Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 9 (28.2.1919)
- Date
- 1919-02-28
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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iSMhr.lSö. M. O die Zeitungen Lest — ist es ein Eroberungskrieg, etzi Kampf für die Oberherrschaft der germanischen Raste irr Europa! Ich werde nicht dieFrage «örtern, welche Folgen die Annerion haben würde. Sie wissen, ^unsere National- Lberalen versprechen sich goldene Berge davon. Was ab« auch die Herren zugunsten der Annexion sagen mögen, wie immer ihr NalionylhMhunger „das Gericht servieren" mag, der barste politische Unverstand ist es, zu glauben, aus Unrecht und Gewalttat rönne den Völkern irgendein Heil «wachsen. Die Hauptfrage, auf deren Entscheidung allein es hitt'ankoMmt, ist die: Hat Preußen oder Deutschland das Recht, Elsaß und Lothringen sich anzueignen? „Man sagt uns: Elsaß und Lothringen haben früh« zum Deutschen Reiche gehört. Durch List und Gewalt hat Frankreich sich dies« Länder bemächtigt. Jetzt, da wir die Franzosen besiegt, ist es nicht mehr als recht und billig, daß wir ihnen die Beute wipder abjagen,' das uns geraubte Eigentum zurückfordern." „Meine Herren! Lasten Sie sich nicht in Versuchung führen durch schönLingende Worte! Und böte man Ahnen die Reiche der Welt, lassen Sir sich nicht verleiten, den Götzen der Macht anzubetrn! Prüfen Sie jene schönUingende Phrase — und Sie werden finden, daß sie nichts weiter ist, als — eine Bemäntelung des alten barbarischen Kanonenrechtes. , Elsaß und Lothringen — sagt man — waren deutßches „Eigentum" und müssen wieder deutsch werden! Wie, fragen wir, hat denn Elsaß und Lothringen feine Bewohn«? Oder sind etwa die Bewohner dieser £än* der eine willenlose Sache, dis man so ohne weite.es in Besitz nehmen, mit der inait nach Belieben schalten .und walten kann? Sind sie durch den Krieg rechtlos,, sind sie Sklaven geworden: üb«' deren Geschick der'Sieger willkürlich verfügen darf? Selbst der eifrigste, emge-, fleischteste Anneriomst räumt ein, daß die Estäster und Lothringer mit Leib und Seele Franzosen sind und Franzosen bleiben wollen. Und. hätten sie sich.auch Noch so schm« gegen uns vergangen, wid« alles menschliche Recht wäre es, wollten wir sie zwangsVests zu Deutschen Machen, sie — gegen ihren Willen — Preußen oder einem anderen deutschen Staat einverleiben. Meine Herren! Es gibt ein altes deutsches Sprichwort, das — um seiner Wahrheit willen — zu einem allgemeinen Sittengesetz erhoben ist: „Was du' nicht willst, das dir geschicht. Das tu' auch einem andem nicht!" Wie würde es uns, wie unseren NatioNallib«alen gefallen, wenn einst ein siegreiche Polen — auf Grund des Kanonenrechtes — die Provimen Posen und Westpreußen Zurückfordern und annektieren wollte? Und doch lietzen sich dafür ganz dieselben Gründe geltend machen, die man jetzt für eine Annexion von Elsaß und Lothringen vorbrmgt. . Nein, meine. Herren; Unsere Pflicht ist es, solchen Bestrebungen nationaler Selbstsucht entgegenzutreten. Halten wir fest an ,den Grundsätzen des Rechtes — wie tm Privatleben, - so im öffentlichen Leben! Sprechen wir es aus — als unsere tiefinmrste Ueberzeugung —, daß jede Einverleibung fremden Landergebietes wider den Willen seiner Bewohner eine Verletzung desSelbsthMmmungsrechtes der Volk« und daher ebenso verwerflich wie verderblich ist. Unbeirrt durch den Siegestaumel des Augenblicks» lasten Sie uns den Protest «heben gegen jede Vergewaltigung der Bewohner von Elsaß und-. Lothringen. Nur