Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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M. 10 Hr. GloM Wochenschrift Seite ul könnte mlän folgendes erwidern: 'Der Antisemitismus »und Italien lchon . gar nicht zu Drechen» Vas jüdssch- und seine furchtbaren Begleiterscheinungen sind nur dcr-Mnationale Empfinden und das jüdisjch-vökkische Solidarvdurch mÄglich, weil seine Opfer. — die Juden — schwach,Wtätsgefühk. wenn auch von einer ausgesprochenen AM wehr- und schutzlos dästehen. DrangsalierungeüMmilation' nicht gesprochen. werden! kann, stark verblaßt und Pogrome sind nur gegen hilflose TeileWistr Sie sind zwar unter den sie umgebenden PMery eines V o l k e s, hi^rt er de n eit nieM and st e h t, ^keineswegs aufgegangen und yon denselben organisch auch und d er'ensich kein Mächii gerannimmt, mag-»nicht ausgenommen, aber immerhin haben sie sich vom lich. Gegen englische Bürger, und als solche würden MJudentumnnd seinen traditionellen Idealen ziemlich weit alle auf Änglo-PaAstina immatrikulierten Juden.zu be-Mentfernt. Sie leben in ihrem moralischen trachten sein, würde kein Volk Verfolgungen, Rechtsver-WGHetto nicht außerhalb des Judentums, letzungen oder Kränkungen welcher Art immer wagen.Maber auch nicht innerhakb desselben. Es wäre Schon die Tatsache an und für sich und das Bewußt-Mmcht nur eine Absurdität, sondern auch eine Ängerechsein/ daß über den bisher verfolgten Juden die schützendeWtigkeit, diese in der Entfremdung vom Judentums und Hand .Englands ruht) würde den Antisemitismus wir-^seiner Kultur, durch die Schuld der Verhältnisse, weitahkungslos machen und mit der Zeit Hm den Boden d« gekommenen Juden zum Verzicht auf ihre bisherige vollends untergraben. Die breiten nichtjüdischen Volksgl Staatsbürg erschaft gesetzlich oder auch bloß moralisch Massen, die fortwährend gegen die Juden verhetzt undßIzu veranlassen. Es würde dies übrigens aus verschkedeaufgereizt werden, würden bald ihren Judenhaß ver-«8nen anderen Gründen nicht opportun erscheinen, zumal gessen, nachdem die Führer denselben nicht mehr alsWwenn es sich nM jüdische Bürger handeln sollte, die ihren Politikum werden mißbrauchen können und in diesemWbisherigen Wohnsitz nie zu verlassen gedenken, und da es gründlich umtzulernen sich genötigt sehen werden. Das^sich.nicht voraussehen läßt, welche politischen Konstekla- Dolk ist.leicht zu lenken, zuM Guten wie zum BösemWtionen die Zukunft in sich bürgt . . . Der wütende Anty- Der Antisemitismus wird überall von obenWsemitismus würde, wenn ein jüdisch-autonomes Palästina angefacht und lebendig erhalten, und wennMgeschaffen wird, schon durch diese Tatsache für sich seine von hier aus die Hetze aufhört, werden auch die in der WGefährlichkeit und Aggressivität Mit der Zeit verlieren. Masse wohnenden bösen Instinkte von selber ihre Ge-MD er Jude würde auch in der Fremde nicht mehr vom ffährlichkeit verlieren. Die 'Engländer aber würden inMGefühl Her Verlassenheit Mnd Bvjdenlosigkeit geplagt diesem .Falle dafür auf der ganzen Erdkugel treuergebeneiWwerden, und der Nichtjude würde dann im Inden nicht und dankbare Bürger bekommen, die in altbewährter ^mehr den heimatlosen, -vereinsamten Wanderer sehen» Tüchtigkeit, selbst in den entferntesten Ländern Pioniere den Man für alle Sünden ungestraft büßen lassen kann, englischer Kultur und Gesittung würden, und zugleich auch wenn die für stabil Zurückgebliebenen auf ihre bisherige nicht we)lig. zur Mehrung englischen Einflusses und An- Staatsbürgerschaft nicht verzichten. Das Bewußtsein, daß sehe'ns beitrügen. ~ \ jenseits des Meeres ein autonomer, unter englischer Ober- - Soweit mehrweniger in kurzen Zügen der Gedanken- Hoheit stehender jüdischer^ Staat eristiert, Würde selbst gang des Verfassers. Man merkt es an der Flugschrift, dem