Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
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i Dr. Mochs WachsnfchrM Nr. 9 würde der Gemeinde -mehrfachen Ertrag einbringen. Bei alter Wertschätzung für itn guten Willen Dreher sei' doch hervorgehoben,.daß das in den ätzten Sahiren andauernde, Mer den SoMmer und Herbst sich erstreckende halbjährige Pausieren jeder weitausgreifenden Präsidialtätigkeit sowie der -einschlägigen Kommissionen auch - mit schweren sinauziellen Einbußen für die Gemeinde verbunden waren. Die Unterlassung des rechtzeitigen Erfassens der Steuerkraste der „neuen Reiche", wählend der Hochkonjunktur ist nicht genug zu bedauern. — Zn diesen drei Voraussetzungen für die Gesundung des Gemeimwe^ens Wgxn wir als' vierte dieEröffnung der KnltusgemeLndestube ftür' unsere F. rauen hinz u W handelt sich! Ger. naht bloß darum, die .Schwach zu vermeiden, daß sonst jüdische Frauen m vielen öffentlichen Körperschaften sMn, nur nicht auf ihrem ureigenen Gebiete) in d^r jüdischen Gemeinde. Es liegt dies hier vielmehr im eminenten Interesse der Gemeinde selber. Ein Argnmentam 36 uomirem sei hier angeführt: man sage uns ob es einen idealeren Zustand gäbe, als wenn das Spital der Gemeinde, das Ätersversorgnngshaus, die weiblichen ErziehnngsürMute unter der Leitung einer tüchtigen jüdischen Vorsteherin - stünden, wie wir.-sie leicht aus den Reihen der auf so'zialemund wirtschaftlichem Gebiete sich auszeichnenden Wiener jüdischen Frauen heraus!- finden könnten? Der Einwanddaß ein Eh'rendamenkomitee etwas ähnliches leisten Tönnte, N nicht sticht HWig. Alle Ehre den .-Ehgendamen, diese aber sind, zumeist ohnmächtig^ ohne das Recht, .Entscheidungen zu treffen und Leicht zur Setve'M schieben,. wogegen die mit Men Rechten ausatzstattete Vorstelnerin manchen Unfug schonim Keime ersticken und nicht aufkomMrn kaffen würde. Wer auch die Anwesenheit einer Vor-? fteherin im Unterrichtsrat bei Entscheidungen über die Erziehung und den Religionsunterricht unserer Mädchen dch den VoÜs- und Bürger- und Mittelschulen wäre von unsagbarem Vorteile; ebenso würden wir eine Frau orthodoxer Richtung in der Kommission für Koscherfleisch gerne anwesend wissen, damit fte berichte und erzählte, mit welchen Schwierigkeiten der jüdische Haus- Hali auch' in .Friedenszeiten zu kämpfen habe; Ebenso, wäre auch zu begrüßen die Anwesenheit einer Vorsteherin im Armenamte und in der Jugendfürsorge^ Doch, so hört man Wagens ist. vom religiösen Standpunkt nichts gegen die Anerkennung des passiven Wahlrechtes an die Frauen einznwenden? Im Bewußtseinder wollen Verantwortlichkeit erklären wir hiemit, daß ohne -Sophismen und.Rabulistik nicht ein einziges Wort gegen die Ansprüche unserer Frauen anzusLHr.en MäUe. Im Gegenteile, im Buche der Richter, Kap. 4, lesen wir, daß Deborah das Vch'i' Israel richtete und baß Israel Kr ihr hinaufzog, um-' ihren Rechtsspruch einKcholen. und der .Talmud belegt sogar /Taauit, 9. a.) eine Mau mitdem bezeichnenden Ausdruck „Parnes", indem er nreiMx daß Israel drei gute Paruassiden besaß nämlich Muses, Ahtron und M irj a m. Doch wie sieht es denn ausmit dem täglichem .Gebet: „Gelobt seist du Ewiger, unser Gott,. König der.WÄt, daß..du mich Air Mau .geumcht hastk"? Diejenigen, die an diesem) Mit Rücksicht aus. die physischb Beschassercheit der Frau leicht zu erklärenden Satz Anstoß nehmen, werden' darüber in dem Buch „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen EntwMung",: von I. Ellbogen, S. 90, in genügender Weise Aufklärung finden, so daß-nicht der geringste Schatten dieserhalbep auf den Kern des Judentums' fällt. — Das- .Judentum ehrt und schätzt vielmehr