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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-28 · 9 (28.2.1919) · p. Seite 115

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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Nr,-9 Dr. Vlach'S Wüchenjchrift e*fl» l»i Hasses gegen die katholische Bevölkerung. dieser . Gebiete in dM: Jahren 1914 und 1915 .steht' auf dem Konto der alldeutschen Hetzer, deren Presse Tag für. Tag erlogene G r euelge schichten verbreitete. Wie teuer uns. die damaligen Vorfälle im Arteile der gesamten Welt.zu stehen kamen, wissen wir alle zur Genüge." Das deutsche Volk wurde belogen und betrogen. . »Von der Hinmetzelung der Armenier, der Schändung und Werschacherung serbischer- Mädchen, der Geiselverschleppüng aus ^Belgien und Nordfrankreich, von der Vertragszettelung mit * dem Iren Casement und dem Versuch, desien gefangene Landsleute mit Diensteid von Priestern entbinden -zu lassen, die ihre Weigerung büßen mußten, von Requisition und Korruption nie erschauten Umfanges durften De»1. che nichts e.fahren. Auch nicht^daß der Präsident der Vereinigten Staaten bis in den Tag der Tauchboot-Kriegsverkündigung auf -Befehl des Kanzlers belogen worden war, und daß der deutsche ^Botschafter vor-so gefährlichem Trugspiel oft gewarnt hatte. Die jetzige Behandlung - Deutschlands auf deM sogen. Friedenskongreß zu Paris hat in diesen Vorgängen ihre Ursache. Wer also hat das Unglück des deutschen Volkes verschuldet? -' - . Waren die Mahnungen des jüdischen Demokraten von Königsberg gewürdigt worden, hätten die Hohenzollern nach lden Siegen über Frankreich auf die .Annexionen von Elsaß-Lothringen verzichtet, wie wäre dann der Gang der geichichtlichen Entwicklung gewesen? Die Macht^ Deutschlands wäre nicht um das geringste gemindert, es stünde an der Spitze der großen Weltstaaten mit einem Ungeheuren Moralischen Gewicht. Es hätten sich unmöglich Koalitionen der Welt gegen Deutschland züi'ammengeschlosfen- und die schaurige Welttragödie von -191*47^1919 wäreder Welt erspart gebtleben und Deutsch-. Md bliebe unangefochten der führende Staätin Europa. .7 Allein,i Johann I a co b y wurde für seine Warnung in den Kerker gesteckt,. Deutschland war oor „se-. mitischen Einflüssen" bewahrt. Man darf sagen: die „Abwehr semitischer Einflüsse" hat das ungeheure Weftunglück du Gegenwart ver, chuldet. " Jüdische Politiker koniften in die Nähe Wilhelms II. nicht gelangen. Der einzige Jude, der wegen seiner Fachkenntnis aus marimem Gebiete von dem Kaiser ins Vertrauen gezogen wurde, war der verstorbene Direktor der. H. A. „P. A. G. Malkin, dieser weitschauende Wann, der alles vorhergesehen und porhergesagt, und dem des Reiches Unglück jäh das Herz gebrochen hat. Don diesem Manne weiß alle Welt, daß er zweimal s ei n e w a r n e n d e S t i m m e erhoben hat: in den kritischen Tagen des Juli 1914 und in der kritischen Zeit, die der Ankündigung des uneingeschränkten U-Bootkrieg es voranging. Die warnende Stimme des wefterfahrenen Fachmannes blieb ungehört, als Jude war er verdächtigt und es ist aber alles gekommen, wie er prophezeit hat. „Deutschland", so ruft Dr.. Walter Rathenau.aus, „befindet sich in einer trostlosen Lage, Ueberakl herrscht Hungersnot und Erschöpfung, eine allgemeine, Arbeitsunlust, unerträgliche Verschuldung und eine Finanzlage, deren Gesundung nahezu unmöglich erscheint. „Gott sei's. geklagt, dies alles hätte vermieden werden können, wenn man uns angehört hätte. Allein, wir -waren in dem Deutschland des Sommers 1914,höchstens ein Dutzend_ Leute, die dem Kriege ^widerrieten, und was vermögen in einer.Nation 'von 60. Millionen