w« die Freiheitand«« achtet, ist selber der Freiheit wert. Ich empfehle Ihnen die Annahme der Resolution." Die nahezu einstimnng angenommene Resokutio? lautete: „Die hi« versammelten Mitglieder der Polkspartet sprechen ihre Ueberzeugung dahin aus, daß weder die Kriegserklärung Napoleons noch die Waffentaten der deutschen Heere dem Sieger das Recht geben, üb« das politische Geschick der Bewohner von Elsaß und Lothringen zu verfügen. Auf Grund des SeLbstbestimimmgsrechtes der Volk«, im Interesse der Freiheit und des Friedens protestieren sie gegen jede gewaltsame Annexion französischen Ländergebietes." Soweit die prophetische Rede Johann Jacobys. Infolge dieser Erklärung wurden am 20. September 1870 der Vorsitzende der Versammlung Kauffnann H e r b i g und Dr. , Iaco 8 y — auf Befehl -des Generals Vogel von. Falckenstein — verhaftet, unter.militärischem Geleit inj die Feste Doyen bei Lotzen iabge-- führt und dort — wid« Gesetz und Recht -— bis zum 26. Oktober als Staatsgefangene festgehaltsn. Tine..Vernehmung hat weder vor noch nach der Verhaftung stattgefunden. Das Verlangen der Beteiligten, ihrem yroertlichen Richter vorWMrt zu werden, ward von d« königlichen Staatsanwaltschaft und in erster Instanz yon dem JustiMinister als „unzulässig" zurückgewiesen. Denn — wie die „Times" rm Jahre ä672 bemerktes — „Deutschland suchte sein Heil in LoyaliM uud Disziplin!" * Prinz Heinrich von Preußen hat in einem Manifest vom 27. Januar 1919 an das deutsche. VoV sich gewendet, in welchem er das -Miedereinsetzen d« alten geschichtlich -berechtigten Dynastien innerhalb der einzelnen Bundesstaaten verlang^ wovon er sich ein neues Heil.Ur das deutsche Polk erwartet. Äls Mittel wird empfohlen „Beseitigung semitischen Einflusses auf.bin Gebieten tes Handels, der Industrie sowie der Politik". Prinz Heinrich von Preußen Halt nie als ein besonderes Geisteskind: er ist die typische FPur b« preußischen Junkerclique, die Deutschland in all« Welt v«haßi gemacht. Selbst während des Krieges, in welchem die frühere Dynastie alle irgendwie für sie verwendbaren Intelligenzen zu erhöhter verantwortungsschwerer Tätigkeit heranzog, hat man den Bruder des damaligen Kai-. sers besonders bei d« Führung -der Flotte vollständig kaltgesteM und ihn in der UnMrM eines Großadmirals zu. beschaulich« Muße verurteilt. Ein Mitglied seiiner Familie, sein/leiblicher Neffe, hat 'öffentlich, dagegen Protest «hoben: däß Prinz. Heinrich sich als Vertreter der Hohenzostenstchen Familie! äufspielen dürfe. Er schätzte dessen geistige Fähigkeiten insofern richtig ein, als er -mit' Recht von ihm nur/eine Schädigung d« dynastischen Interessen, eine Diskreditierung seines persönlich« Ansehens in der öffentlich« Meinung voraussah. Cs ist ja auch zur Genüge bekannt, /daß das Perhalten des prinzlichen Großadmirals als dienstlicher Vorgesetzter d« Marineangehörigen mit eine der treibenden Ursachen war, durch welche gerade unter den Matrosen der ersteAnst urm der Revolution losbräch und zum Sturze der Dynastie führte. Die „Köln. Vollsztg." (Nr. 116) brachte jüngst den Geistesverwandten des Prinzen Heinrich die Sünden des - verendeten . Regimes während der ersten Krregsjahre in Erinnerung. „Was - damals unter dem- Einfluß dies« Stimmungen in Belgien und Nordfrankreich gesündigt wurde, war «ne der ersten Ursachen die den Weltkrieg zu Deutschlands Schgd'err so unheilvoll vergiftet haben. Das/ Blut /der unschuWg hiygem'ordeten 49 belgischen undW . zu d« -f rau z-^si schon Priest«, die Auspeitschung des