Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 121 (sequence 9)
- Language
- German
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«r, 9 Moch's Wsch«rschkrst S«te is? scheu Politikftin muß», wieder die internationalen Mziehüngen herWstellen, das Wische Element für Deutschland von iBedeutung sein. Denn von allen internationalen verbänden ist die zionistische Weltorganisation die einzige, die im Kriege ih^ei Einheitlichkeit aufrechtzuerhalten gewußt hat. Das j üdische Volk, wo es politische als solches auftritt, legt Wert darauf, seine neutrale Haltung zu bigi künden.-Da außerdem weite Kreise d^ jüdisch en Volkes mit der deutschen Sprache und Kultur vertraut sind, starke Beziehungen auch zwischen dem deutschen Judentum und dem! der anderen Länder bestehen, wird gerader für die Wied'eranknüpfung der internationalen Verbindungen das jüdische Element vielfach wichtig sein. Bei Prüfung der jüdischen Forderungen , ergibt sich, daß die Interessen- 'Deutschlands sich nicht mit den jüdischen in Widerspruch befinden. Die. nationale' Autonomie der.Juden, im Osten ist eine Voraussetzung für die Schaffung geordneter Verhältnisse, in diesen Ländern, die vom Standpunkt der ^inneren Ruhe und freien Entwicklung dieser'Länder.. außerordentlich wünschenswert wäre. 'Me Schaffung des jüdischen Zentrums in Palästina aver ist von Wert, weil sie den Wischen Emi^ grantenmassen aus dem' Osten eine Zufluchtsstätte bietet und schon Dadurch! die.Behandlung der so schwierigen Ludenfrage erleichtern wird. Außerdem wird auch nach wem Ausgang dieses Krieges Deutschland an der Entwicklung des' Orients weiter interessiert sein, und es ist gar keine Frage, daß ein jüdisches ^Palästina für eine rasche Neubelebung Vorderasiens außerordentlich fruchtbar werden wird. Bedenkt man, daß sehr viele Juden die deutsche Sprache beherrschen, besonders Ostjuden, jbic in erster Reihe für die Einwanderung nach Palästina in Frage kommen, deutsch verstehen und von früher i her. starke! wirtschaftliche und kulturelle Ber-- Hindüngen 'mitDeutschland haben-, so wird man ekwsehen, daß ein jüdisches'Palästina auch vom Gesichtspunkt der Herstellung wirtschaftlicher und kultureller .Beziehungen, zwischen' Deutschland und hem vorderen Orient zu begrüßen ^ist. So zeigt eine Prüfung der jüdischen Forderungen, daß ihre Verwirklichung auch vom deutschen Standpunkt wünschenswert ist. Nun wird woh'l gerade bei diesen außerdeutschen Fragen' Deutschland .auf der Friedenskonferenz nicht stark 'beteiligt fein. Immerhin wird die littt eVstU.tz.irn g di e s e v F o rderungen durch Deutschland und auch die öffentliche Meinung.Deutschlands ihre moralische.,. Wirkung aus das Judentum nicht-verfehlen, dem daran gelegen ist, daß alle Staaten und. Völker seine Forderungen anerkennen. Eine jüdische Politik, die daraus eingestellt ist, sich die ^Sympathien ' der Welt zu 'schaffen, i# auch in Zukunft mit Deutschland als einem -jvidy tigen Faktor rechnen." ^_; Aufruf! In Ung.-Hradisch sind gegen 200 meist jüdische Flüchtlingskinder aus Galizien in MilitärbaraLen untergebracht, Knaben und Mädchen im Alter von eineinhalb bis sechzehn Jahren, viele von ihnen Kriegswaisen. JmMerfort schwebt über ihnen die Gefahr, nach Galizien ohne bestimmtes Ziel äbgeschoben zu werden, ihr Heimatland verschließt sich ihnen . oder empfängt sie mit Steinwürfen. - , Da sehr viele, von ihnen krank sind, wäre es dringend notwendig, daß sie in jüdischen Krankenhäusern ettfätln ober gruppenweise, soweit Plätze vorhanden,'Aufnahme-fänden. Den Gesunden aber fehlt