eins Handvoll Menschen, deren. Meinung erdrückt wird?. Wir .standen entschlossen gegen die .Politik 'der ^Regierung, Mußten aber , schließlich, als die Würfel, gefallen waren, als Patrioten , unsere Pflicht tun und den Staat in seinem Existenzkampf gegen eine ganze Wett unterstützen. Mer Jahre lang haben wir unter diesem 'Kummer, gelitten und leiden heute noch mehr darunter als die anderen. Mein Freund BMin überlebte den Schmerz 'nicht... . Vom ersten Augenblick an war ich auch ein Gegner des Unterseebootkrieges. Während. Ballin zum Kaiser eilte, um ihn zu warnen, lenkte ich die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Gefahr, durch den uneingeschränkten Tauchboötkri.eg uns die Feindschaft der Vereinigter! Maaten zuzuziehen. Ich habe die wissenschaftlichen Bedenken vorgebracht, die einen sicheren Mißerfolg dieses Versuches unausbleiblich erscheinen ließen; ich habe bt£ Frage auch vom humanitären Standpunkt aus gebührend beleuchtet und die Idee des ^Unterseebootkrieges verworfen. Ich habe unseren Marineminister ausgesucht, chm ihm zu beweisen, daß seine Rechnungen falsch waren. Ich habe diesen Versuch vor weniger als einem- Jahre wiederholt, als man in Marinelreifen den Enderfolg für Juli 1918 erwartete. Ich hetonte,. daß - --die Reserven Englands einen weiteren.Widerstand an den Fronten mit Sicherheit zulassen und daß die Schisfsbautätügkeit der Amerikaner die ganze Tonnage, die.von unseren Unterseebooten, versenkt wurde, weitaus überstieg. Alles war. umsonst. \ „Ich habe die Deportation von Zivilisten freimütig verurteilt, aber was nützt die Stimme .eines einzelnen gegen ein ganzes Voll, das heilig überzeugt ist. im guten Recht zu sein und um sein Leben zu kämpfen . . . Heute müssen deutsche Kriegsgefangene in Frankreich Sklavendienste leisten. Worin liegt die Schuld? In der „Abwehr semitischer Einflüsse". Vom Jahrmarkt des Lebens. Atossen zur Tagesgeschichte. „Dies!räe" der Antisemiten. Au den Wassern Babels sitzen sie und weinen. DieKmäl sind es aber nicht die Juden, sondern ihre bösartigsten Feinde, die so gern gegen uns Pläne gechmie-' det, aber durch die Wähler an her Ausführung verhindert wurden. Man muß wirtlich darüber staunen, daß die Wahl so ausgefallen ist. Denn der Judenpunkt aß. Agitationsmittel hat seine Wirkung bisher niemals versagt. Das sagt die ganze Geschichte der chstistlichsozialen Partei. Wenn es keine Juden in unserem Staate geben würde, wären diese Leute ganz unmöglich und würden in ihr Nichts zerfallen. Eigentlich müßten die Christlichsozialen uns Juden danken, daß sie uns haben. Worüb-st würden sie sonst in ihr:er Presse und ihren Versammp lungen sprechen?'Ziehen wir einmal das bewährte Hepphepp vom christlichsozialen Pogramm ab und betrachten wir, was dann Wrig bleibt: Nichts als abgestandene und überlebte Phrasen, welche jeden Menschen geradezu anwidern. Es ist die Kunst der Chrisilchsozialen, jedem alles Zu versprechen,. Dem Städter versprechen sie Brot und dem Landwirt sagen sie, daß niemand van ihm etwas zu fordern hat. Dem Fabrikanten versprechen sie ein höheres Einkommen und in einem ßtteiM ten.Airbeite.rn höhere Löhne. Den Gewerbetreibenden sagen sie Ähqrtz vor höhqrön Steuern zu und...dem Beamle^elne'Er-> Höhung seines Einkommens. So geht das Wrussel ihrer Lügen lustig im Kreise herum, und jeder kann mitsahren. Allerdings kommt niemand ans Zieh .Denn Hie £%:«=* Partei kann ja gast nicht einh alten, was.sie jedermann verspricht. Aber was liegt . Hr daran? Denn die ... Hauptsache , bleibt- , doch die bewährte: Kraft des Antisemitismus. Er hat die ', größten

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