halb assimilierten Juden em stolzes lüdrsches Selbstdaß der Verfasser' dieselbe in großer -Eile, als ob er bewußtsein und dem Nichtiuden Achtung und Respekt etwas zu versäumen befürchtetes geschrieben, und deswegen emflößen müssen. sich in die von ihm aüfgeworfeye Idee zu vertiefen Und Anders liegen aber die Verhältnisse iM Osten. Die sie zu Ende zu denken, keine Zeit halte. ^uch .scheint .er Ostjuden sind kn der überwiegenden Mehrheit dem Juden? über die alkgemernen inneren Vjsrhältnlsse der ^uden m bezw. der jüdischen Kultur nicht nur nicht entden verschiedenen Ländern nicht gehörig informiert zu frechdet. sondern sie leben fast alle in dem von den Ähaea» sein,' nachdem er vorausletzt, daß alle Juden, überall ererbten Geiste und ihrer Tradition. Ihr Vlolkstum, ihre bisherige Staatsbürgerschaft zugunsten der anglo- 3U bent sich bekennen üstd dc^ ste leben, ist das jüpalästinensischen JmMatrikulatron aufgeben wurden. Selbst bische: das Ziel ihrer Sehnsucht ist — Zion. Auch wenn Juden in hervorragenden Stellungen, z. B. als sie empfinden tiefe Treue und Anhänglich- Politiker. Stäatsangestellte, Literaten u. dgl., nicht verx0it zum Boden, auf dam sie gaboren. Haß und zichten würden, meint der Vierfasser, solle ihnen das Verfolgung jedoch machen ihnen diese Heimat zur Pecht gewahrt werden, ihre minderjährigen Kmder für Hölle und das Leben in derselben zur unerträglichen Anglo-Palästina zu immatrikulieren. Qual. Irgendwelcher Bürgerrechte, gleichgültig, ob solche Der , Verfasser scheint das Wesen der auf dem Papiere gewährt wurden oder nicht, haben jüdischen Psyche nicht genügend studiert . zu sich die Juden des Ostens praktisch.nie erfreut. Im haben. Er übersieht, daß) bei. den allermeisten. Gegenteil! Der Wahlzettel ward stets für sie, indem Juden, auch Hei denjenigen, die jüdischnational wie resie von demselben frei Gebrauch Machen wollten, zur Arligiös tief empfinden und vom sehnlichsten Wunsche esner sache vieler Leiden und Quälereien. Die Behältnisse Rückkehr des jüdischen Volkes, in. das Land seiner Vater haben sich in den letzten Dezennien und speziell in der» erfüllt sind, daß im Herzen auch aller dieser eine innige . allerletzten Tagen derart zugespitzt, daß ein sehr großer Liebe und Anhänglichkeit zum Lande, in dem .sie geboren Teil derOstjuden wird freiwillig oder unfreiwillig nach und großgezogen worden sind, tief verankert ist. Nicht. Palästina auswandern nrüfssn. Sie dürsten das Hauptviele^werden es sein, speziell in den Ländern des Westens, kontingent der künftigen Bevölkerung Palästinas bilden, die» insofern sie nicht mach Palästina auszuwandern sich Schon heute, harren., sehnsüchtig gewaltige Massen rm entschließen, sich, bei aller Liebe zu Zion, bereitfinden Osten des erlösenden. Momentes, an dem sie von ihren würden, auf, ihre bisherige Staatszugehörigkeit, zugun-. Qualen befreit werden und. in. das Land, ihrer Sehnsten von Anglo-Palästina zu verzichten. Wie stark, das sucht, nach Palästina, fahren dürfen. .Mur mit .Mühe patriotische Empfinden der Juden zum Lande, in dem gelingt es den zionistischen Organisattzonen,. den Andrarrlg sie geboren sind,, in ihnen lebt, hat. dieser Weltkrieg geaufzuhalten und einer schädlichen, überstürzten Emigxazeigt, indem die Juden selbst jur Länder, wo der AMtio'n Eirchält zu gebieten. Die EmigratKon nach Palästina semitismus.in reichster Müte . steht, in beispielloser Hinwird nur etappenweise, nach Maßgabe her Verhältnisse .gebung ihr Blut und Gut freudigst hingeopfert haben. Es in Palästina, vor sich gehen können, und werden noch müsse noch Habei in Betracht gezogen, werden, daß bei Jahre., vergehen müssen, bis Palästina eine Lrößere denastexmeisten . Juden, des. Westens, von Frankreich, jüdische Bevölkerung wird aufnehmen und ernähren tön-