Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WMÄ MochenMist *** 8 der vielbewunderten christlichen Kulturihre Verwertung gefunden haben. Kampf gegen Ine Abfallsjuden ohne Bedenken, daß wir dabei einen Verwandten abstoßen, einen Bekannten vefftimmen würden, einen sonst wertvollen Verkehr werden aufgeben muffen, daß wir durch unser Auftreten eine Kundschaft, einen Klienten, einen Patienten verlieren könnten, Kampf gegen unsere größten Beleidiger, Zusammenschluß all derer, denen rhr Judentum aus welchem Grunde immer etwas bedeutet, rücksichtsloser Kampf gegen die Taufjuden muß Unsere Losung sein! Bund Mischer Frauen. Es ist eine der uns tiefbefchLmenden Tatsachen, daß die jüdische Frau in allen Bewegungen zu finden ist, nur gerade dort nicht, wo ihr /eigentlichster .Platz wäre! Wir sehen die jüdische'. Frau in den bürgerlichen, sozialistischen, kommunistischen Parteien oftmals eine führende Rolle spielen, sehen sie an der Spitze von intern konfessionellen Wohlfahrtsvereinen, welche sie, „obwohl sie Jüdin ist"? wohlwollend dulden, weil sie ihre bekannte jüdische Intelligenz, ihr sensitive Mitgefühl und ihre starke Impulsivität in den Dienst der Institution st«llt, deren Segen gewöhnlich' allen Armen mit Ausnahme der jüdischen zugute kommt! Und düs jüdische Volk muß seinen Kampf um die ^Regeneration ohne seine Frauen führen. Aber auch abgesehen von den politischen Probl«^ men, mit welchen sich heut« auch der indifferentest^ Jude beschäftigen muß, weil sie sich ihm einfach/ aufdrangen, gibt es noch soviel« Aufgaben zu lösen, soviel« soziale Arbeit zu leisten, zu welcher gerade die Frau berufen wäre. Da ist also eine Vereinigung aller jüdischen Frauen auf politifchmeutralem Boden eine zwingende Notwendigkeit gewesen und die Schaffung des- „Bundes jüdisch« Frauen" ist auf das wärmste tzu begruben. Emen warmen Anwalt fand diese so gute Sache in Rabbiner Dr. Grunwald, welcher am 5. Februar im Festsaale des Hotel „Continental" einen Dortrag, betitelt: „Die jüdische Frau und ihr Volk",, hielt. Ein Beweis für die große Aktualität, welche das Thema für die jüdische Bevölkerung hatte, war der starke Besuch der. Versammlung. Schon eine Stunde vor Beginn begann sich der Saal zu füllen. Hunderte Besucher, welche nicht rechtzeitig gekommen waren, i mußten abgewiesen werden. Die Ausführungen des beliebten und verchrten Rabbiners machten sichtlich starken Eindruck auf die Zuhörer. Dr. Grunwald plante selbst, vor Ausbruch des Krieges Zeinen jüdischen .Frauenbund ins LÄen zu rufen und steM nun gern seine Erfahrungen in Ken Dienst des bereits gegründeten. Auch Dr. Grunwald sprach von der Pflicht der jüdischen Frauen, eine Organisation zu schaffen, ohne Unterschied der Richtung, welche sich Selbstschutz, Selbsthilfe und gegenseitige Aufklärung zur Aufgabe macht. Man muß den Frauen endlich sagen, was um sie herum vorgeht. Sie haben nicht nur Vas Recht, sondern auch die Pflicht, Einsicht zu nahmen tn btfe Polftik und die politischen DerhAtnifle, sie müssen endlich Einsicht bekommen in die Gesetze, deren Wirkungen auf sie bft noch schwerer fallen, als auf die Herren der Schöpfung, welche sie bisher allein fabrtzierten. Rabbiner Doktor Grunwald erbrachte durch packende Beispiele aus -der alten jüdischest Geschichte, die ihn als hervorragenden Forscher kennzeichneten, den Beweis dafür', wie tief der nationale Gedachte in unseren Armüttern schlumutertc; Erst inf Laufe der Jahrhunderte ging dieses geWge Gut uns - verloren. Es. wiederzufinden, bleibt — fö Hoffen wir der n«ien Generation Vorbehalten. Rach