Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 8 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- Seite 99 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 115 ** « m, wi*m Juden getänden, viele von -ihnen sind für diesen Ge? ' danken im Kerker 'gesessen und in den exsten Tagen der Revolution ist der große jüdische Sozialdemokrat Viktor Adler geshorben. Nun schmücken seine Nachfolger den Eingang zur Republik mit einem antisemitischen Bild, die angeblichen Bringer der Gerechtigkeit und Freiheit schmeicheln in der schmählichsten Weise dm niedrigsten Instinkten des Möbels! , * » * Dm Wienern stehen nun auch noch zu allem ihren Elmd fleischlose Wochen bevor. Man braucht die antisemitische Kresse gär nicht autzuschlagen, um.zu wissen, Latz die Juden die Schuld daran habm. Die Regierung hat sich aber zu ihrer Verteidigung gezwungen gesehen, die Urheber dieses schrecklichen Hungerkrieges offiziell zu bezeichnen. Sie sagt , ganz offm, daß sich die Bauern weigern, ihrm Verpflichtungen zur Lieferung nachgukommm und Latz sie nur an den Schleichhandel zu sündhaften Kreisen verka-ufen. In einer Zeit also, in der sich die ganze Welt der hungernden Wiener erbarmt, . wuchern die christlichsozialen Bauern, diese Säulm der Wiener Rathauspartei, die armen Städter unbarmherzig aus. Man könnte diese Vampire 'einigermabm begreifen, wenn sie plötzlich eine Gelegenheit zur Bereicherung gekommen /sähen und sich helfen wollten. Aber es ist ja bekannt, däh die Bauern ohnehin schon Ln Geld ersticken und dab sie die Kreise aller Bedarfsartikel in der Stadt m die Höhe Lreibm, weil st lächelnd jeden geforderten Preis bezahlen. Während unsere Steuerpolitik in der Stadt drinnen jedes wirtschaftliche Lebm beinahe erdrosselt, wagt sie sich kaum aufs Land hinaus, wo heute Her Lurus probt und die christliche Nüchstmliebeund christlichsoziale Ordnungspartei dem Staate sowohl wie seinm. Bürgern alle Mittel zum Leben unbarmherzig, verweigern. Welcher Geist unter den christlichsozialm Kriegsgewinnern Mf dem Lande lebt, geht übrigens aus dem Artikel eines Wiener Blattes über den Staatssekretär für Landwirtschaft hervor. Wenn diese Nachrichten wahr sind, und nach Wahrscheinlichkeit sehen sie aus. dann darf dieser Staatssettetär Stöckler eine Schule für jüdische Kreistreiber eröffm, die er all «zeit in den Schatten stellt. 'Es ist ihm gelungen, mit seinm 90 Joch Grund, ein riesiges Vermögen zu ergattern, und im Schleichhandel mit Most, Hotz und Schlachtpferdm sogar seine , bäuerischen Nachbarn auszubeutm und hinters Licht .zu führen. Dieser Kavalier ist/der Mrnn, der für die Ernährung der Bevölkerung durch die.eigene Landwirtschaft in erster Linie in Betracht kommt, und dessen herrliches Beispiel seinm Standesgenossen aneifernd vorschwebt. Nach diesem Muster kann man die übrigm bmrteilen. Die Christlichsozialm häbm eine Broschüre vertM, in welcher sie dm Juden die schrecklichsten Eigenschaften nachsagen und offen zu ihrer Verfolgung auffordern. Was . würde erst, in dieser Proschüre stehen, wenn die unbarmherzigsten Wucherer, die christlichsozialen Bauern, Juden Een?. •- ■ > * Eine in Zürich erscheinmde Zeitschrift „Das Buch" veröffentlicht in ihrer letzten Nummer einen Brief des sattsam bekannten Admirals Tirpitz, in welchem es unter anderem cheibt: „Lieber Frmnd! Ich stimme dir in allem bei, was du schreibst, auch hinsichtlich der Juden. Und ich bin überzeugt, daß sie bei einem unglücklichm Ausgang unseres Krieges — von dem man heute noch nicht sprechen darf — den Prügeljüngen abgeben werden. Es wird dann nur darauf ankommm, die öffentliche Meinung geschickt zu leiten." Es wird Mn. vom . Sohn des Absenders in