Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
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Sett»1Sö M. «WM MMnschM m. 8 "MKkitt. MS Howengräb«, GerichtsoMiant, geb. 5. März 1890 in'ütznpolung, ist am 1V. Februar llSS -um Judentum GurüS-- getreten. _ Damewund. Aus Vegetarierkreisen wird uns geschrieben: Unter Mitwirkung des bedeutenden Münchener Arztes Hofrat Dr. A. Theilhaber wurde soeben in München ein nach dem großen Scher Daniel benannter jüdischer Kegetarierbund gegründet, der sich die Verbreitung des vegetarischen Hochgedankens unter.der gesamten Iudenheit, die Vertiefung und.Vollendung des Zionis-- mus durch die vegetarische Heilslehre und die Errichtung vegetarischer Siedlungen in Palästina zur Aufgabe setzt. Den Aufruf des „Danielbundes" (Chewräs Daniel) nebst Flugblätter senden auf Verlangen: Herr N. C hawkin in München, Bergmannstraße 7, der Hauptgründer des Bundes, und Herr Schriftsteller Leopold S chwarz in Brünn, Augustinergaffe 17, . der schon 1905 in seiner grundlegenden Schrift „Neu-Essäertum und Zionismus" für denfÄben Weg des Heiles eintrat. Die Entente Kr Ne Wiener Iudenheit. Wie mitgetM wird, hat die 'Jüdische . Preßzentrale Zürich die Entente ersucht, der Wiener Iudenheit 350 Tonnen WeizmrnHl zur Herstellung von Mazzot zu bewilligen. Wie aus Paris Lynchtet wird, teilte der französische-Außenminister Pi Hon dem' Großrabbiner Levy mit, daß das Gesuch vom permanenten Komitee für die Lebensmittelversorgung Europas bewilligt wurde. Das Mehl kann in der Schweiz gekauft werden, und die Berner französische Gesandtschaft ist beauftragt, die schweizerischen Behörden von diesem Be- MM LU. verständigen.?, .-1 „ , S^penhasen. Herr Heinrich K u n ft a dt, Oberkantor aus Nikolsburg, wurde nach einem Probevortrag mit glanzendem Erfolge als-. Oderkantor der isr. Kultusgemeinde in Kopenhagen atzeptiert. Herr Heinrich Kunstadt ist nicht bloß ein hervorragender Sänger, sondern auch ein tüchtiger Hebraist-Talmudgelehrter, treuer orthodorer Jude, SchAer der Preßburger Jeschiwah, gebürtig aus Prchburg und stammt aus einer, bekannten GÄehrtenfamilie. Dir Geschichte« mriurr Bo» Purim dir Pessach.; •' ..." ' V. ' / Kaum sind Purim und Schuschan-Purnn vorüber, tritt an den Großteil der Kile des Lebens Emst heran. Wo nehme ich das Geld für das Mazzosmehl her? hieß es da allgemein. Damals konnte man nicht, wie es heutzutage der. Fall ist, bei irgendeiner Dampfmühle für die ganze Kile Mehl, geschweige denn fertige Mazzos bestellen. Das letztere wäreübrigens aüsgeschlossen ge-- wesen, da die Osterflecken nur iy der Kile selbst unter strengster Aufsicht erzeugt werden mußten. Indes hatten sich schon zu Großmutters Zeiten kleine Konsortien ge- Irilbet, die frühzeitig ihren Weizen kauften, diss Frucht unter Kontrolle der einzelnen Mitglieder oder btzahlter Leute mahlen ließen und das fertige Mehl unter sich verteilten. Auch die Kile eHand ein verhältnismäßiges Quantum der Mehlfrucht, teils für die Gemeindeftlnktronäre, teils zum Verkauf an Familien. Etwas ließ die zumindest nicht sehr begüterte Gmßemde auch für solche Arme zurück, von denen man wußte, daß sie nicht imstande war em das nötige Geld aufzubriwgen. Für die ganze Kile -jedoch wurde ein gemeinsamer Mazzosbäcker bestellt? In der ersten Woche nach Purim wurde das Mehl abgewogen Und über Samstag in den Tempel