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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-02-21 · 8 (21.2.1919) · p. Seite 111

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
8 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
Seite 111 (sequence 15)
Language
German
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: N6 McheuMst .&mw etwa noch vorhandene Rest des- „Gesäuerten" mit einer Gansfeder .aus einen Kochlöffel gestrichen, verbunden und am nächsten -Morgen dem „Chometzscynmler" übergeben, der es außerhalb der "Stadt verbrannte. Nur am genannten Abend, sonst niemals, mährend des wahres, gingen -der Rabbiner und die Bochurim, die bei ihm Talmud studierten, ins Gasthaus und Franken dort ihr Bier. .' ' ' Am nächsten Morgen, am Erew Pessach, kamen alle erstgeborenen -Söhne .oder statt ihrer die Väter Zum Rabbiner, um dort zu frühstücken. Der.Roro „lernte", in ihrer Gegenwart.einen bestimmten Traktat des Talmud und hielt dann eine kurze Ansprache an die Ver? sammelten über die Leiden unserer Vorfahren.in Aegypten und Mer Makos Lechoros, eine von den zehn Magen Pharaos, den Tod der Erstgeborenen. . In den ersten Nachmittagsstunden wurde bereits der Seder „ungerichtet". Die Balbatim überzeugten sich noch, vor dem „Schulgeben" von der Richtigkeit der Anordnung auf der Sederschüssek, nahmen den bereits hervorgeholten Machsor und gingen zum Maariwgebet. Nach dem Gottesdienste versammelte sich die Familie hei der Tür des Zimmers, wo. der Seder gehalten wurde und warteten auf das Erscheinen des.-Hausvaters. Nach einiger Zeit erschien der Balbos — in weißem Sterbegewand und weißer Kappe; an der finken Seite einen Säbeh in der Rechten einen derben Wanderstab, mit bestaubten Schuhen. „Woher kommst du, Orach (Fremder)?" frug das älteste Kind. „Aus Erez Goschen (aus dem Lande Goschen)", lautete die Antwort. ' „And was willst du da?" „Erzählen will ich euch, wie unsere Owos awoseinu hähen"das kachE^anjo (Brot des Elends), und wie sie hat Mosche rabenu (unser Lehrer Moses) herausgefuhrt aus Erez Mizrajim (dem Lande Aegypten)." . Diese Kostümierung ist zurückzuführen aus eine Stelle der Hagada, wo. es heißt, die Zuden waren ausg^ogen . aus Aegypten mit umgürtetem Schwert, den Wanderstab in der Hand. Nach dieser "Zeremonie ging man gn den Seder, der meistens bis nahe an Mitternacht.währte. Forts, folgt. stes nicht fremd bleiben. Im Gegenteil, sie fand in Redakteur Dr. Josef PaLai, dem bekannten Dichter, und Nachdichter hebräischer Poesie, ihren kongenialen Dolmetschen und Interpreten. Bor Jahresfrist machte er den Anfang mit einer Novelle „Iermele", die er unter der pietätvollen Flagge „Aus. den Chassidimmärchen meiner Mutter" hinausschickte, und die bald im Deutschen wie im .Polnischen, im Hebräischen wie im.Jargon vollen Anklang fand. Es folgten bald größere und kleinere Erzählungen in seiner Zeitschrift, die nun — der Zahl nach 19 — in obigem Bande gesammelt vorliegen. „Seelen und Geheimnisse", flackern als Untertitel in der Seelenfreundschen Buchzierde, die ein kunstvoll packendes, an Dante erinnerndes, schweigengebietendes Antlitz von Pouthier umrahmt. Geheimnisvoll, ins Erhabene gehoben, wohl auch mystisch-schwülstig klingt oft die Sprache des Buches, besonders wenn von den Ahnungen — Sehnungen der Seele, von der himmlischen Göttlichkeit, von der Schechina die Rede ist: „Die heijlige KZraut", die all ihren Schmuck anlegt und der Bräutigam geschmückt und bekränzt ihr entgegengeht. In diesem Augenblick öffnet sich, oben die Halle der Liebe, die voll ist