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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-28 · 9 (28.2.1919) · p. Seite 113

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
9 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
Seite 113 (sequence 1)
Language
German
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Bloch’s 3ttgtgg«(i xxum Zentraloroan kür die gesamten Interessen des Judentums 8 eBCBan«»»»aaaB«»H»HMaaB,BaBBa Q a . a b L >. PeWachiffvumS 3 ° «sseiur-VsrKehr: 810.376 ° 8 ifc «M»» ■ i —*. . i _«w»—A n M awsflBiW 809 «BBiflUBflm ♦ q 1 mit» ■ | Pr»lsrsir«tze S Z | Vefispften i 45.359. | Q ooonnoBaaassBoaeBoaBDBB&aoBaoo Q — ——oao — Wie»^287'FeblllärWU Erschein! jeden Frettaz Brief-Adresse: Wien, U/1, Pralerstraße 9 Lelegnmrm.Adresse: Bloch's Wochenschrift Wie». QaacaaaaoGaanaanoDanannoDnQaÄunQ a b 8 Bezugspreis: | 3 Halbjährig 10 Kronen | Z Ganzjährig 20 Kronen £ 3 Einzelexemplare 50 Heller | | »»reizen: Dis 2mal gehaltene . f g Petitzeilr 60 Heller. D g □ □□anQaaaaaaaaaaaaoDaBaaBaaaaaoO' Inhalt: Leitartikel: Ein Prophet aus dem Jahre 1870. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. - »Dies irae< der Antisemiten. — Wer ist schuld am Bolschewismus? — Wie Ludendvrff den Bolschewismus unterstützte. — Die. Bolschewisten und die Juden. — Vorsorge der deutschen Regierung für jüdische rituelle Verpflegung am jüdischen Osterfeste. — MsMS für Wien bewilligt. — Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien. — Müller-Gnttenbrunn schafft Lebensmittel herbei. Korrespondenzen: Die jüdische Frau in der Kulrusgemeindestube. — Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" über - / die jüdischen Forderungen an den Friedenskongreß. — Aufruf. — Freie jüdische Volkshochschule in Berlin. — Der jüdische Studententag. — Aufruf! — Dr. Max Rosenfeld s. A. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Geschichten meiner Großmutter. — Briefkasten. — Inserate. M« Prophet ans dem Jahre 1870. Johann Jacoby Mer einen Versiändigungsfrieden. Unter diesem! Titel pubWerte Otto. .Schall rm „Neuen Wiener Journal" vom 11. d. M. eine, hochinteressante '.Rede Johann Jacobys, wegen ^welcher er eine Festungshaft hat ertragen müssen, und die heute wie die flammenden' Worte eines hehren 'Propheten gemahnen. Der dem Gedächtnisse der ' jüngeren Generationen leider ganz entrückte Volkstribun Johann Jacoby ist am 1. Mai 1805 als der Sohn eines geachteten .jüdischen ^Geschäftsmannes in Königsberg geboren und daselbst am 6. Marz 1677 verstorben. Als Mensch und -Privatmann von fleckenloser Reinheit des Charakters und auch von den Gegnern hochgeachtet, trat er bereits 1833 in der .Flugschrift „Kleber das Verhältnis des königlichen preußischen Oberregierungsrates Streckfuß zur Emanzipation der Juden" (Hamburg 1833) für feine Glaubensgenossen ein und bekämpfte besonders die Behauptung .des Genannten, daß der Jude sich Wohlbefinden werde, wenn er noch dreißig bis vierzig Jahre im bisherigen Rechtszustande bleibe: er richtet sich dabei mit Entschöedenheist gegen die Auffassung, als flehten die Juden um Begünstigung, während sie ihre Gleichstellung als ein Recht, forderten. Johann Jacoby war aber ein.treuer deutscher Patriot und sein politisches Wirken hat ihn zum! Patriarchen der deutschen Demokratie erhoben. Er war der erste, der das SelbstbestiMmungsrecht der .Völker gegenüber Eewaltmächten der Eroberer verkündet hat. „Als Graf Czernin von den Verhandlungen in BreNLitowsk das zur Weltherrschaft gekommene Schlagwort vom SelbstbestiMmungsrecht der Völker pntbrachte, glaubte man, eine politische Offenbarung zu hören. In Wirklichkeit ist dieses Programm weder .von Wflson, noch'von den russischen Stäa^lenkern aufgestellt, worden, sondern * von . dem KöniKWerger , Juden. Joh. I acdby, von-dem auch, der denkwürdige Ausdruck stammt. den er am 2. November 1848 als Mitglied der von Friedrich Wilhelm IV. empfangenen Deputation der Berliner Nationalversammlung gebrauchte: „Das ist das Unglück der Königs, daß sie die Wahrheit, nicht hören wollen." Jacoby war bekanntlich andauernden Verfolgungen in den Zeiten der Reaktion und auch durch Bismarck ausgesetzt. Daß jedoch er mit feinen Ansichten im Rechte war und nicht der eiserne Kanzler, geht aus einer in der Versammlung der Königsberger Polkspartei am 14. September 1870 gehaltenen Rede des damaligen Reichstagsabgsordneten hervor, die heute wie eine Prophezeiuung anmutet. Diese bedeutungsvolle Rede, welche die Ereignisse von 1914 und 1918 .voraussagte» hat folgenden Wortlaut: „Meine Herren! Im Jahre 1866 — am 25. August — sprach Graf Bismarck in der Annerionskommifsion des preußischen Abgeordnetenhauses die denkwürdigen Worte: „Greifen.wir rasch zu, meine Herren! Was von der Minute ausgeschlagen, gibt keine Ewigkeit zurück. Machen Sie es der ^Regierung nicht zu schwer mit dem Annerionsgesetz: seien wir lieber heißhungrig nach nationaler Einheit und Macht, ohne lange ru streiten, wie das Gericht serviert werde!" — Vien Jahre sind seitdem verflossen, und in dieser kurzen Sparme Zeit haben unsere Ratiönalliberalen so große Fortschritte gemacht, daß die Schüler fast.den Meister über-- treffen. Weit entfernt, der Regierung Schwierigkeiten zü bereiten, sind sie selbst eS, die zu immer.neuen Annerionen drangen: so heißhungrig sind sie nach nationaler Einheit und Macht, daß die Regierung ihnen gar nicht genug annektieren kann. Kaum ist von Berlin die Parole ausgegangen» und schon sehen wir, wie aller Orten — in der Presse, in Versammlungen, in Adressen — ein tausendstimmiger . Chor sich erhebt, Äe Annexion von Elsaß und Lothringen zu verlangen." Vor wenig Tagen' noch war es em Verteidigungskrieg, den wir führten, ein heiliger Kampf für das liebe Vaterland; und heute — wenn .man

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