gesperrt? Da sah man PolsLerüberzüge in allen Farben, die das Mehl enthielten. Säcke - wurden nicht gebraucht. Nun ging es ans Backen. Der Ofen wurde an drei Tagen geheizt und „gekaschert", ehe er zum Mazzosbacken geeignet befunden wurde. Zuerst kam der Rabbi daran. -Womöglich alle jüngeren Frauen und Mädchen, ebenso größere Kinder wurden dabei verwendet. Die Frauen „machten den Teig an", die Mädchen „wötgerten" und „stuppelten" ihn. Das heißt, wenn der Teig die runde, dünne Form erhalten, wurde er mit kleinen eisernen Spitzen, die die Gestalt von kopflosen Nägeln hatten, durchstochen, ..damit sich? die Mazza gleichmäßiger und schneller backe. In spateren Jahren ging man schon liberaler vor, indem man eine Art „Radel" dazu benutzte, wie sie in .SchneÄerwerkstätten zu finden ist. Die so in rohem Zustande fertiggestellte Mazzo wurde dm Knaben sorgfältig aufdas „Wölgerhoh" gelegt. Die Knaben schrien „Mazzo.!", und jeder machte ihnen Platz, damit das kostbare Gut nicht zu Boden fasle. So trugen sie es zum Ofen und legten es mit größter Vorsicht dem „Mazzosbäcker" auf die runde, breite Ofmschaufek. Kein solches Gebäcksfüst durfte eine Falte aufweisen, sonst war es „possel", unbrauchbar. Die sogenannten. „Reibmagzos" wurden nicht hergestellt, da sie dort ass Chometz galten. ' / Ein Gefühl der Erleichteplngmerkte manjht her ganzen Kile, wenn jeder seine teuren Okvrflecke in eigenem Gewahrsam hatte? Dem Rabbiner und dem .Vorsteher ,nrurde von. den Gabbyim^TM^ Hr ^ag. Bericht erstattet, wer beim " Backen an dm Reihe war. Die oberste Aufsicht über die ganze Mchzoserzeugung-führte der Dajan oder irgendein , anderer Gelehrter. Das alles ging in hergebrachter Ordnung vor sich und Alt und jung sah freudig bewegt , dem Osterfeste entgegen. „Wenn so. e Jom. tow gekommen iS," sagte Großmutter, ,>da hat sich alles mesameach gewesen" — seiner Herzensfreude über die kommenden Feiertage Ausdruck gegeben. Äuf den Pesiach freute man sich in der Klle noch Mehr, als auf die 'großen Herbstfeiertage, wenn er auch mehr Arbeit brachte. Das große Reinemachen ging an: faschern, ausbrennen, das "Werken des Glasgeschirres usw. Man tat es gern, denn „Pesiach ist der schönste Jom tow". ' Der Schabbos ha godok, der große Sabbat, , vor dm Ostertagen, gast als willkommener Vorbote des Pessachfestes. Da gab es immer eine feine Drösche in der „Schul", die Männer waren aus der. Fremde fast vollzählig bei. ihren Familien eingetroffm, es war 'em allgemeines Scholom alechein. Die Berichte Wer Erlebnisse wurden ausgetauscht und die Kinder erzählten einander, was ihnen die Väter.„auf Pessach mitgebracht". Uebrigens hatten die Kinder, aber auch die Großen, am "-Schabbos ha' Godok noch einen freudigen Moment. Nach dem Musiafgebete, wenn die Mütter aus der „Schul" kamen, gingen sie in hm Keller oder in hie Speist und brachten von dort einen sorgfältig verborgen gewesenen, gut verschlossenen Topf, dessen Inhalt nach dem" Mittagessen an die Familienmitglieder verteilt wurde. Es war die vom Purim zur Feier des großm Sabbats aufbewaMe Bäckerei.- Der „Pottaschkuchen", Fladen,.„Kindlech" und kleineres Backwerk. . Besonders sahen die Hausftauen, daß noch „Pfefferkranzel" auf den Tisch kamen, weil? sie in ihnen den Urtypus des Chometz sahen, der nun für _ neun Tage entbehrt werden müsse. Am Ab eM> des „Chometz ballen" wurde der