der Gnade und der tiefsten Geheimnisse. In diesem Augenblicke umarmt sich in der Unendlichkeit der Vater und die Mutter, die Sphäre der Herrlichkeit kreist gegen die Sphäre der Königin, die Erde schmachtet nach dem Himmel, die Sonne sucht den Mond, der Stoff sehnt sich nach der Form und die Seele, diese verbannte Gazelle strebt durstig zu ihrer alten Quelle. Neue Wetten entstehen in den Geheimnissen der Küsse und glücklich diejenigen, die im Heil dieser Küsse fijdj berauschen." (S. 12.) Es ist die mit Bildern Merladene, oft sicherlich wörtlich übersetzte Sprache des Sohars. das verzückte Sprechen- und Denken jener Schwärmer, die, selbst weitab von jedem.irdischen Trieb und Treiben, ihr Sinnen allein auf das Geistige des Schöpfers gerichtet haben, mit dessen heiligem Ich sie sich in den Momenten der.Ekstase eins fühlen, oder dessen überirdische Sphären sie doch im Traume — in der „Trance", wurden die modernen Spiritisten sagen — durchfliegen, durchschauen können. Diese Art von „Hellseherei", dem nüchternen Philister zwar a priori als Schwindel verschrien, hat es zu jeder Zeit gegeben, wenn sie im Lauf der Jahrhunderteauch oft Form und Namen änderte. Literatur. Kahala. Don Dr. Josef Patai, Budapest 191S. Ausgabe des >Mult 6s Jövö« 8°, 172. Die Kabala, die „überlieferte",- eigentlich aber die Geheimlehre, die Wissenschaft der jüdischen Mystiker und imit ihr die gantze Welt der Chassrdim, auf die wir vor-Jahrzehnten, teils mit rationalistischer Ueberlegenheit mitleidig hinabteils , mit kindlichem- Unverständnis andachtsvoll hinaufschauten, ist heute —wer könnte es leugnen? — Mode geworden. Bub er hieß ihr Doxnröschen-Pcim, dessen Jünger ihre Adepten, und unter, den jüdischen Zeitschriften, auch Tagesblättern, ist kaum' eines, das ihr jiiäft gelegentlich feine Pforten geöffnet. Ich erinnere bloß an die „Sagen von Baal Schem", die — wohl in ganz, einfacher Aufmachung' — monatelang die Leser der „Wochenschrift" zerstreuten. In Ungarn waren es die herrlichen Hefte der.Monatsrevue „Mutt es Iövö", die uns von Anfang an und programmäßig Leben und Denken des osteuropäischen. Ghettos ostjüdische Künstler und Gestatten in Wort und Bild näher brachten. Ihr durfte also , auch diese, vorzüglich im Osten blühende Blume des jüdischen Gei¬ Patai macht gern die historisch bekannten Kabchlisten des Orients zu Trägern seiner si von 6 vero, bene troväto Erzählungen. Luria und Vital aus Safed erscheinen mit ihren Jüngern vor den Toren Jerusalems und nur der Kleinmut des einen vereitelt es, daß der „Sabbat der Sabbate" dort einziehe; um den sterbenden Baal Schem kommt in der Offenbarungsnacht Bar Iochai und feine Genossen, ihn abzuholen. Der Belzer Heilige baut in 1001 Nächten den Grund zum Erdentenrpel für die verbannte Schechina, dessen tragisches Erstllngsopfer seine in die Mitarbeit eilige weihte, aber zum Schluß seelisch-körperlich entkräftete Lebensgefährtin Rachel wird; desselben Mission, Messias her Wett zu werden, wurde in dem Nu zunichte, da „sich jin den Duft der aus dem Munde der scharfsinnigen Talmudistin strömenden Tora der betäubende Balsamatem des Mädchens mischte". — Wir lesen wunderbare Geschichten von den dii minorum gentium, dem Blazower, Rimanower, den'edlen Konkurrenten, den S.asover und Dinaver, von dem Zborazer Bebreke. „dessen einzige Sünde, daß er . lügt, wenn er. im Gebete reumütig sich klopfet: ich habe gesündigt". Trotz ihrer Seelenverwandtfchaft jeder „Heilige" einzeln, scharfumrissen.- der Phantasie sich, einprägend...

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