die jüdische Frau. Im graues Mertume hat. der EwM dem Patriarchen Abraham Mgerufen, ,chaß -ex' auf: die Stimme, seiner Frau höch" <GenesW^21,W. Inder 'Wüteperiode JsraÄs ist ein -Sftgfeb auf doZ Bicherweib-angsstimnÄ worden (Sprüche-' Salomons A. 81M ff,); so inüge man auch in der modernen Zeit, da. das weibliche GeWeichL alle Rechts erlangt chatte^ .unserer Frau, Schwerer und ToKer den Eintritt in die Mrltusgemeindestubie beireiÄvilligst gewahren, auf daß es auch hier von W heiße: - „Sie ö ffn-et ihren Mun d rn Weisheit und die Lehre 'der MiFde ist a.uff ihrer Zunge!"' Die „Deutsche MkgemEine Zeitung" Wer die Mischen- Fovdernngenan den Friedenskongreß. Das offiziöse Organ der deutschen Regierung, die „Deutsche (fvüher Morddeutsche") Allgemeine Zeitung", nipimt in ihrer Mörgcnausgabe vom 60. Januar in einem': „Die Jud>Lnsrage aus Her Friedenskonsere n z" üherschriebenen Artikel Stellung zur Judenfrage mit folgendem Artikel: „Die .Judenfrage hat, in diesem. Kriege eine Entwicklung ' genommen, die ihr Aus die Aufmerksamkeit aller politisch interessierten Kreise Anspruch gibt. "Schon vor dem Kriege hat. eine bestimmte Gruppe 'innerhalb des Judentums) die zionistische, die Judenfrage als lein politisches Problem' erklärt und für das jüdische . Volk! politische und nationale Forderungen ausgestellt. . In diesem Kriege hat 'sich diese Auffassung der. jüdischen Frage fast in allen Ländern dürchgesetzt. Zunächst hat die überwiegende. Majorität des Judentums in den verschiedenen Ländern sich für dlW Nation a t c u n d zioni st i s ch e Auffass u n g er-' klart, und sodann haben die einzelnen Staaten hie natio-j nalerr Forderungen des jüdischen Volkes anerkannt. Die Erklärungen, in denen England) Amerika, Frankreich, Italien die jüdischen Forderungen nach einer nationalen Heimstätte in Palästina angenommen haben, sind bekannt, ebenso ' auchdie Erktärrungen der deutschen und früheren österreichischen Regierung, in denen sie, wenn Luch in einer durch die MücksiHnahme aus' den türkischen 'Bundesgenossen bedingten vorsichtigeren Fassung, diese Forderungen gleichfalls anerkannt haben. In letzter. Zeit hat diese Entwicklung noch weitere Fortschritte gemacht. England hat die.zionistische Organisation als Vertretung des jüdischen Volkes zum Eintritt in den Völkerbund eingeladen; in den letzten Wochen haben in London unh Paris Verhandlungen , zionistischer und nationaljüdischer Politiker mit den leitenden Staatsmännern der Entente stattgesunden,'die zu dem Ergebnis geführt haben, daß das indische 'Volk eine Vertretun g ans "der Friede n s k 0 n f'e r e nz haben wird. Damit 'ist das Judentum zu einem politischen Faktor geworden, dev auf Grund des Einflusses) den das. internationale Judentum in der Presse, der Finanz und dem politischen öffentlichen Leben'der verschiedenen Länder ausühtf für alle Staaten von Bedeutung ist. Die jüdischen Forderungen für die Friedenskonferenz .umfassen drei Punkte, dje einheitlich von den Juden alter'Länder vertreten werden. Es sind dies: 1., Palästina als nationale . Heimstätte für das ftf- - . dische Volk; 2. ' Nationalautonomie für die Judenheit des Ostens -- und . ' ' ' 3. die -Sicherung der Gleichberechtigung m ßtt&t- . Ländern. ’’ . ' Es ist notwendig, daß auch die deutsche Oeffent- -lichkeit sich - mit diesen Forderungen' beschäftigt, da ^naturgemäß auch "für Deutschland die Haltung des Judentums von'Bedeutung ist: Ganz abgesehen davon, daß Deutschland durch' seine Nachbarschaft ~ zum Osten, wo die jüdischen Massen leben, an der jMschen'Frage stets interessiert sein wird, wird besonders auch! für die nächste Zukunft, da blc wichtigste Ausgabe der de-nt-