonomen, um deren Gunst der Bezirkshauptmünn und sein ganzer Stab buhlen müßte.'Die Beamten taten es gerne, denn auch sie sind ja chrisllichsoziale (8$4r* trauensmänner. Und nun sollen sie die - Autorität des Staates verkörpern und bei den.Bauern die. Lieferungen durchsetzen? .; . Man hätte auch die letzten Cchristlichsozialen aus Wien hinausgeworfcn, ivenn man in der politischen'Agitation stärker auf! diese Verbindung mit den Landwirten hingewiesen hätte. Es fällt ja dieser unHrlichsten aller Parteien gar nicht ein, den Wlllen und die-Interessen ihrer , städtischen Wähler zu beachten. Sie ist weiter nichts' als die Wiener Vortruppe der Agrarier, in deren Auftrag sie die Kriegshetze.gemacht hat. Mit deiren Beistand sie' Kriegsgewi-nne einheimsteund fstr deren Bedürfnisse sie.die Gesetze machte,. Nun geht die Politik wickbpv umgekehrt. Die Wiener Vortruppen verlangen von de!r Hauptmacht, - daß die. Stadt uusgehunert weche und ' diese sperrt. We! Aber die ChriWchsozialen dürfen es wagen, well nöch nicht^ie ganze Bevölkerung erkannt hat, welche Moral sie besitzen. Vaterland, Republik, Gesetze und Mitleid sind ihnen gleichgültig. Der Gott Nimm hat ihnen nur ein einziges Gesetz verkündet, ' das Gesetz der Bereiche' rung um jeden Preis und das befolgen sie ohne Rücksicht auf die Opfer, die Hungers sterben. Und.diese Partei wollte die Herrschaft im Staate haben. ' - . - * - - . * Der Herr. Weiskirchner fürchtet die Götterdamm^ rung, die für seine Herrschaft im Rathaus Mit Sicherheit herannaht. Man hat hier genug von seiner Verwaltung und Politik. Mit der ihm eigenen Geschicklich- . feit sucht er nun schon vstr der Mdankung wieder ein warmes Plätzchen, wo er seine vielen Staatspensione!» noch um einen schönen. Betrag vermehren und seinen Machthunger befriedigen kann. Seine Trabanten stoßen denn auch bereits in vielen Blättern in die Posaune und prollämieren den Mann als Anwärter auf verschiedene Stellen, wie zum Beispiel auf das Staatsamt für Handel und das Präsidium der Nationalversammlung. Es wäre jedoch geradezu ein Unglück für den neuen Staat, wenn dieser hohlste aller unfähigen Politiker tatsächlich an eine verantwortliche Stelle käme. Man kann sich wohl noch an seine Phrasenrede erinnenr, in welcher er. schon während der Ännexionskrise den damaligen Kaiser bat, „dieser UngewiWeit ein Ende-zu bereiten". Gr hat Äso im Sinne des Erzherzogs Franz FeMnand schön damals Kriegshetze getrieben. Als chrrstli-chsozialer Parteihäuptling hat er auch ohne Zweifel im Jahre 1914 gewußt, daß ein Krieg bevorsteht, aber er hat weder damals' noch nachher einen Finger gerührt, um für die Versorgung Wiens etwas vorzükehren. Ms..alles schön verloren und Me . bittere Not eingekehrt war, hat er nicht -etwa, an seine ParLeigenossenappelliert/sondern immer wieder die Regierung einer Unsähigkell und SorKosigkell beschuldigt,

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