Abrede gestellt, daß dieser Brief pon Tirpitz Herrühre. Aber ähnlich - sieht er wohl dem antisemitischen Führer der reaktionären Daterlands-ärsei, und sein Inhalt hat sich sedmf-alks ^als richtige Krophezeiung bewahrheitet. Die Schukdtragenden am Kriege haben ihre Prelle geschickt geleitet — siehe die antisemitischen Blätter in Wim — und die Juden sind die Prügelknaben für dm perlormm Krieg geworden. Sie werdm von dm Reaktionären beschuldigt, dab sie die Revolution gemacht haben und von den Revolutionären, dah sie Monarchisten sind. Sie habm durch die Freimaurer dm 'Krieg heraufbeschworen und durch ihr Friedensgewinsel seine -Wetterführung unmöglich gemacht. Kor demcKriege warm sie die Verschleuderer von Waren, jetzt seien.sie die Kreistreiber. Sie sind auf der einm Sefte die ärgstm Ausbeuter und auf der anderen die ärgstm Bolschewiki. (fe gibt mit einem Worte keine Sünde, die sie mW von beiden Seiten begangen häbm, und sie können tun, was sie wollen, so wird es ihnen nicht Zanders gehen, als dem Müller und seinem Sohn mit dem Esel, welche es nach der bekannten sinnreichen Karäbet auch .keinem Mmschen rechtmachen kormtm. ' Jeder Verbrecher im Kriege hat es verstanden, die Judm als Prügelknabm hinzüstellen. Die christlichsozialen Kriegshetzer beschuldigen sie der Anstiftung des Krieges, die reichgewordenen deutschen Fabrikanten als Preistreiber, die wucherischm Agrarier als Schleichhändler, die Mmschmschlächter als.Verräter. Don den Tschechen werdm sie als Deutsche boykottiert, von den Deutschen als Palm verfolgt, von dm Polen als Ukrainer massakriert. Dieses schöne Bild des jüdischen Lebens könnte noch durch viele \3ugt ergänzt werden. Es ist das Bild der europäischen Kultur im zwanzigsten Jahrhundert, in der Zeit des Völkerbundes, der groben Reden über Versöhnlichkeit. Das Bild ist aber auch eine Illustration zu dem bekannten Sprichwort: Haltet den Dieb! 2s gröber ein Verbrecher ist, desto mehr ist er Antissmit und verhindert das Voll! durch die Judmhetze, seine mahrm Feinde zu erkennen. * * * Das letzte christlichsoziale Flugblatt über die Wahlen war wohl das Niedrigste und Niederträchtigste, das in dieser Beziehung geleistet werd»n kann. Elende Schrmdverse, wie sie nur im Kreise der ..Reichspost" überhaupt mtstehm könnm. stellten die Juden so ziemlich als dm Auswurf des Menschengeschlechtes dar. Wir brauchen wohl nicht erst zu sagen, was diese christlichsozialen Verleumder erfinden. Während angeblich das christliche Volk alle Leidm und Schmerzen dieses Krieges allem und geduldig ertrug, drückte sich der Jude lachend und selig im Hinterlande herum und speicherte zu Wucherzwecken die Nahrungsmittel auf. Zum Schluffe machte er Revolution, um auch diese auszubeuten. Alle diese schönen Sachen sind von Fritz Schönpflug illustriert, und dieser Mann, dem auch Geld das schönste auf der Welt ist, könnte der ..Reichspost" wohl die beste Antwort geben. Denn er hat als Offizier einen Teil des Krieges mitgemacht — wir wissen nicht, wijeviel —, und. hat jedenfalL unseres Wissens das Kunststück fertig gebracht, unverwundet zu bleiben, während Tausmde von Judm fiekm und zu Krüppeln gemacht wurden. Dieser Schönpflug kann nun durch seine ausgebreiteten Beziehungen und Bekanntschaften der „Reichspost" einiges, erzählen. Er kann sie darüber inforrHsrm, was die arischen aktivm Offiziere getanhaben. Was die Hintermänner der „Reichspost" dte stysthen adeligen Herrm im Roten Kreuz und in den Stäben getrieben habm, und wie sie ihr kostbares Leben fchüntm. Was die anderen Hintermänner der „Reichspost", die Agrarier, in schamlosen Wucher geleistet haben und noch leisten. Was die Wirten Greisler, der Naschumrkt,