Dr. Grunwald ergriff. Frau .Gemeinderat Anitta Müller das Wort. Mit schlichten, tief zu Herzen gehenden Sätzen schilderte sie ihre Heimkehr zum . jüdischen Volke. Auch Frau Müller liegt es ferne, die Bedeutung der großen Menschheitsprobleme zu unterschätzen, — doch solange es Pogrome gibt,'solange wir uns der Republik nicht fteuen können, weil es für uns Juden gleich ist, ob uns ein, imperialrstijscher oder ein ^demokratischer" Antisemitismus zu Boden drückt,, haben wir-einfach keine Zeit, uns mit diesen zu beschäftijgen. Unsere gange Kraft wird absorbiert, wenn wir unseren leidenden Brüdern helfen wollen. Es ist Zeit, endlich unser Schamgefühl zu wecken und darauf zu verzichten, bei den AndersgNubigen mit allen Mitteln „Anerkennung" .zu erschmeicheln. Wenn sich der.erste christliche Plutokrat hereitfinden wird, eine Million zur Besserung der brennenden Judenfrage zur Verfügung zu stellen, können wir beginnen, auf die strenge Scheidung zu verzichten. „Der Wille, der Frau, ihrem Volke zu dienen» ist der Inhalt der Frauenbewegung", wurde einmal in bezug auf die deutsche Frauenbewegung gesagt. Dieses Wort möge sich die jüdische Frau Merken! Nicht mehr zersplittert, nicht mehr sich anbiedernd an ein anderes Molk, soll sie an der großen allgemeinen Frauenbewegung teilnehmen. Mit den anders nationalen Frauen als gleichberechtigter Faktor wird sie von nun an für die großen Menschheitsprobleme kämpfen und hoffentlich nicht mehr Baratt vergessen, daß es auch große jüdische Probleme zu losen gibt! WiMen-Margaretm« Tempelverein. Die Generalversammlung. des Tempelvereines- W den 4. und 5. Bezirk fand am 9. Februar uytest demr, Vorsitze bei PMiMntett Wstn'Adolf' H of in ast n ^Ünter . reger Beteiligung der Mitgliederund in Anwesenhyk einer großen Zahl von Gästenstatt.> ' Im Zeichen ' Wahlkampfes uM die zur Besetzung ^gelangendes. Vorstandsmandate hatte eine starke Agitation eingesetzt. W bedurfte der ruhigen, sachlichen Leitung, der VersaMmlunä durch!^n bewährten Präsidenten, Herrn Wolf H ofmann, uM 'die oft erregten GeMÜter zu beschwichtigen und die parlamentarischen.ForMen der Debatte zu Wern. Nach Begrüßung der erschienenen Delegierten. Gäste und. Mitglieder durch den Vorsitzenden wird vom Schriftführer Dr. Ernst Friedjung t«r Jahresbericht ver-r lesen.- Dieser erwähnt vor allem' mit großem Bedauern das Hinscheiden des hochverdienten EhrenmitMedes Franz' F rankt, der Mitglieder Leon. Ai Hst aha mer, Sieg-; mund Lipschitz, Adolf Ho chstiim Md Adolf .L ö w i,.. auch den HÄdentod des Sohnes des Mitglieds Herrn Josef F ab r i; er erinnert an das DoPPelfubiläum des^ - Gemernderabbiners Sr. Ehrwürden .Prof. H. Reich/ gibt das Anwachsen/der Maskirstiftungen um 11.600 K. und die gemeinsam mit! den anderen Temipelveremep erfolgte 'Erhöhung der Tempelsitzpreise und Trauungstaxen bekannt? er verspricht die Einfühirung einer Tempel-, ordnung und Aenderung der veralteten Statuten,: weist auf die rege Anteilnahme des Vereines, sMkll seines Obmannes bei der gemeinsamen Wohlsahrts'aktion W und gedenkt - endlich des Zusammenschlusses der TemMvereine M einer Organisation. - , ' < An die Schlußworte Vt$ Jahresberichtes ankrrnpfend, in denen jeder politische Hader vom Boden der TemM-. vereine verwiesen wird, Wt der als Vertreter der Kultusgemeinde erschienene Vorstand Dir,. Jakob Engel feinest Ansicht Ausdruck,, daß /äußere Feinde uns geeinigt M K ä m p t e r sticken sollen, Mß aber innerbalb der # .Meindestube kein Platz Mr politischen Streit 4ein möge.' Kr erhofft M in Men .strittjiLn Mraeu ein KomvrovW