es, nachdem ihr Schulunterricht feit dem Umstürze ausgehört hat, an Beschäftigung. Mehrere von den Kindernsind hier bereits — bei Juden und Christen — untergebracht. die 'Mehr, zahl jedoch droht körperlich und sittlich zu verkommen. Da die diesbezügliche AöWfe in "jedem Einzelfalle schätzbar und von großem Werte ist, wendet sich der Unterzeichnete Jüdische Volksrat, der die Fürsorge für die Unglücklichen, mit Geldunterstützung der „Israelitischen . AAianz". auf sich genommen hat, an die jüdischen Gemeinden und Private mit der dringend^ Bitte, den kranken Kindern Spitalspfkege und Heilung & ver-. schaffen, den.gesunden älteren Knaben und 'Mädchen irgendwelche Posten — besonders bei Handwerkern — zu versorgen. Für Kost, Bekleidung usw. sorgt eventuell die „Allianz". > Vielleicht finden sich auch — es gibt viele gescheite und wohlerzogene unter den Kindern — Adoptiveltern. In der Hoffnung, daß dieser Appell an die Humanität und den Wohltätigkeitssinn picht erfolglos verhallen wird, erbittet diesbezügliche Anträge, bezw. Anfragen: Ddr Jüdische Volksrat Ung.-Hradffch: Rudolf Sträußler, Adolf Schindler» Schriftführer. Präsident. Freie jüdische Volkshochschule in Berlin. Am Samstag, den 1. Februar, ist die Begründung der Freien jüdischen Volkshochschule unter Beteiligung des Vorstandes der Jüdischen meinde, des ^Zentralvereines deutscher Staatsbürger füdischeu Glaubens, des (zionistischen) Ausschusses für jüdische Kulturarbeit, des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und des Verbandes der Synagogenvereine für Berlin und Vororte erfolgt. Die genannten Verbände hatten ihre Vertreter zu einer konstituierenden Sitzung abgeordnet, an der auch Zahlreiche führende Persönlichkeiten des geistigen jüdischen Berlins teilnahmen. ' . . Als Beauftragter des vorbereitenden Komitees eröffnete Rabbiner Dr. Bergmann die Verhandlungen mit einer Begrüßungsansprache, in der er die Delegiertein herzlich willkommen hieß. Er entwickelte die Geschichtet des Hochschulgedankens, der von verschiedenen Kreisen der Berliner Gemeinde ausgegangen ist, die nahezu gleichzeitig die Notwendigkeit erkannten, eine Stätte zu schaffen, von der aus die Wissenschaft des Judentums in weitere Schichten getragen werden kann. Die jüdische Volkshochschule bezweckt die Verbreitung des Wissens von Juden und Judentum, insbesondere durch die Veranstaltung populär-wissenschaftlicher Vortrags folgen. An der Spitze soll ein Kuratorium stehen, das aus Angehörigen der verschiedenen Richtungen im deutschen Judentum zusammengesetzt ist;, ein Geschüftsfüh-' reu der Ausschuß, den Vertreter der großen Organisationen bilden, leitet die Geschäfte; ein Wiss erNschaftlicher B e i r a t von namhaften Gelehrten entwirft den Lehrplan und beruft die Vortragenden. Der Lehrplan soll alle Gebiete des jüdischen Geisteslebens umfassen. Neben den Kulturgütern der Vergangenheit sollen auch die Gegenwartsfragen mit wissärschaftlichem Ernst erörtert werden. Außer »Vorträgen find seminaristische UebungeN und anderes Mehr vorgesehen. Das Wissen, das. die neue Anstalt verbreiten will, soll weite Kreise befruchten. Deshalb soll der volkstümliche Charakter des Unternehmens gewahrt bleiben; nicht gelehrte Hypothesen, sondern nur gesunde geistige Kost, die gesicherten Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung, soll den Hörern übermittelt werden. Die Frage, ob die Gegenwart mit ihren StürMen und Nöten .geeignet ist» ein volkserzieherisches Wer? zu beginnen, hat die MitaMiter oft beschäftigt. Sie j 1 I ■3 l :i 1 i i ü SLsLSLLLSNSS